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HTC Titan im Test - Ein Windows-Maximus

Das Telefon auf Basis von Windows Phone 7.5 kann mit einem großen Display und einem 1,5 Gigahertz schnellen Prozessor punkten. Es gibt aber auch Schwächen.

HTC Titan© HTC

Wer abseits des iPhone von Apple einen Blick auf den Smartphone-Markt wirft, wird schnell feststellen, dass der Trend eindeutig zu größeren Display-Diagonalen geht. Neben Samsung Mobile treibt auch HTC diese Entwicklung munter voran und setzt dabei nicht nur auf Googles Betriebssystem Android, sondern auch auf Microsofts Windows Phone. Eines der aktuellen Windows-Flaggschiffe stellt das HTC Titan mit einem 4,7 Zoll großen Bildschirm dar. Zum Vergleich: das iPhone 4 S bringt es auf gerade einmal auf 3,5 Zoll. Wir haben uns das HTC-Telefon mit seinem schnellen 1,5 Gigahertz Prozessor genauer angeschaut.

Standard-Zubehör

Geliefert wird das Titan mit Standard-Zubehör, wie man es von praktisch allen gängigen Multimedia-Telefonen kennt. Neben dem Endgerät samt Akku (1.600 mAh) liegen der Verpackung ein Stereo-Headset, ein Datenkabel und ein Ladeadapter bei. Wird der mit dem Datenkabel verbunden, wird ein Ladekabel draus. Zusätzlich hat HTC verschiedene kleine Faltzettel beigelegt. Unter anderem eine Kurzanleitung und eine Information, die über die ersten Schritte mit Windows Phone informiert. Ein detailliertes Handbuch liegt in digitaler Form auf einer CD-ROM bei.

Wichtigste Hürde vor dem Start: Nutzer eines Windows Phone-Handys brauchen eine so genannte Windows Live ID. Wer sich die nicht zulegt, kann zum Beispiel nicht auf den App Store Market Place zugreifen und muss darüber hinaus auf die Online-Festplatte SkyDrive verzichten. Auch der Download von Musik aus dem passenden Zune-Store von Microsoft ist ohne die ID nicht möglich. Ganz ähnlich gehen Apple bei iTunes und Google bei seinem Android Market vor. Ohne Registrierung geht wenig bis nichts.

Ein rutschiges Vergnügen

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Handhabung des 160 Gramm schweren und 132x71x10 Millimeter großen Telefons. Für zarte Frauenhände ist es mit seinen recht wuchtigen Abmessungen nichts und auch ein Fliegengewicht für die Hemdtasche sieht sicherlich anders aus. Interessant ist auch die Verarbeitung. Der eigentliche Handykörper wird nämlich in eine Art Schale eingebettet, die nicht nur die Rückseite bedeckt, sondern auch alle Seiten und einen kleinen Teil der oberen Vorderseite. Das ist ungewöhnlich, wirkt sich aber nicht spürbar auf den Komfort aus. Das Telefon sitzt in felsenfest in seiner Hülle, störende Kanten gibt es praktisch nicht.

Aber: HTC hat lediglich das untere Viertel der Rückseite mit einer rauen, gummiartigen Oberfläche versehen. Der Rest des Aluminiumgehäuses ist extrem glatt und sorgt für ein eher rutschiges Vergnügen, wenn das Telefon in der Hand gehalten wird. Hinzu kommt: die Linse der verbauten Digitalkamera ragt auf der Rückseite ein Stück hervor und ist so regelmäßig direkten Erschütterungen ausgesetzt, wenn das Titan-Handy zum Beispiel auf einem Tisch angelegt wird. Außerdem sammeln sich rund um die Linse schnell kleine Schmutzpartikel an. Der Kauf einer passenden Schutztasche ist daher sehr zu empfehlen.

Die Bedienung erfolgt nahezu ausnahmslos über den großen Bildschirm. Ergänzend stehen drei Sensortasten unterhalb des Displays zur Nutzung bereit: eine "Zurück"-Taste, eine Windows-Taste, um auf den Startbildschirm zurückspringen zu können, und eine Schnellstarttaste, über die die Internetsuchmaschine Bing aktiviert wird. Die präsentiert sich täglich mit neuen Hintergrundfotos und sorgt auf diese Weise für eine optisch schöne und dynamische Note.

Einfache Menüstruktur

Insgesamt wirkt Windows Phone im Gegensatz zu anderen Betriebssystem alles andere als starr. Der Startbildschirm besteht letztlich nur aus zwei Spalten, in denen so genannte Live-Kacheln zu finden sind. Viele dieser Kacheln sind aber animiert. So rotieren zum Beispiel durch die "Kontakte"-Kachel Profilfotos von Freunden und die "Bilder"-Kachel zeigt Ausschnitte der persönlich aufgenommen Fotos. Sie verlaufen in Zeitlupe von oben nach unten, was dem Telefon insgesamt einen sehr erfrischenden Eindruck verleiht.

