Testbericht

HTC Touch HD: Der iPhone-Klon im Test

Das Smartphone mit dem riesigen Display war zu Gast in der Redaktion. Ob es dem übermächtigen iPhone gewachsen ist, haben wir getestet.

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Mit dem Touch HD schickt Hersteller HTC ein neues Premium-Smartphone auf Kundenfang. Mit riesigem Display, hochwertigen Materialien und Funktionen, die wirklich keine Wünsche offen lassen, möchten die Taiwanesen dem iPhone von Apple endlich richtig gefährlich werden. Dies zeigt sich auch in dem sehr mutigen Preis: das Touch HD kostet beim Online-Händler Amazon derzeit satte 600 Euro. Ein berechtigter Preis? Wir haben das Gerät unter die Lupe genommen.

Technik im Überfluss

Das auch "Blackstone" bezeichnete Smartphone kann seine Ähnlichkeit zum iPhone nicht leugnen. Vielleicht möchte es dies auch gar nicht, so auffällig identisch zeigt sich das Äußere. Das Touch HD ist 115 Millimeter (mm) lang, 62,8 mm breit 12 mm tief. Zum Vergleich: das iPhone misst in der Länge exakt gleich viel, ist nur 0,7 Millimeter breiter und 0,3 Millimeter tiefer. Dafür wiegt es mit 133 Gramm einen Tick weniger als das 145 Gramm schwere Touch HD.

Das Display ist riesig. Ganze 480x800 Pixel leuchten dem Betrachter auf 3,8 Zoll entgegen. Das iPhone zeigt "nur" 3,5 Zoll. Doch genug zu den Äußerlichkeiten, betrachten wir die inneren Werte - auch die können beim Touch HD überzeugen. Das Herz bildet ein 528 Megahertz schneller Prozessor von Qualcomm. Das ROM ist 512 Megabyte (MB) groß, der Arbeitsspeicher 288 MB. Das Touch HD funkt in 3G-Netzen und unterstützt den Daten-Turbo HSDPA. Außerdem werden Bluetooth, WLAN nach 802.11 b/g-Standard und GPS unterstützt. Der Akku ist 1350 mAh stark und austauschbar.


Der interne Speicher des Multimedia-Künstlers lässt sich per microSD-Karte beliebig ausbauen. Auf der Rückseite ist eine 5-Megapixel-Kamera eingebaut, leider ohne Blitz. Dafür mit Autofokus. An der Außenseite findet sich ein Klinkenstecker, der handelsübliche Ohrhörer zulässt. Die Verpackung des Touch HD ähnelt der des Touch Diamond sehr. Eine schlichte, schwarze Box mit silbernem HTC-Logo. Im Inneren findet sich neben dem Touch HD ein Ladegerät, eine Schutzfolie und -tasche, Ohrhörer sowie ein Ersatz-Eingabestift. Da es sich bei unserem Modell um ein Pre-Sample handelte, ist nicht sicher, ob die Endkunden-Auslieferung exakt genauso aussieht. Wir vermissen beispielsweise eine Anleitung.

Erster Start

Beim ersten Start zeigt sich, womit wir es zu tun haben: Windows Mobile zeigt den Installationsbildschirm und benötigt einige Minuten, bis alle Daten auf das Gerät geschrieben sind. Beim ersten normalen Start schaltet sich dann das ROM ein und spielt unter anderem die TouchFLO-Oberfläche auf. Diese verleiht dem Touch HD einen sehr eigenständigen Look und hat mit Windows Mobile auf den ersten Blick nicht mehr viel zu tun. Im Vergleich zur 3D-Oberfläche des HTC Touch Diamond hat sich nicht viel geändert - eine neue Aktien-Anzeige wurde integriert, sonst ist alles beim Alten geblieben.

Und doch hat sich im Kern scheinbar einiges geändert. Das Touch HD reagiert schneller auf Eingaben, als es beim hakeligen Diamond der Fall war. Wobei man fairerweise sagen muss, dass HTC ja mittlerweile auch beim Diamond für ein Software-Update gesorgt hat.


Nach einiger Zeit mit TouchFLO 3D zeigen sich schnell die Stärken und Schwächen. Positiv ist, dass das Interface auf dem riesigen Display des Touch HD wirklich atemberaubend aussieht. Auch ist die Bedienung durch die Größe des Displays und der dargestellten Buttons sehr viel leichtgängiger, als noch bei Vorgänger-Modellen. Das Display reagiert schnell, ist jedoch weniger berührungsempfindlich als das des iPhones.

