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HTC Windows Phone 8X im Test - Tolle Haptik, aber kein Überflieger

Mit dem Windows Phone 8X will HTC auf dem Smartphone-Markt auch für Microsofts neues Betriebssystem begeistern. Mit Abstrichen gelingt das sogar - zu einem hohen Preis.

HTC

Mit Windows Phone 8 möchte nicht nur Microsoft neu durchstarten, sondern auch HTC versucht, an den Erfolg früherer Tage anzuschließen. Das so genannte Windows Phone 8x by HTC wurde in enger Abstimmung mit Microsoft entwickelt und soll zu einem neuen Verkaufsschlager werden. Wir haben uns das Smartphone genauer angeschaut und festgestellt, dass das Telefon nicht in allen Bereichen überzeugen kann.

Angenehme Haptik

Wer das neue HTC-Smartphone in den Händen hält, darf sich als erstes über eine überaus gelungene Verarbeitung freuen. Denn das Display wurde nahezu übergangslos mit dem Gehäuse verschmolzen. Mehr noch: die Ummantelung wurde aus Polycarbonat im so genannten "Soft Touch"-Stil gefertigt. Als Nutzer hat man zu keiner Zeit das Gefühl, mit knarzendem Plastik durch den Alltag zu schreiten. Vielmehr vermittelt das Gehäuse den Eindruck, mit einer gummierten Schicht überzogen zu sein. Dadurch liegt das Smartphone schön griffig in der Hand und kann auch nicht ohne Weiteres auf dem Tisch hin und her rutschen.

Nachteil: die Soft-Touch-Rückseite ist anfällig für Flecken. Schwitzige oder fettige Finger hinterlassen durchaus sichtbare Spuren. Das Gleiche gilt für Kratzer – zumindest auf unserem blauen Testgerät. Und auch das Glas-Display mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln muss regelmäßig gesäubert werden, weil Fingerabdrücke nicht zu übersehen sind. Geschmackssache ist sicherlich das recht eckige Design. Die Kanten sind aber zumindest abgerundeter als beim noch etwas größeren Nokia Lumia 920.

Helles, reaktionsschnelles Display

Auf der anderen Seite muss man dem Windows Phone 8x zugestehen, dass es in Sachen Display-Technologie tolle Ergebnisse liefert. Der 4,3 Zoll (10,9 Zentimeter) große Touchscreen lässt sich aufgrund der Tatsache, dass das Telefon so gut in der Hand liegt, mit nur einer Hand bedienen und überzeugt vor allem mit einer starken Helligkeit und satten Kontrasten. Auch die Reaktionszeiten bereiten in der alltäglichen Nutzung Freude.

Dass ohne erkennbare Ruckler durch das Menü gesteuert werden kann, gehört heutzutage bei Smartphones dieser Klasse zum Standard. Und es kann auch erwartet werden, wenn ein Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,5 Gigahertz seine Arbeit verrichtet – flankiert durch 1 Gigabyte Arbeitsspeicher. Etwas störend ist, dass es teilweise recht lange dauert, ehe eine App aus dem Windows Store heruntergeladen und auf dem Gerät installiert ist.

Für ein Flaggschiff eher schwach bemessen ist der interne Speicher von 16 Gigabyte (GB), von dem aber nur knapp 12 GB zur Verfügung stehen. Weil eine Speicher-Erweiterung über eine MicroSD-Karte nicht möglich ist, stoßen Smartphone-Nutzer, die gerne Fotos und Videos auf ihrem Handy speichern und zudem vielleicht noch eine Musiksammlung mit sich führen möchten, recht schnell an Kapazitätsgrenzen.

Die Bedienung des Smartphones erfolgt in weiten Teilen über den Touchscreen, dem drei beleuchtete Sensor-Menütasten untergelagert sind. Darüber hinaus ist das Telefon mit einer Lautstärke-Wippe und einer separaten Kamerataste an der rechten Seite sowie einem Knopf zum Ein- und Ausschalten an der Kopfseite ausgestattet.

Betrieb mit Micro-SIM

Um überhaupt in Mobilfunknetzen funken zu können, muss in das Telefon eine Micro-SIM eingelegt werden. Das Funktioniert wie bei aktuellen Apple- und Nokia-Smartphones über einen kleinen Adapter, der in das Gehäuse geschoben wird. Eine Öffnung des Slots ist nur mit einer kleinen, im Lieferumfang enthaltenen Nadel möglich – oder mit einer Büroklammer.

Gefunkt wird auf allen GSM- und UMTS-Frequenzen, die in Europa eingesetzt werden (Quadband). Hingegen nicht unterstützt wird LTE. Dafür sind aber Bluetooth-Schnittstelle (Version 3.1) und GPS-Empfänger ebenso integriert wie NFC. Die wichtigsten Schnittstellen, die ein Smartphone der Oberklasse haben sollte, sind demnach nutzbar. Allerdings wird HDMI nicht unterstützt - auch nicht über einen Adapter, der an die Micro-USB-Schnittstelle angeschlossen wird.

