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Jil Sander Mobile im Test: LG patzt bei Menütasten

Wer bei Jil Sander ein Smartphone kauft, kann nicht zu Unrecht ein Design-Schmuckstück erwarten. LG liefert genau das, versagt aber bei lieblos designten Menütasten.

LG Jil Sander Mobile

Nach wie vor hat das neue Smartphone-Betriebssystem von Microsoft, Windows Phone, einen schweren Stand. Trotz intuitiver und zügiger Menünavigation kommt es nur bei wenigen Menschen an. Gründe könnten die zum Teil recht teuren Endgeräte, aber auch die noch immer überschaubare Zahl an nutzbaren Apps sein. Und während Microsoft eifrig daran arbeitet, mehr Applikationen im Windows Market Place zur Verfügung zu stellen, kommen nach und nach auch preiswerte Windows-Smartphones in den Handel. Eines dieser Discount-Smartphones ist das LG E906, das unter dem Markennamen Jil Sander Mobile vom gleichnamigen Mode-Label vertrieben wird.

Preisvergleich lohnt sich

Die wichtigsten Botschaft gleich vorweg: bei diesem Smartphone macht ein Preisvergleich mehr Sinn als bei so manch anderem Multimedia-Handy. Denn während es aktuell (Stand Ende Februar 2012) bei Amazon für 295 Euro angeboten wird, hat es simyo in seinen Onlineshop zum Beispiel für 215 Euro aufgelistet. Und es geht noch preiswerter. Wer einen Blick in den neuen Onlineshop von Media Markt wirft, findet das Jil Sander Mobile dort für gerade einmal 199 Euro - jeweils ohne Mobilfunkvertrag und ohne Providerbranding.

Doch lohnt sich die Anschaffung überhaupt? Eine Antwort darauf zu geben, ist gar nicht so einfach. Denn auf der einen Seite gibt es ein ausgereiftes mobiles Betriebssytem, das sich nicht hinter Android oder Apples iOS verstecken muss. Auf der anderen Seite macht das von LG gefertigte Handy keinen sonderlich hochwertigen Eindruck. Insbesondere die Plastik-Menütasten auf der Front sind ein Tiefschlag für Design-Fans und werden dem Ruf von Jil Sander in keiner Weise gerecht. Hier muss man ernsthaft die Frage in den Raum stellen, mit welchem Anspruch sich die deutsche Modemarke am Mobilfunkmarkt platzieren möchte.

Grundsätzlich haben sich die Designer richtig flotte Stil-Elemente einfallen lassen. Eine schmale, spiegelglatte (und für Kratzer anfällige) Windows Phone-Leiste auf der Rückseite mit integrierter Digitalkamera ist ebenso ein Hingucker wie die schmale Umrandung im kräftigen Jil-Sander-Blau, in die sowohl die Lautstärke-Wippe auf der linken als auch die Kamerataste und microUSB-Abdeckung auf der rechten Seite integriert wurden. Auch der deutlich sichtbare Jil Sander-Schriftzug über dem Display lassen das Mobiltelefon auf den ersten Blick als ein hochwertiges Statussymbol erscheinen.

Menütasten zerstören positiven Gesamteindruck

Wer das Telefon aber einmal in den Händen halten darf, muss schnell feststellen, dass der Schein trügt. Denn ausgerechnet bei den drei Menütasten unter dem Display haben LG und Jil Sander vergessen, die ansonsten durchaus eleganten Design-Elemente konsequent fortzuführen. Nichts als Plastik und das auch noch ohne Hintergrundbeleuchtung kommt bei Zurück-, Such- und Home-Taste zum Einsatz. Enttäuschend ist auch, dass es ordentlich knarzt wenn die drei Tasten gedrückt werden. Dadurch verspielt das Smartphone auf einen Schlag all seine Eleganz und wirkt eher wie ein billiger Abklatsch von der Resterampe. Das ist vor allem deswegen bitter, weil es völlig unnötig ist. An dieser Stelle Geld einsparen zu wollen, war kein glücklicher Schachzug.

Rein technisch kann das Jil Sander Mobile mehr überzeugen. Wer das Telefon mit auf die Weltreise nehmen möchte, kann das ohne Bedenken tun. Mit der integrierten Quadband-Antenne funkt es rund um den Erdball in GSM-Netzen, kann aber auch überall dort genutzt werden, wo ein UMTS-Netz zur Verfügung steht. Mobile Internetverbindungen sind auf Basis von HSDPA mit maximal 7,2 Megabit pro Sekunde oder über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich. Allerdings: die WLAN-Verbindung unterbricht immer dann, wenn sich das Telefon in den Standby-Modus schaltet und die Bildschirmsperre aktiviert wird. Zum Beispiel Whatsapp-Nachrichten werden dadurch in der Regel stark verzögert wahrgenommen.

