Testbericht

Grandstream: Zwei Mal Komfort-VoIP im Test

Bei Sipgate gibt es seit kurzem die beiden neuen IP-Telefone GXP-1200 und GXP-2010 zum günstigen Einführungspreis. Wir haben die Komfortgeräte für Anspruchsvolle getestet.

Grandstream - IP TelefonieZwei Schreibtischhocker für jeden Anspruch.© Sipgate

Fernplaudern kann so einfach sein: Fürs Festnetz gibt’s Telefone, für unterwegs Handys – und für VoIP? Nur selten sehen sich Nutzer mit einer derart großen Vielfalt von Lösungen konfrontiert, wie beim Telefonieren über das Internet. Neben Softphones, Headsets und USB-Hörern, die Gespräche direkt am Computer ermöglichen, gibt es auch komfortablere Hardware. Bisher genutzte Festnetztelefone können beispielsweise mit passenden Routern, wie der AVM Fritz!Box Fon WLAN 7270, oder einem Adapter, wie dem D-Link Modell DPH-50U, im Einsatz bleiben. Mit handlichen WLAN-Telefonen können Gespräche auch unterwegs einfach per Web geführt werden. Eine vollwertige IP-fähige Alternative zum Schreibtischtelefon bietet unter anderem Grandstream. Die Redaktion von onlinekosten.de hat die beiden Modelle GXP-1200 und GXP-2010 auf den Prüfstand gestellt.

Alternativen zum Flaggschiff

Beide Grandstream-Modelle wurden uns von VoIP-Anbieter Sipgate zur Verfügung gestellt, in dessen Onlineshop sich die Geräte preislich im Mittelfeld der Bürotelefone finden. Beide sind günstigere Alternativen zum Flaggschiff des Herstellers, dem GXP-2020, das mit sechs Accounts die meisten VoIP-Anschlüsse verwalten kann. Der Nutzer-Mehrheit werden aber wohl die vier Zugänge reichen, die das Grandstream GXP-2010 bietet. Es handelt sich dabei, wie auch beim GXP-1200, um ein Telefon, das mit dem weit verbreiteten SIP-Standard funktioniert. Sein grafisches alphanumerisches Display ist 8x3,5 Zentimeter groß und bietet eine Auflösung von 240x120 Pixel. Dank zwei Ethernet-Anschlüssen mit 10/100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) kann das GXP-2010 an einen Router oder das Modem einerseits und an einen Rechner angeschlossen werden. Das ist besonders praktisch für Nutzer, die ein Modem mit nur einem LAN-Anschluss im Einsatz haben und trotzdem Rechner und Telefon parallel ins Netz bringen wollen. Ein eingebauter Switch sorgt dabei für die reibungslose Kommunikation der Geräte.

Abgespeckte Variante mit weniger Accounts

Gleiches gilt für das kleinere Modell GXP-1200, das ebenfalls über einen integrierten Switch und zwei Ethernet-Anschlüsse verfügt. Das grafische Display ist hier allerdings mit 7,3x2 Zentimetern und 128x32 Pixel Auflösung ein gutes Stück kleiner. Zudem kann das Gerät nur maximal zwei VoIP-Accounts verwalten. Intensives "Anbieter-Hopping", immer auf der Jagd nach dem günstigsten Minutenpreis, wird hier also stark eingeschränkt. Zudem verfügt das umfangreichere GXP-2010 über 18 Schnellwahltasten, die beim GXP-1200 komplett fehlen. Damit hat es sich aber auch schon im Wesentlichen, was die Unterschiede zwischen den Geräten anbelangt. Beide Modelle verfügen über eine blaue Softtouch-Tastatur und Freisprecheinrichtung. Darüber hinaus werden Zusatzfunktionen, wie Abfrage der Mailbox oder auch Fünferkonferenzen, von beiden Grandstream-Telefonen unterstützt. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch bei beiden GXP-Modellen: Fürs Headset steht nur eine wenig verbreitete RJ22-Buchse zur Verfügung, Anschlüsse für klassische 2,5-Millimeter-Klinkenstecker fehlen hingegen bei den Testgeräten.

Das GXP-1200 macht auf den ersten Blick einen grundsoliden Eindruck. Das Gehäuse ist gut verarbeitet, weder hässliche Nähte noch scharfe Kunststoffkanten stören. Der Hörer liegt vergleichsweise schwer in der Hand, was jedoch kaum stört und die gefühlte Hochwertigkeit verbessert. Die Tasten sind groß genug und dank knackigem Druckpunkt auch gut zu bedienen. Im Lieferumfang des Geräts sind ein LAN-Kabel für die Verbindung zum Modem sowie ein Tisch-Standfuß und zwei kleine Abstandhalter für die Wandmontage bereits enthalten. Ersterer erweist sich jedoch beim ersten Aufstellen als etwas widerspenstig, da er nur mit mäßiger Gewalteinwirkung in Position geklemmt werden kann. Zudem stellt er das Telefon beinahe senkrecht auf, wodurch sich das Gerät regelrecht vor seinem Nutzer aufbäumt, aber auch etwas Platz auf dem Schreibtisch spart. Jedoch sollten sich Modem, Computer und eine freie Steckdose in unmittelbarer Nähe befinden, die mitgelieferten Kabel sind nämlich recht kurz geraten.

Firmware immer up to date

Wird eine Verbindung zum Internet hergestellt, zieht sich das GXP-1200 automatisch die neuesten Firmwareupdates. Im onlinekosten.de-Test ging das schnell und völlig ohne Nutzereingriff vonstatten, optional kann die Updatefunktion aber auch deaktiviert werden. Das Display ist monochrom mit weißblauer Hintergrundbeleuchtung und bietet damit eine sehr gute Lesbarkeit. Auf Wunsch kann der Kontrast des LCD im Menüpunkt "Preference" auch verändert werden. Im Menü ereilt den Nutzer allerdings das erste Kopfkratzen: Das Gerät beherrscht leider nur Englisch, was die sowieso schon wenig intuitive Nutzerführung weiter kompliziert. Über den "Menu"-Knopf lassen sich Anrufhistorie, Status, Telefonbuch, Sprachnachrichten, direkte IP-Anrufe und die Konfiguration aufrufen. Letztere sollte jedoch nach Möglichkeit nicht am Telefon selbst, sondern über den Computer erfolgen. Die Einstellungen am Gerät selbst vorzunehmen, stellte sich in unserem Test als Geduldsprobe heraus. Die Texteingabe über das Numpad ist zeitaufwändig, zudem kann die Position von Sonderzeichen auf der Telefontastatur nur erraten werden.

Probierfreude angesagt

Auch sonst sollten Nutzer des GXP-1200 bei der Installation Probierfreude zeigen. Während die Menü-Taste noch deutlich erkennbar ist, fehlt beispielsweise eine Zurück-Taste, stattdessen muss der Pfeil nach links gedrückt werden. Auch sind die englischsprachigen Bezeichnungen "Send" für Wahlwiederholung, "Transfer" für Leitungswechsel oder etwa "Conf" zum Starten einer Konferenzschaltung alles andere als selbsterklärend. Mit ein bisschen Studium der Bedienungsanleitung stellt dies aber kein Problem mehr dar. Alternativ – und vor allem weitaus bequemer – kann das GXP-1200 auch über einen Computer konfiguriert werden. Ist ein Rechner über die LAN-Buchse des Telefons angeschlossen, lässt sich das Telefon über dessen Internet-Browser aufrufen. Die dazu erforderliche IP-Adresse findet sich im Telefonmenü unter "Status". Anschließend können alle erforderlichen Konfigurationsdaten per Webformular eingegeben werden. Zahlreiche Parameter können hier angepasst werden, was den Technik-Nerd freut, aber dem VoIP-Frischling einen gehörigen Schreck versetzt. Hält man sich aber stur an die Vorgaben des genutzten Providers, kann eigentlich nichts schief gehen – eine detaillierte Konfigurationsanleitung vorausgesetzt.

Sobald das GXP-1200 fertig konfiguriert ist, kann lostelefoniert werden. Kontakte im Telefonbuch lassen sich direkt für einen der zwei Accounts eintragen, ein Wechsel ist aber per Tastendruck möglich. Wird eine Rufnummer manuell gewählt, wird der Anruf initialisiert, nachdem der Nutzer sich zwischen "Line1" und "Line2" – also den beiden konfigurierten VoIP-Services – entschieden hat. Das Wählen ging im Test dann sehr schnell. Und allen Installationswidrigkeiten zum Trotz, an der übertragenen Sprachqualität gibt es nichts auszusetzen: Beide Seiten hörten sich laut und deutlich, kein Rauschen oder Knacken störte die Testanrufe.

Das GXP-2010 ist bereits auf den ersten Blick wesentlich umfangreicher, als das Schwestermodell 1200. Während das Numpad identisch ist, finden sich bei diesem Modell rechts daneben satte 18 programmierbare Tasten, was sich natürlich auf Größe und Gewicht auswirkt. Die vier wählbaren Leitungen werden über Tasten links neben dem Display bedient, wobei auch hier ein rotes oder grünes Licht leuchtet, sobald eine Leitung belegt ist. Identisch mit dem 1200er-Modell sind unterhalb des Bildschirms drei XML-programmierbare Tasten angeordnet, deren jeweilige Funktion im Display angezeigt wird. Anders als das GXP-1200, wird das GXP-2010 mit einem hohen und einem mittelhohen Standfuß geliefert. Das wesentlich größere Display ist hier ebenfalls dank weiß-blauer Hintergrundbeleuchtung gut lesbar. Leider ist es aber auch hier nicht möglich, die Anzeige zu kippen, um etwa bei Sonneneinstrahlung eine bessere Sicht zu ermöglichen. Der Kontrast des Displays ist aber sehr gut und kann übers Menü individuell angepasst werden.

