Testbericht

Immer schön cool bleiben: 4 Wasserkühlungen im Test

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com


Auch wenn wir den Megasommer 2003 mit Temperaturen nahe der 40 Grad mittlerweile wohl hinter uns haben: Der nächste Sommer kommt bestimmt. Und wenn die Temperaturen dann über die 30-Grad-Marke klettern und Sonnenanbeter sich im Freibad räkeln, beäugen hartgesottene PC-Freaks ängstlich die Temperaturdaten ihres Rechners. Wieder einmal gilt dann der Kampf der Übertakter-Gemeinde dem Hitzetod ihres Rechners. Aber nicht nur Hardcore-Overclockern schlägt das Herz bei dem Gedanken an eine wässrige Abkühlung höher: Auch Freunde der Stille und des so genannten ergonomischen Arbeitsplatzes greifen immer öfter zu liquiden Mitteln anstelle von rumorenden Luft-Kühlern.

Grund genug für uns in die Zauberkiste der nicht mehr ganz so elitären Wasserkühlungs-Gemeinde zu schauen und Systeme der Hersteller ZERN, Innovatek, Aquacomputer und Cooling Solutions unter die Lupe zu nehmen.

So funktioniert eine Wasserkühlung

Bevor es losgeht aber noch ein wenig Theorie: Das Prinzip der Wasserkühlung ist denkbar einfach. Auf der zu kühlenden Komponente, in unserem Fall dem Prozessor, sitzt ein Kühlkörper, der aufgrund der guten Wärmeleit-Eigenschaft meistens aus Kupfer gefertigt ist. Durch diesen Kühlkörper fließt Wasser, welches diesen wiederum kühlt und die Wärme "mitnimmt". Das erwärmte Wasser wird nun durch ein mit Luftkühlern gekühltes Röhrensystem, den Radiator, gepumpt und dadurch gekühlt. Nun Beginnt die Reise von vorne und das Wasser wird wieder zum Kühlkörper gepumpt.

Zum Befüllen des Systems wird außerdem meistens ein Ausgleichbehälter oder Vorfluter verwendet, der diesen Vorgang erheblich vereinfacht. Als Kühlmittel kommt ausschließlich destilliertes Wasser zum Einsatz, da dieses bei einem Leck die Gefahr eines Kurzschlusses mindert. Optional können noch spezielle Farbstoffe oder Wartungsmittel beigefügt werden. Testumgebung: Als Test-CPU nutzten wir den mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 65 Watt äußerst "hitzigen" Athlon Thunderbird C mit einer Taktung von 1400 MHz.

  • Mainboard: MSI MS-6380 K7T266 Pro Sockel A
  • CPU: AMD Thunderbird 1,4 GHz 266 MHz FSB
Testkandidaten: Die folgenden Sets wurden getestet:
  • Aquacomputer:
    • cuplex evo mit geraden plug&cool-Anschlüssen
    • Aquatube silber mit gewinkeltem plug&cool-Anschluss
    • EHEIM 1048 Pumpe inkl. Anschlussadapter
    • airplex mit gewinkelten, drehbaren plug&cool-Anschlüssen


  • Cooling-Solutions:
    • Prozessorkühler K4.2
    • Wasserpumpe MJ 1000
    • Wärmetauscher W2


  • Innovatek:
    • innovatek innovaCool v3 Wasserkühler
    • innovaRadi Dual mit zwei 120mm-Lüftern
    • EHEIM 1046 Pumpe inkl. Anschlussadapter
    • Ausgleichsbehälter


  • ZERN:
    • Wasserkühlung SA Cu Single 10
    • Vorfluter / Ausgleichbehälter
    • EHEIM 1048
    • HV Radiator


Hinweis: Bitte beachten Sie, dass für einige der von uns getesteten Systeme mittlerweile bereits Nachfolgemodelle verfügbar sind. Die aufgeführten Systeme sind aber meist noch - und zwar preislich besonders attraktiv - erhältlich. AQUACOMPUTER

Besonderes Merkmal des Aquacomputer-Sets sind die starren Schläuche samt intuitiv zu bedienender plug&cool-Verschlusstechnik. Dabei wird der Schlauch mit Druck in die Steckverbindung gedrückt, wo sie spürbar einrastet. Erst ein erneuter Druck auf die schwarzen Ränder der Steckverbindung löst den Mechanismus. Die Anschlüsse sind sowohl gewinkelt als auch gerade erhältlich und lassen sich im ersten Fall problemlos drehen.

