Testbericht

Internet Explorer 9 Beta im Test - Revolutionärer IE

Endlich steht die Beta-Version des neuen Microsoft Browsers bereit - und entfernt ordentlich Staub vom alteingesessenen Internet Explorer. Im Test zeigt sich die IE 9 Beta nicht nur schneller, sondern auch viel hübscher.

Endlich steht die Beta-Version des neuen Microsoft Browsers bereit - und entfernt ordentlich Staub vom alteingesessenen Internet Explorer. Im Test zeigt sich die IE 9 Beta nicht nur schneller, sondern auch viel hübscher.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Am Mittwochabend hat Microsoft seinen neuen Browser offiziell in die Beta-Phase geschickt; nun steht der Internet Explorer 9 Beta zum Download bereit. Die Features klingen vielversprechend: Eine besonders realistische Darstellung, ein Blick in die Zukunft mit dem Fokus auf neuen Standards und eine schnellere Performance durch einen Zugriff auf die Ressourcen der Grafikkarte. Hält der Internet Explorer 9 in der Beta-Version seine Versprechen? Wir haben den neuen Browser ausprobiert.

IE 9 Beta nur für Vista und Windows 7

Microsoft bietet den IE 9 Beta in 33 Sprachen für die Betriebssysteme Windows 7 und Vista in 32- und 64-bit-Editionen an. XP-Nostalgiker bleiben also außen vor. Nach einigen Minuten Installation und einem Neustart des Computers kann sich der Beta-Nutzer mit dem Browser ins Netz wagen. Eine Startseite informiert zunächst über die Neuerungen und bietet in einer Art Fußnote an, Add-ons standardmäßig abzuschalten, um den Start des Browsers und das Surfen zu beschleunigen. Diese Information enthüllt gleich zwei Neuheiten: Die Fußnote ist die neue Benachrichtigungsleiste, die den Nutzer weniger stören soll als Meldungen in Pop-Up-Fenstern. Auch Fragen wie die Speicherung von Passwörtern werden jetzt dezent am Fußende angezeigt. Darüber hinaus zählt die Add-on-Verwaltung zu den neuen Funktionen: Sie verrät, welche Erweiterungen den Browser lähmen können. Mehr Speed ist schließlich ein Versprechen der ersten Stunde – und auch wirklich notwendig, wenn man sich den Internet Explorer 8 anschaut.

Schneller durch Chakra - SunSpider JavaScript Benchmark

Um Grafiken und Videos besser anzeigen zu können, nutzt der Internet Explorer nun eine Hardwarebeschleunigung und soll so auch High Definition Inhalte stabiler abspielen. Zum beschleunigten Surfen soll vor allem die neue JavaScript-Engine Chakra beitragen. Wie gut Chakra arbeitet, zeigt der SunSpider JavaScript-Benchmark. In unserem Test war die IE 9 Beta mehr als elfmal so schnell wie der Internet Explorer 8. Auch beim Surfen macht sich je nach Website ein Geschwindigkeitsanstieg bemerkbar.

IE 9 Beta im Acid3-Test

Für direkt in der Website eingebundene Videos und Audioclips unterstützt der Internet Explorer 9 nun außerdem HTML 5. Sollte eine Website mit dem neuen IE noch nicht korrekt angezeigt werden, kann der Nutzer auf die Kompatibilitätsansicht klicken, die die Seite im Look des IE 8 öffnet. Im Acid3-Test erreichte die Internet Explorer 9 Beta in unserem Versuch 95 von 100 Punkten, der IE 8 magere 20 Punkte mit Darstellungsfehlern und der Firefox 3.6.8 gute 94 Punkte. Lediglich an Chrome reicht die Beta nicht heran; der Google Browser absolviert den Test schneller, flüssiger und besser und erzielt 100 Punkte.

Für Entwickler und Web-Designer hält Microsoft auf der IE 9 Test Drive Website weiterführende Informationen und Tools bereit, um die Performance zu testen. Eines davon ist FishIE Tank, ein simuliertes Aquarium. Im direkten Vergleich mit dem Firefox 3.6 zeigte sich selbst auf einem PC mit schwacher Onboardgrafik ein deutlicher Vorsprung: Während der IE 20 Fische flüssig durch das Aquarium schwimmen ließ, ruckelte es im Firefox mit halber Framerate. Besonders prägnant wurde die gestiegene Leistung in Kombination mit einer Grafikkarte aus der gehobenen Mittelklasse, die sogar 1.000 Fische ohne Probleme und Ruckler anzeigte.