Staub im Keller

An sich ist HTC mit der vorliegenden Version von TouchFLO 3D wirklich ein großer Wurf gelungen. Die Bedienung des Telefons mit den Fingern ist immer problemlos möglich, jedenfalls so lange man sich auf der TouchFLO-Oberfläche bewegt. Dringt man tiefer ins System vor, zeigt sich die staubige Oberfläche von Windows Mobile.

Dies passiert besonders bei den Messaging-Funktionen, also E-Mail und SMS, sehr oft. Es ist nämlich nur möglich eingehende Nachrichten zu lesen - das Verfassen läuft über die Software von Windows Mobile ab. Wenngleich die neue HTC-Tastatur auch sehr viel besser zu bedienen ist als der Standard im Mini-Format. Leider lässt sich das Display bei Texteingabe nicht drehen - der G-Sensor des Touch HD wird nur bei der Bilder-Anzeige und beim Surfen aktiv und dreht das gesamte angezeigte Bild. Dabei wäre doch gerade eine vollständige QWERTZ-Tastatur auf einem 3,8 Zoll großen Display eine Wonne?! Sehr schade. Abgesehen vom Messaging ist es HTC aber gelungen, fast alle alltäglichen Funktionen unter den "Schutzschirm" von TouchFLO 3D zu stellen. So gefiel besonders die Telefoniefunktion am Touch HD. Drückt man die "Abheben"-Taste unterhalb des Displays, verspürt man eine sanfte Vibration. Eine schicke, große Telefon-Tastatur zeigt sich. Das integrierte QuickDial ermöglicht es, durch Eingabe des gewünschten Namens schnell im Adressbuch zu suchen. Alternativ lässt sich auch, ganz in iPhone-Manier, durch alle Kontakte scrollen. Die rechts über dem Display angebrachte VGA-Kamera erlaubt Videotelefonie. Ein Klick auf den entsprechenden Button neben der Telefon-Tastatur und schon kann man seinen Gesprächspartner nicht nur hören, sondern auch sehen. Sehr einfach und durchdacht gelöst.

Multimedia-Talent

Das Touch HD ist mit sehr guten Multimedia-Funktionen ausgestattet. Der Mediaplayer des Gerätes erzeugt einen guten Klang, die Menüführung ist selbsterklärend. Grafisch auch sehr schön gelöst ist das Navigieren durch die eigene Medien-Bibliothek. Diese wird automatisch mit den aufgespielten Musikdateien synchronisiert, ohne dass der Benutzer es merkt.

Außerdem überzeugt die Bild- und Videoanzeige. Ein einfaches Tippen durch die eigenen Bilder macht Freude und ist sehr viel einfacher als bei gewöhnlichen Telefonen auf Basis von Windows Mobile. Ein Klick auf ein Bild öffnet die Datei im Vollbildmodus. Handelt es sich um ein Bild im Querformat, muss das Touch HD nur gedreht werden. Der G-Sensor nutzt dann die gesamte Bildschirmbreite zum Anzeigen des Schnappschusses. Auch der Videoplayer lädt schnell und zeigt, Mega-Display sei Dank, gestochen scharfe Bilder.


Starker Browser

Beim Browser hat sich HTC nicht lumpen lassen und den mächtigen Opera Mobile integriert. Dieser sorgt für jede Menge Spaß beim mobilen Surfen, solange das Mobilfunknetz mitspielt. Beim Test fiel auf, dass es immer dann zu nervtötenden Pausen kommt, wenn das Netz von o2 von UMTS auf HSDPA umschaltet. Immerhin wird Opera Mobile beim Touch HD ebenso schnell beendet wie er gestartet wurde. Beim Touch Diamond musste man hier noch einige Sekunden warten.

Schön ist auch, dass das Touch HD als Festplattenspeicher genutzt werden kann, sobald eine PC-Verbindung per microUSB-Anschluss hergestellt wird. So lassen sich Musikdateien sehr viel schneller transferieren als über ActiveSync. A propos ActiveSync: die Synchronisation von Kalender, Notizen und Kontakten geht in kurzer Zeit über die Bühne. Ein großer Sprung, wenn man vergleicht, wie lange Smartphones der Vorgänger-Generation (beispielsweise das GPRS-Smartphone HTC Artemis, hierzulande XDA Orbit) brauchten. Bei unserem Test mit täglichem Aufruf einiger Websites, zahlreichen Telefonaten und einem 5-minütigen Videotelefonat hielt der Akku satte sieben Tage. HTC gibt die Standby-Zeit mit rund 28 Tagen an - angesichts des Testergebnisses ein Wert, der durchaus erreicht werden könnte. Wir hatten leider nicht die Zeit, die Angabe zu verifizieren. Fest steht: der Akku des Touch HD ist erste Sahne. Ebenso das Energie-Management des Smartphones.

