Testbericht

Lenovo IdeaPad S405 im Test: Rundes Paket, aber zu schwacher Akku

Optisch fast so schön wie Lenovos Ultrabooks, aber ein Preis von nur 499 Euro: Das IdeaPad S405 tritt mit einem AMD A8 Quad-Core-Prozessor als günstiges, dünnes und leichtes Notebook an. Wie schlägt sich AMDs neue APU für "Gelegenheitsspiele" gegen Intel Core-i-Ultrabooks?

Optisch fast so schön wie Lenovos Ultrabooks, aber ein Preis von nur 499 Euro: Das IdeaPad S405 tritt mit einem AMD A8 Quad-Core-Prozessor als günstiges, dünnes und leichtes Notebook an. Wie schlägt sich AMDs neue APU für "Gelegenheitsspiele" gegen Intel Core-i-Ultrabooks?

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Wollen die Hersteller ein Notebook als Ultrabook verkaufen, dann muss der mobile Rechner verschiedene Anforderungen erfüllen. Allen voran muss er von einem Intel Core-i-Prozessor angetrieben werden. Auch AMD möchte im Markt der schlanken Laptops mitmischen; beim US-Chip-Hersteller als Ultrathin bezeichnet. Wie die Ultrabooks werden die Geräte nicht nur mit ihrem schmalen Erscheinungsbild, sondern auch einer Akkulaufzeit beworben, die für einen Arbeitstag ausreicht – früher nicht gerade AMDs Stärke. Stemmen sollen das die aktuellen APUs, die Prozessoren mit zwei oder vier Kernen mit einer verhältnismäßig starken Grafikeinheit kombinieren. Im neuen Lenovo IdeaPad S405 steckt die derzeit zweitstärkste Notebook-APU, trotzdem fällt der Preis mit 499 Euro ausgesprochen moderat aus. Worin sich der 14-Zöller von einem Intel-Ultrabook unterscheidet und welchen Eindruck er in der Praxis hinterlässt, verrät unser Testbericht.

Lenovo IdeaPad S405 Test - Inhalt

  • Seite 1: Aussehen, Verarbeitung, Maus und Tastatur, Schnittstellen
  • Seite 2: Display, technische Daten, CPU- und Grafikleistung
  • Seite 3: Akkulaufzeit, Sound, Fazit und Test-Tabelle

Lenovo stellte die neue IdeaPad S-Serie auf der IFA nicht als "Ultrathin", sondern als stärkere Alternative zum Netbook vor. Da die Geräte mit 13- oder 14-Zoll-Bildschirm doch schon allein wegen ihrer Größe in einer anderen Liga spielen, ist der Grund für diesen Vergleich wohl beim Preis zu suchen. Los geht es ab 449 Euro, von einem derart niedrigen Einstiegspreis können Ultrabook-Interessenten zurzeit nur träumen.

Optisch fast ein Ultrabook

Das 337 x 241 Millimeter (mm) messende IdeaPad S405 ist mit einer Höhe von rund 22 mm gerade mal 1 mm "dicker" als 14-Zoll-Ultrabooks, die Intels Kriterienrahmen maximal ausreizen. Auch das Gewicht von 1,8 Kilogramm lässt den Laptop auf Augenhöhe mit den Intel-Rechnern stehen. Das Design hat sich die Serie teilweise von den Ultrabook-Geschwistern IdeaPad U310/U410 abgeschaut: Auch das S405 lockt mit den hübsch geformten Tasten, einem clean gestalteten Innenraum und einem großen Touchpad. Eine Tastaturbeleuchtung scheidet in dieser Preisklasse aus. Der Knopf seitlich des schicken Power-Schalters leiert eine System-Sicherung oder -Wiederherstellung an.

