Testbericht

Lenovo Yoga 2 Pro im Test: Pixel-Feuerwerk auf einem Falt-Ultrabook

Lenovos Yoga wird immer besser: Das neue Yoga 2 Pro bietet ein beeindruckendes Display mit 3.200 x 1.800 Bildpunkten, das um fast 360 Grad drehbar ist. Trotzdem ist das Touch-Ultrabook dünn und leicht. Schwächen gibt es aber auch. (Test mit Video)

Lenovo Yoga2 Pro Ultrabook© Lenovo

Laptop, Tent, Stand und Tablet: Diese vier Asanas turnt das neue Lenovo Yoga 2 Pro problemlos durch - und überflügelt dabei die Yoga-Notebooks aus der Vorgänger-Generation gleich in mehrerlei Hinsicht. Es ist nicht nur dünner und leichter geworden und hat eine beleuchtete Tastatur erhalten, sondern auch ein Hardware-Update samt ultrascharfem Display verpasst bekommen. Trotzdem gibt es noch Schwächen, wie unser Test zeigt.

Stabiler Stand - auch im Zelt-Modus

Die hohe Flexibilität erreicht Lenovo bei seiner Yoga-Serie durch ein drehbares Display, das sich um nahezu 360 Grad herumklappen lässt. So hat der Nutzer verschiedene Möglichkeiten, das Ultrabook zu positionieren. Umgekehrt auf die Kanten gestellt, ergibt sich der Zeltmodus zum Betrachten von Videos oder Diashows. Alternativ wandert dazu einfach das Display nach hinten, während das Yoga 2 Pro auf seiner Tastatur steht. Wer eine Tablet-Bedienung wünscht, der klappt den 13-Zoller andersherum zusammen. Mit einem Gewicht von knapp 1,4 Kilogramm fühlt es sich dann aber recht schwer an, obwohl es unter Subnotebook-Gesichtspunkten ein Leichtgewicht ist. Je nach Modus zeigt der Laptop eine bestimmte Anwendung im Vollbild an. Welche das ist, kann man nachträglich ändern.

Jetzt auch mit beleuchteter Tastatur

Da sich Tastatur und Touchpad ab einem Winkel von etwa 190 Grad automatisch abstellen, sind versehentliche Eingaben ausgeschlossen. Neu: Die Tastatur ist beleuchtet. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, auch im Dunkeln komfortabel schreiben zu können, der möchte eine solche Funktion nicht mehr missen. Über die FN- und die Leertaste kann die Beleuchtung schnell ein- oder abgeschaltet werden; da die Kombination orangefarben hervorgehoben ist, muss der Nutzer nicht erst nach der richtigen Taste suchen. Tippen kann man auf dem Yoga schön leise, aber der eine oder andere muss sich erst daran gewöhnen, dass die Tasten doch etwas bestimmter gedrückt werden wollen und die Return-Taste ziemlich schmal ist. Das Touchpad an sich ist klasse, aber leider hat sich unser Testgerät standhaft geweigert, den Rechtsklick durch Antippen mit zwei Fingern freizuschalten.

Lenovo Yoga 2 ProDünn und flexibel: das Lenovo Yoga 2 Pro.© onlinekosten.de

Wahlweise in Silver Grey oder poppigem Clementine Orange ist der Intel-Rechner zu haben. Mit einer hochwertigen Verarbeitung kann das Yoga bereits seit der ersten Generation punkten - siehe unser Lenovo IdeaPad Yoga 13 Test - und daran hat sich nichts geändert. Besonders wichtig ist die Stabilität des Displays, schließlich soll es nicht hin und her wippeln und als Ständer dienen. Diesen Job haben die Konstrukteure gut gemacht. Auch die Materialauswahl ist gelungen, denn auf der griffigen, matten Oberfläche sieht man keine Fingerabdrucke. Um das Yoga 2 im Tablet-Modus angenehm bedienen zu können, hat Lenovo an der Seite entsprechende Tasten untergebracht. Diese heben sich aber nur wenig ab: Die Lautstärkewippe und das Knöpfchen zum Sperren der Bildschirmrotation stechen noch stark genug hervor, die Power-Taste ist mit dem Finger aber kaum zu erspüren.

