Testbericht

Innen Netbook, außen PC: MSI Wind NetOn im Test

Bei MSI bekommt man für rund 450 Euro einen PC und ein 16:9 TFT-Display – und zwar in einem Gerät. Tastatur und Maus gibt es auch dazu, ein sparsamer Verbrauch ist inklusive. Kann der Wind NetOn AP1900 überzeugen?

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Kreuzt man ein Netbook mit einem All-in-One-PC à la Apple iMac, könnte ein Gerät wie der MSI Wind NetOn Aio PC AP1900 das Ergebnis sein. Der platzsparende Komplett-Rechner mit 18,5-Zoll-Display setzt auf Netbook-Hardware und ist daher günstig und verbraucht wenig Strom. Als Gimmick bietet er eine Gesichtserkennungssoftware, die ein blitzschnelles Log-In per Blick in die Kamera ermöglicht. Unsere Redaktion hat die Netbook-PC-Mischung für rund 450 Euro getestet.

Inhalt:

1. Design und Zubehör
2. Gesichtserkennung und Hardware
3. Schnittstellen, Fazit und Übersichts-Tabelle

Aufstellen oder anschrauben

Der MSI Wind NetOn Aio PC sieht aus wie ein herkömmlicher Monitor. Während andere All-in-One-PCs, wie zum Beispiel der Sony Vaio JS1, mit einem ausklappbaren Ständer Halt finden, nimmt der 4,75 Kilogramm schwere Komplett-Computer von MSI auf einem Standfuß Platz. Dieser muss zunächst angesteckt werden und kippt den Rechner auf Wunsch um fünf bis 15 Grad nach hinten. Ein versehentlicher Kontakt lässt den PC zwar nicht umkippen, dennoch wackelt der NetOn stark, wenn man ihn anstößt. Höhenverstellbar ist er nicht – genau wie andere All-in-One-PCs. Wer den 3,5 Zentimeter (cm) flachen PC lieber an die Wand bringen möchte, kann ihn mit der VESA-Halterung montieren.

In schwarz oder weiß

Das Design spricht wieder Multimedia-Sprache: Der schwarze Hochglanz-Look hat sich schon fast zum Standard gemausert. Damit der edle Eindruck erhalten bleibt, ist also wieder Fingerabdruck-Wegputzen angesagt. Optische Auflockerung verschafft der silberfarbene Rahmen. Alternativ gibt es das 55x42 cm große Gerät auch in weiß.

Für die vom Hersteller empfohlenen 499 Euro erwarten den Kunden im Verpackungskarton außerdem eine Kurzanleitung, ein Handbuch, eine CD mit Treibern, die nochmal das Handbuch enthält, ein DVD-Rohling für eine Sicherungskopie und ein Display-Putztuch.

Weil ein All-in-One-PC erst dann einen wirklich aufgeräumten und stilsicheren Eindruck hinterlässt, wenn Tastatur und Maus im passenden Look gekleidet sind, hat MSI zudem noch die Eingabegeräte springen lassen. Wie der Rechner, glänzen beide in schwarzer Klavierlack-Optik um die Wette. So entsteht ein stimmiges Trio, das dem Arbeitsplatz zu Hause einen modernen Anstrich verleiht.

Maus und Tastatur lassen sich ganz gut bedienen, der Nager ist jedoch nur für Rechtshänder geeignet, extrem leicht und beim Klicken zu laut. Der Vorteil an der Tastatur sind die Multimedia-Sondertasten, mit denen zum Beispiel der Browser aufgerufen oder die Lautstärke verstellt wird. Steht alles am richtigen Platz, kann der Wind NetOn zum ersten Mal eingeschaltet werden. Auf dem Desktop lacht den Nutzer dann sofort ein Assistent für die 1,3-Megapixel-Webcam mit Mikrofon an. Wie bei vielen Toshiba Notebooks, ersetzt sie auf Wunsch das Log-In per Passwort. Die Eintrittskarte ist der Blick in die Kamera, die Einrichtung ist ganz einfach und schnell erledigt. Auch die Authentifikation war im Test extrem schnell: Kaum hat man sich vor den Rechner gesetzt, wird das Antlitz auch schon erkannt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann den PC komplett sperren lassen, wenn ein fremdes Gesicht versucht, sich anzumelden. Als Bonbon hat MSI außerdem zwei kleine Spiele auf den Desktop gepackt, die über die Kamera gesteuert werden.

Schont die Haushaltskasse

Mit Strom versorgt wird der Wind NetOn über ein kleines, leichtes Netzteil. Dass der Betrieb des PCs den Stromzähler definitiv mehr schont als ein herkömmlicher Desktop-Rechner, stellt die Watt-Aufnahme des Netzteils in Aussicht: 65 Watt. Laut MSI beträgt der durchschnittliche Verbrauch 35 Watt. Zum Vergleich: Normale PCs verfügen zumeist über ein 250-Watt-Netzteil, besonders leistungsstarke Gamer-PCs können auch schonmal mit einem 750- oder 1.200-Watt-Exemplar den Verbrauch ankurbeln.