Fehlende Hinweise

Schade ist, dass das "Blackstone" auch dann ein unaufdringlicher Stein bleibt, wenn eine SMS oder E-Mail eingeht. Zwar ist einstellbar, dass das Gerät einen Klang abspielen soll - ein optisches Signal bleibt jedoch aus. Das Display bleibt abgeschaltet, nirgends ein Hinweis. Erst wenn das Display angeschaltet wird, zeigt TouchFLO, dass neue Nachrichten vorliegen. Eine Status-LED wäre schön gewesen.

Leider ist das wirklich hochwertig verarbeitete Gehäuse, wie schon das des Touch Diamond, sehr kratzeranfällig. HTC scheint sich dessen bewusst zu sein und legt nicht ohne Grund eine Display-Schutzfolie bei. Dies ist leider nicht mehr zeitgemäß. Apple (iPhone) und Research in Motion (Blackberry Storm) haben es schließlich auch fertig gebracht, Smartphones herzustellen, die fast schon gänzlich unanfällig für Kratzer sind. Bei einem Preis von 600 Euro könnte man das vom Touch HD eigentlich auch erwarten.

Zum Schluss noch ein Wort zur Kamera. Die 5-Megapixel-Linse macht bei ausreichenden Lichtverhältnissen ordentliche Bilder. Da kein Blitz vorhanden ist, nimmt die Qualität jedoch mit zunehmender Dunkelheit ab. Auch reagiert die Kamera sehr langsam. Drückt man den Auslöser, dauert es einige Sekunden, bis der Autofokus scharf stellt. Erst dann wird das Foto geschossen. Nichts für Spontanaufnahmen also.

Fazit: HTC's finest


Das Touch HD ist ein sehr gutes Smartphone, dessen Glanz durch zahlreiche Kleinigkeiten ein wenig verblasst. Das Gerät mit dem riesigen Display arbeitet schnell, bietet alle Vorzüge von Windows Mobile und versucht die optischen Schwächen des Betriebssystems bestmöglich zu verdecken. Dies gelingt die allermeiste Zeit sehr gut. Hält man sich vor Augen, wie kompliziert und unpraktisch sich ein "rohes" Windows Mobile im Alltagsbetrieb anfühlt, kann man HTC zu TouchFLO nur gratulieren.

Das Touch HD zeigt aber auch, dass aus der aktuellen Version von Windows Mobile einfach nicht mehr herauszuholen ist. Daher ist es allerhöchste Zeit für einen Neuanfang. Vielleicht sollte sich HTC auf lange Sicht aber nicht zu sehr auf Microsoft verlassen. Mit Android bietet Google schließlich ein leistungsfähiges Betriebssystem, das weitaus einfacher angepasst werden kann als Windows Mobile. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft bringt.

Name: HTC Touch HD (T8282 "Blackstone")
Hersteller: High Tech Computer (HTC)
Internet: www.htc.com
Preis: 600 bis 650 Euro
Technische Daten
Abmessungen: 115 x 62.8 x 12 mm
Gewicht: 147 Gramm
Display: 3,8-Zoll TFT-LCD-Touchscreen-Display mit WVGA-Auflösung (480 x 800 Pixel)
Prozessor: Qualcomm MSM7201A 528 MHz
Speicher: 512 MB ROM, 288 MB DDRAM
Betriebssystem: Windows Mobile 6.1 Professional
Navigationssoftware: Google Maps
Besonderheiten: AGPS/GPS-Chip integriert, 5-Megapixel-Kamera, VGA-Kamera in Vorderseite (für Videotelefonie), WLAN, UMTS, EDGE, HSPDA, Bluetooth 2.0, G-Sensor
Lieferumfang: Ladegerät, Stereo-Headset, Tasche, Datenkabel, Ersatz-Stylus
Anschlüsse: Mini-USB, 3,5mm-Klinke
Pro & Contra
Design
TouchFLO 3D
Tolles, scharfes Display
Konnektivität (UMTS, HSDPA etc.)
Schicke Telefonie-Funktion
GPS-Modul
G-Sensor
Opera Mobile vorinstalliert
hochwertige Verarbeitung
Klinkenstecker
starker Akku
Hänger beim Surfen
anfällig für Kratzer
kein Kamera-Blitz
hoher Preis
keine Status-LED
Bewertung:
Display (20%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Akkulaufzeit (30%): sehr gut
Bedienung (30%): gut
Preis-Leistung: befriedigend
Gesamtnote gut (1,5)

(Michael Müller)

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