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HTC One X im Test - Der Quad-Core-Gigant

Ausgestattet mit einem Quadcore Prozessor, 4,7 Zoll großem Display und 32 Gigabyte Arbeitsspeicher spielt das HTC One X in der Smartphone-Luxusklasse mit. Wir haben es auf die Probe gestellt.

HTC One X© HTC

Was es heißt, ein rundum solides Smartphone auf den Markt zu bringen, hat HTC mit dem One S bereits bewiesen. Es geht aber noch eine Spur besser - zumindest was die technische Ausstattung betrifft. Mit dem One X ist HTC auch in jener Smartphone-Liga vertreten, in der schon heute mit einem Quad-Core-Prozessor gearbeitet wird - auch wenn diese Technik Stand heute eigentlich kaum ein Nutzer wirklich braucht. Wir haben uns das neue Flaggschiff aus Taiwan genauer angeschaut.

Riesiges Display im Einsatz

Abgesehen von der Prozessor-Power unterscheidet sich das One X auch äußerlich recht deutlich vom One S. Zum Einsatz kommt nämlich ein Bildschirm mit einer diagonalen Abmessung von 4,7 Zoll, was verglichen mit dem Schwestermodell noch einmal einen Aufschlag von 0,4 Zoll bedeutet. Und das hat Folgen: denn auch wenn das mobile Surfen im Internet und das Betrachten von Videos auf dem Giga-Display deutlich mehr Spaß mach, muss auch die andere Seite der Medaille betrachtet werden. Das allgemeine Handling ist aufgrund der recht sperrigen Abmessungen von 134 Millimetern in der Länge und 70 Millimetern in der Breite vor allem für Menschen mit kleinen Händen eher kompliziert.

Weiterhin legt HTC viel Wert auf die Tatsache, dass die eigenen Smartphones besonders flach daher kommen. Zwar ist das One X rund einen Millimeter dicker als das One S, trotzdem fühlt es sich insgesamt mit seinen abgerundeten Kanten wie ein kleiner Handschmeichler an. Dass das Gehäuse komplett aus Kunststoff gefertigt wurde, ist schade. Dadurch macht das One X einen weniger wertigen Gesamteindruck als das One S mit seiner neuartigen Keramik-Oberfläche. Die Vorderseite wird nahezu komplett vom Touchscreen und den drei Sensor-Menütasten eingenommen.

Akku nicht austauschbar

Um die flachen Abmessungen realisieren zu können, hat HTC aber auch Wege beschreiten müssen, die man schon von anderen Smartphones kennt. Wie beim iPhone 4S wurde ein nicht austauschbarer Akku integriert und es muss eine Micro-SIM in das Gerät eingelegt werden. Mit einer SIM-Karte in Standard-Größe läuft das One X nicht. An der Kopfseite steht ein kleiner Schacht zum Einlegen der Micro-SIM zur Verfügung, der nur mit einer beiliegenden Nadel (oder einer Büroklammer) geöffnet werden kann. Das ist zwar etwas kompliziert, aber als Nutzer hat man so zumindest die Sicherheit, dass die SIM-Karte felsenfest im Gerät sitzt.

Physische Bedienelemente sind an der rechten Seite in Form einer recht großen Lautstärke-Wippe und am oberen Ende durch eine Ein- und Ausschalttaste vorhanden. Rechts wurde ein Micro-USB-Anschluss in das Gehäuse integriert, der allerdings nicht verschlossen werden kann und so ein Einfallstor für Schmutz- und Staubpartikel darstellt. Der Kopfhörereingang wurde an der Kopfseite untergebracht, der Mono-Lautsprecher am unteren Ende der Gehäuserückseite.

Apropos Lausprecher: wie bei eigentlich jedem Smartphone klingt die Audioausgabe eher dumpf und blechern. Zwar ist die maximal mögliche Lautstärke durchaus beachtlich, insgesamt macht Musik auf dem HTC One X aber erst dann richtig Spaß, wenn Kopfhörer verwendet werden. Dann kann die integrierte Beats Audio-Technologie ihre Stärken voll ausspielen und satten, kraftvollen Sound auf die Ohren zaubern.

Kleine Performance-Schwachstellen

Generell einsetzbar ist das HTC One X nicht nur in GSM-Netzen, sondern auch überall dort, wo UMTS verfügbar ist. An Hotspots kann auf eine integrierte WLAN-Schnittstelle zurückgegriffen werden, die auch den schnellen N-Standard unterstützt. Der vorinstallierte Browser ist insbesondere bei WLAN-Verbindungen richtig fix. Der Wechsel aus einem WLAN-Netz ins Mobilfunknetz geht aber nicht immer reibungslos vonstatten. Auffällig ist auch, dass das HTC One X ungewöhnlich lange braucht, um in den Flugmodus oder zurück in den Normalbetrieb zu wechseln. Rund zehn Sekunden können schon einmal vergehen, was die Geduld des Nutzers ordentlich auf die Probe stellt. Eigentlich sollte man von einem Smartphone mit Quad-Core-Prozessor (1,5 Gigahertz) und 1 Gigabyte Arbeitsspeicher eine schnellere Verrichtung der Arbeit erwarten können.

Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: grundsätzlich kann das One X mit einer rundum starken Performance punkten. Drei von uns geprüfte Spiele ("Angry Brids Space", "Airport City", "Need for Speed Hot Pursuit") konnten wir weitgehend ruckelfrei nutzen, die allgemeine Menünavigation funktioniert flüssig und ohne Einschränkungen. Auch Multitasking meistert das HTC-Smartphone problemlos. So ist es zum Beispiel möglich, eine Tracking-App im Hintergrund laufen zu lassen und parallel zu telefonieren, Radio zu hören oder mit der integrierten Kamera zu arbeiten.

Eine Kamera, die Spaß macht

Letztgenannte ist mit einer 8 Megapixel starken Linse ausgestattet und erfährt Unterstützung durch Autofokus, ein sehr helles LED-Fotolicht und einen BSI-Sensor, der bessere Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen verspricht. Die Auflösung von Fotos ist in fünf Stufen bis auf 640 x 368 Pixel reduzierbar. Eine geringere Auflösung macht zum Beispiel dann Sinn, wenn Fotos in sozialen Netzwerken geteilt oder per Messenger-App an Freunde geschickt werden sollen. Qualitativ steht die Kamera des One X den guten Ergebnissen des One S in nichts nach. Freude bereiten die Schnappschüsse vor allem tagsüber unter freiem Himmel.

Sehen lassen kann sich auch der Umfang an nutzbaren Extras. So steht zum Beispiel eine Serienbild-Funktion für die Aufnahme von mehreren Schnappschüssen in Folge zur Verfügung. Darüber hinaus lässt sich schnell und unkompliziert ein Effekt-Modus starten, der Bilder schon auf dem Smartphone-Display zum Beispiel verzerrt, in Schwarz-Weiß oder als Negativ darstellt. Gesichts- und Lächelerkennung, Geotagging-Funktion oder Selbstauslöser sind ebenfalls nutzbar. Allerdings fehlt eine separate Kamerataste. Als Auslöser dient grundsätzlich der Touchscreen.

Mit an Bord ist auch eine Camcorder-Funktion, mit der sich das Smartphone in eine kleine Kamera verwandelt. Aufnahmen sind nicht nur in HD-Qualität (720p), sondern auch in Full HD (1.080p) möglich. Insgesamt stehen fünf Auflösungsstufen (mindestens 176 x 144 Pixel) zur Nutzung bereit. Der integrierte Autofokus schärft das Bild nicht nur vor Beginn einer Aufnahme, sondern reguliert die Bildschärfe auch während des Filmens nach.

Ordentliche Frontkamera

Praktisch: wer will, kann ein Video drehen und parallel Fotos aufnehmen. Dabei sollte aber auf Kameraschwenks verzichtet werden, weil die Einzelbilder sonst unscharf werden. Auch Zeitlupen-Aufnahmen sind möglich. Auf der Vorderseite steht eine zweite Kamera für Videotelefonate zur Verfügung - mit maximal 1.280 x 720 Pixeln im Foto- und Videomodus. Das ist deutlich mehr als die VGA-Variante des HTC One S. Auf Wunsch werden alle Aufnahmen automatisch bei Facebook, Flickr oder Dropbox hochgeladen. Für zwei Jahre ist die Nutzung von 25 Gigabyte Speicherplatz bei Dropbox kostenlos möglich.

Mit an Bord des HTC One X ist auch ein NFC-Chip. Damit ist das Smartphone zum Beispiel in der Lage, für das bargeldlose Bezahlen von Bahntickets (Touch & Travel) genutzt zu werden. Der interne Speicher fällt mit 32 Gigabyte (GB) erfreulich groß aus, allerdings stehen nur rund 25 GB für die tatsächliche Nutzung bereit. Der Rest wird vom Betriebssystem Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich belegt.

HTC Sense an Bord

Damit die Navigation durch das Menü möglichst leichtfällt, hat HTC seinem neuen Flaggschiff die neue Menüoberfläche Sense 4 spendiert. Damit lässt sich vom Lockscreen aus schnell und einfach die Kamera starten, der E-Mail- oder SMS-Posteingang aufrufen bzw. die virtuelle Zifferntastatur anzeigen. Durch das Hauptmenü, das standardmäßig alle installierten Apps anzeigt, wird von links nach rechts oder umgekehrt navigiert. Wahlweise ist es aber auch möglich, nur die am häufigsten genutzten bzw. die heruntergeladenen Apps anzeigen zu lassen. Auf mehreren Startbildschirmen können nicht nur Apps, sondern auch verschiedene zum Teil animierte Widgets abgelegt werden.