Mit Netbook-Hardware

Zur guten Strom-Bilanz des NetOn AP1900 trägt im Wesentlichen der sparsame Prozessor bei. In dem TFT-Monitor sitzt ein Intel Atom N270 mit 1,6 Gigahertz, der auch die meisten Netbooks antreibt. Die übrigen Komponenten sind ebenfalls Mini-Notebook-Kost: eine Festplatte mit 160 Gigabyte (GB) Speicherplatz sowie ein GB Arbeitsspeicher, der auf maximal zwei GB aufgestockt werden kann. Als Grafiklösung dient wenig überraschend der Intel Onboardchip GMA 950. Auch das Betriebssystem, Windows XP Home, fügt sich nahtlos ein.

Das matte 16:9 Display, das Filmgenuss ohne schwarze Balken verspricht, löst mit 1.366x768 Bildpunkten auf und kann daher sogar High Definition Filme anzeigen. Die Bildqualität ist gut, allerdings könnte die Ausleuchtung heller sein: Je nach Video muss die Helligkeit auf die höchste Stufe gestellt werden. Die auf der Rückseite versteckten 3-Watt-Stereo-Lautsprecher sind zwar nichts für Audiophile, liegen klangtechnisch aber über durchschnittlichen Notebook-Lautsprechern.
Was ein Netbook in der Regel nicht bietet, ist ein Laufwerk: Der Wind NetOn integriert einen DVD-Brenner, lässt aber eine Abspielsoftware vermissen. Bei der Schnittstellen-Bestückung blitzt erneut das Netbook durch. Neben Eingängen für Mikrofon und Kopfhörer, gibt es einen 4-in-1-Kartenleser, vier USB-Schnittstellen sowie PS/2-Ports für Tastatur und Maus. Warum diese angebracht wurden, ist rätselhaft: Die mitgelieferte Peripherie verfügt über USB-Kabel. Ein Zugang zum Internet kann per LAN (Gigabit) oder WLAN 802.11b/g hergestellt werden.

Fazit: Das Netbook im TFT

Mit dem MSI Wind NetOn AP1900 hat man die Chance auf einen All-in-One-PC für unter 500 Euro. Einsteiger müssen nur Tastatur und Maus anschließen und können dann sofort loslegen, die Netbook-Hardware reicht für einfache Anwendungen aus. Ein nettes Zusatz-Feature ist die Webcam mit Gesichtserkennung. Ein so niedriger Preis muss natürlich irgendwo seine Spuren hinterlassen. Der glänzende Kunststoff wirkt nicht so edel wie das Material anderer All-in-Ones, der Standfuß hat den PC nicht ganz fest im Griff und die Schnittstellen-Auswahl ist sehr mager.

Dies macht den MSI NetOn AP1900 zum Netbook mit Riesen-Display – oder zum iMac-Ersatz für preisbewusste Einsteiger. Eine Alternative wäre der EeeTop von Asus zum ähnlichen Preis. Dieser bietet zwar kein Laufwerk und hat ein kleineres Display, besitzt aber eine Touchscreen-Oberfläche.

Weitere PCs, Netbooks und Notebooks im Test gibt es auf der Computer Seite und der Notebook Unterseite.


Name: Wind NetOn AP1900
Hersteller: MSI
Internet: www.msi-technology.de
Preis: UVP 499 Euro
Technische Daten
Prozessor: Intel Atom N270 mit 1,6 GHz
Grafikkarte: Onboard: Intel GMA 950
Speicher: 1 GB DDR2 mit 533 MHz
Festplatte: 160 GB SATA (2,5 Zoll)
Laufwerk: DVD Super-Multi
Soundkarte: Realtek ALC888
Bildschirm: 18,5 Zoll 16:9 (1.366x768 Pixel)
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN (802.11b/g)
Betriebssystem: Windows XP Home
Abmessungen: 55 x 42 x 3,5 cm, 4,75 Kilogramm
Anschlüsse: 4 x USB, PS/2-Schnittstellen, Kopfhörer, Mikrofon, Kartenleser (SD,MMC,MS,XD)
Sonstiges: 1,3-Megapixel-Kamera mit Gesichtserkennung
Benchmarks: PCMark05: 1.519
3DMark03: 714
Garantie: zwei Jahre
Pro & Contra
günstige Anschaffung
sparsamer Verbrauch
leiser Betrieb
kompakt
Log-In per Webcam
Tastatur und Maus inklusive
wenige Schnittstellen
etwas wackelig
Bewertung:
Geschwindigkeit (25%): befriedigend
Ausstattung (20%): befriedigend
Ergonomie (20%): gut
Handhabung/Service (15%): gut
Geräuschentwicklung (10%): sehr gut
Verarbeitung (10%): befriedigend
Gesamt: gut (2,45)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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