Handys

Huawei Ascend P2 im Test - Starkes Display vs. enttäuschende Haptik

Das Huawei Ascend P2 kann mit einer tollen Kameratechnik und einem starken Display punkten. Im Gegenzug ist die Haptik ebenso eine Enttäuschung wie die fehlende Möglichkeit, den Speicher zu erweitern. Wir haben das Gerät getestet.

Huawei Ascend P2© Huawei

Während viele Mobilfunk-Experten schon mit Spannung auf das Ascend P6 von Huawei warten, hat der chinesische Telekommunikationskonzern schnell noch ein weiteres Smartphone der gehobenen Mittelklasse an die Startlinie geschickt: das Ascend P2. Die Botschaft der Asiaten ist auch bei diesem Modell klar: Ein modernes, recht preiswertes Smartphone mit einer rundum ordentlichen Ausstattung soll das P2 darstellen. Mit Abstrichen ist dieses Vorhaben gelungen.

Plastik ist Trumpf

Während wir uns beim P6 auf eine elegante, flache Haptik mit einem stilvollen Metallrahmen freuen können, setzt Huawei beim P2 leider einmal mehr auf ein weniger werthaltiges Look & Feel. Zwar wird das Display-Panel durch robustes Gorilla Glass von Corning vor Staub Schmutz geschützt, ansonsten kommt aber rundherum Plastik zum Einsatz. Und das fühlt sich einfach nicht sonderlich schön an. Mehr noch: Es wirkt zudem recht billig. Hier hätte dem Smartphone ein bisschen mehr Liebe zum Detail gut zu Gesicht gestanden.

In den ersten Nutzungsstunden etwas gewöhnungsbedürftig ist die verwendete Software. Zwar basiert das Ascend P2 auf Googles Betriebssystem Android in der Version 4.1.2, als eigentliche Oberfläche kommt aber die von Huawei entwickelte Emotion UI in Version 1.5 zum Einsatz. Das Besondere daran ist, dass nur auf einer Ebene navigiert werden kann. Sämtliche Inhalte wie App-Icons und Widgets werden auf mehreren Startscreens abgelegt. Ein untergeordnetes Hauptmenü gibt es nicht. Daran muss man sich als Nutzer erst einmal gewöhnen.

Ein echtes Glanzstück ist Huawei beim verbauten Display gelungen. Mit einer Diagonalen von 4,7 Zoll (11,9 Zentimeter) ist es für manche Hände vielleicht schon ein bisschen zu groß, kann aber durch eine beeindruckende Qualität überzeugen. Leuchtstark, kontrastreich, reaktionsschnell und auch aus leicht versetzten Blickwinkeln noch perfekt ablesbar. So stellt sich ein anspruchsvoller Smartphone-Nutzer von heute seinen Telefonbildschirm vor. Die Auflösung liegt bei 1.280 x 720 Pixeln. Zwar kein Topwert, aber mehr als nur ordentlich.

Ruckelfreie Bedienung

Für eine meist ruckelfreie Bedienung sorgt ein Prozessor mit vier Kernen (Quad-Core), die mit 1,5 Gigahertz getaktet sind. Ergänzend dazu hat Huawei dem P2 immerhin 1 Gigabyte Arbeitsspeicher spendiert. Das reicht im Alltag in den meisten Nutzungsszenarien absolut aus. Bei einigen Spielen kann es aber zu Rucklern im Gameplay kommen. Vor allem wenn sie grafisch anspruchsvoll programmiert wurden. Zudem mussten wir beobachten, dass die Menünavigation deutlich an Geschwindigkeit einbüßt, je mehr Apps auf dem Handy abgespeichert wurden.

Auf den ersten Blick auf der Höhe der Zeit präsentiert sich das Ascend P2 auch in Sachen Antennentechnik. Denn neben GSM und UMTS werden auch alle hierzulande verwendeten LTE-Frequenzen mit bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream unterstützt. Aber – und das fällt eben nur bei genauerem Hinsehen auf – es wird kein HSPA+ unterstützt. Wer keinen teuren LTE-Vertrag nutzen möchte, surft in mobilen Datennetzen demnach mit maximal 21,6 Mbit/s. Sicherlich kein Beinbruch, aber eben doch ein Detail, das für manchen Nutzer bei der Auswahl seines Smartphones nicht unwichtig ist. Ergänzend lässt sich an Hotspots eine WLAN-Schnittstelle nutzen.

NFC an Bord

An weiteren Schnittstellen hat Huawei sein Smartphone mit Bluetooth (Version 4.0), einem Micro-USB-Port und einem NFC-Chip ausgestattet. Sollte das mobile Bezahlen zu einem Massenmarkt werden, ist das P2 in diesem Punkt also für die Zukunft gerüstet. Erstaunlich ist allerdings, dass der zur Verfügung stehende Speicher nicht per MicroSD-Karte erweitert werden kann. Stattdessen müssen Nutzer mit 16 Gigabyte Flash-Speicher auskommen, von denen auch nur etwa 12 Gigabyte zur freien Verfügung stehen.

