Testbericht

Huawei Ascend W1 im Test: Windows Phone klein und handlich

Zum ersten Mal bringt Huawei ein Smartphone auf Basis von Windows Phone auf den deutschen Markt. Das knapp 180 Euro teure Ascend W1 liegt toll in der Hand, hat aber auch Makel.

Huawei Ascend W1© Huawei

Nicht nur Nokia kann Smartphones auf Basis von Windows Phone 8 bauen. Auch Huawei hat nun sein erstes Mobiltelefon an den Start geschickt, das mit Microsofts mobilem Betriebssystem arbeitet: das Ascend W1. Kurz zusammengefasst ließe sich sagen: tolles Display, Makel bei Verarbeitung und Ausstattung. Wir haben uns das Gerät aber noch etwas genauer angeschaut.

Handlich und griffig

Eines steht in jedem Fall fest: Wer das Huawei Ascend W1 in den Händen hält, kann sich nicht darüber beschweren, dass es mit zu sperrigen Abmessungen daherkommt. Denn das Telefon liegt mit seinen Abmessungen von 125 x 64 x 10 Millimetern und einem Gewicht von 120 Gramm richtig gut in der Hand. Dazu trägt auch die gummierte Akku-Abdeckung bei, die für eine angenehme Griffigkeit sorgt.

Erfreulich viel Spaß macht der reaktionsschnelle und kontrastreiche Bildschirm, den man bei einem Einsteiger-Telefon wie dem Ascend W1 nicht zwingend erwarten würde. Mit einer diagonalen Abmessung von 4,0 Zoll (10,16 Zentimeter) hat er die optimale Größe, um noch mit einer Hand problemlos bedient zu werden.

Allerdings fällt die Auflösung mit 800 x 480 Pixeln eher unterdurchschnittlich aus. HD-Videos können auf dem Display folglich nicht betrachtet werden. Um es aber klar zu sagen: Otto-Normal-Nutzer werden durchaus Gefallen an dem Bildschirm finden, dessen Helligkeit auf Wunsch über einen Helligkeitssensor automatisch reguliert wird.

Wer sich für das Ascend W1 entscheidet, erhält aber auch ein Smartphone, das mit einer ziemlich abgespeckten Ausstattung zu überzeugen versucht. An der einen oder anderen Stelle werden gerade einmal die Mindestanforderungen erfüllt, die ein normaler Smartphone-Nutzer von seinem Alltagsbegleiter heutzutage erwartet.

Zu wenig Speicher

So wird beispielsweise der mit 1,2 Gigahertz getaktete Dual-Core Prozessor von Qualcomm nur von 512 Megabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Zwar ist die allgemeine Bedienung ohne auffällige Ruckler möglich, bei Spielen kann das Telefon aber ziemlich schnell an seine Grenzen getrieben werden. Enttäuschend ist, dass dem Gerät nur 4 Gigabyte Speicherplatz spendiert wurden und davon nicht einmal 2 Gigabyte verwendet werden können. Das ist für ein modernes Smartphone heutzutage einfach zu wenig. Immerhin steht über einen MicroSD-Kartenslot die Möglichkeit offen, eine Speichererweiterung um bis zu 32 Gigabyte vorzunehmen.

Nutzbar ist das Smartphone in klassischen GSM-Netzen und überall dort, wo UMTS zur Verfügung steht. Allerdings dort nur dann, wenn in den Frequenzbereichen um 900 bzw. 2.100 Megahertz gefunkt wird. Da kein LTE unterstützt wird, liegt die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit bei 21,6 Megabit pro Sekunde im Down- und 5,76 Mbit/s im Upstream. Ergänzend dazu lässt sich eine WLAN-Schnittstelle nutzen.

Leichte Abstriche müssen auch bei der Verarbeitung in Kauf genommen werden. Denn das Display-Pannel vermittelt über eine auffällige Kante an der Unterseite ein wenig den Eindruck, als sei es nur auf dem Plastik-Gehäuse aufgeklebt. Möglich, dass sich Huawei hier designtechnisch von der Konkurrenz abheben wollte. Einen Schönheitspreis gewinnen die Chinesen mit dieser Maßnahme allerdings nicht.