Die integrierte 8-Megapixel-Kamera ist zwar mit einem LED-Blitz und einem speziellen Sensor für Aufnahmen bei weniger guten Lichtverhältnissen ausgestattet, die Qualität der Aufnahmen ist aber realistisch betrachtet nur bei Tageslicht wirklich gut. Sobald die Dämmerung einsetzt ist ein Bildrauschen in den Aufnahmen nicht wegzudiskutieren. Gleiches gilt für Videos, die bestenfalls in Full HD-Qualität mit 1.080p aufgenommen werden. Auf der Vorderseite wurde eine zweite Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv für Videotelefonate integriert. Die Auflösung liegt bei vergleichsweise hohen 2,1 Megapixeln und ebenfalls bis zu 1.080p.

Windows Phone und das Image-Problem

Der wohl entscheidende Knackpunkt dürfte das verwendete Betriebssystem sein. Windows Phone 8 hat zwar nichts mehr mit dem alten Windows Mobile zu tun, kämpft aber immer noch mit dessen negativem Image. Das ist für alle Beteiligten ärgerlich, denn Windows Phone war schon in den Vorgängerversionen erfreulich intuitiv zu bedienen. Und daran hat sich auch mit der Neuauflage nichts geändert. Im Gegenteil: Die (zum Teil dynamischen) Livekacheln auf dem Startbildschirm können nun auch in der Größe und Farbe individuell verändert werden und mit nur einem Fingerstrich werden alle installierten Apps und Programme in einer langen Liste angezeigt. Wer mag, kann auch einzelne Kontakte auf der Startseite als eigene Kachel ablegen. Nach wie vor gibt es aber nur einen (langen) Startscreen und nicht wie bei Android und iOS mehrere.

Kein Highlight, aber auch keine Enttäuschung, ist der integrierte und folglich nicht wechselbare Akku. Er bringt eine Kapazität von 1.800 mAh mit und erlaubt ununterbrochenes Surfen über rund sechs Stunden. Da im Alltag aber meist auch noch andere Funktionen wie GPS verwendet werden, kann auch schon deutlich eher Schluss sein. Wer das Telefon mit einer aktivierten Datenverbindung nutzt und zwischendurch auch immer mal wieder das mobile Internet verwendet, muss am Ende des Tages auf jeden Fall eine Steckdose suchen. Positiv anzumerken ist der schnelle Browser. Vorinstalliert ist die mobile Version des Internet Explorer 10.

Fazit – Hübsch, leicht, schnell

Windows Phone hat eine Chance verdient und HTC beweist mit One 8x, dass ein Telefon auf Basis von Microsofts mobilem Betriebssystem sehr viel Spaß machen kann. Intuitive Bedienung, ordentliche Performance – so sollte ein aktuelles Smartphone funktionieren. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die schöne Verarbeitung und die griffige Haptik.

Weiterhin schlecht umgesetzt sind die Benachrichtigungen von Facebook-Mitteilungen, SMS oder anderen Nachrichten. Sie werden nur kurz am oberen Display-Rand in einer schmalen Zeile eingeblendet, können zur Seite weggeschoben werden und sind dann für immer verschwunden. Komfort? Fehlanzeige! Eine übersichtliche Nachrichtenzentrale würde Windows Phone 8 gut zu Gesicht stehen, ist aber Stand heute nur Zukunftsmusik. Immerhin wird auf dem Lockscreen die Anzahl ungelesener E-Mails, SMS oder Skype-Nachrichten angezeigt. Bis zu fünf Anwendungen können mit dem Lockscreen verbunden werden.

Aber – und auch das darf nicht unerwähnt bleiben – aktuell ist das 132 x 66 x 10 Millimeter flache und 130 Gramm leichte HTC Windows Phone 8x alles andere als ein Schnäppchen. Immerhin 465 Euro müssen auf den Tisch gelegt werden. Bei Amazon sind es ohne zusätzliche Versandkosten sogar knapp 491 Euro und wenn es das schrille Modell in Gelb sein soll knapp 600 Euro. Das ist für ein Telefon ohne LTE-Unterstützung und mit einer eher mäßigen Kamera zu viel.

Gut, aber teuer

Auch vor dem Hintergrund, dass den Herstellern eigentlich daran gelegen sein sollte, Windows-Phone-Smartphones mit attraktiven Preisen für eine breite Masse interessant zu machen. Das ist HTC zum jetzigen Zeitpunkt nicht gelungen und so darf sich am Ende auch niemand wundern, wenn Kunden um das Windows-Telefon einen respektvollen Bogen machen.

Name: Windows Phone 8X
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.com/de
Preis: ab ca. 465 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Windows Phone (Version 8.0)
Prozessor: 1,5 Gigahertz Dual Core Qualcomm S4
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: MicroSIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 132 x 66 x 10 Millimeter
Gewicht: 130 Gramm
Display: 4,3 Zoll, 1.280 x 720 Pixel
Speicher: 16 GB intern (nicht erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, Kameralicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: nicht bekannt
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
12-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
übersichtliches, modernes Menü
solide Performance
schöne Haptik
helles Display
kein FM-Radio integriert
Akku nicht austauschbar
Speicher nicht erweiterbar
keine LTE-Unterstützung
keine HDMI-Schnittstelle
mäßige Kamera
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,2)
Preis-Leistung: ausreichend

(Hayo Lücke)

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