Herausragend sind auch die anderen, sehr gut verarbeiteten, Komponenten. Da wäre zum einen das Herzstück des Systems: Der cuplex evo, bei dem man dank Plexiglas Deckel freien Blick auf den geschlängelten Wasserverlauf hat. Bei der Montage des cuplex hat man die Wahl sein Motherboard aus dem Gehäuse auszubauen und den Kühler mit 4 Schrauben direkt am Motherboard zu befestigen oder aber sich diesen Aufwand zu sparen und sein Glück dafür mit der ein wenig waghalsig anmutenden 3-Nasen-Halterung zu versuchen, bei der der Kühlkörper über vier Stahlfedern an den Sockel gepresst wird.

Zum anderen der "airplex" getaufte Radiator, der mit zwei 120mm Lüftern betrieben wird und bei dem eine Unzahl kleiner Aluminiumlamellen für die richtige Kühlung sorgen. Designtechnisches Highlight ist der Aquatube-Ausgleichsbehälter, der problemloses Befüllen ermöglicht und zugleich - ebenfalls dank Plexiglas - schön anzusehen ist.



Die Montage verläuft dank der plug&cool-Technik relativ einfach. Auch wenn man sich manchmal nicht ganz sicher ist, ob der Mechanismus nun eingerastet ist oder nicht. Geleckt hat aber während des gesamten Testzeitraums kein einziger Anschluss. Ansonsten klappt auch das "Verschlauchen" an die mitgelieferte EHEIM-Pumpe dank passendem Aufsatz problemlos.





INNOVATEK

Das Innovatek-Set erreichte uns in einer chiquen Retail-Verpackung. Nicht ganz so herausgeputzt, dafür im mysterischen BlackBox-Outfit kommt Innovateks innovaCool v3 daher. Was genau im Inneren vorgeht bleibt dem Außenstehenden verborgen. Jedoch wird auch hier wohl das gekühlte Wasser in wie auch immer gearteten Wirrungen über eine Kupferplatte geleitet werden. Auffällig ist die Befestigung direkt am Sockel, die mit ein bisschen Kraftaufwand relativ einfach von der Hand geht. Nach dieser Maßnahme sitzt der Kühlkörper eigentlich schon bombenfest am Sockel. Zur zusätzlichen Befestigung findet sich ein kleiner Bolzen samt Stahlschraube, über die der Anpressdruck nochmals erhöht wird. Es empfiehlt sich, diese nur mit geringer Kraft festzudrehen - mehr ist auch gar nicht nötig.

Auch Innovatek setzt wie Aquacomputer auf ein eigenes Anschlussverfahren. Dabei wird der auf den Anschluss aufgesteckte Schlauch mithilfe eines Drehverschlusses fixiert und abgedichtet. Innovatek setzt dabei auf äußerst biegsame Schläuche, was eine einfachere Verlegung aber auch eine höhere Knickgefahr mit sich bringt.

Der mitgelieferte Ausgleichsbehälter kann direkt auf die EHEIM-Pumpe aufgesteckt werden, woraus sich eine kompakte Pumpe-Ausgleichsbehälter-Kombination ergibt, die sich auch bequem im Gehäuse selbst unterbringen lässt. Der "innovaRadi Dual" getaufte Radiator ähnelt dem Pendant aus dem Hause Aquacomputer und wird durch zwei 120mm Lüfter gekühlt, die genug Luft durch die Lamellen pusten um das erwärmte Wasser zu kühlen.

COOLING SOLUTIONS

Äußerst schlicht und spartanisch kommt das Set von Cooling Solutions daher. Das Herzstück, der K4.2-Kühler, besticht sowohl durch sein Plexiglas-Design als auch durch das einfache aber scheinbar doch wirksame System der Wasserverteilung über den Kühlkörper: Das Wasser wird quer über den 14fach gerillten Kupferkörper geleitet und somit das Wasser gleichmäßig verteilt. Die Befestigung am Motherboard erfolgt über eine ebenfalls aus Plexiglas gefertigte 4-Loch-Halterung.

Anders als Innovatek und Aquacomputer hat das Cooling Solutions-Set kein eigenes Anschlussverfahren. Die Schläuche werden einfach auf die geriffelten Anschlüsse gesteckt. Obwohl einiges an Kraft erforderlich ist, bis der Schlauch bis zum Anschlag über die Tülle gezogen ist, beruhigt eine Sicherung durch Kabelbinder das Gewissen und macht den Verschluss genauso sicher wie die der Konkurrenten von Aquacomputer und Innovatek. So leicht zu lösen wie diese sind sie allerdings nicht.

