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HTC Velocity 4G im Test - Teurer Spaß mit LTE

Mit dem Velocity 4G verkauft HTC bei Vodafone das erste LTE-Smartphone in Deutschland. Das Telefon kann praktisch durch die Bank überzeugen, allerdings ist LTE (noch) ein sehr teurer Spaß.

HTC Velocity 4G© HTC

Es war eine der größten Enttäuschungen auf dem diesjährigen Mobile World Congress: abgesehen von LG Electronics brachte keiner der namhaften Smartphone-Hersteller ein Endgerät mit auf die weltgrößte Mobilfunkmesse nach Barcelona, das auch in LTE-Netzen funken kann. Und trotzdem prescht ein anderes Unternehmen in der LTE-Wahrnehmung weit nach vorne: HTC verkauft seit Anfang März mit dem Velocity 4G das erste Mobiltelefon in Deutschland, das auch LTE unterstützt. Zunächst wird es exklusiv in Vodafone-Shops in Düsseldorf angeboten, ab April soll es schließlich bundesweit in den Vor-Ort-Läden und auf der Internetseite des größten deutschen Mobilfunk-Netzbetreibers zu haben sein. Ob das Smartphone mit Technik für die vierte Mobilfunkgeneration überzeugen kann, haben wir auf die Probe gestellt.

Recht sperrige Abmessungen

Eines ist klar: wer ein LTE-Smartphone nutzt, möchte möglichst schnell im Internet surfen. Im Netz von Vodafone sind aktuell bis zu 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream und bis zu 10 Mbit/s im Upstream möglich, in Kürze sollen bis zu 100 Mbit/s per Download erreicht werden können. Mehr noch: in circa fünf Jahren will Vodafone Internetdownloads in seinem Mobilfunknetz mit bis zu 1.000 Mbit/s realisieren können. In der Praxis zeigt sich aber schnell: auch bei diesen Werten handelt es sich lediglich um theoretische Maximal-Angaben. Denn wenn sich mehrere Nutzer eine LTE-Zelle teilen müssen, sinkt die Downloadrate recht zügig in den Keller.

Ein Problem ist das allerdings nicht wirklich. Denn bei unserem Test in LTE-Netzen in Düsseldorf und Barcelona war mit dem HTC Velocity 4G durch die Bank ausreichend zügiges Internetsurfen möglich. Und das nicht nur über das Telefondisplay selbst, sondern auch im Tethering-Verfahren. Dabei mutiert das Smartphone mit wenigen Änderungen in den Telefon-Einstellungen zu einem WLAN-Hotspot und kann so zum Beispiel mit einem PC oder Notebook verbunden werden. Ein Vorteil ist das zum Beispiel für mobil arbeitende Fotografen, die unterwegs über ihr Notebook Fotos versenden möchten.

Fairerweise muss man aber auch sagen: noch sind die LTE-Netze in Deutschland eher ein Flickenteppich. Niemand sollte davon ausgehen, dass zum heutigen Zeitpunkt flächendeckend LTE-Verbindungen nutzbar sind - weder bei Vodafone noch bei Telekom oder Telefónica Germany. Das soll sich langfristig zwar ändern, aktuell steht LTE aber nur in einigen Regionen zur Verfügung. In nicht versorgten Gebieten schaltet das Telefon für die mobile Datenkommunikation auf HSDPA-, UMTS- oder EDGE-Verbindungen um. Dann mit maximal 14,4 Mbit/s im Down- und 5,8 Mbit/s im Upstream.

Keine Sprachverbindungen über LTE

Wichtig zu erwähnen ist auch: Sprachverbindungen sind in LTE-Netzen momentan noch nicht möglich. Heißt konkret: eine LTE-Internetverbindung wird unterbrochen, sobald ein Anruf (über das GSM- oder UMTS-Netz) getätigt oder entgegengenommen wird. Der Wechsel bei abgehenden Telefonaten funktioniert in der Regel binnen weniger Sekunden, bei eingehenden Verbindungen kann aber schon mal eine halbe Minute vergehen, ehe das Telefon klingelt. Im Anschluss an das Telefonat wechselt das Verlocity 4G automatisch wieder in das LTE-Netz. Das wiederum kann aber durchaus auch mal ein paar Minuten dauern. Verbesserungswürdig.