Hübsches Design, aber weiches Material

Die Verarbeitung ist generell ganz ordentlich: Zwar besteht das wahlweise mattgraue oder rote Gehäuse aus Kunststoff, sieht aber dennoch hochwertig aus. Wer genauer hinschaut, wird jedoch feststellen, dass der Laptop keine sonderlich hohe Stabilität aufweist. Der Deckel ist alles andere als steif. Ein Schicksal, das das IdeaPad mit vielen aktuellen Laptops mit Kunststoff-Gehäuse teilt. Vor allem in Richtung der Scharniere lässt sich das Material biegen. Auf der Vorderseite fällt auf, dass der Deckel nicht gleichmäßig schließt. An den Rändern ist der Spalt zwischen Ober- unter Unterteil schmaler als in der Mitte – und außerdem rechts schmaler als links. Ferner scheint der Displayrahmen nicht wirklich kratzfest zu sein und die Tastatur ist in der Mitte eindrückbar. Auch die Handballenauflage gibt nach, wenn man sich mit etwas mehr Kraft am Touchpad zu schaffen macht. Doch in der Praxis merkt der Nutzer davon wenig und wird die Eingabegeräte als angenehm empfinden. Das Tippen geht trotz der verkleinerten Umschalttasten gut von den Händen und der rund 10 x 7,5 Zentimeter große Mausersatz lädt zu Mehrfingergesten ein – schön, da bereits Windows 8 installiert und kein Touchscreen vorhanden ist. Die Oberfläche ist nicht zu glatt und nicht zu rau.

Im Bereich der Schnittstellen zeigt sich das neue IdeaPad von seiner Subnotebook-Seite; soll heißen, die Auswahl ist solide, aber nicht überragend. Neben einem USB-3.0- und zwei USB-2.0-Ports geben die Gehäuseseiten eine Audiobuchse, einen ausklappbaren LAN-Anschluss, einen Kartenleser und einen HDMI-Ausgang her. Einen alternativen Monitor-Anschluss gibt es nicht, ebenso wenig ein optisches Laufwerk. Mit an Bord sind WLAN und Bluetooth.

Das 14 Zoll große Display löst mit 1.366 x 768 Bildpunkten auf und bietet damit nicht mehr, aber auch nicht weniger Pixel als der Durchschnitt in dieser Größenklasse. Wie die Ultrabooks von Lenovo ist auch die S-Serie mit glänzenden Oberflächen bestückt. Ob das nun positiv oder negativ zu werten ist, ist auch eine Geschmacksfrage. Oftmals sorgen die glänzenden Exemplare jedenfalls für mehr Farbfrische, Lenovos Display verspielt diese Chance aber, vielmehr wirken die Farben leicht dumpf. Das könnte an einem zu niedrigen Kontrast oder auch daran liegen, dass die maximale Helligkeit zwar ausreichend, aber nicht überdurchschnittlich hoch ausfällt. Erfreulich weit ist der vertikale Blickwinkel, auch von der Seite lässt sich der Bildschirm noch gut ablesen. Ganz anders ist der Eindruck, wenn das Display nach oben oder unten geneigt wird. Dann wird die Anzeige schneller zu dunkel oder zu hell.

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Mobile Dreifaltigkeit: AMD "Trinity" A8-APU

Das Innenleben wird von einer AMD A8-4555M APU aus der neuen Trinity-Generation dominiert, die zusätzlich zu vier Prozessorkernen mit einem Standardtakt von 1,6 Gigahertz (GHz) eine AMD Radeon HD 7640 Grafikeinheit (7600G) beherbergt. Mittels Turbo Core kann die Taktrate der CPU auf bis zu 2,4 GHz anwachsen. Die Thermal Design Power beträgt laut Hersteller 19 Watt. Zwar sind die Angaben von Intel und AMD diesbezüglich nicht direkt miteinander vergleichbar. Trotzdem sei erwähnt, dass die aktuellen Ivy Bridge-CPUs für Ultrabooks mit 17 Watt ausgewiesen werden. Komplett wird die Ausstattung mit 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, gleichzeitig das Maximum der Serie, und einer 500-GB-Festplatte. Einen kleinen SSD-Speicher als Starthilfe für Windows und häufig verwendete Programme gibt es auf Wunsch und gegen einen Aufpreis, nicht aber in unserer Testkonfiguration. Windows 8 startet ohne SSD etwa binnen 15 Sekunden.

