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iPad im Test: Apples Hype-Gadget mit Schwächen

Wozu soll man das iPad eigentlich am besten nutzen? Wir haben geprüft, wie das iPad als MP3-Player, Surf-Tablet, E-Book-Reader, Netbook-Ersatz oder digitaler Bilderrahmen abschneidet.

Wozu soll man das iPad eigentlich am besten nutzen? Wir haben geprüft, wie das iPad als MP3-Player, Surf-Tablet, E-Book-Reader, Netbook-Ersatz oder digitaler Bilderrahmen abschneidet.

Apple© Apple

Womit soll man das iPad vergleichen? Es ist weder ein Konkurrenzprodukt zum Notebook, da es weniger auf das tägliche Computing ausgelegt ist, noch ist es ohne Telefoniefunktion und SMS ein Smartphone-Ersatz - von der Größe einmal abgesehen. Aber was ist es denn nun? Apple selbst bezeichnet es als "magisches und revolutionäres Gerät zu einem unglaublichen Preis", eine klare Definition des Anwendungszwecks klingt anders. Ob nun Slate-PC, Riesen-iPhone, E-Book-Reader oder Tablet – wozu kann es im Alltag überhaupt genutzt werden? Wir haben es ausprobiert.

Überblick – Apple iPad im Test

  1. Optik, Lieferumfang, erster Eindruck
  2. iPad als digitaler Bilderrahmen, Videoplayer, Surf-Tablet
  3. iPad als E-Book-Reader, Netbook-Ersatz und für Einsteiger
  4. Sonstiges, Fazit und Faktentabelle

Nacktes Riesen-Display

In den USA startete Apples neuestes Produkt bereits am 3. April, Interessenten aus anderen Ländern sollten eigentlich Ende April zum Zug kommen. Diesen Termin verschob Apple aber um einen Monat auf den 28. Mai und begründetet die Verzögerung mit einer zu hohen Nachfrage. Schnell war die erste Serienproduktion für den deutschen Markt ausverkauft. Folge: Apple passte auf seiner Website den Liefertermin für das iPad und einige Zubehörteile auf den 7. Juni an.

Unsere Redaktion konnte das iPad trotzdem testen, weil wir direkt in den USA auf Einkaufstour gegangen sind, um ein iPad WiFi zu erstehen. Nach dem Öffnen der minimalistisch-hübschen Verpackung, kommt eine 189,7x242,8 Millimeter (mm) große und 13,4 mm dünne Tafel mit dem vom iPhone bekannten Home-Button zum Vorschein. Rund um das 9,7 Zoll große Glas-Display säumt sich ein knapp zwei Zentimeter breiter schwarzer Rahmen. Nach einigem Fingerwischen sieht das iPad aber nicht mehr so schön sauber aus (siehe Seite 2). Die Rückseite nutzt - wie das MacBook Air (Test) oder der iMac (Test) - ein Aluminiumgehäuse und weist sich mit einem schwarzen Apfel schon von weitem als Apple-Gerät aus. Das WLAN-iPad wiegt 680 Gramm, die UMTS-Variante ist 50 Gramm schwerer. Obwohl das Tablet auf dem Papier leicht ist, fühlt es sich in der Praxis nicht so an. Das etwa 1,2 Kilogramm schwere MSI Wind U160 Netbook empfindet man nicht unbedingt als doppelt so schwer wie das iPad mit seinem komplett anderen Knochenbau – ein Riesen-Display ohne Tastatur und ohne Deckel.

Ohne iTunes geht nichts

Rund um das Gehäuse herrscht fast gähnende Leere, ein paar Lüftungsschlitze, Mikrofon, Kopfhöreranschluss, ein Lautstärkeschalter, eine Hold-Taste für das Arretieren des Displays (wie beim iPhone passt sich der Bildschirm automatisch der Lage an), die Schnittstelle für das mitgelieferte USB-Kabel und der Button zum einschalten, das ist alles. Ebenso kurz und bündig lässt sich auch der weitere Lieferumfang beschreiben, der noch das Netzteil, Sicherheitsinfos und anstelle eines Handbuchs eine kleine Pappkarte enthält, die vor dem ersten Start zur Installation von iTunes auffordert. Ohne die Apple-Software geht nämlich gar nichts.

