Handys

HTC Sensation XL im Test - Smartphone mit Wumms

Wer sich das HTC Sensation XL zulegt, darf sich nicht nur über ein großes Display freuen, sondern auch auf ein neues Klangerlebnis: der neuen Technologie Beats Audio sei Dank.

HTC Sensation XL© HTC

Große Displays kommen auf Smartphones immer mehr in Mode. Beispiele dafür sind nicht nur das HTC Titan oder das Samsung Galaxy Note, sondern auch das neue HTC Sensation XL auf Basis von Google Android 2.3.5 (Gingerbread). Doch nicht nur der gigantische Bildschirm macht das Telefon zu etwas Besonderem, sondern auch die integrierte Beats Audio-Technologie. Über die mitgelieferten Ohrstöpsel klingen Musikdateien spürbar kraftvoller und sorgen für ein erweitertes Musikvergnügen.

Tolles Design mit Schattenseiten

Geliefert wird ein Telefon im typischen HTC-Design. Weißer Rahmen, großer Touchscreen, abgerundete Kanten: das kennt man schon von diversen anderen Smartphones des taiwanischen Herstellers. Optisch ist das durchaus ansprechend, in der Praxis bringen die recht sperrigen Abmessungen von 132 x 71 x 10 Millimetern aber auch Schattenseiten mit sich. Selbst Menschen mit großen Händen haben Schwierigkeiten, das Telefon in der Hand zu halten und mit dem Daumen der gleichen Hand die Sensor-Menütasten unter dem eigentlichen Bildschirm zu bedienen. Hinzu kommt, dass das Telefon durch seine sehr glatte, metallische Rückseite nicht griffig in der Hand liegt und stets die Gefahr lauert, dass das Gerät aus der Handfläche rutscht.

Auf den ersten Blick eine echte Augenweide ist das Display: satte 4,7 Zoll (11,9 Zentimeter) misst es in der diagonalen Abmessung und macht insbesondere beim Surfen im Internet, der Nutzung von Apps und auf dem Telefon darstellbaren Widgets oder dem Betrachten von Videos richtig Spaß. Allerdings: verglichen mit anderen aktuellen Smartphones liefert HTC eine recht grobe Auflösung. Nur 800 x 480 Pixel sind bei der gelieferten Displaygröße alles andere als ein Highlight, sondern eher eine Enttäuschung.

HTC Sense 3.5 macht einfach Spaß

Und doch verschafft die Navigation durch das Android-Menü viel Freude. Denn statt einer Standard-Oberfläche kommt ein sinnvoll erweitertes Menü zum Einsatz: HTC Sense 3.5. Wird das Handy aus dem Standby-Modus geweckt, wird dem Nutzer bei aktivierter Datenverbindung das aktuelle Wetter am momentanen Aufenthaltsort präsentiert - nett animiert und mit Audio-Unterstützung. Bei aktivierter Bildschirmsperre besteht die Möglichkeit, mit nur einem Fingerfischer die Kamera-Funktion, das E-Mail- oder SMS-Postfach oder die Telefon-Funktion zu starten.

Und auch die Ansicht des eigentlichen Hauptmenüs unterscheidet sich spürbar von Android-Geräten anderer Hersteller. Hier hat der Nutzer die Chance, aus verschiedenen Übersichten auszuwählen. Entweder es werden klassisch alle Applikationen dargestellt oder aber nur die am häufigsten verwendeten bzw. die vom Nutzer nachträglich installierten Apps. Das ist zwar während der ersten Nutzungstage etwas gewöhnungsbedürftig, schafft aber recht schnell viel Übersicht. Gerade dann, wenn mehr als nur ein paar Apps auf dem Smartphone installiert wurden.

Damit die Navigation insgesamt sehr flüssig und ohne Ruckler möglich ist, hat HTC dem Sensation XL einen Prozessor mit einer Taktrate von 1,5 Gigahertz eingebaut - wenn auch ohne Dual-Core-Technologie. Dazu gesellt sich ein recht üppiger Arbeitsspeicher von 768 Megabyte. Der interne Speicher ist auf 16 Gigabyte begrenzt, wovon allerdings nur rund 12 Gigabyte frei nutzbar sind. Eine Erweiterung über eine microSD-Karte ist nicht möglich. Für Otto-Normal-Nutzer ist das weniger ein Problem, wer aber viele Musik-Alben, viele Fotos und vor allem HD-Videos auf dem Handy speichert, stößt doch recht schnell an Grenzen.

Ruckelfreie Bedienung

Die Bedienung des Telefons erfolgt abgesehen von einer großen Lautstärke-Wippe an der rechten Seite und einem Power-Knopf auf der Kopfseite ausnahmslos über die Display-Front. Vier für Android-Smartphones typische beleuchtete Menütasten mit Sensor-Technologie unter dem Display (Home, Menü, Zurück, Suche) sorgen für eine weitgehend intuitive Navigation. Der mitgelieferte Akku (1.600 mAh) wird über eine Micro-USB-Schnittstelle geladen. Sonderlich ausdauernd ist er aber nicht. Wer viel mit dem Internet oder installierten Apps arbeitet, sollte damit rechnen, dass nach 12 bis 18 Stunden eine Steckdose aufgesucht werden muss, um den Energiespeicher wieder aufzuladen. Wenn nur phasenweise auf Apps oder den Browser zugegriffen wird, kann das Sensation XL problemlos zwei bis drei Tage in Betrieb gehalten werden.