Übersichtlich präsentiert sich auch das Hauptmenü. Um es aufzurufen, reicht auf dem Startbildschirm ein einfacher Wischer von rechts nach links aus. Anschließend sind alle wichtigen Funktionen und heruntergeladenen Apps untereinander auf nur einer Seite sichtbar. Wer nicht lange scrollen möchte, kann das Menü mit einem Tipper auf ein Lupen-Symbol auch durchsuchen. Und wer es noch dynamischer mag, hat die Möglichkeit, die Farbstruktur des Telefons in elf Farben zu verändern. Ferner steht wahlweise ein schwarzer oder ein weißer Hintergrund zur Verfügung.

Praktisch ist, dass Nutzer eines Google-Kontos viele ihrer gewohnten Dienste auch auf dem HTC Titan verwenden können. So zeigt das Adressbuch nach einer entsprechenden Synchronisation all jene Kontakte an, die im Internet unter www.google.com/contacts abgespeichert wurden. Nach Installation der Facebook-App werden auch alle dort akzeptierten Freunde im Adressbuch des Telefons abgespeichert. Wer will, kann Google- und Facebook-Kontakte aber auch ausblenden und sich allein auf jene Einträge konzentrieren, die im Smartphone selbst hinterlegt wurden.

Weitere Tasten am Telefon

Bedient wird das HTC Titan nicht ausschließlich über das Display, sondern auch über physische Tasten an den Seiten. So steht an der rechten Flanke neben einer Lautstärke Wippe auch eine separate Kamerataste zur Verfügung. Auf Wunsch wird damit nicht nur die Kamera aktiviert, sondern auch ein Auslöser bedient. Im Fotomodus wird mit ihr zudem der Autofokus gesteuert. Am Kopfende ist die Power-Taste zum Ein- und Ausschalten bzw. zum Aktivieren des Standby-Modus zu finden.

Aufgeladen wird das HTC-Telefon über einen microUSB-Anschluss, der sich an der linken Seite finden lässt - ohne Schutzkappe und damit anfällig für Staub und Schmutzpartikel. Die mitgelieferten Stereo-Ohrstöpsel werden in einen 3,5 Millimeter-Eingang gesteckt, der sich auf der Kopfseite befindet. Der Lautsprecher wurde rechts neben der Kameralinse auf der Gehäuserückseite integriert.

Kamera nicht überzeugend

Wichtig für Smartphones der heutigen Generation ist auch ein Blick auf die Kamera. Und selbst wenn HTC eine Digicam mit einer Auflösung von 8 Megapixeln, Autofokus und zweifachem Fotolicht verbaut hat, zeigen sich, verglichen mit Kameras, die man aus Galaxy-Modellen von Samsung Mobile oder dem iPhone 4 S kennt, dabei deutliche Unterschiede - und das leider in negativer Hinsicht. Farblich sind Fotos und Videos zwar durchaus ein echter Hingucker. Doch leider hapert es häufig an der notwendigen Bildschärfe, um echten Bildgenuss entstehen zu lassen - selbst bei guten Lichtverhältnissen.

Videofans müssen sich darüber hinaus damit abfinden, dass aufgenommene Videos nicht ohne Weiteres auf einem YouTube-Account hochgeladen werden können. Weder steht eine entsprechende Upload-Funktion bei Ansicht des Videos zur Verfügung, noch bietet die derzeit erhältliche YouTube-App eine entsprechende Möglichkeit. Ein Upload zum Facebook-Profil klappt hingegen gut - wenn auch nur in komprimierter Form. Aufgenommen werden Bewegtbilder in HD-Qualität mit 720p, auf der Vorderseite steht eine 1,3 Megapixel-Kamera für Videotelefonate zur Verfügung.

Gigantisches Display mit schwacher Auflösung

Ein echter Hingucker ist das HTC Titan aber vor allem wegen seines für Smartphones vergleichsweise riesigen Displays. Mit einer diagonalen Abmessung von 4,7 Zoll macht es Spaß Fotos und Videos zu betrachten. Für Videos hat HTC die App HTC Watch integriert, mit der es möglich ist, (ältere) Hollywood-Blockbuster (kostenpflichtig) auf das Handy zu laden. Einschränkungen müssen Nutzer aber auch hier akzeptieren. Denn auch wenn das Display erfreulich groß ausgefallen ist, hat HTC leider (zwangsweise) an der Auflösung gespart. Diese liegt gemäß den Microsoft-Richtlinien für Windows Phone 7 lediglich bei 800x480 Pixeln. Zum Vergleich: das iPhone 4 S kommt bei einem deutlich kleineren Display auf 960x640 Pixel, das Super AMOLED Display des nagelneuen Samsung Galaxy Nexus bringt es bei ebenfalls 4,7 Zoll auf satte 1280x720 Pixel. Außerdem ist zu beachten, dass der Bildschirm des HTC-Smartphones sehr anfällig für Fingerabdrücke ist.