Auch in Sachen Pumpe unterscheidet sich Cooling Solutions von seinen 3 Mitbewerbern und setzt als einziger auf die kompakte MJ 1000 Aquarienpumpe, die mit ihren 1000 Litern/Stunde und einer maximalen Förderhöhe von 1,50 Metern den gängigen EHEIM Modellen mit ihren 300 (1046er Modell) bzw. 600 (1048er Modell) Litern/Stunde und 1,20 (1046er Modell) bzw. 1,50 Metern (1048er Modell) Förderhöhe den Rang abläuft. Angemerkt sei hier allerdings, dass die Durchflussgeschwindigkeit des Wassers - solange ein problemloser Durchfluss gewährleistet ist - so gut wie keine Rolle spielt.

Weiterer Negativpunkt neben dem unkomfortablen Anschlussverfahren ist das Fehlen eines Ausgleichsbehälters, weshalb das Befüllen des Systems zu einem kleinen Abenteuer wird. Hilfreich sind hier das beigefügte T-Stück, das allerdings aufgrund seiner Beschaffenheit bei zu roher Gewalt beim Aufziehen des Schlauches schnell einknickt, sowie eine große Spritze. Damit wäre das Problem des Befüllens einigermaßen galant gelöst. Das Nachfüllen von verdampftem Wasser und das Kontrollieren des Wasserstandes fällt allerdings trotzdem sehr schwer, da sich ohne den Ausgleichsbehälter die dabei entstehende Luft im Radiator sammeln kann.

Apropos Radiator: Der Wärmetauscher W2 ist klein und kompakt und kann mit einem 92mm Lüfter bestückt werden. Das Interessante sind die Anschlüsse für die Schläuche, über die eben diese einfach mehrere Zentimeter drüber gezogen werden können. Wie bombenfest das sitzt, merkt man, wenn man versucht den Schlauch wieder zu entfernen. Dazu ist dann einiges an Kraftaufwand nötig.

ZERN

Der ZERN SA Cu Single 10 kommt in Einzelteilen daher. Vor dem Kühlen ist also erstmal munteres Zusammenbauen angesagt, das jedoch problemlos von der Hand geht und dank einer Reihe von Dichtungsringen auch kaum Gefahren birgt. Etwas Gutes hat dieser Do-it-yourself-Kurs: Man sieht ganz genau wie der Kühler aufgebaut ist. Bei ZERN ist das kein großes Geheimnis: Hier wird das gekühlte Wasser über eine Senke in einem massiven Kupferblock geleitet. Einfach. Ob effektiv, muss sich noch zeigen. Rein gar nicht effektiv, sondern eher ein Fall für IKEA-Fetischisten ist die Sockelhalterung von ZERN: Eine wackelige Konstruktion, die keinerlei Arretierung besitzt. Damit wird die korrekte Platzierung des Kühlers zum Glücksspiel. Besser ist da die 4-Loch-Halterung der designtechnisch ausgefeilten Z-Halterung. Wie alle anderen 4 Loch-Halterungen bietet sie eine Menge Halt, jedoch zum Preis des kompletten Mainboardausbaus.

Erfreulich hingegen ist jedoch das Vorhandensein eines Ausgleichbehälters über den die Befüllung wahlweise über den Deckel oder eines der frei gebliebenen Anschlusslöcher erfolgen kann. Das Problem hierbei ist das nötige Verschließen dieser Löcher. Gummistopfen wären geeignet, lassen aber - sofern sie nicht die Idealmaße besitzen - gern mal etwas Wasser durch. In unserem test hat sich Isolierband als sicher und gut anwendbar erwiesen.

Ein echter Brocken ist der HV Radiator, der wahlweise mit einem 120mm Lüfter betrieben werden kann. Das Schwergewicht bringt ganze 1,2 kg auf die Waage und verweist die Konkurrenz so in die unteren Gewichtsklassen. Angeschlossen wird der Radiator und alle anderen Komponenten des Systems ähnlich wie bei Cooling Solutions über geriffelte Anschlussstutzen. Kabelbinder sind auch hier empfehlenswert.

DIE TESTERGEBNISSE ERSTER TEIL

Getestet wurde bei minimaler Prozessorlast (Idle), sowie bei 100% Prozessorlast jeweils mit 7 Volt, 12 Volt und gar nicht betriebenen Lüftern am Radiator.