Wenig beeindruckend ist die integrierte Kamera. Und das, obwohl HTC sie nach eigenen Angaben weiter optimiert hat. Sie löst zwar im Fotomodus mit maximal 8 Megapixeln auf und verfügt über zwei LED-Fotolichter und Autofokus, ist aber trotzdem nicht mehr als Durchschnitt. Wie bei diversen anderen HTC-Handys kommt nur eine eher mäßige Kameralinse zum Einsatz, die bei weniger guten Lichtverhältnissen für so manche Unschärfe und starkes Bildrauschen sorgen kann - schade! Im Videomodus sind HD-Aufnahmen mit bis zu 720p möglich, Full HD (1.080p) steht nicht zur Verfügung. Auf der Vorderseite steht eine zweite Kamera für Videochats mit einer maximalen Auflösung von 1,3 Megapixeln bereit.

Musik ist Trumpf

Doch wie eingangs erwähnt, steht beim HTC Sensation XL die Musik im Mittelpunkt. Das Telefon will in erster Linie mit seiner Beats Audio-Technologie begeistern. Die Grundidee: über spezielle Beats-Ohrhörer sollen kräftigere Bässe und ein insgesamt klarerer Sound in die Gehörgänge der Nutzer wandern. Und tatsächlich wird Beats Audio seinem Namen über die mitgelieferten iBeats-Ohrstöpsel aus der Serie Monster Beats by. Dr Dre durchaus gerecht. Wird die Klangoptimierung aktiviert, ertönt die Musik nicht nur lauter, sondern auch deutlich weniger dumpf. Klare Höhen und ein kraftvollerer Bass sorgen für mehr Spaß mit der persönlichen MP3-Sammlung. Nebenbei erwähnt: die unverbindliche Preisempfehlung für die Ohrhörer mit feuerrotem Kabel und integrierter Fernbedienung liegt bei 99,99 Euro.

Umso bitterer ist die Audioausgabe für die Ohren über den integrierten Lautsprecher auf der Rückseite. Statt klarem Sound ist die Tonausgabe sehr blechern, ohne hörbaren Bass oder auch einfach nur langweilig. Als musikalisches Beiwerk steht zusätzlich ein FM-Radio zur Verfügung.

Grundsätzlich nutzbar ist das HTC Sensation XL mit seiner Quadband-GSM-Antenne überall dort, wo ein klassisches GSM-Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Alternativ dazu sind auch Sprach- und Datenverbindungen auf Basis von UMTS möglich. Datenverbindungen sind mit HSDPA-Geschwindigkeit bzw. über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich. Sie unterstützt auch den schnellen N-Standard.

Fazit: Display-Riese mit musikalischen Stärken

Ist man als Smartphone-Fan auf der Suche nach einem Handy mit großem Display und starken Audio-Leistungen führt am HTC Sensation XL kein Weg vorbei - wenn auch mit Einschränkungen. Das Display misst zwar 4,7 Zoll, liefert aber nur eine vergleichsweise schwache Auflösung. Musikdateien klingen bei aktivierter Beats Audio-Funktion richtig toll - allerdings nur wenn hochwertige Ohr- oder Kopfhörer verwendet werden.

Vergleichsweise schwach präsentiert sich die integrierte Kamera und auch der Akku kann nicht überzeugen, wenn viele Internet-Inhalte auf dem Telefon verwendet werden. Umso mehr Spaß macht die überarbeitete Android-Oberfläche auf Basis von HTC Sense 3.5. Das Eintippen von Textnachrichten geht sowohl im Hoch- als auch im Querformat über eine virtuelle QWERTZ-Tastatur leicht von der Hand und auch die Sprachqualität stimmt. An der schnörkellosen Verarbeitung stört eigentlich nur die Auswuchtung der Kameralinse auf der Geräterückseite.

Erhältlich ist das Musik-Flaggschiff von HTC ohne Vertrag zu einem Preis ab 472 Euro. Amazon bietet es versandkostenfrei für 497 Euro an. Das ist ein recht hoher Preis, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass hochwertige Ohrstöpsel im Lieferumfang bereits inklusive sind und ein Smartphone mit einem besonders großen Display ausgeliefert wird. Wer das Handy samt Vertrag bei Vodafone kauft, darf sich sogar über Over-Ear-Kopfhörer (Beats Solo High Performance; 179,99 Euro UVP) freuen.

Zu einem ähnlichen Komplettpreis sind auch das Samsung Galaxy Nexus oder das HTC Titan zu haben. Dann aber eben ohne die Audio-Highlights, die das Sensation XL liefern kann.

Name: Sensation XL
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab 470 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android 2.3.5 Gingerbread
Prozessor: Single Core 1,5 Ghz.
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 133x71x10 Millimeter
Gewicht: 163 Gramm
Display: 4,7 Zoll, 480x800 Pixel
Speicher: 16 GB - nicht erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 3.0, WLAN, DLNA
Digitalkamera: 8,0 Megapixel Kamera mit Autofokus und Kameralicht; HD-Videos (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Beats-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,32 W/kg (sehr gering)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 5-6 Stunden Sprechzeit
ca. 24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
satter Sound über Beats Audio
großes Display
intuitive Bedienung
Status-LED nutzbar
schöne Verarbeitung
Speicher nicht erweiterbar
teuer in der Anschaffung
schwache Display-Auflösung
recht schwer und wuchtig
Kamera mit Schwächen
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,8)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang