Handys

HTC One X+ im Test : Ein Alleskönner nochmal verbessert

Mit dem One X+ präsentiert HTC das beste Smartphone aus der One-Familie, das es je gegeben hat. Vor allem die Performance und die Verarbeitung sind überzeugend. Leider fehlt es an LTE-Unterstützung.

HTC One X+© HTC

Viel zu lachen hatte HTC in den zurückliegenden Wochen und Monaten nicht wirklich. Die Verkaufs- und Umsatzzahlen sind eingebrochen und die Euphorie um den Smartphone-Produzenten aus Taiwan fast komplett verflogen. Das ist schade, denn HTC baut Smartphones, die sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken müssen. Bewiesen wird das aktuell nicht nur mit dem Windows Phone 8X, sondern auch mit der One-Serie auf Basis von Android. Seit einigen Tagen ist in Deutschland das HTC One X+ erhältlich, der Nachfolger des von unserer Redaktion im Frühjahr dieses Jahres bereits für gut befundenen One X. Wir haben das neue Highend-Telefon auf die Probe gestellt.

Neues Android-Flaggschiff

Der Anspruch, den HTC an sein neues Flaggschiff stellt, ist hoch. Es soll nicht weniger als der Audi R8 aus den eigenen Reihen darstellen und mit Konkurrenzmodellen wie dem Samsung Galaxy S III oder dem iPhone 5 von Apple mithalten. Und um es vorweg zu nehmen: dieses Vorhaben gelingt von einigen wenigen Punkten abgesehen sehr gut. Denn es ist mit der Plus-Variante gelungen, das One X an vielen kleinen Stellschrauben noch einmal zu verbessern. Und dabei wurde das stimmige Äußere von einigen Farbakzenten abgesehen nicht verändert.

Deutlich werden die Verbesserungen schon bei der Inbetriebnahme. Wer das One X+ in den Händen halten darf, muss sich zwar durch einen mehrstufigen Aktivierungsprozess mühen, kann sich aber insgesamt über ein angenehmes Handling freuen. Denn dem Gehäuse aus Polycarbonat wurde eine überarbeitete, matte Oberfläche spendiert, die sich ein wenig wie Gummi anfühlt. Dadurch liegt das 130 Gramm schwere Telefon gut und weitestgehend sicher in der Hand.

Großes, scharfes Display

Das One X+ ist allerdings genauso sperrig wie sein Vorgänger: 134 Millimeter lang, 70 Millimeter breit und 9 Millimeter tief. Für kleine Hände wird es dadurch schwierig, im Hochformat mit dem Daumen die oberen Ecken des 4,7 Zoll (11,9 Zentimeter) großen Displays zu erreichen. Gleichwohl bereitet es viel Freude, den sehr hellen LCD-Touchscreen mit seiner HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel) zu bedienen. Satte Kontraste, knallige Farben und das alles unter einer schützenden Glasscheibe bei schnellen Reaktionszeiten. So sollte ein Top-Display aussehen.

Die Navigation durch das Android-Menü (Version 4.1.1) mit der angepassten HTC Sense-Oberfläche (Version 4+) erfolgt in weiten Teilen über den Bildschirm selbst. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die drei nur schwach feuerrot beleuchteten Menütasten. Ein Blickfang sind sie nicht. An physischen Tasten besitzt das One X+ eine Power-Taste an der Kopfseite und rechts eine Lautstärke-Wippe. Eine separate Kamerataste fehlt.

Um das Telefon in Mobilfunknetzen überhaupt nutzen zu können, wird eine SIM-Karte im Micro-Format benötigt. Die Micro-SIM wird über einen kleinen Adapter in das Gehäuse geschoben, das sonst keine Öffnung zu bieten hat. Das wiederum heißt auch, dass der Akku fest verbaut und nicht austauschbar ist. Ebenso fehlt es an einer Möglichkeit, den internen Speicher per MicroSD-Karte zu erweitern. Ist aber auch nicht zwingend notwendig, da insgesamt 64 Gigabyte (GB) Flash-Speicher bereitgestellt werden – davon sind 55 GB zur freien Verfügung nutzbar.

Flotter Quad-Core-Prozessor von nVidia

Und weil ein neues Smartphone natürlich auch mehr Leistung mitbringen sollte, hat HTC neben 1 Gigabyte Arbeitsspeicher einen neuen Prozessor (nVidia Tegra 3) integriert. Gleich vier Kerne mit je 1,7 Gigahertz Taktfrequenz sorgen dafür, dass wir bei angetesteten Spielen ebenso wenig Ruckler feststellen mussten wie bei der Navigation durch das Menü. Apps starten flott und auch das Surfen im Internet geht schnell von der Hand. Kurzum: die Performance ist klasse. Selbst dann, wenn das Telefon im Energiesparmodus betrieben wird und der Prozessor nur mit 1,3 Gigahertz arbeitet.

Viel Freude hat man als Nutzer auch an der Verarbeitung. Das Display ist nahezu rillenlos mit dem aus einem Guss gefertigten Gehäuse verbunden und trotzdem gibt es einen Grund zur Kritik. Auf der Rückseite ragt die Linse der integrierten Digitalkamera nämlich leicht heraus. Dadurch liegt das Telefon ohne Hülle stets auf der Linse auf, was mit der Zeit ein verkratztes Schutzglas zur Folge haben dürfte.

