Testbericht

Lenovo IdeaTab Lynx im Test: Federleichtes Windows-8-Tablet

Das Lenovo IdeaTab Lynx K3011 hat seine Stärken, doch das Konzept an sich zeigt auch unübersehbare Schwächen: Das Tablet ist außerordentlich leicht und außerdem günstig, doch es fehlt das gewisse Extra.

Das Lenovo IdeaTab Lynx K3011 hat seine Stärken, doch das Konzept an sich zeigt auch unübersehbare Schwächen: Das Tablet ist außerordentlich leicht und außerdem günstig, doch es fehlt das gewisse Extra.

Lenovo IdeaTab Lynx© Lenovo

Windows 8 ist in unzähligen Darreichungsformen erhältlich, auch bei Lenovo. Der chinesische Hersteller, der jüngsten Gartner-Zahlen zufolge weltweit Kurs auf die Marktführerschaft nimmt und trotz eines schrumpfenden PC-Marktes zulegen konnte, hat beispielsweise mit dem IdeaPad Yoga 13 (Test) Mut zum Anderssein bewiesen, mit dem Lenovo IdeaPad Lynx (K3011) aber auch ein klassisches Windows-8-Tablet mit andockbarer Tastatur im Programm - eines der größten und gleichzeitig günstigsten auf dem Markt. Wir haben uns angesehen, was das Lynx kann und nicht kann.

Sehr leicht, aber nicht sehr stabil

Wer den mit einem 11,6 Zoll großen Display bestückten und etwa 301 x 188 x 9,5 Millimeter großen Tablet-PC erstmalig in den Händen hält, dem wird unmittelbar seine geringe Masse bewusst werden. Mit lediglich 640 Gramm ist das IdeaTab K3011 ein wahres Leichtgewicht: Ein Blick in unseren Tablet PC Vergleich mit aktuellen Flachrechnern verdeutlicht diese Tatsache. So ist das Tablet leichter als das wesentlich kleinere iPad 4 mit 9,7-Zoll-Touchscreen und stemmt sich auch gegen gleichgroße Wettbewerber wie den Samsung Ativ Smart PC oder gegen das HP Envy x2 (Test) als leichteres Gerät empor. Beide treten außerdem aufgrund ihres ähnlichen Innenlebens als direkte Rivalen auf, doch Lenovo hält sich optisch zurück.

Bilder zum Lenovo Lynx gibt es auf der Facebook-Seite von onlinekosten.de und als Diashow über onlinekosten.de auf Google+.

Tasten verschwinden haptisch in einer Rille

Soll heißen, mit der Schönheit des HP Envy x2 und dessen durch ein Aluminium-Gehäuse erreichte Robustheit kann das Lynx keineswegs mithalten. Schlecht sieht die matte, dunkelgraue und gemusterte Rückseite allerdings nicht aus und der Verzicht auf niedliche Rundungen kann durchaus überzeugen. Doch hier und da hätte mehr Liebe zum Detail nicht geschadet: In den kleinen Spalten rund um das Display sowie den Home-Button und auch an den Seiten des Tablets sammelt sich schnell der Schmutz, zudem variieren die Spaltmaße leicht. Bedingt durch die Bauform sind die seitlichen Tasten wie der Power- und Sperrschalter oder die Lautstärkeregler ohne hinzusehen nur schwer aufzufinden und zu bedienen, da sie sich nur leicht abheben. In puncto Schnittstellen liefert Lenovo hingegen alles, was von einem derart dünnen und leichten Tablet zu erwarten ist: Micro-USB, Micro-HDMI, einen Kartenleser für microSD-Speicherkarten und eine Kophörerbuchse. Für kabellose Peripherie steht Bluetooth 4.0 bereit, während sich ein Internetzugang via WLAN mit Unterstützung der Funkstandards 802.11 b/g/n herstellen lässt. Eine 3G-Variante für mobiles Internet bietet das Unternehmen nicht an, ebenso wenig ist ein GPS-Modul zu verbuchen. Die Windows Karten-App ermittelt den Standort daher per WLAN.

Multimedia enttäuscht: Nur eine Kamera und flacher Sound

Ernüchterung stellt sich dann ein, wenn das Lynx ohne Kopfhörer zum Abspielen von Musik oder Videos genutzt wird. Die Lautsprecher klingen flachbrüstig und bei hoher Lautstärke nicht mehr angenehm. Immerhin sind sie günstig positioniert, so dass der Klang auch tatsächlich beim Nutzer und nicht beim Gegenüber ankommt. Auch im Kamerabereich muss eine Basis-Ausrüstung genügen. Eine echte Fotokamera gibt es nicht, lediglich eine Webcam (2 Megapixel) für Videotelefonate und Selbstportraits ist verbaut. Natürlich ist ein 11,6-Zoll-Tablet aufgrund seiner Ausmaße unterwegs kein perfekter Digitalkamera-Ersatz, nichtsdestotrotz hat die Konkurrenz - HP Envy x2 und Samsung Ativ Smart PC - mit jeweils einer 8-Megapixel-Kamera zuzüglich zur Webcam mehr zu bieten.