Trotz Quad-Core schwächer als ein Dual-Core-i5 von Intel

Quad-Core-Exemplare für Ultrabooks gibt es von Intel noch nicht, dennoch schaufeln die Prozessoren teils mehr Rechenleistung hervor: Die Benchmark-Ergebnisse (siehe Seite 3) zur Grundlage genommen, steht der AMD A8 lediglich einem Intel Core i3 gegenüber, wie beispielsweise im Asus Zenbook UX32A (Test) oder Medion Akoya S4216 (Test) zu finden, obwohl die vier Kerne instinktiv Gedanken an einen Vergleich mit einem i5 oder i7 heraufbeschwören.

Die Grafikleistung reißt es nur teilweise heraus

Auf- beziehungsweise überholen möchte AMD vielmehr mit der Grafikleistung. Der integrierte Radeon-Chip ist zwar Intels HD 3000 klar überlegen, mit dem neuen HD 4000 aus der Ivy Bridge-Generation hat die Konkurrenz aber einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die nackten Benchmark-Zahlen sind allein nicht aussagekräftig, da AMDs GPU-Einheit von unseren Testprogrammen nicht immer korrekt erkannt wurde. Da beide Chips locker mit Full-HD-Videos fertig werden, haben wir uns deshalb der praktischen Spieleleistung gewidmet. Beide Unternehmen locken damit, dass die internen Grafikeinheiten anspruchslosere Spiele stemmen können; AMD spricht dabei von "Gelegenheitsspielen". Wir ließen den bereits aus dem Jahr 2008 stammenden Benchmark von Devil May Cry unter DirectX 10 auf dem Lenovo IdeaPad und dem Medion Ultrabook mit Intel Core i3-3217U mit 1,8 GHz laufen und das Intel-Gespann war 10 Prozent schneller. Ein völlig anderes Bild ergab sich bei einer Demo von Trine 2. Hier siegte der AMD-Rechner und zeigte einen um 50 Prozent höheren Framewert. Kurzum: Trine 2 ließ sich in HD-Qualität spielen, während sich Intels HD 4000 mit Rucklern die Zähne ausbiss.

AMD stellt für seine APUs Laufzeiten für einen ganzen Tag (8 Stunden) in Aussicht, tiefer stapelt Lenovo und setzt 5 Stunden an. Diesen Wert konnten wir nachprüfen, erreichen lässt er sich aber nur im Energiesparmodus und mit abgeschaltetem Funkmodul. Unter hundertprozentiger Auslastung, die im Alltag in der Form nicht auftreten dürfte, geht dem Laptop bereits nach 1,5 Stunden die Puste aus. Surfen ist knapp 2,5 Stunden möglich, im Videobetrieb und ohne WLAN verlängert sich das Durchhaltevermögen auf 3 Stunden. Mit diesen Ergebnissen muss sich das IdeaPad S405 leider vor dem Großteil der 13-Zoll-Ultrabooks verstecken. Gute Modelle legen mit bis zu 8 oder 9 Stunden weitere Wegstrecken zurück, das Lenovo liegt hingegen etwa auf dem Niveau eines Dell XPS 15 (Test) - mit dem Unterschied, dass Dells Notebook nicht nur ein 15,6-Zoll-Display bietet, sondern auch einen Intel Core i7 Quad-Core-Prozessor und eine Grafikkarte versorgen muss. Doch AMD hat es geschafft, messbar einen genauso geringen Energiebedarf wie Intel mit seinen Ultrabook-Prozessoren zu erreichen. Daher bleibt das IdeaPad S405 stets leise, unter Last war es sogar noch leiser als das Medion Akoya S4216.

Lenovo IdeaPad S405 Test - Inhalt

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Der Lautsprecher-Sound erntet die Bewertung "okay". So klingt das IdeaPad S405 zwar nicht wie ein teurer Multimedia-Bolide, aber besser als das Medion-Ultrabook und auch voller als das aktuelle MacBook Air von Apple.