Das Display löst mit 1.024x768 Bildpunkten auf, zu den Mindestanforderungen für echtes High Definition fehlen somit in der Breite Pixel, obwohl Apple die 720p-Wiedergabe aufführt. Da wie beim iMac ein IPS-Panel aufgelegt wurde, kann die Bildqualität absolut überzeugen. Wenn nur die Spiegelungen nicht wären, die die brillante Videowiedergabe überschatten. Selbst wenn der Nutzer nicht direkt am Fenster sitzt, sieht er auf dem Display vor allem eins: sich selbst. Dem Produktvideo zufolge soll das iPad das beste Gerät zum Surfen und zur Videowiedergabe sein – zunächst merkwürdig, wo es doch kein Flash unterstützt.

Überblick – Apple iPad im Test

  1. Optik, Lieferumfang, erster Eindruck
  2. iPad als digitaler Bilderrahmen, Videoplayer, Surf-Tablet
  3. iPad als E-Book-Reader, Netbook-Ersatz und für Einsteiger
  4. Sonstiges, Fazit und Faktentabelle

Das Flash-Problem

Für YouTube gibt es ein eigenes App, Websites mit Flash-Videos lassen sich allerdings nur eingeschränkt nutzen. Das ist oftmals ärgerlich und zugleich der größte Kritikpunkt, auch wenn Steve Jobs das anders sieht. Wer sich das iPad kauft, um auf der Couch immer Zugriff auf seine Lieblings-Websites zu haben, und genau diese dann nicht funktionieren, wird maßlos enttäuscht sein. Dass das iPad nicht multitaskingfähig ist, störte im Test hingegen weniger. Ein Gerät in dieser Bauweise verführt entweder zum Videoschauen, Internetsurfen oder zum Schreiben von E-Mails, und nicht alles gleichzeitig. Wer das Surfen unterbricht und später erneut auf den Safari-Button tippt, erhält sofort wieder Zugriff auf die zuvor geöffneten Websites. Die Anzeige unterscheidet sich von der im Safari für Windows-PCs, einige Websites waren auf dem iPad etwas verrückt oder zerpflückt, im Windows-Safari hingegen einwandfrei.

Das iPad als digitaler Bilderrahmen?

Übertragen, anschauen und anhören lassen sich unter anderem AAC-, MP3- und WAV-Dateien, H.264-Videos in 720p, MPEG-4 und M-JPEG. PDF- oder TXT-Dokumente können nicht so einfach übertragen werden, nur ein Download oder ein E-Mail-Anhang wäre möglich. Apple präsentiert das iPad auf seiner Website als digitalen Bilderrahmen, doch auch dies ist gleichermaßen kompliziert – oder teurer. Out-of-the-box können nämlich keine Bilder von der Digitalkamera direkt auf das Gerät geschickt werden. Hierzu braucht es ein iPad Camera Connection Kit, das sich Apple gut bezahlen lässt. Ansonsten hilft auch hier nur der Umweg, die Fotos als Anhang in einer E-Mail zu schicken, was auf Dauer zu umständlich sein dürfte. Für den Gebrauch als Bilderrahmen fehlt außerdem ein Ständer, für den sicheren Transport oder die Aufbewahrung eine Tasche und um ab und an längere Texte zu verfassen, fehlt die Möglichkeit, einfach eine bereits vorhandene USB-Tastatur anschließen zu können. Nicht, dass das iPad dies nicht alles doch irgendwo bieten würde, aber Apple möchte mitverdienen. Für all diese Funktionen verkauft der Hersteller Zubehör für 29 bis 69 Euro, was den für Apple-Verhältnisse günstigen Gerätepreis nach oben treibt.

Der Sound wird über einen Lautsprecher an der Seite ausgegeben. Eine zentrale Beschallung wäre aber schöner gewesen, zumal die Hand je nach Griffhaltung den Lautsprecher verdeckt. Die Qualität ist ordentlich, das iPad klingt besser als so manches Net- oder Notebook und erst recht als ein Handy. An ein Multimedia-Notebook mit betont gutem Klang reicht es aber nicht heran.