Anschlüsse: Für ein Tablet viele, für ein Notebook nur Basics

Umso deutlicher sind die USB-Anschlüsse zu erkennen, da die Ingenieure dort das orangefarbene Gehäuse durchscheinen lassen. Bei der schlanken Bauweise - 330 x 220 x 15,5 Millimeter - wundert es nicht, dass nicht mehr als die nötigen Schnittstellen verbaut wurden - aber immerhin auch nicht weniger. USB 3.0 für einen schnellen Datentransfer von oder auf eine externe Festplatte ist nur einmal vorhanden, hinzu kommt ein einzelner USB-2.0-Port für eine Maus oder anderes Zubehör. Ein Zweitbildschirm lässt sich nur via Adapter anschließen, da sich Lenovo beim HDMI-Ausgang für die verkleinerte Micro-Variante entschieden hat. Abgeschlossen wird die Port-Auswahl mit der obligatorischen Mikrofon-/Kopfhörer-Kombibuchse sowie einem Kartenleser, der SD-Karten und das Format MMC akzeptiert. Zugang zum Internet oder einem Netzwerk bekommt das Yoga 2 Pro per Dualband-WLAN und unterstützt hier die Funkstandards 802.11 a/b/g/n, nur der schnellere ac-Standard fehlt. Für einen LAN-Anschluss ist nicht genügend Platz, hier müsste ein Adapter aushelfen. Mitgeliefert wird ein solcher nicht, lediglich ein leichtes und kompaktes Netzteil liegt bei.

Auf der Unterseite sind zusätzlich zu den Lüftungsschlitzen die Lautsprecher zu erkennen. Sie sind am Rand untergebracht, um den verschiedenen Modi gerecht zu werden. Dieser Plan geht größtenteils auf, selbst zum Tablet-PC zusammengeklappt hören sie sich nicht verdeckt an. Insgesamt ist der Sound sowohl laut genug als auch qualitativ zufriedenstellend.

Abgesehen von der Flexibilität ist das Highlight des Yoga 2 Pro der Bildschirm: Dank QHD+-Auflösung versammeln sich 3.200 x 1.800 Pixel auf dem diagonal 13,3 Zoll messendem Display, das daher ausgesprochen scharf ist. Großformatige Fotos und Full-HD-Videos sehen hervorragend darauf aus und auch kleine Schrift wirkt wie gedruckt, pixeliges Ausfransen gehört der Vergangenheit an. Doch wie auch bei anderen Windows-Notebooks mit besonders hochauflösendem Display stößt man immer mal wieder auf Beschriftungen und Schaltflächen, die derart klein sind, dass sie kaum lesbar und erst recht nicht mit dem Finger zu treffen sind. Das ist zum Beispiel beim Windows Media Player, VLC und anderen Programmen der Fall.

Scharfes Display mit Gelb-Schwäche

Dass es sich um einen einwandfrei reagierenden 10-Punkt-Touchscreen handelt, der somit auch zweihändige Eingaben zum Beispiel für zwei Spieler erkennt, gerät angesichts der Pixelfülle fast zur Nebensache. Hell genug ist der Bildschirm und spiegelt mit seiner glatten Oberfläche in Festernähe nicht mehr und nicht weniger als ein gutes Tablet, ist bei Sonnenschein im Freien aber trotzdem nur eingeschränkt nutzbar. Dank IPS-Panel sind die Blickwinkel auf den Bildschirm hervorragend. Farben, Kontrast und Helligkeit knicken beim Drehen des Displays kaum ein.

