Testbericht

HTPC: Alleskönner im Wohnzimmer

Wohnzimmer-PCs vereinen die Funktionen zahlreicher Multimedia-Geräte und bleiben dabei vollwertige Computer. Wir haben uns den DMC-Pro der Firma itv-Media mal ins Regal gestellt.

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Vorbei ist die Zeit, als im Wohnzimmer zu viele Fernbedienungen die Steuerung der einzelnen Multimedia-Geräte nahezu unüberschaubar machten. Heute geht der Trend bei den Unterhaltungs-Geräten ganz klar zum Alleskönner. So genannte "Home Theater PCs", kurz HTPCs, werden beim Aufbau eines multimedialen Wohnzimmers immer beliebter. Wir zeigen, was die Geräte alles können, worin der Unterschied zu einem üblichen PC liegt und mit welchen Kosten bei der Anschaffung zu rechnen ist. Als Vorführgerät dient uns der DMC Pro von itv-Media.

Die neue Generation

An den Fernseher und an ein Boxenset angeschlossen werden HTPCs zu einem Wiedergabe-Medium der neuen Generation. Sie vereinen die Fähigkeiten zahlreicher Unterhaltungs-Geräte, ersetzen etwa einen TV-Receiver und können neben der Wiedergabe von CDs und DVDs auch Fernsehsendungen digital aufzeichnen.

Schon in ihrem Aussehen unterscheiden sich die Geräte von üblichen, meist tristen PC-Gehäusen. Wohnzimmer PCs machen optisch etwas her, sodass sie sich besser ins Wohnzimmer integrieren lassen. Viele Geräte haben die gleichen Maße wie gängige Hifi-Komponenten und lassen sich so nahtlos in ein bestehendes Hifi-Rack integrieren. Unser Testgerät hat jedoch mit 357 mal 275 mal 91 Millimetern davon abweichende Abmessungen. Der PC kann wahlweise horizontal oder mit dem mitgelieferten Standfuß auch vertikal aufgestellt werden.

Hardware-Ausstattung

Der DMC Pro ist wie für HTPCs üblich kein Spiele-PC und verfügt entsprechend über keine leistungsstarke Grafikkarte, sondern über eine Grafik Onboard-Lösung. Im Inneren werkelt ein Intel Celeron-Prozessor mit einer Taktrate von 2,4 Gigahertz, das ganze System basiert auf einem SIS 651/962 Chipsatz. Sound- sowie Netzwerkchip sind integriert, Wireless LAN hat der DMC von Haus aus nicht, eine entsprechende Karte kann aber nachgerüstet werden. Der eingebaute DVD-Brenner ist Double Layer fähig und ermöglicht die Archivierung von Fernseh-Aufnahmen, denn irgendwann ist auch das Datenpensum der 160-Gigabyte-Festplatte ausgeschöpft.

Bei einem Blick auf die Hardware-Ausstattung liegt die Frage nahe, warum nicht auch ein üblicher Discounter-PC die Aufgaben eines dieser speziellen Wohnzimmer-PCs übernehmen kann? Die Antwort ist einfach: Zum einen passt er optisch nicht, zum anderen verfügen er nicht über die nötige Software - und die macht den Unterschied.

Der Spezialist

Ohne diese Software ist die Bedienung am Fernseher nicht gerade ein Kinderspiel. Zwar lässt sich DVB-Software auch an einem herkömmlichen Rechner mit einer meist mitgelieferten Fernbedienung steuern, beim Wechsel der Anwendung und Internet-Surfen kommt man dann aber schon nicht mehr um eine Tastatur herum. Zudem benötigen die Geräte einen TV-Receiver sowie einen entsprechenden Anschluss für den Fernseher. Auch die Hardware ist entsprechend angepasst.

HTPCs sind mit einer speziellen Media-Center-Software ausgestattet, damit sie bequem vom Sofa aus auch mit einer Fernbedienung gesteuert werden können und die Navigation durch die verschiedenen Menüs vereinfacht wird. Als Basissystem kommen meist Linux oder Windows zum Einsatz. Microsoft bietet speziell für Wohnzimmer-PCs die Windows XP Media Center Edition an. Eine erweiterte Version des gängigen XP, bei der alle Grundfunktionen bestehen bleiben. Zusätzlich ist eine Bedien-Oberfläche für den Fernseher mit zahlreichen Multimedia-Tools integriert. Beim frei erhältlichen Linux bietet die Media-Center-Oberfläche Linux VDR ähnliche Features.

Pinguin inside

Auch der DMC Pro basiert auf Linux, jedoch stattet itv-Media das Gerät mit einer selbst entwickelten Oberfläche aus. Nach dem Start des Rechners bootet dieser automatisch die Menüstruktur, durch die sich mit der mitgelieferten Fernbedienung navigieren lässt. Das Steuergerät lässt sich übrigens ausklappen und bietet dann eine umfangreiche Tastatur, die sich zwar nicht besonders bequem bedienen lässt, die aber den Einsatz einer Tastatur beim Tippen von etwa E-Mails oder Textdokumenten ersetzen kann.

Wohnzimmer-PCs vereinen eine Vielzahl von Fähigkeiten. Egal ob man DVDs oder Musik-CDs abspielen, eine Diashow vorführen, Fernsehen gucken oder eine Sendung aufzeichnen will. Das alles kann der HTPC. Voraussetzung dafür ist, dass der Rechner mit entsprechender Hardware ausgestattet ist.

Die wichtigste Multimedia-Komponente stellt der TV-Receiver dar. Je nach TV-Anbindung des Haushaltes muss der HTPC über eine Empfänger-Karte entweder für DVB-T, DVB-S oder DVB-C verfügen. Beim Fernsehempfang stehen dem Nutzer dann verschiedende Funktionen zur Vefügung.

Funktionalität

Die Timeshift-Funktion ermöglicht den Gang zum Kühlschrank auch während eines Films. Das zeitversetzte Fernsehen wird möglich, weil der Rechner auf Wunsch die Sendung für den Zuschauer pausiert und im Hintergrund weiter aufzeichnet. Setzt man die Sendung fort, spielt der Rechner an der pausierten Stelle weiter ab ohne das man auch auf nur eine Sekunde verzichten muss.

Aufgenommen wird übrigens digital. Der Personal Video Recorder (PVR) ermöglicht sogar während der bereits begonnenen Aufnahme, den Film von Anfang an zu schauen und gleichzeitig weiter aufzunehmen. Ist die Festplatte voll, kann man seine Aufzeichnungen zunächst in einem Videoschnittprogramm "werbefrei schneiden" und anschließend einfach auf eine DVD brennen.

Elektrische Zeitschrift

Bei der Planung hilft der Electronic Program Guide (EPG). Das ist eine Art elektronische Programmzeitschrift, mit der man das Programm der nächsten Tage einzelner Sender im Überblick behält und mit dem man auch den Festplatten-Videorecorder für einzelne Sendungen programmieren kann.

Wer zwischendurch den Aktienkurs checken, E-Mails abfragen oder ein Textdokument tippen will, kann einfach vor dem Fernseher sitzen bleiben. Denn sobald eine Internet-Verbindung besteht, kann man mit dem Rechner auch durch das World Wide Web surfen und bei Outlook Termine verwalten. Der Wohnzimmer PC – zumindest der auf Windows XP Media Center Edition basierende – bleibt ein vollwertiger Rechner. Mit unserem DMC Pro können wir allerdings nur via Webbrowser E-Mails empfangen. Dafür kann man auf der Homepage von itv-Media kostenlos das angepasste Open Office herunterladen und installieren. Dann kann theoretisch auch die Büroarbeit am DMC Pro verrichtet werden, wenngleich die Auflösung des Fernsehers auf die Dauer zu grob ist um sich damit wohl zu fühlen. Zudem ist spätestens bei Text-Anwendungen der Griff zu einer richtigen Tastatur empfehlenswert.

Ruhe im Wohnzimmer

Im Wohnzimmer soll möglichst nicht ununterbrochen ein Brummen stören. Darum sind an HTPCs besonders in der Geräuschentwicklung hohe Anforderungen gesetzt, was sich auf die Kühlung der Geräte auswirkt. Viele Hersteller versuchen mittlerweile, die Rechner passiv zu kühlen, also ohne Lüfter auszukommen. Dafür darf die Hardware jedoch keine große Wärme abgeben. Meist kommen dann mobile Prozessoren zum Einsatz, die weniger Wärme entwickelt und dennoch genügend Leistung aufbringen.

Aufpassen sollte derjenige, dem die Onboard-Grafik der meisten Geräte nicht ausreicht und der eine separate Grafikkarte einbauen will. Denn besonders die heutigen Mittelklasse- und High-End-Karten sind mit schnell laufenden und daher geräuschintensiven Lüftern ausgestattet. Wer also viel Grafikpower will, muss in der Regel auch mit einem erhöhten Geräuschpegel rechnen.

Vor dem Kauf

Vor dem Griff zum HTPC sollte geprüft werden, wie gut sich das System erweitern lässt und wie hoch der angesprochene Geräuschpegel ist. In punkto Leistungsfähigkeit sollte die Wahl den eigenen Ansprüchen angepasst werden. Wer es gewohnt ist, mehrere Anwendungen gleichzeitig zu betreiben oder wer rechenintensive Programme ausführen will, sollte zu einem leistungsstärkeren Modell greifen. Wer hingegen nur Filme schauen, Musik hören oder im Internet surfen will, wird mit einem kostengünstigen Modell zufrieden sein.

Der DMC Pro von itv-Media ist je nach Ausstattung ab rund 790 Euro erhältlich. Insgesamt gibt es mittlerweile eine größere Auswahl an HTPCs, je nach Wunsch mit viel Power zu einem höheren Preis, oder mit Grundfunktionen für die kleinere Geldbörse. Unsere unten aufgelisteten externen Links führen zu einigen Anbietern.

(Filip Vojtech)

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