Kamera kann vor allem bei Tageslicht überzeugen

Rein qualitativ gehört die verbaute Kameratechnik mit zum Besten, was aktuell auf dem Smartphone-Markt zu haben ist. Bis zu 8 Megapixel Auflösung, Autofokus inklusive Touchfokus, digitaler Zoom, ein heller LED-Blitz und viele, viele Extra-Funktionen lassen das Herz von Hobby-Fotografen höher schlagen. Im Videomodus sind Aufnahmen in Full HD (1.080p) möglich.

Ihre Stärken kann die Hauptkamera insbesondere bei guten Lichtverhältnissen ausspielen. Eine hohe Farbtreue, gepaart mit einer beeindruckenden Schärfe können sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Weniger gut sind die Ergebnisse bei einsetzender Dämmerung oder in Restaurants oder Clubs. Dann stößt auch die Kamera des One X+ an ihre Grenzen und quittiert Aufnahmen mit einem nicht zu übersehenden Bildrauschen. Trotzdem: eine digitale Kompaktkamera braucht man eigentlich nicht mehr, wenn das One X+ in der Tasche mitgetragen wird.

Wie (fast) immer hat HTC seinem Smartphone auch eine kleine Status-LED auf der Vorderseite spendiert. Sie informiert blinkend über verpasste Anrufe oder noch nicht gelesene Nachrichten. Daneben wurde eine zweite Kamera mit 1,6-Megapixel-Sensor für Videotelefonate integriert. Beim Vorgänger waren es "nur" 1,3 Megapixel. Außerdem vorinstalliert: gleich zwei Browser. Neben einer Eigenentwicklung, die Flash unterstützt, auch der Chrome-Browser von Google.

Keine LTE-Unterstützung

Schade ist, dass das One X+ zwar mit einer Quadband GSM- und UMTS-Antenne ausgestattet ist, LTE-Unterstützung aber nicht integriert wurde. Technisch wäre es kein Problem gewesen, heißt es seitens HTC. Man sei vielmehr von den Netzbetreibern ausgebremst worden, die (noch) nicht in allen Smartphones LTE-Chips sehen wollen. Dafür ist das One X+ aber mit einer PlayStation-Zertifikation versehen worden, wodurch demnächst diverse Spiele von Sony auch auf dem One X+ spielbar sein werden.

Gegenüber dem Vorgänger leicht verbessert wurden auch die Lautsprecher, die nun 12 db lauter arbeiten – aber noch immer recht blechern klingen. Alternativ kann man die mitgelieferten Stereo-Kopfhörer verwenden, aber die machen – vorsichtig formuliert – keinen Spaß. Dumpfe Bässe und fehlende Klangtiefe sorgen dafür, dass man tunlichst hochwertige Kopfhörer nachkaufen sollte, wenn häufig mit dem Smartphone Musik gehört werden soll.

Fazit: Das beste aller HTC One-Telefone

In der Mittelklasse war das HTC One S ein tolles Smartphone, mit dem One X hat(te) HTC auch in der Oberklasse ein passendes Modell im Angebot. Jetzt, mit dem One X+, können die Asiaten aber ohne Zweifel von sich behaupten, ein echtes Spitzenmodell liefern zu können – trotz fehlender LTE-Unterstützung. Denn nicht nur die Performance ist rundum überzeugend, sondern auch die integrierte Kamera und die Verarbeitung – von der hervorstehenden Kameralinse einmal abgesehen. Der mitgelieferte Akku hält bei aktiver Datenverbindung in der Regel problemlos einen ganzen Tag durch, ist aber noch weit davon entfernt einen Quantensprung auf dem Smartphonemarkt darzustellen.

Alles in allem gehört das HTC One X+ ohne Zweifel zu den besten Smartphones, die aktuell erhältlich sind. An dieser Stelle soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass unser Testgerät grundsätzlich nur mit einer virtuellen QWERTY-Tastatur arbeitete, also Y und Z vertauscht angeordnet waren. Dabei spielte es keine Rolle, ob das deutsche oder englische Tastatur-Layout ausgewählt wurde.

Klar, dass die ganze tolle Technik auch ein paar Euro kostet. Ohne Vertrag werden in Online-Shops aktuell mindestens 570 Euro fällig. Bei Amazon sind Vorbestellungen für 585 Euro ohne zusätzliche Versandkosten möglich. Ein HTC-Manager sagte anlässlich der Vorstellung, dass mit dem One X+ "eine leistungshungrige Zielgruppe" angesprochen werden soll. Das hat HTC geschafft. Übrigens: in einigen ausgewählten Online-Shops ist auch eine etwas preiswertere 32-GB-Version des One X+ zu haben.

Name: One X+
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab ca 570 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.1.1 Jelly Bean)
Prozessor: 1,7 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 134 x 70 x 9 Millimeter
Gewicht: 135 Gramm
Display: 4,7 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 64 GB intern;
nicht per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, DLNA, NFC
Digitalkamera: 8 Megapixel, Digitalzoom, Autofokus, LED-Licht
HD-Videofunktion (1.080p), 1,6-Mpx.-Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,91 W/kg (moderat)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC
Akkulaufzeit im Test: 6-8 Stunden Sprechzeit
14-20 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr gute Verarbeitung
sehr gute Kamera
starke Performance
leicht und flach
Status-LED nutzbar
Speicher nicht erweiterbar
fest integrierter Akku
allenfalls solide Akkuleistung
keine LTE-Unterstützung

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote sehr gut (1,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang