Testbericht

HTC Wildfire im Test - Solides Touchscreen-Telefon

Das HTC Wildfire ist ohne Vertrag für rund 200 Euro zu haben und liefert eine ganze Reihe an Extras. Allerdings ist nicht alles so gut wie es auf den ersten Blick scheint.

HTC Wildfire

Knapp 6,5 Millionen HTC-Smartphones wurden im dritten Quartal des laufenden Jahres nach Angaben der Marktforscher von Gartner weltweit verkauft. Damit erreicht der taiwanesische Handy-Produzent zwar nur einen sehr geringen Marktanteil von etwa 1,5 Prozent, gehört aber trotzdem zu den aufstrebenden Handy-Herstellern. Grund: HTC setzt unter anderem auf das Google-Betriebssystem Android, das immer häufiger nachgefragt wird. Wir hatten die Möglichkeit, eines der beliebtesten HTC-Smartphones, das Touchscreen-Modell Wildfire, einem umfangreichen Test zu unterziehen. Und so viel sei an dieser Stelle schon vorab verraten: das HTC-Telefon liefert viele Extras, leistet sich aber auch ein paar Schwächen.

Mittelklasse-Prozessor stößt an Grenzen

Herzstück des 107x60x12 Millimeter kleinen und 118 Gramm schweren HTC Wildfire ist neben dem eingangs erwähnten Android-Betriebssystem (Version 2.1) ein Prozessor, der mit 528 Megahertz getaktet ist. Und hier tut sich auch schon das erste kleine Problem auf. Zwar reicht die Prozessor-Leistung für die meisten Anwendungen aus, teilweise sind aber deutliche Einschnitte bei der Performance zu beobachten. Zum Beispiel beim Schreiben von SMS. Wer das Handy im Querformat hält und eine Kurznachricht über die virtuelle QWERTZ-Tastatur schreibt, wird schnell feststellen, dass es immer mal wieder zu Haklern und Rucklern beim Schreiben kommt. Insbesondere dann, wenn die Finger schnell über das Tastenfeld gleiten. Etwa mehr Power hätte dem Prozessor also durchaus gut zu Gesicht gestanden.

Haupt-Bedieninstrument ist ein 8,1 Zentimeter (3,2 Zoll) großer Touchscreen, der mit maximal 320x240 Pixeln auflöst. Kleine Sensortasten am unteren Ende des Bildschirms unterstützen die Navigation durch das weitestgehend übersichtliche Android-Menü und die bis zu sieben Startscreens, Eigentlich überflüssig: ein optischer Trackball. Er soll unter anderem die Navigation über lange Internetseiten oder durch lange SMS-Konversationen erleichtern. In der Regel ist es aber praktischer, mit dem Finger über den Touchscreen zu streichen, statt den Trackball zu nutzen.

Schneller Touchscreen

Grundsätzlich reagiert das Touch-Display erfreulich schnell und präzise. Der Wechsel zwischen den einzelnen Start-Screens, auf denen Widgets und Apps abgelegt werden können, ist ohne Verzögerungen möglich. Und von den Rucklern im Querformat abgesehen, macht auch das Schreiben von SMS richtig Spaß. Wer sich einmal an die virtuelle Tastatur gewöhnt hat, kann auch längere Texte in einem ordentlichen Tempo schreiben - dem ordentlich gestalteten virtuellen Tastenfeld sei Dank. Kritisch angemerkt werden muss aber auch, dass das Display kein Multitouch unterstützt und anfällig für Fingerabdrücke und leider auch für Kratzer ist. Wer das HTC Wildfire über einen langen Zeitraum nutzen möchte, sollte sich möglichst rasch eine Schutzhülle zulegen.

Übrigens auch in Bezug auf den schwarzen Edelstahl-Rahmen, in den das Telefon eingebettet wurde. Denn bei einem Sturz auf den Boden ist es schnell möglich, dass Teile der Farbe abplatzen und nicht gerade ansehnliche Macken entstehen. Positiv ist hervorzuheben ist, dass die Rückseite des Geräts nicht komplett aus gebürstetem Stahl besteht, sondern auch gummierte Flächen zum Einsatz kommen. Das führt dazu, dass das HTC Wildfire sehr gut in der Hand liegt und praktisch nicht in der Hand verrutschen kann.

Nutzbar ist das HTC Wildfire praktisch rund um den Erdball. Auf der einen Seite, weil eine GSM-Quadband-Antenne verbaut wurde, aber auch, weil UMTS-Technik nutzbar ist. Zugriffe auf das mobile Internet sind über HSDPA mit maximal 7,2 Megabit pro Sekunde im Downstream möglich. Allerdings nur dort, wo das genutzte Mobilfunknetz entsprechend aufgerüstet wurde. Bei Uploads sind maximal 384 Kilobit pro Sekunde möglich, was für Otto-Normal-Nutzer aber mehr als ausreichend ist. Ergänzend dazu steht eine WLAN-Schnittstelle bereit. Ohne Einschränkungen kommt das HTC-Telefon aber auch hier nicht aus. Grund: der schnelle WLAN-n-Standard wird nicht unterstützt.