Das Schreiben von SMS und Messenger-Nachrichten geht - etwas überraschend - sehr gut von der Hand. Während beim One S kritisiert werden musste, dass vor allem bei schnellerem Schreiben auf der virtuellen QWERTZ-Tastatur häufig nicht die Leerstellen-, sondern die Punkt-Taste getroffen wurde, verhält sich Text-Handling beim One X rundum solide. Geschuldet ist das wohl der größeren Display-Diagonale, durch die sich auch die Größe der einzelnen Tasten der Tastatur zum Positiven verändert hat. Ein großes Display hat also auch Vorteile.

Einmal mehr als ein Manko erweist sich der mitgelieferte Akku mit einer Kapazität von 1.800 mAh. Wird das HTC One X mit einer aktiven Datenverbindung betrieben und mehrmals täglich für mobile Internet-Ausflüge genutzt, ist fast zwangsläufig am Abend eine neue Energiezufuhr notwendig. Vor allem automatische Synchronisationen - zum Beispiel von E-Mails - saugen dem Akku viel Energie aus den Zellen. In unserem Test war in der Regel nach zwölf bis 18 Stunden eine Frischzellenkur notwendig.

Fazit: Ein Smartphone im Zwiespalt

Die Botschaft des HTC One X ist klar: Mit einem Quad-Core-Prozessor, 4,7 Zoll großem Display und 32 Gigabyte Speicherplatz möchte es als schillernder Stern am Smartphone-Firmament wahrgenommen werden. Und das gelingt durchaus. Die allgemeine Performance ist klasse, die Bedienung der Sense-Oberfläche macht Spaß und wäre da nicht das allseits bekannte Akku-Problem, hätte das One X das Zeug zu einem echten Spitzentelefon. Und doch muss man Abstriche machen. Denn die recht sperrigen Abmessungen sind nichts für kleine Hände. Eine einhändige Bedienung fällt in vielen Situationen schwer - auch aufgrund der sehr rutschigen Rückseite. In der Hosentasche wirkt das Gerät oft wie ein Fremdkörper.

Richtig überzeugend ist der breite Umfang an Extras. Satter Kopfhörer-Sound dank Beats Audio-Technologie, eine sehr gute Kamera und sogar ein integrierter NFC-Chip lassen praktisch keine Wünsche offen. Käufer des One X sollten vor allem das von HTC bereitgestellte Firmware-Update installieren, um etwaigen Performance-Einbußen einen Riegel vorzuschieben. Abzüge in der B-Note gibt es für die deutlich aus dem Gehäuse herausragenden Kameralinse. Wird das Gerät häufig ohne Schutzhülle auf dem Tisch abgelegt, ist die Gefahr sehr groß, dass die Linse zerkratzt. Erstaunlich ist auch, dass die auf dem Display dargestellten Farben weniger intensiv wirken als beim One S. Positiv: auf der Vorderseite informiert eine (sehr) kleine Status-LED über verpasste Anrufe und SMS sowie Whatsapp-Nachrichten.

Alles andere als ein Schnäppchen

All die schöne Technik lässt sich HTC aber auch gut bezahlen. Im Online-Fachhandel ist das HTC One X zu Preisen ab 525 Euro erhältlich. Wer bei Amazon zuschlägt, muss sogar 575 Euro auf den virtuellen Ladentisch legen (Stand: Ende April 2012). Zweifelsohne ist das viel Geld, man kann sich aber auch sicher sein, eines der aktuell am besten ausgestatteten Smartphones zu nutzen. Allerdings ein Telefon ohne LTE-Unterstützung.

Name: One X
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab ca 525 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.0.3 Ice Cream Sandwich)
Prozessor: 1,5 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 134 x 70 x 9 Millimeter
Gewicht: 130 Gramm
Display: 4,7 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 32 GB intern;
nicht per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, DLNA, NFC
Digitalkamera: 8 Megapixel, Digitalzoom, Autofokus, LED-Licht
HD-Videofunktion (1.080p), 1,3-Mpx.-Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,91 W/kg (moderat)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC
Akkulaufzeit im Test: 4-6 Stunden Sprechzeit
12-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr gute Verarbeitung
sehr gute Kamera
starke Performance
leicht und flach
Status-LED nutzbar
Speicher nicht erweiterbar
fest integrierter Akku
schwache Akkuleistung

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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