Taugt das iPad als E-Book-Reader? Optisch "ja". Die E-Ink-Bildschirme mögen augenschonender als der extrem spiegelnde Bildschirm des iPad sein, so schön und zeitgemäß können sie Informationen aber bislang nicht präsentieren, zumal es keine Videofunktion und auch nicht immer einen Touchscreen gibt. Das iPad spielt hier seine Multitouch-Vorteile voll aus, Schrift lässt sich intuitiv mit zwei Fingern vergrößern, das Scrollen wird zum Kinderspiel. Traditionelle E-Book-Reader kämpfen außerdem oft mit zu dunklen Anzeigen, wie auch der Sony PRS-600, das iPad kann hier mit einem besonders hellen Display glänzen – und da liegt der Knackpunkt: die extremen Spiegelungen stören wieder. E-Books gibt es im Übrigen nur über Apples iBook-Store. Der AppStore hält zum Beispiel Marvell-Comics und Anwendungen von Tageszeitungen bereit, geblättert wird mit dem Finger.

Überblick – Apple iPad im Test

  1. Optik, Lieferumfang, erster Eindruck
  2. iPad als digitaler Bilderrahmen, Videoplayer, Surf-Tablet
  3. iPad als E-Book-Reader, Netbook-Ersatz und für Einsteiger
  4. Sonstiges, Fazit und Faktentabelle

Steve Jobs bezeichnete das iPad als "fortschrittlichstes Stück Technik", das er je bei Apple mitentwickelt habe. Aber was ist eigentlich so fortschrittlich am iPad? Wer sich Apples Produktvideo anschaut und das Gerät auf seine nackten Eckdaten reduziert, findet weder Magie noch Wunder. Schlussendlich scheint das iPad nicht durch eine unendliche Vielzahl von Features, sondern im Gegenteil durch Weglassen von Extras aufzufallen. Keine Kamera und somit kein Videoplausch mit den Verwandten auf der Couch, UMTS nur auf Wunsch, ein 1-Gigahertz-Prozessor, der eher nach Smartphone als nach Netbook schmeckt – für den leistungshungrigen Technik-Fan klingt das dürftig, für die ehemalige Netbook-Zielgruppe vielleicht gerade richtig. Wie bei anderen Aufgaben gilt aber auch für die Büroarbeit das Motto "ohne App geht nichts". Apple bietet iWork für 9,99 US-Dollar im AppStore an, das eine Textverarbeitung (Pages), eine Tabellenkalkulation (Numbers) und eine Präsentationssoftware (Keynote) umfasst. Eine E-Mail-Anwendung, ein Kalender, ein Notizblock und die Kartensoftware Maps sind bereits installiert.

Das iPad als Schreibmaschine oder Smartphone?

Der Haken für Vielschreiber dürfte die einblendbare Tastatur sein. Sie ist zwar ganz okay, aber lange nicht so komfortabel wie ein Netbook-Exemplar. Als Antwort auf das Antippen einer Taste gibt es nur ein Geräusch, eine klare Gewöhnungssache. Dass man für Zahlen oder Zeichen wie Klammern eine Extra-Charge an Buttons aufrufen muss, nervt, wenn man sie häufig benötigt. Umlaute gibt es nur durch Gedrückthalten der Konsonanten, was den Schreibfluss unterbricht. Auch als Smartphone-Alternative ist das iPad nicht zu gebrauchen, es gibt weder eine Webcam noch eine echte Telefoniefunktion. Wer mag, kann VoIP-Applikationen installieren - zum Beispiel von sipgate.

Das iPad für Einsteiger?

Einige sehen gerade in dem Verzicht auf komplizierte Technik einen Vorteil für weniger technikaffine Nutzer. Bislang sprechen die Verkäufe in der Zielgruppe jedoch eine andere Sprache. Einer Umfrage zufolge tummelten sich unter den ersten Käufern knapp drei Viertel Mac-Nutzer und 66 Prozent iPhone-Besitzer. Klar gegen Oma und Opa als Kunden sprechen die Notwendigkeit eines PCs oder Macs und auch der iTunes-Zwang. Windows-Nutzer, die mit Apple und iTunes sonst wenig am Hut haben, werden die Bedienung nicht so intuitiv finden wie ein iPhone-Besitzer.