Lenovo Yoga 2 Pro DisplayDas Display ist hell und scharf, spiegelt allerdings.© onlinekosten.de

Apropos Farben: Im offiziellen Lenovo-Forum berichten Nutzer von einer schlechten Gelb-Darstellung. Dieses Problem will der Hersteller durch ein BIOS- und Energie-Management-Update behoben haben. Auf unserem Testexemplar lief zwar bereits die neue BIOS-Version, aber gelbe Bereiche wirkten je nach Ton dennoch eher ockerfarben. Schuld ist zum Teil die automatische Anpassung der Helligkeit (adaptive Helligkeit in den Energie-Einstellungen). Stellt man sie ab, wird der Bildschirm heller und das Gelb schaut besser aus. Das ist auch deshalb eine gute Idee, da der ständige Wechsel von Hell zu Dunkel und zurück ganz schön nervig sein kann. Wer sich einen Film ansieht, kann das mitunter alle paar Sekunden beobachten.

Ab 1.299 Euro erhältlich

Ausgestattet ist das Lenovo Yoga 2 Pro mit einem Intel-Core-i5-4200U Prozessor aus der vierten Core-i-Generation. Dass neue E-Mails auch im Standby-Betrieb abgerufen werden, stellt die in die Haswell-Reihe integrierte Technik Intel Smart Connect sicher. Zwar verfügt die 22-Nanometer-CPU nur über zwei Kerne, sie kann aber vier Threads verarbeiten und sich per TurboBoost von 1,6 auf 2,6 Gigahertz hochtakten. Integriert ist Intels HD 4400 Grafikchip. Zusammen genehmigt sich das Gespann lediglich 15 Watt, zumindest weist Intel die Thermal Design Power (TDP) entsprechend aus. Unser Messgerät zeigte je nach Szenario zwischen 10 und mehr als 30 Watt als Gesamtverbrauch an. Dazu kombiniert hat der weltgrößte PC-Hersteller satte 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 256 GB SSD-Speicher. Für diese Konfiguration werden 1.299 Euro fällig. Mit Core i7 und 512 GB kostet das Convertible etwa 300 Euro mehr.

Lenovo Yoga 2 Pro Akku-StatusHier zu sehen: Die Akku-Statusleuchte.© onlinekosten.de

Für alle Alltagsaufgaben gerüstet

Ein Spiele-Biest ist das Yoga 2 Pro sicher nicht, für Titel mittleren Anspruchs für zwischendurch reicht die Leistung aber aus. Wir konnten die Demoversion von Lego Marvel Super Heroes in HD-Qualität flüssig spielen. Full-HD ist gerade noch drin, bei schnellen Bewegungen haben wir aber ein streifiges Bild verzeichnet. Die native Auflösung überfordert den Grafikchip erwartungsgemäß. Dann sind zwar alle Details knackscharf zu erkennen, die Handlung zuckelt aber nur noch mit 14 Frames pro Sekunde über den Bildschirm. Hochauflösende Videos abzuspielen, das ist mit dem Intel Chip überhaupt kein Problem. Selbst wenn zwei davon parallel laufen, stehen noch genügend Ressourcen zur Verfügung, um weitere Anwendungen zu starten und zu nutzen. Zum guten und schnellen Gesamteindruck trägt auch die SSD ihren Teil bei; Windows 8.1 ist auf unserem Testgerät beispielsweise innerhalb von etwa 8 bis 9 Sekunden gestartet. Ebenfalls erfreulich: Das Touch-Notebook arbeitet angenehm leise, selbst ein Benchmark oder Spiel lässt den Lüfter nur moderate Geräusche verbreiten.

8 Stunden Filme ansehen

Den Akku soll die sparsame Hardware laut Lenovo erst nach etwa 6,0 bis maximal 9,0 Stunden leergesaugt haben. Den ersten Wert gibt der Hersteller für Full-HD-Videos an, der zweite bezieht sich auf den Idle-Modus und dürfte dementsprechend etwa nur beim Arbeiten mit Dokumenten zu erreichen sein. Unser Praxistest hat gezeigt, dass dem Windows-Modus "Ausbalanciert" nur bedingt zu trauen ist: Überlässt man dem System die Einstellungen, dann spielt das Yoga 2 nur knapp 4,5 Stunden lang offline hochauflösende Filme ab. Im Energiesparmodus, dessen Leistung dafür locker ausreicht, sind es fast 8,0 Stunden. Wer pausenlos per WLAN im Internet surft und "ausbalanciert" einstellt, der kann mit knapp 5,5 Stunden Laufzeit rechnen. Eine kleine Akkuleuchte an der Seite zeigt übrigens durch Farbe und Pulsieren an, wie es um den Akku gerade bestellt ist.