Neben einer höheren Geschwindigkeit betont Microsoft besonders die optische Verbesserung, die die Website an sich in den Vordergrund rücken soll. Und tatsächlich haben die Redmonder ordentlich aufgeräumt und zum Beispiel Adressleiste und Suchfeld zu einem neuen Einzelfeld zusammengefügt. Jetzt lassen sich URLs und auch Begriffe für die Suche in Microsofts Suchmaschine Bing im selben Feld eingeben. Andere Suchanbieter können per Add-on nachgereicht werden. Außerdem haben die Entwickler Menüpunkte wie Seite, Sicherheit und Extras aus dem Internet Explorer 8 sowie die zahlreichen Symbole für Favoriten oder zum Drucken auf drei einfache Icons zusammengestrichen. Von dort aus sind alle gewohnten Funktionen und Einstellungen erreichbar. Das Ergebnis ist ein hübscher, aufgeräumter Look, der wesentlich moderner wirkt als die Oberfläche des IE 8 und an Chrome erinnert: Der Google Browser mag es ebenfalls spartanisch. Wer sich mit dem minimalistischen Look nicht anfreunden kann, drückt die Alt-Taste und erhält so eine zusätzliche Leiste mit den Menüpunkten.

Das Tabbed Browsing unterstützt der Internet Explorer ja schon länger, an der Darstellung der einzelnen Registerkarten in Windows 7 hat sich verglichen zum Vorgänger nichts geändert: Während beispielsweise ein Firefox-Fenster mit zehn geöffneten Tabs in der Taskleiste bei einer Mouse-over-Bewegung als ein einziges Fenster angezeigt wird, erscheint ein Internet Explorer Fenster, in dem zehn Registerkarten geöffnet sind, als Reihe mit zehn Fenstern. Dies lässt sich aber abstellen. Auch die Darstellung der Tabs innerhalb des Browserfensters dürfte für Firefox-Nutzer ungewohnt sein: Die Registerkarten müssen sich neben dem Eingabefeld dicht an dicht zusammendrängeln, da dieses bereits die Hälfte der Breite einnimmt.

Registerkarten herausnehmen

Neu ist aber die Möglichkeit, ein Register per Maus aus dem Fenster zu ziehen und somit abzutrennen. Ähnlich wie im Firefox-Browser lassen sich so ehemals in einem Fenster geöffnete Tabs für einen direkten Vergleich nebeneinander anzeigen. Der IE hat es aber optisch noch besser und intuitiver gelöst als die Entwickler von Mozilla.

Schnellzugriff: Websites anheften

Der Internet Explorer arbeitet Hand in Hand mit Windows 7 und ermöglicht das Anheften von häufig besuchten Websites in der Taskleiste per Drag & Drop. Später kann der Nutzer dann einfach per Klick auf die angeheftete Website im Internet surfen und muss nicht zuerst den Browser starten.

Ein weiteres neues Feature ist der integrierte Download-Manager, der nicht nur ausgiebig Auskunft über die laufenden Downloads gibt, sondern auch das Anhalten und erneute Starten ermöglicht. Für mehr Sicherheit hat Microsoft das Blockieren von Malware verbessert und ein Elemente integriert, um festzulegen, welche Informationen der Browser an Suchanbieter weiterleitet. Ein Unterschied zum Vorgänger-Browser ist zudem die Möglichkeit, nach einem Absturz mehrere Registerkarten oder einzelne Tabs isoliert wiederherzustellen.

Fazit: Das Imperium schlägt zurück

Nachdem der Internet Explorer lange hinter den Konkurrenz-Browsern hinterher hinkte und Nutzer an Firefox und Chrome verlor, katapultiert sich Microsoft mit dem neuen IE 9 wieder nach vorn. Die verschlankte und aufgeräumte Optik gefällt und verschafft Übersicht und die neuen Features wie die Unterstützung neuer Web-Standards sowie die Hardwarebeschleunigung lassen den IE 9 am Fortschritt teilhaben. Dass sich der Browser noch im Beta-Stadium befindet, merkten wir ihm im kurzen Test nicht an. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet den Download des Internet Explorer 9 Beta auf der Microsoft Website.

(Saskia Brintrup)

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