Die vielfach diskutierten und auch im Apple Forum erwähnten WLAN-Probleme konnten wir nicht feststellen, das iPad fand ohne Aufforderung direkt das Netzwerk, die Verbindung blieb stabil. Im Vergleich mit einem Netbook und einem Notebook entpuppte sich das iPad lediglich als weniger tolerant: Wo die Vergleichsgeräte noch vergeblich versuchten, eine Verbindung aufzubauen, zeigte das iPad bereits an, kein Netz gefunden zu haben. Für diejenigen, bei denen es nicht so reibungslos funktionieren mag, hat Apple bereits einen Hinweis veröffentlicht. Aufgeladen wird das iPad – wie üblich – entweder über das USB-Kabel am PC oder Mac oder mit dem Netzteil an der Steckdose. Die USB-Verbindung reagierte aber äußerst zickig, die USB-Anschlüsse unserer getesteten PCs, Net- und Notebooks hatten für den iPad-Geschmack offenbar allesamt zu wenig Power. Von sechs Rechnern war lediglich das Dell Netbook Inspiron Mini 10 (Test) dazu in der Lage. An den Front-Ports lag es übrigens auch nicht, Apple empfiehlt zwar zur Abhilfe die direkten Mainboard-Schnittstellen, dies brachte aber keine Besserung. Die Batterieanzeige schmückt sich dann mit einem "Lädt nicht", verzichtet aber auf weitere Infos. Der Akku soll laut Apple bis zu zehn Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was auch realistisch ist.

Überblick – Apple iPad im Test

  1. Optik, Lieferumfang, erster Eindruck
  2. iPad als digitaler Bilderrahmen, Videoplayer, Surf-Tablet
  3. iPad als E-Book-Reader, Netbook-Ersatz und für Einsteiger
  4. Sonstiges, Fazit und Faktentabelle

Fazit: Auf der Couch macht das iPad die beste Figur

Wie eingangs geschrieben, ist das iPad weder ein adäquater Netbook-Ersatz noch ein waschechter Tablet-PC, sondern vielmehr ein komplett eigenständiges Gerät, das sich seinen Platz am Markt erkämpfen möchte. Den Massenmarkt erreichen Hersteller zumeist über einen guten Preis, auch das iPad ist in der kleinsten Bestückungsversion für 499 Euro für ein Apple Produkt günstig. Extra-Taschengeld verdient sich das Unternehmen dann aber über die zahlreichen Zubehörteile, die Funktionen ergänzen, die eigentlich integriert sein sollten - wie das Übertragen von Fotos. Als Internet-Tablet auf der Couch ist das Gerät unschlagbar, einfach auf den Einschaltknopf drücken und nach knapp 20 Sekunden lossurfen - vorausgesetzt, man kann auf Flash verzichten. Für kurze E-Mails reicht auch die Onscreen-Tastatur absolut aus. Auf die Dauer kann aber stören, dass zur iPad-Bedienung beide Hände nötig sind, man denke an lange Fahrten im ICE. Wie wir schon in einem Kommentar festgehalten haben, kann das iPad bei Weitem nicht alles, das will es aber auch gar nicht.

Mögliche Alternativen zum iPad haben wir in einer Übersicht zusammengestellt, auch die iPad UMTS-Tarife der vier großen Netzbetreiber hat unsere Redaktion gegenübergestellt.

Name: iPad
Hersteller: Apple
Internet: www.apple.de
Preis: UVP 16 GB 499 Euro / UMTS 599 Euro, 32 GB 599 Euro / UMTS 699 Euro, 64 GB 699 Euro / UMTS 799 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Apple A4 System-on-a-chip-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 9,7 Zoll (1.024x768 Pixel) IPS Touchscreen, LED-Hintergrundbeleuchtung
Speicher: 16, 32 oder 64 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangaben: 10 Stunden surfen oder Videos, 9 Stunden im 3G-Netz
Kommunikation: Wi-Fi-Modell: WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 2.1 / 3G Modell: WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 2.1, UMTS/HSDPA, GSM/EDGE
Betriebssystem: iPhone OS
Abmessungen: HxBxT: 242,8x189,7x13,4 mm Millimeter; 680 Gramm/730 Gramm (3G-Modell)
Anschlüsse: Dock connector port, Mikrofon, Kopfhörer, Micro SIM (nur 3G-Modell)
Sonstiges: Umgebungslicht- und Bewegungssensor
Garantie: ein Jahr Apple Standardgarantie, zwei Jahre kosten 99 Euro extra
Pro & Contra
tolle Bildqualität
helles Display
sehr gute Touchscreen-Bedienung
schnell einsatzbereit
Bluetooth
Akkulaufzeit
schmieranfälliges Display
kaum Schnittstellen
keine Speichererweiterung möglich
Akku nicht austauschbar
iTunes-Zwang
kein Flash-Support
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): sehr gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup und Marcel Petritz)

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