Testbericht

Im Test: DVB-T für die Westentasche

Externe USB-Receiver dominieren den Markt bei DVB-T für das Notebook. Nun gibt es auch eine ganz kleine Lösung für den PCMCIA-Steckplatz. Kann das gut gehen?

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
In den letzten Monaten hat das neue, digitale Fernsehen einen rasanten Aufschwung erlebt. Mittlerweile nutzen deutschlandweit rund 25 Millionen Menschen das kostenlose Fernsehvergnügen. In den Ballungsgebieten ist DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) schon verfügbar, bis 2010 soll der Ausbau in ganz Deutschland abgeschlossen sein.

DVB-T von Vorteil?

Ein Vorteil von DVB-T ist, dass das Signal über eine übliche terrestrische Fernsehantenne empfangen werden kann. Die monatlichen Raten für einen Kabelanschluss oder der Kauf einer Satellitenanlage entfallen somit, benötigt wird nur ein DVB-T-Receiver. Einen weiteren Vorteil soll die verbesserte Bildqualität gegenüber dem analogen Fernsehen ausmachen. Allerdings gibt es auch bei DVB-T ein paar kleine Haken.

Bei digitalem Fernsehen gibt es keinen guten oder schlechten Empfang, somit auch kein körniges Bild. Entweder kommen die Datenpakete an und das Bild ist klar, oder die Daten kommen nicht an und das Bild bleibt schwarz. Dazwischen gibt es nichts. Das System hat mit anderen Kinderkrankheiten zu kämpfen, nicht selten fallen Artefaktbildungen beim Zappen auf.

Einmalig muss ein DVB-T-Receiver angeschafft werden. Geräte für den Fernseher gibt es schon ab 50 Euro. Eine andere Lösung bieten Receiver für den PC, mit denen man sich das Bild wie auch mit einer analogen TV-Karte auf den Bildschirm des Rechners holen kann. Diese kosten rund 100 Euro. Vor einigen Wochen testeten wir den externen USB-Receiver Cinergy T² von Terratec, der so klein und handlich ist, dass "Mann" ihn am Wochenende samt Mini-Antenne und Laptop bequem in den Park nehmen kann um sich die Bundesliga auf den Schirm zu holen, während die Kinder auf der Wiese toben.

PCMCIA-Lösung

Speziell für den mobilen Einsatz am Laptop gibt es eine noch komfortablere Lösung: Einen Receiver für den PCMCIA-Steckplatz. Dieser nimmt im Grunde keinen Platz weg und sollte auch nicht mit Versorgungsproblemen in Punkto Strom zu kämpfen haben. Gerade USB-Anschlüsse älterer Notebooks haben da mit externen DVB-T-Geräten nämlich ihre Probleme. Oft erzeugen die Ports nicht genügend Strom für einen Betrieb. Hat der DVB-T-Reciever dann keinen separaten Steckdosen-Anschluss, bleibt das Bild schwarz. Wir haben einen solchen Steck-Adapter, den AverTV Hybrid+FM Cardbus der Firma Avermedia rangeholt und getestet.

Das besondere an dieser Karte: Sie kann digitale und analoge Signale empfangen und somit auch in Gebieten eingesetzt werden, die noch nicht mit DVB-T erschlossen sind. Zudem ist die Karte HDTV-fähig, sofern man Sendungen in HDTV empfängt. Unser Test konzentriert sich jedoch primär auf den DVB-T-Einsatz.

Los geht’s

Neben der DVB-T-Karte selbst sind im Lieferumfang eine kleine Stabantenne für DVB-T, eine Wurfantenne für Radio, ein S-Video-Adapter, die Software und eine Fernbedienung enthalten. Mit Hilfe der deutschen Bedienungsanleitung gelingt die Installation unter Windows unproblematisch, sodass man mit dem Fernsehen sofort loslegen kann. Trotz der kleinen Stab-Antenne fand unser System bei der Sendersuche auf Anhieb knapp 25 digitale Sender, die wir auch prompt anwählen und im Vollbildmodus betrachten konnten.

Wie beim Fernseher hat man die Möglichkeit, die gefundenen Sender zu Sortieren - Sender-Namen erkennt die Software automatisch. Da davon ausgegangen wird, dass man die Karte mit dem Notebook in verschiedenen Regionen einsetzt, kann man verschiedene Programmlisten je nach Region speichern.