Das mit  1.366 x 768 Bildpunkten auflösende Display des IdeaTab K3011 Lynx gefällt mit ausgewogenen, natürlichen Farben und außerdem großen Blickwinkeln - schließlich ist auch ein IPS-Panel verbaut. Dass dieses mit starken 400 Candela pro Quadratmeter leuchtet, so wie es das Datenblatt verspricht, sieht man in der Praxis aber nicht. Zwar ist der Bildschirm durchaus hell genug, bietet aber weniger Spielraum zum Nachregulieren. Wir empfanden das Display auf höchster Helligkeitsstufe noch nicht als zu hell, für eine Nutzung im Freien wäre daher ein noch größerer Puffer schön gewesen. Denn gerade draußen zeigt sich, wie stark die spiegelnde Oberfläche des Touchscreens und auch seine Anfälligkeit für Fingerabdrücke die Sicht einschränken können: Einmal angefasst, schon war das Display unseres Testgerätes stark verschmiert. Eine fettabweisende Oberfläche besitzt es offenbar nicht. Die Auflösung ist scharf genug, aber nicht gestochen scharf. Die Mitbewerber liefern hier jedoch auch nicht mehr. Wer sich Full-HD-Vergnügen wünscht, der muss sich bei Convertibles der Ultrabook-Klasse mit Intel Core-i-Prozessor oder dem Microsoft Surface Pro umsehen.

Als Tablet stark genug, als Notebook zu langsam

Im Innern sitzen ein Intel Atom Z2760 Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,8 Gigahertz, 2 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und eine Festplatte mit einer Speicherkapazität von 64 GB beisammen. Von dieser bleiben im Auslieferungszustand knapp 50 GB frei.

Die Performance ist schlichtweg durchwachsen. Zwar erwartet nicht jeder von seiner Tablet-Hardware, dass sie für ordentlich Dampf sorgt, doch auch ohne einen Anspruch an leistungshungrige Apps und Spiele zu haben, bereitet ein flüssiger Betrieb Freude. Damit kann das Lenovo IdeaTab Lynx beziehungsweise der Intel Atom leider nicht immer dienen. Aus einem tagelangen Standby-Schlaf geweckt, benötigte der Tablet-PC im Test mehrere Minuten, bis erteilte Befehle wieder unmittelbar ausgeführt wurden. Auch zwischendurch kommt es immer wieder zu Wartepausen oder kleinen Rucklern; zum Beispiel waren Webseiten optisch bereits abschließend geladen, der Touchscreen reagierte aber noch nicht auf Eingaben und beim Zeichnen mit dem Finger erschienen die Pinselstriche erst eine Gedenksekunde später. Zum Surfen und für alltägliche Arbeiten reicht die gebotene Leistung aber aus: Mehrere Tabs zu öffnen oder HD- und Full-HD-Videos abzuspielen, ist möglich, Letzteres lastet CPU und RAM etwa zur Hälfte aus.

Lange Standby-Zeit

Positiv fällt die kurze Startzeit von Windows 8 aus, das in weniger als 13 Sekunden einsatzbereit ist. Ebenso erfreulich ist der flüsterleise (da lüfterlose) Betrieb des Tablets. Da der Atom-Prozessor sehr sparsam arbeitet, sind bezogen auf die Displaygröße ausreichende - wenn auch nicht überragende - Laufzeiten möglich. Im Internet surfen kann der Nutzer mindestens 5 Stunden und Videos können mehr als 6,5 Stunden lang für Unterhaltung sorgen. Die vom Hersteller angeführten 8 Stunden maximal lassen sich also durchaus erreichen, wenn sich das Tablet zwischendurch eine Arbeits- und WLAN-Pause gönnen darf. Im Standby belassen dürfte der Akku erst nach etwa 29 Tagen schlapp machen - ein sehr guter Wert.

Separate Tastatur verlängert die Akkulaufzeit

Erweitern lässt sich die Ausdauer - und auch die Einsatzmöglichkeiten - des Tablets mit dem separat erhältlichen Tastatur-Dock MB372GE für 149 Euro. Testen konnten wir es nicht, dennoch sollen die Features kurz erwähnt werden. Das Tablet lässt sich von oben in das Drehgelenk der Tastatur stecken und mutiert dann zum Notebook mit Tastatur, Mauspad und Handballenauflage. Das Gewicht steigt auf insgesamt 1,3 Kilogramm. Die Tastatur spendiert einen Akku für laut Lenovo insgesamt bis zu 16 Stunden Arbeiten ohne Netzteil sowie zwei USB-2.0-Ports regulärer Größe. Ohne das Dock kann ein USB-Stick oder eine Maus nur über einen Micro-USB-auf-USB-Adapter angeschlossen werden. Ein solcher lag unserem Testgerät bei, wohingegen ein HDMI-Adapter bei Bedarf separat angeschafft werden müsste.

