Testbericht

Überraschend gut: Internet Explorer 8 Beta im Test

Neues von der Browser-Front: Microsoft meldet sich mit dem Release der Beta-Version des Internet Explorers 8 nun offiziell zurück. Können die Redmonder endlich mit dem Firefox gleichziehen?

Browser© k-artz / Fotolia.com

Microsoft hat die englische Beta 1 Version des Internet Explorer 8 kürzlich zum öffentlichen Download bereitgestellt. Grund genug, sich den brandneuen Browser einmal genauer anzusehen. Die Redaktion von onlinekosten.de hat einen Blick riskiert.

Recover me!

Neben dem üblichen Bugfixing haben die Entwickler sich diesmal an die Standards für Internetseiten gehalten, mit dem Ergebnis, dass der Internet Explorer als einer der ersten Browser den Acid2-Test besteht. Darüber hinaus wurden einige neue Funktionen in das Programm integriert. Endlich bekommt auch der Internet Explorer eine automatische Wiederherstellungsfunktion, die nach Abstürzen des Browsers die letzte Sitzung wiederherstellt. Der Schutz vor dubiosen Websites soll ebenfalls verbessert worden sein und neben Phishing-Seiten auch Websites melden, die schädliche Skripte oder Programme verbreiten – dementsprechend wurde das Programm von "Phishing" auf den Namen "Safety"-Filter umgetauft. Auch neu in diesem Zusammenhang ist die Darstellung des aktuellen Domain-Namens in Fettschrift, so sieht man deutlich, auf welcher Seite man sich gerade befindet, was Betrugsversuche weiter erschwert.

Von Aktivitäten und Scheibchen

Ebenfalls neu implementiert wurden die Activities: Ein Rechtsklick auf der Website oder das Markieren eines Wortes öffnet ein erweitertes Kontextmenü, welches auf Knopfdruck zum Beispiel die Website via Windows Live übersetzen kann. Besitzer eines Live Spaces-Blogs können ausgewählte Texte ebenfalls direkt per Mausklick in das Weblog kopieren, was den Einsatz von Copy&Paste unnötig machen soll. Unbekannte Begriffe können mit MSN Encarta geklärt werden. Wer den Weg zum neuen China-Restaurant in der Stadt sucht, kann auf dessen Website die Anschrift markieren und sich den Weg beispielsweise durch Yahoo! Maps anzeigen lassen. Vor dem eigentlichen Aufrufen der Karte wird das Ergebnis in einem Vorschaufenster präsentiert. Bislang stehen zwölf verschiedene "Aktivitäten" zur Auswahl, unter anderem Ebay und Facebook, deutsche Anbieter sucht man noch vergebens. In Zukunft aber wird das Angebot und damit die Möglichkeiten dank findiger Web-Entwickler wohl schnell wachsen.

Etwas Besonderes haben sich die Redmonder mit den sogenannten WebSlices einfallen lassen. Ob eine Website die bereits unterstützt beziehungsweise implementiert hat, erkennt der Nutzer an dem kleinem violetten Knopf neben der Home-Schaltfläche des Browsers. Bestimmte Seitenausschnitte lassen sich so mittels eingeblendetem Button auf der ebenfalls neuen Favorites Bar unterhalb der Adressleiste ablegen.

Alles im Blick

Ein Beispiel: Nach der Suchanfrage bei Ebay kann mittels Mausklick eine Mini-Vorschau erzeugt werden, die alle wichtigen Auktionsdaten eines Artikels zeigt. Anschließend erscheint diese auf der Favoritenleiste des Browsers. Bis jetzt bietet von den bekannten Unternehmen nur das Aktionshaus diesen Service an. Zurzeit lassen sich zwar nur die ersten zwölf Treffer zu einer Artikelsuche für WebSlices nutzen, aber das Ganze befindet sich ja schließlich noch in der Beta-Phase.

Der neue IE 8 kann darüber hinaus noch die Vorgängerversion emulieren, praktisch, falls ältere Seiten nicht korrekt angezeigt werden können und für Web-Programmierer. Für letztere ist übrigens auch ein Debugger vorhanden. Unterschiede bei der Geschwindigkeit im Seitenaufbau ließen sich im Vergleich zum Vorgänger nicht ausmachen, trotz Beta-Status arbeitet der neue Explorer meist zuverlässig.

Fazit: Zwei Schritte nach vorn

Insgesamt gesehen macht Microsoft mit der neuesten Version einen großen Sprung in die richtige Richtung. Die Möglichkeit, markierte Ausdrücke schnell zu suchen oder anderweitig zu verwenden, erleichtert die Arbeit mit dem Browser sehr. Beim ersten Start kann man diesmal sogar nach alternativen Add-ons für eventuell vorhandene Firefox-Erweiterungen suchen, was im Test allerdings keine brauchbaren Ergebnisse lieferte. Die neuen Funktionen Activities und WebSlices machen Lust auf mehr, und XML-Hobby-Programmierer finden mit ihnen eine neue Spielwiese. Anscheinend haben die Entwickler erkannt, dass ein Browser mehr können sollte, als bloß Internet-Seiten darzustellen. Auf die finale Version darf man mehr als gespannt sein. Bis die erscheint, wird aber wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Erst dann wird auch die Frage geklärt, ob Microsoft mit dem IE8 zu Mozilla aufschließen kann.

(Marcel Petritz)

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