Wer seinen Blick über die Kachel-Oberfläche von Windows 8.1 schweifen lässt, der wird auf verschiedene durch Lenovo vorab installierte Anwendungen stoßen. Yoga Picks erkennt den gerade eingestellten Modus und schlägt passend dazu eine Auswahl an Windows-8-Apps vor wie Skype, den Kindle-Reader von Amazon oder Treffer aus dem Windows Store.

Apps: Gestensteuerung, Handy-Verlinkung, Spracheingabe

Interessant ist der Yoga Phone Companion, über den sich das Yoga 2 Pro mit einem Android-Smartphone verbindet. Weitere Mobil-Betriebssysteme werden derzeit nicht unterstützt. Die Android-App lässt sich per QR-Code herunterladen, nach einer kurzen Einrichtung sind auf dem Handy eingegangene SMS und Anrufe auf dem Notebook einsehbar. Umgekehrt lassen sich sogar Nachrichten von dort aus verschicken oder Anrufe tätigen. Der Yoga Camera Man wirft die HD-Webcam an, um einen Schnappschuss zu machen, und erlaubt anschließend das Teilen per Facebook oder Twitter. Für eine Webcam ist die Qualität okay, dennoch sind die Bilder arg pixelig. Bearbeiten kann sie der Yoga-Besitzer über Yoga Photo Touch direkt mit dem Finger auf dem Touchscreen. Die recht umfangreiche Bildbearbeitung bietet sogar voreingestellte Hauteffekte zum Aufhübschen von Portraits sowie diverse Filter und eine HDR-Funktion. Mit Motion Control können die Windows-Programme über Gesten gesteuert werden, zum Beispiel lassen sich Fotos vergrößern, Videos pausieren oder Präsentationen starten. Je nach Funktion hat das in unserem Test mehr oder weniger gut und schnell geklappt. Alternativ ist das über den Dragon Assistant auch per Spracheingabe möglich.

Fazit: Mehr Notebook als Tablet

Mit dem Yoga 2 Pro ist Lenovo ein hervorragendes Convertible-Ultrabook gelungen. Die Verarbeitung, das helle und scharfe Display und auch die Leistung lassen kaum Wünsche offen. Für Nutzer, die ein leichtes und variables Touchscreen-Notebook für unterwegs und zuhause suchen und keinen Wert auf eine abnehmbare Tastatur legen, ist das Gerät gut geeignet. Diejenigen, die aber ein leichtes Tablet mit im Paket haben möchten, suchen sich lieber ein Detachable. In beiden Fällen sollte man sich darüber im Klaren sein, dass hier und da Kompromissbereitschaft gefragt ist: Die Schnittstellenfülle eines 17-Zoll-Notebooks bieten die modernen Leichtgewichte nicht. Trotzdem hätte Lenovo einen regulären HDMI-Port sowie ein schnelleres WLAN-Modul verbauen können.

Weitere Testberichte und eine Kaufberatung zum Thema Notebook liefert unser Hintergrundbereich. Ultrabooks im Überblick gibt es in unserem Ultrabook Vergleich, zusätzlich Infos und Kauftipps im Ultrabook Ratgeber.

Unser Testfazit zum Lenovo Yoga 2 Pro
Pro Contra
  • Mehrere Nutzungsmöglichkeiten
  • gute Leistung und schnelle SSD
  • sehr scharfes Touch-Display
  • überzeugende Verarbeitung
  • leiser Betrieb
  • Aus Tablet-Sicht zu schwer
  • wenig Anschlüsse
  • noch kein WLAN 802.11ac
Gesamtnote der Redaktion Preis-Leistungsverhältnis
gut

(Saskia Brintrup)

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