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Huawei Ascend G700 im Test - Zwei SIM-Karten treffen auf vier CPU-Kerne

Mit dem Ascend G700 beweist Huawei, dass heutzutage auch ein Dual-SIM-Smartphone mit einem Quad-Core-Prozessor und 2 Gigabyte Arbeitsspeicher ausgestattet sein kann.

Huawei Ascend G700© Huawei

"Wir wollen für den Kunden das beste Angebot schnüren", sagte Lars-Christian Weisswange in einem Interview mit unserer Redaktion vor wenigen Wochen. Der Deutschland-Chef von Huawei hat noch viel vor und will vor allem mit Endgeräten punkten, die vielleicht nicht die ultimative Top-Ausstattung bieten, für die Bedürfnisse der breiten Masse aber absolut ausreichen und – besonders wichtig – preislich erschwinglich sind. Eines dieser Geräte ist das Ascend G700, das Anfang September auf der IFA in Berlin vorgestellt wurde und nun in Deutschland verfügbar ist. Das Besondere daran: Es handelt sich um ein Dual-SIM-Smartphone. Wir haben uns das Gerät aus nächster Nähe angesehen.

Mini-SIM-Karten unter der Akku-Abdeckung

Dual SIM, das heißt, es können zwei SIM-Karten in das Gerät eingelegt werden. Anders als bei praktisch allen Mobiltelefonen der neuesten Generation werden in das Ascend G700 allerdings keine SIM-Karten im Micro- oder Nano-Format eingelegt, sondern bis zu zwei Mini-SIMs in Standard-Größe (2FF). Wer nur eine Mobilfunkkarte in einem anderen Format besitzt, kann über seinen Provider eine (meist kostenpflichtige) Ersatzkarte bestellen oder einen günstigen SIM-Karten-Adapter ordern.

Ideal ist das Ascend G700 für Personen, die beispielsweise private und dienstliche SIM-Karte in einem Gerät nutzen möchten. Es kann aber auch für jene Zielgruppe interessant sein, die häufig ins Ausland reist und dort auf Sprach- und / oder Datenverbindungen des örtlichen Netzbetreibers setzen möchte, um Roaming-Kosten aus dem Weg zu gehen. Unabhängig davon, ob man das Ascend G700 mit nur einer oder eben zwei eingelegten SIM-Karte(n) verwendet, wichtig ist in diesem Zusammenhang noch ein weiterer Aspekt. Während der Schacht für SIM 2 nur für GSM-Verbindungen ausgelegt ist, kann die Haupt-SIM-Karte (SIM 1) auch für UMTS-Verbindungen verwendet werden. Für Telefonate ist das in der Regel nicht weiter relevant, sehr wohl aber für Datenverbindungen. Nebenbei: LTE unterstützt das Ascend G700 zwar nicht, sehr wohl aber HSPA+ mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde im Downstream. Schnellen Internetausflügen steht also nichts im Wege. Vorausgesetzt, der genutzte Mobilfunkvertrag gestattet derart schnelle Downloads.

Um nun festzulegen, welche SIM für welchen Zweck verwendet werden soll, wurde in den Einstellungen eine so genannte SIM-Kartenverwaltung untergebracht. Hier kann nicht nur jede der beiden Karten (de)aktiviert werden, sondern es lässt sich auch zuordnen, über welche SIM standardmäßig Sprachanrufe getätigt, SMS verschickt und Datenverbindungen abgewickelt werden sollen. Bei Anrufen fragt das Telefon zudem auf Wunsch vor jeder Verbindung, welche Karte den Gesprächsaufbau abzuwickeln hat.

Zwei SIM-Karten im Parallelbetrieb

Erreichbar sind Nutzer des Ascend G700 standardmäßig immer über beide SIM-Karten, da sie im Parallelbetrieb genutzt werden können. In einer schmalen Leiste am oberen Displayrand, in der beispielsweise auch die verbleibende Akku-Kapazität und Uhrzeit angezeigt wird, signalisieren zwei Status-Balken die aktuelle Netzstärke.

So schön die Dual-SIM-Funktion ist, so schade ist es auf der anderen Seite, dass Huawei bei der Verarbeitung nur wenig Liebe zum Detail an den Tag gelegt hat. Das Smartphone ist mit einem Gewicht von 155 Gramm nicht nur vergleichsweise schwer, die glatte Akku-Abdeckung auf der Rückseite ist zudem aus wenig werthaltigem Plastik gefertigt. Und: Es knarzt zuweilen ordentlich, wenn Druck auf die Hülle ausgeübt wird. Dass es auch anders geht, hat Huawei beim Ascend P6 bereits eindrucksvoll bewiesen.

HD, aber kein Full HD

Hinzu kommt, dass das Ascend G700 mit Abmessungen von 143 x 73 x 9 Millimetern nicht zu den handlichsten Geräten zählt. Geschuldet ist das der Tatsache, dass Huawei sich dazu entschieden hat, das Telefon mit einem vergleichsweise großen Touchscreen auszustatten. Er misst in der diagonalen Abmessung 5,0 Zoll, was umgerechnet 12,7 Zentimetern entspricht.

Wird das Smartphone im Hochformat gehalten, ist es alles andere als komfortabel, mit dem Daumen jene Inhalte anzusteuern, die im oberen Display-Drittel angezeigt werden. Außerdem ist zu beachten, dass bei der Auflösung "nur" 1.280 x 720 Pixel unterstützt werden – kein Full HD also. Und: Der Bildschirm ist nicht nur ziemlich anfällig für Fingerabdrücke, er spiegelt auch recht stark.

Für die Navigation durch das Android-Menü stehen neben dem Touchscreen drei Sensor-Tasten unter dem Display zur Verfügung. Wer gerne E-Mails, SMS oder Messenger-Nachrichten schreibt, kann im Hoch- und im Quer-Format eine virtuelle QWERTZ-Tastatur verwenden. Hierbei tut sich allerdings ein Problem auf, dass man schon von anderen Geräten der Chinesen kennt: die Space-Taste fällt zu klein aus. Oft tippt man einen Punkt oder ein Komma statt eines Leerzeichens.

Emotion UI statt Android-Feeling

Ausgeliefert wird das neue Huawei-Smartphone auf Basis von Android 4.1.2 Jelly Bean. Vom eigentlichen Android-Design spürt man als Nutzer aber herzlich wenig, weil Huawei seine eigenentwickelte Emotion-UI-Oberfläche mit integriert hat. Wie bei iOS wird auf nur einer Ebene über verschiedene Start-Bildschirme navigiert. Auf ihnen werden nicht nur die abgespeicherten App-Verknüpfungen dargestellt, sondern auch Widgets. Sollten den Nutzer die standardmäßig aktivierten Brauntöne stören, kann er in den Einstellungen verschiedene farbenfrohere Designs aktivieren.

Sehr erfreulich ist, dass Huawei in Sachen Performance nicht den Geizkragen heraushängen lässt. Neben 2 Gigabyte Arbeitsspeicher wurde auch ein Quad-Core Prozessor verbaut, der immerhin mit 1,2 Gigahertz getaktet ist. Damit kann das Smartphone zwar nicht mit Highend-Telefonen mithalten, zählt aber trotzdem zu den leistungsstärkeren Telefonen in der Mittelklasse. Kleinere Ruckler konnten wir nur bei einigen Spielen feststellen, die Menünavigation selbst läuft flüssig und auch die Kamera-App lässt sich sehr zügig nach Aktivierung nutzen.

Zu knapp bemessen ist hingegen der interne Speicher. Er kann gerade einmal 8 Gigabyte an Daten aufnehmen und davon stehen auch nur rund 5 Gigabyte zur freien Verfügung. Wir sagen: Mindestens 16 Gigabyte sollten es im Zeitalter von HD-Videos bei einem modernen Smartphone schon sein. Immerhin ist eine Speichererweiterung per MicroSD-Karte um bis zu 32 Gigabyte möglich.