Recht großes Display

Ausreichend groß präsentiert sich die Touchscreen-Diagonale. Mit Abmessungen von 3,8 Zoll (9,65 Zentimeter) werden Internet- und App-Inhalte ausreichend groß dargestellt - mit bis zu 262.000 Farben bei einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln. Das Schreiben von SMS oder Instant Messenger-Nachrichten ist über eine virtuelle QWERTZ-Tastatur sowohl im Quer- als auch im Hochformat möglich und geht wie bei allen Windows Phone-Handys erfreulich leicht von der Hand. Etwas störend ist lediglich die häufig nicht zuverlässig arbeitende automatische Rechtschreibprüfung. Sie greift auch häufig dann ein, wenn es gar nicht notwendig ist.

Und natürlich hat ein Smartphone auch besondere Extras von Jil Sander vorzuweisen. Prominent in das tiefblaue Kachelmenü von Windows Phone eingebunden ist zum Beispiel eine Jil Sander App, die unter anderem einen Blick auf den aktuelle Kollektion zulässt, aber auch die in Großstädten zu findenden Botiquen auflistet. Zudem ist es direkt aus der App heraus möglich, auf den Online Store zuzugreifen. Im Lieferumfang inklusive sind eine Schutztasche und In-Ear-Headset, die beide ebenfalls im markanten Jil-Sander-Blau daherkommen.

Ausreichend groß ist der interne Speicherplatz. Von den insgesamt 16 Gigabyte stehen 14,5 Gigabyte für persönliche Zwecke zur Verfügung. Zum Beispiel für Musikdateien, Apps oder mit der integrierten Kamera aufgenommene Schnappschüsse. Im Fotomodus löst die Digicam mit bis zu 5 Megapixeln auf und kann auf einen Autofokus und ein Fotolicht zurückgreifen. Im Videomodus sind Aufnahmen in HD-Qualität mit 720p möglich. Qualitativ ist die Kamera aber insbesondere bei weniger guten Lichtverhältnissen nicht in der Lage richtig hochwertige Ergebnisse zu liefern. Aufnahmen zeigen häufig ein deutlich sichtbares Bildrauschen und Unschärfen. Für das Festhalten von Erinnerungen oder das Posten von Fotos bei Facebook reicht die Kamera aber allemal aus.

Gute Akustikwerte

Nicht mehr als Mittelmaß ist der integrierte Akku. Er liefert mit einer Kapazität von 1.500 mAh nach Angaben des Herstellers bis zu 16 Tage Bereitschaftszeit, muss bei einer normalen Smartphone-Nutzung aber nach einem Nutzungstag ans mitgelieferte Ladegerät angeschlossen werden. Kaum Abstriche müssen bei der Gesprächsqualität gemacht werden. Der Telefonpartner ist deutlich zu hören, Echos sind nicht zu vernehmen, hier und da wirkt die ausgegebene Stimmfarbe etwas blechern.

An weiteren Extras bringt das Jil Sander Mobile einen MP3-Player, ein UKW-Radio und eine Bluetooth-Schnittstelle mit. Es fehlen aber auch Elemente. Zum Beispiel ein NFC-Chip, eine HDMI-Schnittstelle oder die Möglichkeit, den Speicher über eine microSD-Karte zu erweitern. Wie bei allen Windows-Handys ist es darüber hinaus ein Ärgernis, dass das Gerät nicht als Wechseldatenträger erkannt wird. Der Einsatz der so genannten Zune-Software wird vorausgesetzt, um beispielsweise Fotos, Videos oder Musikdateien vom Handy auf einen PC (oder umgekehrt) zu überspielen.

Fazit: Tolles Telefon unsauber verpackt

Jil Sander hätte mit seinem Mobiltelefon auf Basis von Windows Phone einen richtig großen Wurf landen können. Dafür wäre es gar nicht notwendig gewesen, bis ins Detail auf sämtliche Feinheiten zu achten, die lieblos und billig gehaltenen Menütasten sind aber ein fast schon unverzeihlicher Fauxpas. Abgesehen davon macht das Telefon in Sachen Performance mit seinem integrierten Gigahertz-Prozessor und 512 Megabyte Arbeitsspeicher aber eine rundum gute Figur und kann auch in Sachen Handling mit seinen kompakten Abmessungen von 123 x 62 x 12 Millimetern überzeugen. Dass das Gerät rund 140 Gramm auf die Waage bringt, merkt man als Nutzer kaum.

Name: Jil Sander Mobile (LG-E906)
Hersteller: LG
Internet: www.jilsander.de
Preis: ab ca. 200 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Windows Phone 7.5 Mango
Prozessor: 1,0 Ghz. 
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 123 x 62 x 12 Millimeter
Gewicht: 143 Gramm
Display: 3,8 Zoll, 800 x 480 Pixel, 262.000 Farben
Speicher: 16 GB intern (nicht über MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel Kamera, 4 x Digitalzoom, HD-Videofunktion (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Schutztasche, Datenkabel 
SAR-Wert: k.A.
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 4-5 Stunden Sprechzeit
18-24 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ordentliche Performance
gute Akustik
optisch ansprechende Design-Akzente
viel Plastik verbaut
Kamera mit Schwächen
Speicher nicht erweiterbar
Gerät wird nicht als Wechseldatenträger erkannt
keine Status LED
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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