Die Vor- und Nachteile von Windows 8 auf einem Tablet-Bildschirm sind bereits bekannt - und auch auf dem Lenovo Lynx anzutreffen. Die Windows-8-Oberfläche mit den bunten Kacheln ist angenehm per Finger zu bedienen und auf sie zugeschnittene Apps wie Bing News machen einfach Spaß. Sobald zur Desktop-Ansicht gewechselt wird, wandelt sich das Tablet zum mobilen PC und offenbart kleinere Schaltflächen und Symbole, die weniger Touch-freundlich sind. Aufgrund der Standard-HD-Auflösung auf 11,6 Zoll sind sie auf dem IdeaTab K3011 aber noch relativ zielsicher ansteuerbar, dass keine Full-HD-Pixelfülle spendiert wurde, hat eben auch seine Vorzüge. Durch das vollwertige Windows 8 anstelle von Windows RT kann der Nutzer nicht nur Tablet-Apps aus dem Store, sondern auch herkömmliche Desktop-Software zur Bild- oder Dokumentenbearbeitung installieren. Mitgeliefert werden die Apps Skype, Evernote, eBay, Kindle, Fresh Paint und die Encyclopaedia Britannica. Darüber hinaus hat Lenovo seine gebrandete Version des Cloud-Speichers SugarSync ausgegeben, die 5 GB Online-Speicher bietet und per Desktop-Client auch zum Datenaustausch mit einem Windows-PC geeignet ist.

Fazit: Nicht das beste Gesamtpaket am Markt

Das Lenovo IdeaTab Lynx K3011 hat seine Stärken, doch das Konzept an sich zeigt auch unübersehbare Schwächen. Als Tablet-PC genutzt überzeugt das Lynx als ausgesprochenes Leichtgewicht, das gut in der Hand liegt und dem der Hersteller genügend Speicherplatz und Anschlüsse spendiert hat. Doch um die volle Funktionsvielfalt von Windows 8 mit seinen zwei Gesichtern auskosten zu können, ist die Zubehör-Tastatur notwendig. Im Bundle kostet das Tablet im Lenovo-Shop 699 Euro, einzeln setzt der Hersteller 599 Euro für das Lynx an. HPs Alu-Konkurrenz ist da deutlich teurer, Samsungs Ativ Smart PC liegt hingegen etwa auf gleicher Höhe. Insgesamt betrachtet hat die Konkurrenz aus Preis-/Leistungssicht die Nase vorn.

Name: Lenovo IdeaTab Lynx (K3011)-ohne Dock
Hersteller: Lenovo
Internet: www.lenovo.com/de
Preis: UVP: 599 Euro, z.Z. ab 518 Euro bei Amazon
Chipsatz/Prozessor: Intel Atom Z2760 Dual-Core-Prozessor mit 1,8 GHz
Bildschirm: 11,6 Zoll IPS-Display (1.366 x 768), Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 64 GB eMMC
Benchmarks/Zahlen:
  • Windows Leistungsindex: CPU: 3,4 / RAM: 4,7 / 2D: 3,7 / 3D: 3,2 / HDD: 5,8
  • 7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format: 51 Sek.
  • CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 0.55
  • PCMark 7: 1.434
  • Grafikchip: Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 30 Punkte; 720p: 31
  • HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 79,5 / 34,66 MB/s; zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 74,34 / 28,67 MB/s
Akku: 6,5 Stunden YouTube HD (WLAN) /
5 Stunden Surfen /
29 Tage Standby
Kommunikation: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0
Betriebssystem: Windows 8 32-bit
Abmessungen: 301 x 188 x 9,5 Millimeter; 640 Gramm
Anschlüsse: Mikrofon/Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD,
Mikro-USB, Mikro-HDMI
Sonstiges: Lagesensor, E-Kompass, 2-Megapixel-Webcam
Unser Testfazit zum Lenovo IdeaTab Lynx
Pro Contra
  • sehr leicht und dünn
  • heller IPS-Bildschirm
  • nötige Ports vorhanden
  • Tastatur-Dock erhältlich
  • flüsterleise
  • keine Kamera auf der Rückseite
  • keine 3G/4G-Version
  • Lautsprecherklang
  • teils hakelige Performance
Bewertung
  • Geschwindigkeit (20%):befriedigend
  • Ausstattung (20%):gut
  • Display (20%):gut
  • Bedienung/Handhabung (15%):gut
  • Akkulaufzeit (15%):befriedigend
  • Verarbeitung (10%):befriedigend
Gesamtnote der Redaktion: Preis-Leistung:
2,5gut befriedigend

(Saskia Brintrup)

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