Ein Lapsus, sonst gute Verarbeitung

Gleichwohl muss betont werden, dass Huawei, vom Kanten-Lapsus abgesehen, ein Smartphone gefertigt hat, das bei der täglichen Bedienung nie durch störende Begleitgeräusche auf sich aufmerksam macht. Ein Knarzen ist auch dann nicht zu hören, wenn auf die Akkuabdeckung gedrückt wird. Vor dem Hintergrund, dass sie abgenommen werden kann, um zum Beispiel den Akku zu tauschen oder eine SIM- bzw. MicroSD-Karte einzulegen, ist das ein durchaus positiver Aspekt. Überhaupt erweckt das Telefon einen vergleichsweise wertigen Gesamteindruck.

Die Bedienung erfolgt größtenteils über das Display bzw. drei unter dem Bildschirm integrierte Sensor-Tasten. An der linken Seite findet sich eine Lautstärke-Wippe, rechts eine separate Kamerataste. Um das Telefon einzuschalten steht eine Power-Taste an der Kopfseite zur Verfügung, der Micro-USB-Anschluss zum Laden des Akkus ist entgegengesetzt an der Unterseite platziert.

Apropos Akku: Der Energiespeicher hat eine Kapazität von 1.950 mAh und konnte im Test durch eine recht ausdauernde Laufzeit überzeugen. Auch nach fast fünf Stunden nahezu ununterbrochener Nutzung des mobilen Internets, war der Akku noch zu einem Drittel geladen. Ein richtig guter Wert.

Zwei Kameras integriert

Nicht überzeugen kann hingegen die integrierte Kameratechnik. Zwar steht auf dem Papier eine Linse mit einer maximalen Auflösung von 5 Megapixeln, die Bildqualität ist aber allenfalls als durchschnittlich zu beurteilen. Mögen bei guten Lichtverhältnissen die Schnappschüsse noch recht ordentlich ausfallen, wird bei einsetzender Dämmerung ein Bildrauschen unübersehbar. In einer Disco oder anderen nicht gut ausgeleuchteten Räumlichkeiten sollte in jedem Fall das Kameralicht zugeschaltet werden, um noch brauchbare Aufnahmen erzielen zu können. Andernfalls ist außer Schatten kaum etwas zu erkennen.

Im Videomodus kann zwischen zwei Auflösungsstufen gewählt werden. Wahlweise unterdurchschnittliche VGA-Qualität (640 x 480 Pixel) oder aber HD-Aufnahmen mit 720p. Full HD (1.080p) wird von der Kamera nicht unterstützt. Videochats sind auf Wunsch dank einer in die Front integrierten Zweitkamera ebenfalls möglich, allerdings liegt die Auflösung hier bei gerade einmal 0,3 Megapixeln.

Nicht in der Verantwortung von Huawei liegt das noch immer lückenhafte App-Angebot von Windows Phone. Zwar hat sich in den zurückliegenden Monaten viel getan und inzwischen gibt es für Microsofts Betriebssystem eine ganze Reihe überarbeiteter Apps - jüngst sind hierzulande auch McDonalds und Teamviewer mit eigenen Applikationen an den Start gegangen - es gibt aber immer noch Einschränkungen. So fehlt es im Windows Phone Store zum Beispiel an Apps für Lufthansa, Air Berlin, Handyticket Deutschland, Spiegel Online oder der Tagesschau.

Fazit: Windows Phone für Einsteiger

Wer auf der Suche nach einem günstigen Smartphone auf Basis von Windows Phone 8 ist, könnte Gefallen am Huawei Ascend W1 finden. Aktuell ist das recht markant designte Telefon im Online-Fachhandel zu Preisen ab 178 Euro erhältlich. Amazon liefert es sowohl in Weiß als auch in Blau ohne zusätzliche Versandkosten für 182 Euro aus.

Allerdings ist ein überschaubarer Preis auch immer ein klares Indiz dafür, dass an der einen oder anderen Stelle gespart werden musste. Das ist beim W1 nicht anders. So überzeugend gerade in dieser Preisklasse das Display und die lange Akkulaufzeit ausfallen, so enttäuschend ist auf der anderen Seite zum Beispiel der geringe Speicherplatz und die mäßigen Funk-Eigenschaften. Denn neben der fehlenden LTE-Unterstützung ist auch NFC nicht an Bord. Und trotzdem kann das Gerät gerade für all jene eine Alternative sein, die schon immer mal das einzigartige und intuitive Kacheldesign von Windows Phone ausprobieren wollten.

(Hayo Lücke)

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