Status
(Lüfter)
Innovatek Wasser Differenz Aquacomputer Wasser Differenz
CPU idle
(12V)
36° 25° 11° 37° 26° 11°
CPU idle
(7V)
37° 26° 11° 38° 27° 11°
CPU idle
(ohne)
43° 34 42,5° 32° 10,5°
CPU Last
(12V)
41,5° 25,5° 16° 44° 27° 17°
CPU Last
(7V)
42,5° 26,5° 16° 45° 28° 17°
CPU Last
(ohne)
53° 39° 14° 51,5° 36,5° 15°


Die beiden Kandidaten mit den großen, mit zwei 120 mm Lüftern betriebenen, Radiatoren führen das Testfeld deutlich an und unterscheiden sich in ihren Testwerten nur wenig. Erst unter Last kann das Innovatek-Modell einen erkennbaren Vorsprung gegenüber dem Aquacomputer-Rivalen vorweisen. Mit abgeschalteten Lüftern, wenn es also auf den Radiator alleine ankommt, kann Aquacomputer wiederum punkten.

Die Differenz zwischen Wasser- und CPU-Temperatur gibt Aufschluss über die Leistung des Kühlkörpers. Ist die Differenz gering, spricht dies für einen guten Kühler, da er "mehr aus der Vorgabe macht". Je größer dieser Wert wird, umso schlechter schneidet der Kühlkörper ab. Für unsere beiden Kontrahenten bedeutet das einen hauchdünnen Vorsprung des Innovatek-Modells gegenüber dem Aquacomputer-Pendant, auch wenn dieser den anscheinend besseren Radiator besitzt.

DIE TESTERGEBNISSE ZWEITER TEIL

Getestet wurde bei minimaler Prozessorlast (Idle), sowie bei 100% Prozessorlast jeweils mit 7 Volt, 12 Volt und gar nicht betriebenen Lüftern am Radiator.

Status
(Lüfter)
Cooling-Solutions Wasser Differenz ZERN Wasser Differenz
CPU idle
(12V)
37° 27° 10° 42° 28° 14°
CPU idle
(7V)
38° 28° 10° 45° 30° 15°
CPU idle
(ohne)
42,5° 34,5° 49° 36° 13°
CPU Last
(12V)
43,5° 28,5° 15° 52° 35° 17°
CPU Last
(7V)
45° 30° 15° 53° 37° 16°
CPU Last
(ohne)
53° 41° 12° 62° 40° 22°


Bei den beiden Kandidaten mit den kleineren Radiatoren zeigt sich ein wesentlich größerer Unterschied. Während das Cooling Solutions-Set trotz kleinerem Radiator an die Werte von Aquacomputer/Innovatek herankommt, fällt der ZERN-Kühler deutlich auf einen der letzten Ränge ab.

Auch bei dem Indikator für die Leistung des Kühlers, der Differenz zwischen Wasser- und CPU-Temperatur kann das Cooling Solutions-Set glänzen: Mit den besten Werten im Testfeld setzt sich der unkomplizierte K4.2-Kühler ganz frech an die Spitze. Bei ZERN hingegen scheinen Hopfen und Malz verloren. Die Werte jenseits des Testfeldes deklassieren den SA Cu Single 10 auf den letzten Platz.



DANKE



Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei:









Aquacomputer
OC-Card.de
frozen-silicon.de
Cooling Solutions
CosH Computersysteme
FAZIT: Ein Überraschungssieger, zwei Allround-Talente und eine Niete

Aus unserem Test gehen die Sets von Innovatek und Aquacomputer als echte Allround-Talente hervor: Einfache Anschlussverfahren und kinderleichte Befüllung durch die enthaltenen Ausgleichsbehälter sind Pluspunkte, die durch gute bis sehr gute Temperaturwerte unterstrichen werden. Designfetischisten sei hier das Aquacomputer-Set mit dem chiquen Kühler und dem auffälligen Ausgleichsbehälter ans Herz gelegt. Wer Kompaktes mag und biegsame Schläuche bevorzugt ist mit der Pumpen-Ausgleichsbehälter Kombination und dem einfach zu befestigen Innovatek Kühler bestens beraten.

Der klare Sieger in Sachen Kühlleistung ist der Kühler K4.2 von Cooling Solutions, der in dieser Kategorie eine Glanzleistung vollbrachte. Nicht ganz so glanzvoll ist die Befestigung der Schläuche mittels Kabelbinder und das Fehlen eines Ausgleichbehälters Ansonsten kann das System aber als echter Geheimtipp gelten.

ZERN fällt bei den von den Konkurrenten vorgegebenen durchweg guten Leistungen hinten runter. Das Set empfiehlt sich lediglich für Bastler, die ihren Kühler unbedingt selbst zusammenschrauben wollen, alle anderen greifen besser zur Konkurrenz.

(Carsten Deppermann)

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