Testbericht

Kleiner Weißer: iPod Shuffle im Test

"Dem Zufall eine Chance geben", soll man laut Apple mit dem Shuffle-Player. Dabei ist der kleinste iPod alles andere als ein Zufallsprodukt.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Auch Apples kleinster iPod ist ein echter Hingucker: Der Shuffle ist schlicht und schön. Er ist nur in edlem Weiß erhältlich und mit Maßen von 8,4 mal 2,5 Zentimeter nicht viel größer als ein Feuerzeug. Dabei wiegt der Player inklusive Akku nur 22 Gramm. Die Bedienung ist kinderleicht, denn der Winzling hat nur wenige Tasten. Allerdings fehlt ein Display. Auf der Vorderseite befinden sich lediglich die Tasten für Abspielkontrolle und Lautstärkeregelung. Sie sind aufgrund der kreisförmigen Anordnung gut zu bedienen.

Brav oder zufällig

Bei den Abspiel-Modi zeigt sich der iPod als Minimalist: Entweder spielt der Shuffle die Songs brav nacheinander ab, oder die Titel werden per Shuffle-Modus in zufälliger Reihenfolge abgespielt. Eine Ordnerverwaltung der Songs fehlt. Auf der Suche nach dem Lieblingssong muss sich der Nutzer daher durch die Stücke zappen. Da kann es bei voll geladenem 512 Megabyte-Speicher schon mal mehrere Minuten dauern, bis das Lieblingslied gefunden ist.

Schlicht und schön

Extras gibt es beim Shuffle keine. So fehlen Radio oder Mikrophon ebenso wie ein Erweiterungsslot für Speicherkarten. Der 512 Megabyte große interne Speicher sollten allerdings ausreichen: In Apples hochwertigem AAC-Format lassen sich bei einer ausreichenden Bitrate von 128 Kbit/s knapp neun Stunden Musik speichern. Für 40 Euro mehr gibt es den Shuffle auch mit einem Gigabyte internem Flash-Speicher.

Fotos: Apple

Zum Laden der Songs wird der Shuffle in den USB-Port des Rechners gestöpselt. Als Software kommt bei Apple natürlich nur eine in Frage: iTunes, das, wie Apple schon in der Werbung offenkundig bekennt, so zum iPod gehört wie die CD zum CD-Player. Ist kein iTunes installiert, können auch keine Songs auf den Player geladen werden.

Dieser Zwang ist ein großer Stolperstein: Wer seine MP3-Sammlung in mühsamer Pflege in Ordnern sortiert hat, muss die Songs in iTunes importieren, wo die Ordnung über den Haufen geworfen wird. Die Kopplung mit iTunes ist von Apple natürlich so gewollt. Schließlich kann der Nutzer so direkt auf den Musik-Shop zugreifen, wodurch bei Apple die Kasse klingeln soll. Das WMA-Format des Konkurrenten Microsoft spielt der Shuffle selbstverständlich nicht ab. Ansonsten kommt der Player aber mit allen bekannten Formaten klar: Er spielt Appels AAC, und Mp4 sowie MP3 bis 320 KBit/s oder in variabler Bitrate ab. Praktisch ist, dass Songs auf Wunsch automatisch in Apples AAC-Format konvertiert werden. Das Format klingt bei geringerer Bitrate etwas besser als MP3-Files: Ein 128KBit/s-AAC-Song entspricht in etwa ein 160 KBit/s MP3-Titel.

Guter Klang

Ist iTunes auf dem Rechner nicht installiert, wird der Shuffle wie ein USB-Stick lediglich als Speicherlaufwerk erkannt. Darauf lassen sich Songs zwar abspeichern, der Shuffle will sie dann aber partout nicht abspielen. Wie viel Prozent des Flash-Speichers für Musik und wie viel für Daten zur Verfügung stehen soll, lässt sich über die iTunes-Software steuern.

In der Klanqualität leistet sich der iPod keine Schwächen. Er taugt sogar für den Anschluss an eine Stereoanlage. Auch die mitgelierten Kopfhörer bieten eine gute Klangqualität und spielen sogar recht laut auf. Allerdings bieten auch sie nur das Nötigste; eine Fernsteuerung ist nicht enthalten.