Kamera mäßig überzeugend

Und natürlich hat Huawei auch an jene Kunden gedacht, die mit ihrem Smartphone gerne Fotos und Videos aufnehmen möchten. Auf der Rückseite wurde eine Digicam mit einem 8-Megapixel-Sensor verbaut, die mit einem LED-Blitz und Autofocus ausgestattet ist. Auf Wunsch können Bildausschnitte auch per Touch-Fokus scharfgestellt werden.

Allerdings kann die nicht aus dem Gehäuse herausragende Linse ihre Stärken nur dann wirklich ausspielen, wenn die Lichtverhältnisse nahezu perfekt sind. Schon wenn sich die Sonne hinter einer geschlossenen Wolkendecke versteckt, legt sich ein dunkler Schleier über die Fotos. Häufig fallen insbesondere Makro-Aufnahmen viel zu dunkel aus. Dafür überraschen die Nahaufnahmen aber mit einer sehr ordentlichen Schärfe. Im Video-Modus sind Aufnahmen in Full-HD-Qualität möglich, auf der Vorderseite wartet eine 1,3-Megapixel-Kamera für Videotelefonate auf ihren Einsatz.


Fazit: Leistungsstarkes Dual-SIM-Telefon für den schmaleren Geldbeutel

Auch wenn Huawei in Sachen Verarbeitung ein bisschen geschludert hat, ist das Ascend G700 ein grundsolides Mittelklasse-Smartphone, das vor allem durch seine Dual-SIM-Unterstützung punkten kann. Auch die Leistung ist für ein Telefon dieser Preisklasse mehr als ordentlich. Schön ist zudem, dass an die Integration einer kleinen Status-LED gedacht wurde, die rechts oberhalb des Displays blinkend über verpasste Anrufe und Nachrichten informiert.

Interessant ist letztlich zudem ein Blick auf den Preis. Denn auch wenn Huawei eine unverbindliche Preisempfehlung von 299 Euro angibt, ist das Gerät schon heute, wenige Tage nach dem Marktstart in Deutschland, für 237 Euro zu haben. Amazon liefert es komplett in Schwarz für rund 267 Euro und mit weißer Akkuabdeckung für rund 260 Euro – weiterer Preisfall in den kommenden Wochen nicht unwahrscheinlich.

Abschließend ist eines noch wichtig zu erwähnen: Wer das Smartphone mit zwei SIM-Karten verwendet, muss mit einer deutlich verkürzten Akku-Laufzeit leben. Sie liegt dann bei einer normalen Smartphone-Nutzung nur bei etwa einem Tag. Mit einer SIM-Karte hält es etwa doppelt so lange durch.

Name: Ascend G700
Hersteller: Huawei
Preis: ab circa 237 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.2.1 Jelly Bean)
Prozessor: 1,2 GHz. Quad-Core
Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
SIM: Mini-SIM (2FF)
Antenne: GSM Quadband (900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (900 und 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 143 x 73 x 9 Millimeter
Gewicht: 155 Gramm
Display: 5,0 Zoll, 1.280 x 720 Pixel
Speicher: 8 GB intern;
per microSD um bis zu 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, Micro-USB
Digitalkamera: 8,0 Megapixel mit Autofokus & Kameralicht
1,2 Megapixel Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, USB-Kabel, Stereo-Headset
Extras: Bluetooth, Radio, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: Li-Polymer 2.150 mAh
18-24 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung inkl. aktiver Datenverbindung)
Pro & Contra:
Dual-SIM-Unterstützung
Status-LED
ordentliche Performance
recht günstig in der Anschaffung
recht kleiner Flash-Speicher
kein Full-HD-Display
kein LTE & kein NFC
Akkulaufzeit verbesserungswürdig
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriediegend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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