Abstriche müssen Nutzer des Velocity 4G bei der Haptik machen. Das Gerät liegt aufgrund seiner recht sperrigen Abmessungen und der glatten Alu-Rückseite nicht sonderlich komfortabel in der Hand. Problematisch ist nicht einmal die Länge von 129 Millimetern oder die Tiefe von rund 11 Millimetern, sondern vor allem die Breite. Mit 67 Millimetern haben insbesondere Personen mit kleineren Handflächen Schwierigkeiten, das Smartphone komfortabel zu greifen. Insgesamt macht das schneeweiße Telefon einen recht wuchtigen und markanten Eindruck.

Intuitive HTC Sense-Oberfläche

Softwareseitig basiert das HTC Velocity 4G auf der Android-Version 2.3.7 Gingerbread, soll im Laufe der kommenden Wochen aber eine Aktualisierung auf Version 4.0 Ice Cream Sandwich erhalten. Darüber hinaus wurde die intuitiv zu bedienende HTC Sense-Oberfläche in Version 3.5 installiert. Damit ist es aus dem Standby-Betrieb mit nur einem Fingerwischer möglich, die integrierte Kamera zu starten, den SMS- oder E-Mail-Eingang abzurufen oder zur virtuellen Telefontastatur zu wechseln. Im Hauptmenü werden alle Apps und Verknüpfungen untereinander in alphabetischer Reihenfolge auf einer Seite zusammengefasst. Auf Wunsch ist alternativ eine Sortierung gemessen an der häufigsten Nutzung möglich. Auf diversen Startbildschirmen lassen sich nicht nur App-Verknüpfungen, sondern auch spezielle Widgets anordnen.

Praktisch keine Einschränkungen müssen Nutzer bei der Performance hinnehmen. Der interne Speicher fällt mit 16 Gigabyte ordentlich aus - knapp 14 Gigabyte stehen zur Nutzung zur Verfügung - und ist über eine microSD-Karte um bis zu 32 Gigabyte erweiterbar. Der integrierte Dual Core-Prozessor von Qualcomm ist mit 1,5 Gigahertz getaktet und wird durch 1 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Eine flüssige Menünavigation ist die Folge.

Sehr großes Display

Zweifelsohne viel Spaß macht die Nutzung von Apps und mobilem Internet auf dem großen LCD-Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung. In der diagonalen Abmessung misst der Bildschirm 4,5 Zoll, was die eingangs erwähnten breiten Abmessungen erklärt. Zum Vergleich: das iPhone 4S bringt es auf nur 3,5 Zoll, das Samsung Galaxy S II auf 4,3 Zoll. Und auch wenn "nur" 262.000 Farben dargestellt werden können, sorgt die Auflösung von 960 x 540 Pixeln für eine durchaus eindrucksvolle Schärfe und satte Kontraste. Die Displayhelligkeit passt sich über den integrierten Sensor (nach Aktivierung) automatisch an das Umgebungslicht an.

Für Freunde von Foto- und Videoaufnahmen hat HTC gleich zwei Kameras in das Velocity 4G integriert. Auf der Vorderseite steht eine 1,3 Megapixel-Kamera zur Nutzung bereit, die in erster Linie für Videotelefonate und Selbstportraits Verwendung finden soll. Deutlich hochwertiger ist die in die Rückseite integrierte Digicam. Sie löst im Fotomodus mit bis zu 8 Megapixeln auf und ist unter anderem mit Autofokus und zweifachem LED-Fotolicht ausgestattet. Videoaufnahmen sind nicht nur in HD- (720p), sondern sogar in Full HD (1.080p) möglich.

Qualitativ hat HTC an seinen Kameras in den vergangenen Monaten viel verbessert und entsprechend kann die Cam des Velocity 4G durch eine wahrlich beeindruckende Bildqualität überzeugen. Der integrierte Autofokus verrichtet insbesondere im Makro-Modus hervorragende Arbeit. Ein Bildrauschen ist nur bei schlechten Lichtverhältnissen zu erkennen und auch an der Farbtreue gibt es kaum etwas zu bemängeln. Pluspunkte gibt es zudem für das sehr helle Dual-LED-Fotolicht. Und doch gibt es ebenfalls einen Kritikpunkt: im Videomodus stellt der Autofokus das Bild zwar vor Beginn der Aufnahme scharf, reguliert aber nicht mehr nach sobald die Aufnahme einmal gestartet wurde. Nette Spielerei für zwischendurch: ein Zeitlupen-Modus.