Pinguin versteht nichts

Unter Linux funktioniert die Karte übrigens nicht. Auf der Herstellerseite findet sich zwar eine Anleitung zur Installation von DVB-T-Empfängern, jedoch bezieht sich diese lediglich auf PCI-Steckkarten. Für die PCMCIA-Karte gibt es noch keine Treiber. Trotzdem probierten wir die Karte mit einem Linux 2.6.11er Kernel mit aktivierten DVB / V4L (Video for Linux) Support zum Laufen zu bringen – erfolglos. Leider steckt die DVB-T-Unterstüzung für Linux noch in den Kinderschuhen.



Die DVB-T-Software bringt einige nette Features mit, die besonders für eine programmierte Aufnahme von Vorteil sind. Dabei spielt neben dem bekannten Teletext das so genannte EPG (Electronic Program Guide), eine elektronische Programmzeitschrift, eine zentrale Rolle. Dieses Tool zeigt für jeden Sender an, welche Sendungen wann laufen. Bequem kann man die gewünschte Sendung auswählen und für die automatische Aufnahme einfach den Record-Knopf betätigen. Dann startet die Software die Aufnahme sobald die Sendung beginnt von selbst, auch wenn die Software nur im "Schlummer-Modus" ist. Auf Wunsch mit Ausgabe von Bild und Ton für gleichzeitiges gucken oder nur unbemerkt im Hintergrund.

Die Aufnahme wird in MPEG2-Format gespeichert und in einem beliebigen Ordner abgelegt. Wahlweise kann man auch ohne Ton aufnehmen oder die Datei so splitten, dass sie genau auf CDs beziehungsweise DVDs passt. Auch kann konfiguriert werden, ob man das gewünschte Programm nur einmalig, wöchentlich oder gar täglich aufnehmen möchte. Neben der Aufnahme kann man die Anwendung auch für bestimmte Sendungen automatisch starten lassen um so keine Wunsch-Sendung zu verpassen.

Zapper aufgepasst

Neben ganzen Sequenzen oder Sendungen lassen sich auch Schnappschüsse aufnehmen, die dann im JPEG-Format gespeichert werden. Um eine Übersicht über das gesamte Fernsehprogramm zu bekommen, steht eine Vorschau für 16 Kanäle zur Verfügung. In Schachbrettformat werden die Sender mit Standbild aufgereiht. Bis ein Bild aller 16 Sender sichtbar wird dauert es jedoch seine Zeit und einen wirklichen Überblick über das Programm bekommt man auch nicht, sodass wir dieses Tool eher als nettes Zusatz-Goodie sehen, das aber nicht besonders nützlich ist.

Aufgerufen und gesteuert wird die Software mit der mitgelieferten Fernbedienung, auf der alle Funktionen Ausgewählt werden können. Die Bedienung ist recht schnell erlernt - wie bei einem üblichen Fernseher - und geht einfach von der Hand. Bei vielen DVB-T-Geräten muss man jedoch auf das vom analogen TV gewohnte Zappen verzichten. Einfach weil beim Umschalten die MPEG-Daten wieder neu empfangen und dekodiert werden müssen. Avermedia beschleunigt das Umschalten bei dem Cardbus mit einem Tool namens "Fast Tune". Damit dauert es nur noch etwa eine Sekunde bis das Bild eines Senders auf dem Schirm ist.

Rundum

Insgesamt machte das Gerät einen hervorragenden Eindruck auf uns. Überrascht hat uns, dass alles prompt funktioniert. Bei vielen DVB-T-Karten muss man nämlich erst ein Treiber-Update ausführen bevor die Anwendung macht, was sie soll. Die Software bringt alle nützlichen Tools mit, besonders die ausgiebige Aufnahme-Funktion hat gefallen. Die Steuerung mit der Fernbedienung ist schnell erlernt und unproblematisch. Wer also Lust auf mobiles DVB-T am Notebook hat, kann ruhigen Gewissens zuschlagen. Das Gerät ist ab rund 80 Euro in Online-Shops erhältlich und damit ebenso teuer wie die meisten Konkurrenzprodukte.

(Filip Vojtech)

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