Testbericht

Kabel ab, Sound rein: Creative HS-1200 im Test

Das kabellose Gaming-Headset mit X-Fi-Technik soll auch Musikfans und VoIPer mit Bewegungsdrang ansprechen. Die Redaktion hat das leichte und bequeme HS-1200 von Creative getestet.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com
Ende Oktober hat Creative drei neue Headsets für die Gamergemeinde auf den Markt gebracht. Das kabellose Modell nennt sich HS-1200 und ist mit der bekannten X-Fi-Technik ausgestattet. Wichtig für Computerspieler ist natürlich auch die Unterstützung von EAX-Effekten, trotzdem möchte der Hersteller auch Musik- und Filmfans sowie VoIPer für sein neuestes Produkt begeistern. Ob dies gelingt, hat die Redaktion von onlinekosten.de getestet.

Kabelloses Spielvergnügen

Zwar sitzt der Computernutzer oder -spieler die meiste Zeit direkt vor dem Monitor, trotzdem kann es praktisch sein, wenn keine Kabel am Headset die Bewegungsfreiheit einschränken. Zum Beispiel, wenn sich der Anwender ganz in Gedanken zur Schreibtischschublade herunterbeugt oder sich nach einem gewonnenen Match zurücksinken lässt und sich dabei fast die Hörer vom Kopf reißt. Auch Spiele wie Guitar Hero machen – falls sie über Kopfhörer gespielt werden – definitiv mehr Spaß, wenn man nicht per Kabel an den PC gekettet ist.

Das HS-1200 überträgt die Signale per Funk auf einer Frequenz von 2,4 Gigahertz über eine Distanz von bis zu 22 Metern – wie Creative angibt. Im Test war schon nach etwa acht Metern Schluss oder die Signale wurden undeutlich. Dazu muss aber gesagt werden, dass ein Funktelefon und ein WLAN-Empfänger in der Nähe waren. Das Headset wird mit einem kleinen, schwarzen Empfänger geliefert, der per USB mit dem Rechner verbunden wird. Um nun das Headset mit der Basisstation zu verbinden, muss der Nutzer bei beiden Geräten für fünf Sekunden die Power-Tasten gleichzeitig drücken.

Installationsprozedur

Im Lieferumfang sind eine Software-CD, eine Kurzanleitung und ein Handbuch enthalten. Für den allgemeinen Betrieb müssen keine Programme installiert werden, um aber alle Funktionen nutzen zu können, ist der Griff zur beiliegenden Software-CD ein Muss. Auf diese hat der Hersteller nicht nur den Treiber, sondern auch noch die Programme MediaSource zum Verwalten der eigenen Musiksammlung und Tool Box gepackt. Ein kleiner Kritikpunkt: Der Installationsassistent erklärt nicht, was sich genau hinter den Tools verbirgt. Entscheidet man sich für alles, kann man in die Küche verschwinden, um sich während der langwierigen Installation einen Kaffee zu kochen. Damit die dreidimensionalen Soundeffekte über die Schnittstelle OpenAL unterstützt werden können, sind ein Aktivierungsschlüssel für die Lizenz und außerdem ein Internetzugang notwendig, da der Key auf einer Website eingetragen werden muss. Nach dieser Prozedur ist ein Neustart nötig, dann kann der Anwender seine neueste Errungenschaft endlich in vollen Zügen ausprobieren. Farblich ist das leichtgewichtige HS-1200 in schwarz und silber gehalten. Damit auch bei langem Tragen die Ohren nicht glühen, sind die Lautsprechermuscheln schön dick gepolstert und mit einem hochwertigen Lederbezug versehen. Der Bügel ist flexibel, ebenfalls gepolstert und trägt das gleiche Lederkostüm. Auf der Oberseite hat sich Creative verewigt, die Ohrmuscheln sind silberfarben abgesetzt. Mit einem Durchmesser von rund 6,5 Zentimetern umschließen sie die Ohren zwar nicht komplett, isolieren aber nervige Umgebungsgeräusche wie den rasenmähenden Nachbarn oder Muttis Staubsauger absolut gekonnt. Der Kopfhörer ist zudem an beiden Seiten verstellbar, so dass er sich gut anpassen lässt.

Bedientasten

Ein Mikrofon hat Creative auch angebracht. Es ist flexibel in sämtliche Richtungen biegbar und lässt sich nach dem Ende des Plauderstündchens nach oben klappen. Auf diese Weise wird es automatisch abgeschaltet. Für einen verbesserten Klang soll eine Geräuschunterdrückung sorgen. Auf der rechten Seite befinden sich vier Tasten, zum Ein- und Ausschalten, Verstellen der Lautstärke und für Gespräche per VoIP, um das Telefonat anzunehmen oder zu beenden. Das HS-1200 unterstützt Anrufe über den Windows Live und den MSN Messenger, es lässt sich aber auch für Skype konfigurieren. Dieser Telefon-Button kann zum Beispiel auch zum Pausieren von Filmen zweckentfremdet werden, insofern der Player dies zulässt.