Praktische Extras

Außerdem hat sich Grandstream beim GXP-2010 weitere kleine Extras einfallen lassen, wie eigene Tasten fürs Telefonbuch, die Do-not-disturb-Funktion sowie Intercom, um Anrufe automatisch nach einmaligem Klingeln anzunehmen und auf den Lautsprecher zu legen. Außerdem steht, neben den beiden LAN-Anschlüssen für Rechner und Modem, eine weitere Buchse zur Verfügung, über die eine Telefonerweiterung mit zusätzlichen Schnellwahltasten angeschlossen werden kann. Das Menü des GXP-2010 ist hingegen identisch mit dem 1200er-Modell und damit auch die Einrichtung. Auch wenn das wesentlich größere Display eine übersichtlichere Menüführung und ein klareres Schriftbild liefert, empfiehlt sich auch hier die Einrichtung über ein Browserprogramm am Rechner. Die Eingabe aller Parameter über das Tastenfeld des Telefons selbst ist auch hier erheblich umständlicher und unübersichtlicher.

Umfangreiche Einrichtung

Die Benutzeroberfläche ist hier identisch zum GXP-1200. Unter dem Menüpunkt Status finden sich Angaben zu Modell, MAC- und IP-Adresse, zur Software-Version und Registrierung der einzelnen Accounts. Über Basic Settings lassen sich beim GXP-2010 jedoch nicht nur Angaben zur Internetverbindung machen, sondern auch die Multifunktionstasten programmieren. Dabei können Nutzer zwischen verschiedenen Modi, wie Schnellwahl oder Präsenzanzeige wählen und einen der vier wählbaren Accounts zuordnen. Mit den Advanced Settings lassen sich zudem Details zu den verwendeten Protokollen vorgeben. Für die Einrichtung der vier Konten gilt ebenfalls: Weniger technisch Begabte können an der Vielzahl von Möglichkeiten scheitern, wenn sie nicht über eine detaillierte Konfigurationsbeschreibung für jeden verwendeten VoIP-Service verfügen.

Sobald ein Account eingerichtet wurde, taucht der jeweils eingestellte Name links am Display-Rand des Telefons auf und bezeichnet so die nebenstehende Taste. Nach der Konfiguration ist die Bedienung des GXP-2010 vergleichbar einfach, wie beim GXP-1200. Um zu telefonieren, geben Nutzer eine Rufnummer ein oder wählen den gewünschten Kontakt aus dem Telefonbuch aus. Die Sprachqualität während unserer Testtelefonate war auch in der 2010-Variante sehr gut, die Übertragung war laut genug, klar und deutlich, ohne Hall, Rauschen oder kurzen Aussetzern.

Grandstream hat mit den dem GXP-1200 und dem GXP-2010 zwei Bürotelefone auf den Markt gebracht, die alle Funktionen bieten, die auch von klassischen ISDN-Geräten bekannt sind. Für beide Modelle gilt jedoch: Die Nutzerfreundlichkeit beginnt erst nach der Installation. Die Einrichtung beider Geräte gestaltet sich auch über das Browser-basierende Eingabeformular für technisch weniger Begabte unübersichtlich und kompliziert, wenn keine umfangreiche Konfigurationshilfe des genutzten VoIP-Anbieters vorliegt. Schade ist auch, dass über den Browser nur die technischen Einstellungen vorgenommen werden können. Es können weder Kontakte ins Telefonbuch eingetragen noch Anruflisten eingesehen werden, was sicher eine bequeme Ergänzung wäre.

Do you speak English?

Außerdem sollten Nutzer umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse mitbringen, denn nicht nur Menüführung und webbasierte Eingabe, sondern auch die ausschließlich im Internet verfügbaren Bedienungsanleitungen sind komplett auf Englisch. Sipgate selbst liefert lediglich eine deutschsprachige Kurzanleitung mit, bietet aber im Internet immerhin eine umfangreiche Konfigurationsbeschreibung für beide Telefone. Blickt der Nutzer jedoch erstmal durch die Bedienung und Funktionen durch, sind beide Geräte gute Bürohelfer mit allem Drum und Dran, die vor allem durch ihr hochwertiges Äußeres und ihre brillante Sprachqualität überzeugen.

(Aleksandra Leon)

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