Testbericht

HTC One S im Test: So macht ein Smartphone Spaß

Mit dem HTC One S ist ein Smartphone auf Basis von Android 4.0 erhältlich, das nicht nur viel leisten kann, sondern darüber hinaus kein billiges Plastikkleid mitbringt.

HTC One S© HTC

Wer sich ein neues Smartphone kaufen möchte, hat inzwischen die Auswahl zwischen unzähligen Modellen. Auch HTC hat diverse Geräte im Angebot, möchte in den kommenden Monaten aber vor allem mit einer ganz besonderen Modell-Serie punkten: dem HTC One. Es ist aktuell in drei Varianten erhältlich, soll aber grundsätzlich als das eine Smartphone überzeugen, das man braucht. So zumindest stellte Konzernchef Peter Chou seinen neuen Kassenschlager hoffnungsvoll Ende Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor. Unter anderem im Fokus: das HTC One S.

Neue Oberfläche

Die wichtigste Innovation vorweg: Bei der Oberflächenbearbeitung hat HTC Mut zu etwas Neuem gezeigt. Die matte Keramik-Metall-Oberfläche ist das Ergebnis einer elektrolytischen Oxidation des Aluminiums, einem Verfahren, das für die Oberflächenbehandlung von Satelliten entwickelt wurde. Bei diesem Prozess wird die Oberfläche des Aluminium-Gehäuses in eine keramische, kristalline Struktur verwandelt, die vier Mal härter als anodisiertes Aluminium ist – damit sieht das HTC One S nach Angaben des Herstellers auch nach Jahren noch wie neu aus.

Und in der Tat: in unserem mehrwöchigen Test konnten wir lediglich Fingerabdrücke auf der Ummantelung feststellen. Allerdings sind in einschlägigen Internetforen auch schon Fotos aufgetaucht, auf denen sichtbar ist, wie die neuartige Beschichtung an verschiedenen Stellen vom Gerät abgeplatzt ist. HTC verspricht betroffenen Kunden einen kostenlosen Austausch betroffener Mobiltelefone und versichert, dass das Problem nur bei einigen wenigen Geräten aus der ersten Produktionsserie zu befürchten sei. Dennoch ist dieser Fauxpas mit einem ärgerlichen Imageschaden verbunden.

Ein Smartphone, das wertvoll sein möchte

Und das ist sehr schade, denn im Grunde kann das HTC One S fast rundum überzeugen. Es ist mit Abmessungen von 131 x 65 x 8 Millimetern und einem Gewicht von knapp 120 Gramm ein echter Handschmeichler und fühlt sich anders als zum Beispiel viele Galaxy-Telefone von Samsung Mobile richtig wertig an. Denn eine billige Plastik-Verarbeitung sucht man bei diesem Telefon vergeblich. Allerdings: aufgrund der glatten Rückseite fehlt es in manchen Situationen an einer guten Griffigkeit.

Angetrieben wird die S-Variante der One-Familie von einem Dual Core-Prozessor, der mit 1,5 Gigahertz getaktet ist. Auch wenn es heutzutage bereits Quad Core-Smartphones gibt, ist die gewählte Prozessor-Geschwindigkeit mehr als ausreichend. Alle von uns getesteten Spiele liefen ruckelfrei und auch bei der Navigation durch das Smartphone-Menü sind keine Einschränkungen festzustellen. Als Betriebssystem kommt Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich zum Einsatz.

Darüber hinaus wurde die angepasste Menü-Oberfläche HTC Sense 4.0 aufgespielt. Und die hat viele Vor- aber auch ein paar Nachteile. Positiv ist anzumerken, dass das Hauptmenü dahingehend verändert werden kann, dass nicht alle, sondern nur die am meisten genutzten oder die selbst installierten Apps angezeigt werden. Das sorgt für mehr Übersicht. Schön ist auch, dass unmittelbar vom Lockscreen Kamera, Telefonfunktion oder das E-Mail- bzw. SMS-Postfach aktiviert werden können. Dafür muss lediglich das entsprechende Icon mit dem Finger über den Bildschirm in einen darunter angeordneten Kreis gezogen werden.

Sense-Oberfläche hat auch Schwächen

An manchen Stellen zeigt sich die Sense-Oberfläche aber auch weniger übersichtlich. So lässt sich zum Beispiel eine nebeneinander angeordnete Liste der zuletzt genutzten Apps anzeigen. Das 3D-Menü sieht zwar hübsch aus, weil aber stets nur eine App im Blick ist, fehlt es an Übersichtlichkeit. Die Nerven seiner Nutzer stellt HTC auch an anderer Stelle auf die Probe: Die Sprache der Tastatur stellt sich recht schnell um, wenn auf dem Bildschirm (aus Versehen) die entsprechende Taste angetippt wird. Dann ist mehrfaches Antippen notwendig, bis dieser das "DE" für "Deutsch" erscheint. Ein praktisches Auswahlmenü der Sprachen durch langes Drücken der Taste gibt es nicht.