Kamera mit Schwächen im Video-Modus

Lohnenswert ist auch ein Blick auf die integrierte Digitalkamera. Nach außen scheint es so, als käme eine hochwertige 5-Megapixel-Kamera zum Einsatz. In der Praxis versagt das verbaute Modell aber in gleich mehrfacher Hinsicht. Im Fotomodus werden Bilder trotz Autofokus häufig unscharf und falsch belichtet, bei weniger guten Lichtverhältnissen versagt die Kamera trotz Fotolicht fast komplett.

Noch weniger kann die Kamera im Videomodus überzeugen. Die maximal mögliche Auflösung liegt bei gerade einmal 352x288 Pixeln und insbesondere die Tonaufnahmen sind eine große Enttäuschung. Statt klarer Audiospuren dröhnt in der Regel ein unverständlicher Mischmasch aus wildem Rauschen, blechernen Tönen und schrillen Piepsgeräuschen aus dem Handy. Nun könnte man meinen, das läge vielleicht am integrierten Lautsprecher, doch auch am Computer mit angeschlossenen Boxen klingen die aufgenommenen Videos verzerrt und sind fast schon unbrauchbar. Das ist schade und gibt ganz klar Abzüge in der B-Note.

Akku schreit nach einem Tag nach neuer Energie

Die könnte man auch für die Akkuwerte vergeben. Denn das, was HTC im Produkt-Datenblatt verspricht, kann das Wildfire im Alltags-Gebrauch nicht halten. Die Rede ist von bis zu einem Monat Bereitschaftszeit und maximal acht Stunden Sprechzeit. Wer sein Smartphone - mehr oder weniger - normal nutzt und auf eine Vielzahl an Apps zurückgreift, muss den Akku in der Regel nach 24-36 Stunden mit neuer Energie versorgen. Ein Problem, das aber auf praktisch jedes aktuelle Smartphone 1:1 übertragen werden kann. Eine Verlängerung der Akku-Leistung ist unter anderem durch das Ausschalten von WLAN- und GPS-Funktion möglich.

Als durchaus hilfreiches Extra ist das HTC-Handy mit einer kleinen Info-LED oberhalb des Displays ausgestattet. Sie blinkt immer dann grün auf, wenn eine SMS oder ein Anruf auf dem Handy eingegangen ist. Wird der Akku des Handys aufgeladen, leichtet die Diode dauerhaft rot, ist der Ladevorgang abgeschlossen grün. Weiteres nettes Extra: klingelt das Telefon einmal in einer unpassenden Situation, muss es nur auf das Display gelegt werden und schaltet sich anschließend automatisch in den Lautlos-Modus.

Wie immer ist es bei einem Smartphone wichtig zu erwähnen, dass eine Nutzung mit einem passenden Datentarif dringend zu empfehlen ist. Denn: viele Apps und Widgets, die bereits auf dem Handy vorinstalliert sind oder über den Android Market auf das Gerät geladen werden können, kommunizieren von sich aus mit dem Internet. Das kann ohne einen passenden Datentarif schnell zu einer unliebsamen Überraschung auf der nächsten Rechnung führen. Immerhin ist es beim Wildfire möglich, die Datenkommunikation des Handys auszuschalten. Dazu reicht es aus, die Power-Taste einen Moment zu drücken und den Menüpunkt Mobiles Netzwerk zu deaktivieren.

Fazit: Solides Smartphone mit Schwächen

Zweifelsohne ist HTC mit dem Wildfire ein Smartphone gelungen, das die Ansprüche der meisten Otto-Normal-Nutzer absolut abdecken kann. Nur wer das Handy wirklich intensiv nutzt, wird sich über die mangelhafte Kamera, das häufig verschmierte Display und den zum Teil langsamen Prozessor ärgern. Da können auch erweiterte Extras wie FM-Radio, MP3-Player, Stereo-Bluetooth-Schnittstelle und microSD-Speichererweiterung nicht wirklich drüber hinwegtäuschen.

Bleibt abschließend noch die Frage, zu welchem Preis das HTC Wildfire erhältlich ist. In diversen Online-Shops wird es zu einem Preis von etwa 215 Euro ohne Vertrag angeboten (Stand: November 2010). Das ist ein fairer Preis, aber aufgrund der durch unseren Test aufgedeckten Schwächen auch kein Schnäppchen. Wer sich für einen Laufzeitvertrag entscheidet, erhält es zum Beispiel bei 1&1 in Verbindung mit der All-Net-Flatrate (39,90 Euro monatlich) für 0 Euro.

(Hayo Lücke)

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