Testbericht

Icloud im Vorab-Test: Online-Rechner gratis nutzen

Arbeiten von überall ohne USB-Stick und Laptop: Das will Xcerion mit dem kostenlosen icloud-Dienst ermöglichen. Onlinekosten hat die Webseite getestet.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Wer einen Browser und Webzugang hat, braucht eigentlich keinen Computer mehr. Das ist zumindest die Idee des kostenlosen Dienstes icloud (cloud = englisch für "Wolke"). Der Name leitet sich von Cloud Computing ab – ein Konzept, bei dem der Anwender die Software aus dem Internet bezieht. Die Anwendungen und Daten befinden sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner, sondern – metaphorisch gesprochen – in der Wolke. So auch bei icloud: Die Nutzer erhalten über den Browser Zugriff auf einen Desktop-Rechner mit Betriebssystem, 30 Anwendungen und drei Gigabyte (GB) Speicherplatz für Dateien. Unsere Redaktion hat sich den kostenlosen Service genauer angesehen.

Arbeitsplatz stets eingerichtet

Ganz neu ist die Idee nicht, siehe Apples iWork und der Simple Storage Service von Amazon. Auch wird die Sicherheit von Cloud Computing immer wieder heiß diskutiert. Dennoch könnte der schwedische Betreiber Xcerion beispielsweise Nutzern von Internet-Cafés und Menschen, die häufig ihren Arbeitsplatz wechseln, unter die Arme greifen. Denn sie können von überall auf ihre personalisierte Oberfläche und Dateien zugreifen. Ständiges Neukonfigurieren, Installieren und Suchen nach den Lieblingsprogrammen wird somit erspart.

Windows-Nutzer fühlen sich rasch heimisch

Tatsächlich kann man sich schnell und bequem einloggen. Nutzername und Passwort genügen – keine Warteliste, keine Überprüfungsmails. Ein Zusatztool (Microsoft Core XML Services) ist allerdings erforderlich, um von dem "Wolken-Rechner" zu profitieren. Die Oberfläche ist optisch ansprechend gestaltet. Windows-Nutzer fühlen sich schnell zu Hause, denn obwohl als Basissystem Ubuntu Linux verwendet wurde, erinnert die Oberfläche an XP und Vista. Wie gewohnt, können sie ihre Oberfläche nach eigenen Wünschen gestalten. Es gibt eine Sidebar mit Zusatzprogrammen, eine Befehls-Konsole und ein Hilfecenter. Die wichtigsten Tools sind mittels Desktop-Verknüpfung auf der Startseite erreichbar. Dazu zählen ein Mailer, ein Texteditor, ein Kalendertool und ein Instant Messenger. Kontakte lassen sich manuell erfassen oder als Excel-Datei importieren. Außerdem kann man Filme und Fotos mit und ohne Diashow-Modus anschauen – aber leider nicht bearbeiten. Dafür ist ein Präsentationsprogramm mit an Bord nebst Zip-Entpacker und einigen Spielen.

Upload von Dokumenten

Die Hochlade-Funktion ermöglicht das Aufspielen eigener Dokumente. Sie lassen sich speichern und verwalten wie auf einem Laptop oder Desktop-Rechner. Und das Bonbon: Man kann sich unkompliziert mit anderen "icloudern" austauschen. Der beliebte Netzwerk-Gedanke hat offenbar auch die Schöpfer des Wolken-Rechners beflügelt: Wer seine Freunde in die icloud Community einlädt, kann mit ihnen beispielsweise Fotos tauschen und gemeinsam Dateien bearbeiten.

Fazit

Wer frei von USB-Stick und Notebook von verschiedenen Rechnern agieren will oder auf Internetcafés angewiesen ist, wird an dem ansprechend gestalteten Dienst seine Freude haben. Zwar sind auch auf öffentlichen Rechner einfache Tools verfügbar und mailen kann man via Web Access - Datenspeichern ist aber Fehlanzeige. Hier können Dienste wie icloud eine Lücke füllen.

Der Datenzugriff erfolgt relativ zügig, auch wenn er sicher nicht mit einem High End Rechner konkurrieren kann. An einigen Stellen könnten die Hilfstexte etwas ausführlicher sein. Trotz der umfangreichen Sprachauswahl im Startscreen sind sie nicht überall mehrsprachig abrufbar. Ob dies an der Betaversion liegt, bleibt leider offen. Profitieren könnte der Service außerdem von einem Grafikprogramm.

"Daten werden nicht verkauft"

Generell ein wunder Punkt bei kostenlosen Diensten ist der Datenschutz. Zwar verspricht Betreiber Xcerion ausdrücklich, dass Kundendaten nicht verkauft oder vermietet werden. Aber – wer kann das schon kontrollieren?

Derzeit befindet sich der Dienst noch in der Betaphase – Ende offen. Auch Firefox-Nutzer müssen draußen bleiben: "Iclouden" geht vorerst nur mit dem blauen "e"-Symbol auf dem Desktop. Aber Nachbesserung ist versprochen.

Der 3-GB-Dienst soll auch dann noch kostenlos verfügbar sein, wenn icloud den Entwickler-Schuhen entwachsen ist. Geld verdient wird dann mit Werbung, so Fircmenchef Daniel Arthursson. Und mit den großen icloud-Schwestern: der 6- und der 10-GB-Version, die derzeit noch in Arbeit sind. Wie lange noch und wieviel sie kosten, steht noch nicht fest.

(Dorothee Monreal)

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