Positiv macht sich der große Bildschirm bemerkbar, wenn mit dem Handy längere Texte geschrieben werden sollen - per E-Mail, SMS oder Messenger-Nachricht zum Beispiel. Sowohl im Hoch- als auch im Querformat ist das Schreiben von Texten über die virtuelle QWERTZ-Tastatur ohne Probleme möglich. Das Touch-Display reagiert schnell und präzise und erlaubt so auch schnelleres Tippen. Etwas störend ist die automatische Fehlerkorrektur, die nicht immer zuverlässig arbeitet.

Grundsätzlich ist das HTC Titan praktisch rund um den Erdball in GSM- und UMTS-Netzen einsetzbar. Wer das mobile Internet nutzen möchte, kann sich über HSDPA auf Downloads mit bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) freuen, Uploads sind per HSUPA mit bis zu 5,8 Mbit/s möglich - immer vorausgesetzt, das verwendete Mobilfunknetz wurde schon ausgebaut. Und freilich steht auch ein WLAN-Modul zur Verfügung. Ebenso GPS-Empfänger und Bluetooth-Schnittstelle. Letztere in der etwas veralteten Version 2.1.

Fazit: Ein Handy für Männer-Hände

Wer sich das HTC Titan zulegen möchte, sollte drei Dinge beachten. Erstens arbeitet das Telefon auf Basis von Windows Phone und kann (noch) nicht mit dem Umfang an Apps aufwarten, die für Android-Smartphones oder das iPhone zur Verfügung stehen. Zweitens handelt es sich um ein Smartphone-Flaggschiff, das seinem Namen alle Ehre macht. Es ist nicht nur schwer, sondern durch sein großes Display auch nichts für kleine Hände. Und drittens: es ist vergleichsweise teuer. Aktuell kostet es ohne Vertrag im Online-Fachhandel mindestens rund 500 Euro. Bei Amazon ist es versandkostenfrei für 547 Euro zu haben. Für ein Smartphone ohne sonderlich herausragendes Display wegen der schwachen Auflösung und mit Single Core Prozessor ist das zu viel.

Grundsätzlich wird aber ein Telefon geliefert, dessen Nutzung - mit wenigen Ausnahmen - Spaß macht. Dazu zählt auch, dass das HTC Titan mit einer Status-LED ausgestattet ist, die grün blinkend auf verpasste Anrufe aufmerksam macht. Bei eingegangenen SMS (und Whatsapp-Nachrichten) bleibt dieser optische Hinweis leider aus. Ärgerlich ist, dass das Titan wie alle Windows-Telefone nicht als Wechseldatenträger erkannt wird, wenn es mit einem Rechner verbunden wird. Eine Foto-Synchronisation ist nur nach Installation der Zune-Software über die Online-Festplatte SkyDrive möglich. Das ist zeitraubend und insbesondere für technisch weniger versierte Nutzer viel zu kompliziert. Hinzu kommt: der interne Speicher von 16 Gigabyte ist nicht erweiterbar und die WLAN-Schnittstelle schaltet sich stets automatisch ab, sobald das Telefon in den Standby-Modus wechselt. Das schont zwar den Akku, treibt aber auch die Kosten für Datentraffic in die Höhe, wenn keine Handy Internet Flat gebucht wurde.

Akzeptabler Akku

Eine kleine Überraschung ist der integrierte Akku. Selbst wenn das Telefon verhältnismäßig viel in Gebrauch ist, steht einer Nutzung über bis zu zwei Tage nichts im Wege. Das ist gemessen an der üppigen Display-Größe und verglichen mit anderen Smartphones zwar immer noch kein überzeugender, aber doch ein ordentlicher Wert. Aufpassen sollen Nutzer, die viel die GPS-Funktion nutzen. Dann entleert sich der Akku deutlich schneller. Einen ganzen Tag hält der Energiespeicher in der Regel aber immer.

Name: Titan
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab 500 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Windows Phone 7.5
Prozessor: Single Core 1,5 Ghz.
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 132x71x10 Millimeter
Gewicht: 160 Gramm
Display: 4,7 Zoll, 480x800 Pixel
Speicher: 16 GB - nicht erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 2.1, WLAN
Digitalkamera: 8,0 Megapixel Kamera mit Autofokus und Kameralicht; HD-Videos (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,67 W/kg (gering)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 5-6 Stunden Sprechzeit
ca. 36-48 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ordentliche Akkuleistung
großes Display
intuitive Bedienung
Status-LED nutzbar
Gerät wird nicht als Wechseldatenträger erkannt
teuer in der Anschaffung
Anzahl der Apps ist (noch) überschaubar
recht schwer und wuchtig
Kamera mit Schwächen
kein NFC & HDMI
relativ schwache Display-Auflösung
Speicher nicht erweiterbar
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,9)
Preis-Leistung: ausreichend

(Hayo Lücke)

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