Fazit: Mit stärkerem Akku das (fast) perfekte Günstig-Notebook

Die IdeaPad S-Serie stellt sich als eine günstige Alternative zu den hauseigenen Ultrabooks heraus. Ein schönes Design, ein leichtes und dünnes Gehäuse, der flüsterleise Betrieb und eine für Alltagsanwendungen absolut ausreichende Leistung machen das S405 zu einem runden Gesamtpaket. "Gelegenheitsspiele" sind ebenfalls möglich. Auf unserer Wunschliste steht aber an erster Stelle ein stärkerer Akku, gefolgt von einem stabileren Gehäuse.

Wenn die Prozessorkraft wichtiger als die Grafikleistung erscheint, könnte die Intel-Schwester IdeaPad S400 mit Core i5 die bessere Wahl sein. Die Akkulaufzeit wird sich dadurch aber nicht steigern.

Weitere Testberichte und eine Kaufberatung zum Thema Notebook liefert unser Hintergrundbereich. Ultrabooks im Überblick gibt es in unserem Ultrabook Vergleich, zusätzliche Infos und Kauftipps im Ultrabook Ratgeber.

Name: IdeaPad S405
Hersteller: Lenovo
Internet: http://www.lenovo.com/de
Preis: UVP: 499 Euro
Technische Daten
Prozessor: AMD A8-4555M Quad-Core-Prozessor mit 1,6 GHz 
Grafikkarte: AMD Mobility Radeon HD 7600G / HD 7640 (integriert)
Bildschirm: 14 Zoll (1.366 x 768 Pixel), glänzend
Batterie: 4-Zellen-Akku: Laufzeit: 92 Minuten unter Vollast / 320 Minuten Lesetest (WLAN aus)
170 Minuten Videowiedergabe (Lautstärke + Display 50%, WLAN aus) / 140 Minuten Surfen
Speicher: 4 GB DDR3-1600 (Maximum)
Festplatte: 500 GB HDD mit 5.400 U/Min
Laufwerk: -
Kommunikation: LAN, WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0
Betriebssystem: Windows 8
Abmessungen: BxTxH: 337 x 242 x 22 mm Millimeter;
1,8 Kilogramm
Anschlüsse: HDMI, USB 3.0, 2x USB 2.0, Kopfhörer, Kartenleser
Sonstiges: VGA-Webcam
Lieferumfang: Notebook, Netzteil, Akku, Kurzanleitung
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 6,2 / RAM: 5,9 / 2D: 4,4 / 3D: 6,1 / HDD: 5,9

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
18 Sek.

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 1.32
PCMark 7: 1.523

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 222 Punkte; 720p: 247
OpenGL: Cinebench 11.5: 14.87 BpS
3D Mark 11: P673 (Grafikchip nicht erkannt)
Frames pro Sekunde (fps) im Durchschnitt:
DirectX-10-Benchmark Devil May Cry 4: bei 1.360x768 Pixeln, Details niedrig, Schattenqualität aus: 47 fps
Demo von Trine 2: bei 1.366x768 Pixeln, Details mittel: 24 fps; Details niedrig: 30

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 110 / 103,4 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 36,3 / 53 MB/s
Energieverbrauch: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 1,0 Watt
Eingeschaltet im Energiesparmodus:
ca. 8,5 / 12 Watt (WLAN aus/ein)
Videowiedergabe im Energiesparmodus:
ca. 14 / 15 Watt (WLAN aus/ein)
CPU-Benchmark-Test unter Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN + Bluetooth ein): ca. 31 Watt
Garantie: 2 Jahre Lenovo Garantie
Pro & Contra
schönes Design
gute Leistung
großes Touchpad
sehr leise
wechselbarer Akku
günstiger Preis
Spiegel-Display
kein Laufwerk
nur ein Grafikausgang
zu kurze Laufzeit
Bewertung:
Geschwindigkeit: 11/15
Ausstattung: 10/15
Display: 12/15
Bedienung/Komfort: 8/10
Maße/Gewicht: 14/15
Akkulaufzeit: 12/20
Verarbeitung: 8/10
Gesamt: 75/100 --- So testen wir Notebooks
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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