Sieben Stunden ohne Schnur

Die Basisstation enthält neben dem USB-Kabel noch ein zweites Kabel, das zum Aufladen des Kopfhörers dient. Er wird von einem integrierten Akku mit Strom versorgt und kann zum Glück auch im laufenden Betrieb aufgefüllt werden, falls mal keine Zeit zum rechtzeitigen Nachladen war. Die Kabel sind jeweils etwa 80 cm lang. Die USB-Schnur ist somit gerade lang genug, um den Empfänger auf den Schreibtisch zu legen. Leider sind die 80 cm für das Ladekabel zu kurz, so dass der Nutzer direkt am PC sitzen muss, wenn er sich zum Akkuladen verkabelt. Der Energiespeicher hielt im Test am Stück knapp 4,5 Stunden durch – bei Dauerbeschallung und mittlerer bis hoher Lautstärke. Wer nebenher Musik hört, kommt mit 25-prozentiger Lautstärke etwa sieben Stunden ohne Kabel aus. Für die erste Aufladung empfiehlt Creative eine Ladezeit von mindestens sechs Stunden, später ist der Akku nach etwa 2,5 Stunden befüllt.

Top-Sound mit Extras

Nun wird es Zeit, die Soundqualität zu bewerten. Wer bereits Creative-Produkte besitzt, weiß, dass der Hersteller für einen guten Klang bekannt ist. Dies ist auch bei dem neuen Neodymium-Headset nicht anders. Ob der Nutzer nun am PC Musik hört, telefoniert oder spielt – der Klang lässt sich durchweg als gut bezeichnen. Um den Ohren ein noch besseres Erlebnis zu bescheren, hat Creative auch wieder die üblichen Extra-Zutaten eingebacken. Die X-Fi-Technologie ist bereits von den Soundkarten und seit dem Zen X-Fi auch von MP3-Playern aus dem Hause Creative bekannt. Sinn und Zweck des sogenannten Crystalizers ist das Aufmöbeln von komprimiertem Sound, wie zum Beispiels MP3s. Indem verlorengegangene Höhen und Tiefen wiederbelebt werden, soll der Klang insgesamt satter, klarer und originalgetreuer ausgegeben werden.

Raumklang und Sound-Tuning

Je nach Musikgenre fällt der Effekt mehr oder weniger deutlich auf, eine Verbesserung beziehungsweise ein vollerer Sound ist aber insgesamt hörbar. Ob man dies nun mag oder nicht, ist sicherlich Geschmackssache. Für simulierten Raumklang bei Musikdateien oder Filmen steht X-Fi CMSS-3D bereit, dank der EAX-Unterstützung zaubert das Headset außerdem bei Computerspielen räumliche Soundeffekte auf die Ohren. Für Anwender, die bereits auf Windows Vista umgestiegen sind, hat der Hersteller ALchemy dazugepackt, das ebenfalls für dreidimensionalen Klang sorgt. So kann man beim Spielen die Gegner besser orten. Diese ganzen Effekte sowie die Lautstärke und einen Equalizer kann der Nutzer über die installierte Steuerkonsole einstellen.

Fazit: Aufsetzen und ungebunden sein

Wer sein Standard-Headset einmal gegen das HS-1200 ausgewechselt hat, möchte den Tausch sicherlich nicht mehr rückgängig machen. Der Kopfhörer macht sowohl beim Musikhören als auch beim Ansehen von Filmen oder beim Spielen eine gute Figur. Da auch ein Mikrofon vorhanden ist, kann man es gleichzeitig für die VoIP-Telefonate am PC nutzen. Auch die Bedienung und der bequeme Sitz konnten im Test überzeugen, lediglich das Ladekabel hätte gerne etwas länger ausfallen dürfen. Creative verlangt 99,99 Euro für das Headset. In diversen Onlineshops ist es ab etwa 65 Euro zu haben, was angesichts der guten Qualität nicht zu viel ist. Wer häufig am PC sitzt und einen Kopfhörer für verschiedene Zwecke sucht, kann zugreifen, Profi-Gamer werden sicherlich trotzdem ein kabelgebundenes Exemplar bevorzugen.

Name: HS-1200
Hersteller: Creative
Internet: de.europe.creative.com
Preis: UVP 99,99 Euro
Technische Daten
Übertragung/Anschluss: Funk (2,4 GHz)/USB
Reichweite: bis zu 22 Meter / ca. acht Meter im Test
Akkulaufzeit: 7 Stunden bei Lautstärke auf 25%
Besonderheiten: Sondertaste für Windows Live/MSN/Skype
Betriebssysteme: Microsoft Windows Vista 32-bit/64-bit, Windows XP Professional x64 Edition, Windows XP Service Pack 2 (SP2)
Garantie: ein Jahr
Pro & Contra
kabellos
guter Klang
tadellose Geräuschabschirmung
Anruf-Button
leicht
bequem zu tragen
zu kurze Kabel am Empfänger
Reichweite könnte besser sein
Bewertung:
Tragekomfort (30%): gut
Soundqualität (25%): gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Bedienung (15%): gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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