Zugegeben: Wer an dieser Stelle jammert, sollte zunächst einmal versuchen, den Speicher auch wirklich komplett zu füllen. Gleichwohl muss beachtet werden, dass vor allem Menschen, die ihr Smartphone gerne dafür nutzen, um mit der Kamera Erinnerungen festzuhalten, schneller das Speicherlimit erreichen können als ihnen lieb ist. Denn das Ascend P2 wurde mit einer hochwertigen Digitalkamera ausgestattet, die Fotos mit bis zu 13 Megapixeln aufnimmt und Videos in Full HD-Qualität (1.080p) drehen kann.

Rein qualitativ darf sich der Kamerasensor durchaus mit der Smartphone-Spitzenklasse messen. Denn unsere Testaufnahmen überzeugten nicht nur durch eine überdurchschnittliche Farbtreue, sondern auch durch eine gute Belichtung und praktisch nicht sichtbares Bildrauschen. Allerdings nur bei Tageslicht. Sobald die Dämmerung einsetzt oder in schlecht ausgeleuchteten Räumen fotografiert wird, stößt auch die Kamera des P2 an ihre Grenzen. Der Autofokus reguliert sich schnell und ohne Zutun des Nutzers nach. Wer trotzdem einen bestimmten Bildausschnitt scharf stellen möchte, kann zusätzlich auf einen Touchfokus zurückgreifen.

Zweite Kamera auf der Vorderseite

Natürlich muss ein gutes Smartphone heutzutage auch mit einer zweiten Kamera auf der Vorderseite ausgestattet sein. Zum Beispiel für Selbstportraits oder für Videochats über Skype und andere Messenger-Programme. Im Fotomodus stehen 1,3 Megapixel (1.280 x 960 Pixel) zur Verfügung, im Videomodus sind HD-Aufnahmen mit bis zu 720p möglich.

Bei der Verarbeitung hat sich Huawei keine größeren Patzer geleistet. Das 136 x 67 x 8 Millimeter flache Telefon kommt ohne größere Rillen aus in denen sich Staub absetzen kann. Etwas enttäuschend ist nur die Plastik-Rückseite, die zu unserer Überraschung zudem recht anfällig für Fingerabdrücke ist. Auffällig ist auch, dass die Kameralinse leicht aus der Gehäuserückseite herausragt. Unter dem Display sorgen drei beleuchtete Sensortasten für eine moderne Menüführung. Aber: Im alltäglichen Gebrauch konnten wir kein störendes Knarzen des Displays feststellen. Auch dann nicht, wenn Druck auf die Akkuabdeckung ausgeübt wird.

Fazit: Das P2 kann gefallen

Im Vergleich zum Vorgänger, dem Ascend P1, hat Huawei beim P2 ordentlich was in die Waagschale geworfen. Besserer Prozessor, mehr Speicherplatz, größeres Display, LTE-Unterstützung und eine deutlich verbesserte Kamera. Das bereitet Laune. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Denn je mehr sich der Flash-Speicher des Smartphones füllt, umso mehr geht die Leistung des Geräts in den Keller. Ruckler in der Menünavigation sind dann ebenso alltäglich wie Verzögerungen beim Starten von Apps. Möglicherweise kann Huawei durch Software-Updates für Besserung sorgen, es bleibt aber zunächst einmal ein kleiner Beigeschmack.

Schade ist auch, dass sich das Telefon durch die Plastik-Rückseite so wenig werthaltig anfühlt. Denn allein die Kameratechnik und das knackige Display hätten es verdient gehabt, dass der Gesamteindruck zumindest ein bisschen hochwertiger ausfällt. Durchaus zu gefallen weiß der fest verbaute und somit nicht austauschbare Akku. Mit einer Kapazität von 2.420 mAh konnten wir rund sechs Stunden in einem WLAN-Netz surfen. Das ist zwar nur ein leicht überdurchschnittlicher Wert, insgesamt kommt der Nutzer des P2 aber bei halbwegs normaler Nutzung mit einer vollen Akkuladung gut durch den Tag.

Etwas zu teuer

Zu haben ist das Ascend P2 wahlweise in Weiß und in Schwarz. Im Online-Fachhandel werden für beide Varianten etwa 380 Euro fällig. Amazon verkauft das Gerät für aktuell 428 Euro in Weiß und für 427 Euro in Schwarz. Gemessen an der wenig werthaltigen Haptik und der fehlenden Speichererweiterung ist das etwas zu teuer. Da können auch das gute Display und die starke Kamera nicht drüber hinwegtäuschen.

Name: Ascend P2
Hersteller: Huawei
Preis: ab circa 380 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.1.2 Jelly Bean)
Prozessor: 1,5 GHz. Quad-Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900 und 2.100 Megahertz)
LTE (800, 1.800, 2.100, 2.600 Megahertz)
Abmessungen: 136 x 67 x 8 Millimeter
Gewicht: 122 Gramm
Display: 4,7 Zoll, 1.280 x 720 Pixel
Speicher: 16 GB intern;
nicht per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, Micro-USB, NFC
Digitalkamera: 13,0 Megapixel mit Autofokus & Kameralicht
1,3 Megapixel Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, USB-Kabel, Stereo-Headset
SAR-Wert: n/a
Extras: Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, NFC
Akkulaufzeit im Test: 7 Stunden Sprechzeit
24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung inkl. aktiver Datenverbindung)
Pro & Contra:
starkes Display
sehr gute Kamera
gute Akku-Laufzeit
Status-LED nutzbar
Speicher nicht erweiterbar
maue Performance bei vollem Speicher
recht teuer
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

Zum Seitenanfang