Sporttauglich

Wie gibt sich der kleinste iPod in der Praxis? Auf geht's mit dem Shuffle zum Joggen in den Stadtwald. Für das Joggen empfiehlt Apple das wasserdichte Sport Case, das mit rund 30 Euro zu Buche schlägt. Die edle Plastikhülle schützt den iPod für Nässe. Die Steuerung des Players wird durch den Sport Case stark eingeschränkt: Zum An- und Ausschalten oder zum Umschalten vom Shuffle- in den normalen Abspielmodus muss der Player aus der Hülle genommen werden. Die Volumen- und Play-Tasten lassen sich unter der Hülle nur sehr unpräzise bedienen.

Beim Jogging kann der Player seine Stärke ausspielen: Durch das niedrige Gewicht spürt man den Player fast gar nicht. Der Shuffle-Modus ist zum Laufen ideal. Ein Display vermisst man hier nicht, höchstens eine Fernsteuerung wäre sinnvoll: Wer während des Laufens Songs überspringen oder Spulen möchte, muss aufgrund der kleinen Tasten Präzisionsarbeit leisten. Die Kopfhörer sind ebenfalls durchaus joggertauglich und rutschen nicht aus den Ohren. Ingesamt eignet sich der iPod bestens zum Joggen, wenn man die 30 Euro für die Plastikhülle verschmerzen kann und sich mit dem Shuffle-Modus zufrieden gibt.

Schönheitsfehler

Die Spielzeit gibt Apple mit maximal 12 Stunden an. In der Praxis hielt der Player etwa 10 Stunden durch. Trotzdem ist die Laufzeit angesichts des kleinen und leichten Akkus ausgezeichnet. Doch der Akku hat einen großen Nachteil: Er ist fest im Player integriert. Damit sind gleich zwei Schönheitsfehler verbunden. Der Akku ist bei Defekt nicht auswechselbar und das Laden wird erschwert.

Denn bei leerem Akku ist der Shuffle nicht sofort wieder einsatzbereit. Er muss erst wieder aufgeladen werden. Bis die vollständige Ladekapazität erreicht ist, dauert es rund vier Stunden. Da das Laden beim Shuffle ausschließlich über den USB-Port funktioniert, muss zudem eventuell noch der Rechner hochgefahren werden. Natürlich gibt es unter den zahlreichen Zubehörartikeln dafür Lösungen, die aber zusätzlich bezahlt werden müssen.

Der Shuffle ist auch ohne Zubehör bei einem Preis von knapp hundert Euro nicht gerade billig. Die Player der Konkurrenz sind teils schon für deutlich unter 100 Euro zu haben und bieten dabei ein Display, Fernsteuerung und eine anwählbare Ordnerstruktur. Zubehör müssen Apple-Kunden teuer dazukaufen: Neben dem Sport Case ist über Akkusets bis hin zur Dockingstation fast alles erhältlich, was das Apple-Herz begehrt.

Fazit: Schlichtweg gut

Selbstsicher gibt sich der Shuffle: das was er kann, macht er perfekt, allerdings ist das recht wenig. Und zu einem hohen Preis. Der Zwang zu iTunes, um den Player mit Songs zu betanken, dürfte den meisten Nutzern nicht behagen. Fans von perfektem Design und guter Verarbeitung sowie Klangfanatiker dürfen zugreifen.



Wertung
extrem leicht
gute Klangqualität
bedienungsfreundlich

Kopplung an iTunes
wenige Funktionen
integrierter Akku
Gesamturteil: "gut"
Preis/Leistung: "ausreichend"




Apple Shuffle
Lieferumfang: Player, Kopfhörer, iTunes
Gewicht 22 Gramm (inklusive Akku)
Formate / Bitraten: AAC,MP4,MP3 / bis 320 KBit/s, variable Bitrate
Lauf- / Ladezeit 10 Stunden / 4 Stunden
Preis: 512 MB: 99 Euro, 1 Gigabyte: 139 Euro
Zusatzfunktionen: USB-Speicher: ja, Radio: nein, Microphon: nein
Zubehör: Sport Case, Battery-Pack, Dock (je 30 Euro)

(Klaus Wiesen)

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