Generell einsetzbar ist das HTC Velocity 4G nicht nur überall dort, wo LTE verfügbar ist, sondern auch in GSM- (Dualband: 2.100 und 900 Megahertz) und UMTS-Netzen (Quadband: 850, 900, 1.800 und 1.900 Megahertz). Mobile Internetdownloads sind auf Wunsch auch über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich. Außerdem an Bord: Bluetooth (Version 3.0) und GPS-Empfänger, allerdings kein NFC. Der integrierte Akku hat eine Kapazität von 1.620 mAh und aufgrund des recht großen Displays gilt auch bei diesem Smartphone: nach 12 bis 18 Stunden sollte eine Steckdose erreichbar sein, um den Energiespeicher aufladen zu können.

Vier Sensortasten im Einsatz

Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über das Display, aber auch über insgesamt vier zuverlässig reagierende Sensortasten unterhalb des Bildschirms. Die microUSB-Buchse zur Verbindung mit dem PC oder für den Anschluss des Ladegeräts findet sich an der linken Seite, an der rechten Flanke wurde eine lange Lautstärke-Wippe in das Plastik-Gehäuse integriert. Der Kopfhörer-Ausgang und die Einschalt-Taste sind auf der Kopfseite zu finden, ein vergleichsweise großer Lautsprecher auf der Rückseite. Groß heißt hier übrigens noch lange nicht gut: die Klangfarbe ist eher blechern statt kraftvoll.

Fazit: Turbo-Internet hat seinen Preis

HTC ist mit dem Velocity 4G ein nettes Spielzeug gelungen, dass aber nur dann wirklich Sinn macht, wenn der Nutzer in einem mit LTE versorgten Gebiet wohnt. Denn andernfalls gibt es ähnlich ausgestattete Telefone zu einem deutlich günstigeren Preis. Wer sich das erste LTE-Handy Deutschlands zulegen möchte, muss in Vodafone-Shops ohne Vertrag satte 599,90 Euro über den Ladentisch reichen. Letztlich macht genau das aber wenig Sinn, denn wer die LTE-Funktion nutzen will, muss auch die passende LTE-Option von Vodafone für 10 Euro monatlich buchen und mindestens zwei Jahre nutzen - zuzüglich zu einem Mobilfunkvertrag für den weitere 44,95 bzw. 84,95 Euro anfallen. Pro Monat versteht sich. Immerhin: in Verbindung mit einem Vertrag reduziert sich der Kaufpreis für das Smartphone auf faire(re) 49,90 bzw. 99,90 Euro.

Die Nutzung insgesamt macht aufgrund der sehr ordentlichen Performance viel Spaß. Problematisch sind die recht sperrigen Abmessungen, die dafür sorgen, dass es in Sachen Haptik Abzüge in der B-Note gibt. Abgesehen von der doch recht markanten Form gibt es dafür in Sachen Verarbeitung nichts zu beanstanden. Selbst der Alu-Akkudeckel sitzt felsenfest. Knarzende Elemente sucht man beim HTC Velocity 4G vergeblich. Überzeugend sind auch die gute Kamera und die sehr ordentliche Telefonakustik. Alles in allem ist das Telefon sehr gut ausgestattet, in diesem Zusammenhang aber auch recht teuer. Eine Kaufempfehlung gibt es daher nur für Menschen, die besonders schnell im Internet surfen möchten. Angeboten wird das Smartphone ausschließlich in Weiß.

Name: Velocity 4G
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: 600 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android 2.3.7 Gingerbread
Prozessor: Dual Core 1,5 Ghz.
Antenne: GSM (850, 900, 1.800, 1900 Mhz.)
UMTS (900, 2.100 Mhz.)
LTE (800, 2.600 Mhz.)
Abmessungen: 129x67x11 Millimeter
Gewicht: 164 Gramm
Display: 4,5 Zoll, 960 x 540 Pixel
Speicher: 16 GB; per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 3.0, WLAN, DLNA, microUSB 
Digitalkamera: 8,0 Megapixel Kamera mit Autofokus und Dual Kameralicht; Full HD Videos (1.080p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 1,30 W/kg (sehr hoch)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, GPS, WLAN3
Akkulaufzeit im Test: 4-5 Stunden Sprechzeit
ca. 18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
LTE-Unterstützung
gute Kamera
intuitive Bedienung
Status-LED nutzbar
ordentliche Verarbeitung
sehr sperrige Abmessungen
teuer in der Anschaffung
recht schwer und wuchtig
kein NFC
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,6)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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