Und auch das Schreiben von Texten ist nicht immer eine Freude. Zwar steht sowohl im Hoch- als auch im Querformat eine virtuelle QWERTZ-Tastatur bereit, insbesondere schnelle Texteingaben erfolgen allerdings fehlerhaft, weil die automatische Worterkennung zu unpräzise arbeitet. Regelmäßig mussten wir zudem feststellen, dass an das Ende eines Wortes ein Punkt gehängt wird, obwohl eigentlich ein Leerzeichen folgen sollte. Die generelle Botschaft lautet: wer langsam und konzentriert tippt, kann sich über eine ordentliche Performance freuen, Schnellschreiber werden häufig fluchen.

Der Bildschirm selbst misst in der diagonalen Abmessung 4,3 Zoll. Das ist verglichen mit dem iPhone 4S deutlich mehr (3,5 Zoll), hinkt aber hinter anderen Smartphones hinterher. So kann zum Beispiel das HTC One X mit einem 4,7 Zoll großen Display überzeugen, das Samsung Galaxy Note sogar mit 5,3 Zoll. Aber muss es immer ein Riesen-Display sein? Wer das One S in den Händen halten darf, wird schnell feststellen, dass die zur Verfügung stehenden 4,3 Zoll absolut ausreichen, um das mobile Internet zu erkunden oder sich mit Spielen zu vergnügen. Selbst das Betrachten von Videos macht durchaus Laune. Auch, weil die Auflösung bei ordentlichen 960 x 540 Pixeln liegt.

Kein Slot für microSD-Karten

Ärgerlich ist die Tatsache, dass dem Handy zwar 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher spendiert wurde, aber auf die Möglichkeit verzichtet wurde, den internen Speicher um eine microSD-Karte zu erweitern. Nutzer des One S müssen sich mit 16 GB Flashspeicher zufrieden geben, von dem aber nur rund 12 GB nutzbar sind. Für Otto-Normal-Nutzer ist das zwar genug, wer aber viele Musik- oder Videodateien auf seinem Smartphone speichert und ggf. sogar gerne selbst Videos mit der integrierten Kamera aufnimmt, stößt schnell an Kapazitätsgrenzen.

Apropos Kamera: die löst im Fotomodus mit maximal 8 Megapixeln (3.264 x 1.840 Pixel) auf und ist nicht nur mit Autofokus, sondern auch mit einem (recht hellen) LED-Licht ausgestattet. Ein so genannter BSI-Sensor soll dafür sorgen, dass auch bei schlechten Lichtverhältnissen ordentliche Aufnahmen möglich sind.

Fotografieren macht Spaß

Alles in allem macht das Fotografieren mit dem HTC One S viel Spaß. Insbesondere unter freiem Himmel kann die Kameralinse ihre Stärken ausspielen. Aber auch Aufnahmen in geschlossenen Räumen und bei (deutlich) weniger Lichteinfall können durchaus noch überzeugen. Allerdings nur, solange die Kamera keine schnellen Bewegungen einfangen soll. Dann bleibt von der sonst überzeugenden Bildschärfe nicht viel übrig.

Sehen lassen kann sich auch der Umfang an nutzbaren Extras. So steht zum Beispiel eine Serienbild-Funktion für die Aufnahme von mehreren Schnappschüssen in Folge zur Verfügung. Darüber hinaus lässt sich schnell und unkompliziert ein Effekt-Modus starten, der Bilder schon auf dem Smartphone-Display zum Beispiel verzerrt, in Schwarz-Weiß oder als Negativ darstellt. Gesichts- und Lächelerkennung, Geotagging-Funktion oder Selbstauslöser sind ebenfalls nutzbar. Allerdings fehlt eine separate Kamerataste. Als Auslöser dient grundsätzlich der Touchscreen.

Auch HD-Aufnahmen möglich

Selbstverständlich hat HTC seinem neuen Smartphone auch die Möglichkeit spendiert, Videos in HD-Qualität aufzunehmen - wahlweise in Full HD (1.920 x 1.080 Pixel) oder einfachem HD (1.280 x 720 Pixel). In fünf weiteren Stufen lässt sich die Auflösung auf bis zu 176 x 144 Pixel herunterschrauben. Positiv: der integrierte Autofokus schärft das Bild nicht nur vor Beginn einer Aufnahme, sondern justiert auch bei Kameraschwenks in wenigen Augenblicken automatisch nach.

Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass Videos standardmäßig mit Stereo-Ton und einer Videostabilisierung aufgenommen werden. Ebenfalls ein interessantes Feature: Während einer Aufnahme ist es parallel möglich, Fotos zu knipsen. Sinn macht das aber nur, wenn das Smartphone ruhig gehalten wird, da die Fotos sonst extrem unscharf werden. Auf Wunsch werden alle Aufnahmen automatisch bei Facebook, Flickr oder Dropbox hochgeladen. Wer gerne Videotelefonate führt, kann auf eine zweite Kamera auf der Vorderseite setzen. Die löst allerdings nur mit 640 x 480 Pixeln (VGA) auf, was heutzutage schon als "altes Eisen" zu bezeichnen ist.

Grundsätzlich nutzbar ist das Telefon überall dort, wo ein GSM- oder UMTS-Netz zur Verfügung steht. Vorausgesetzt, eine Micro-SIM wurde in das Gerät eingelegt. Mit einer SIM-Karte in Standard-Größe ist das One S nicht nutzbar. Auch LTE wird nicht unterstützt. Mobile Internetausflüge sind maximal mit HSPA+-Geschwindigkeit oder über die integrierte WLAN-Schnittstelle möglich.

Smartphone mit wenig Akku-Power

Negativ fällt der fest integrierte Akku (1.650 mAh) auf. Dual Core-Prozessor, großes Display und 1 Gigabyte Arbeitsspeicher sorgen dafür, dass das Smartphone kaum mehr als 12 bis 18 Stunden mit einer Akkuladung "überlebt". Als Faustregel gilt auch bei diesem Mobiltelefon: je mehr mobile Datenkommunikation genutzt wird, desto schneller reduziert sich die verbleibende Akku-Kapazität. Insbesondere die Synchronisation von E-Mails und die Anwendung von Spielen verbrauchen viel Energie. Wer den Akku schonen möchte, kann zum Beispiel den Helligkeitssensor deaktivieren und die Displayhelligkeit auf ein allgemein weniger intensives Niveau reduzieren.

Am Ende bleibt aber vor allem eines: ein rundum überzeugendes Android-Smartphone, das trotz der aufgedeckten Schwächen sowohl bei der Leistung als auch bei der Bedienung überzeugen kann. Das HTC One S arbeitet nicht nur flott, sondern auch zuverlässig. An einem Tag mussten wir dennoch feststellen, dass sich unser Testgerät ohne Aufforderung in den Bootloader-Modus zurücksetzte. Nach einem Neustart lief es aber wieder problemlos.

Zu einer starken Kamera gesellt sich auch eine starke Audio-Performance. Der Mono-Lautsprecher klingt zwar blechern, kann aber mit einer ordentlichen Lautstärke punkten. Wer zudem satte Bässe hören möchte, kann bei der Nutzung von Kopfhörern oder Ohrstöpseln auf eine Klangoptimierung per Beats Audio zählen. Eine (sehr kleine) Status-LED informiert auf der Vorderseite über verpasste Anrufe und noch nicht gelesene Nachrichten. Abzüge in der B-Note gibt es für die Kameralinse, die deutlich aus dem Gehäuse herausragt. Ohne Schutzhülle liegt das Gerät praktisch immer unmittelbar auf der Linse.

Kein Smartphone-Schnäppchen

Bei all der integrierten Technik ist klar, dass das HTC One S nicht als Schnäppchen im Fachhandel zu haben ist. In Online-Shops wird es aktuell ohne Vertrag zu einem Preis ab 465 Euro angeboten, bei Amazon kostet es ohne zusätzliche Versandkosten 489 Euro. Wahlweise wird es mit einer schwarzen oder einer grauen Ummantelung angeboten. 1&1 bietet das HTC One S in Verbindung mit der All-Net-Flat bei einer zweijährigen Vertragslaufzeit aktuell für 0 Euro an. Monatlich werden für den Tarif inklusive Handy Internet Flat mit 500 Megabyte HSDPA-Volumen 39,99 Euro fällig.

Name: One S 
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab ca 465 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.0.3 Ice Cream Sandwich)
Prozessor: 1,5 GHz Dual Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (850, 900, 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 131 x 65 x 8 Millimeter
Gewicht: 120 Gramm
Display: 4,3 Zoll, 960 x 540 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern;
nicht per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, DLNA
Digitalkamera: 8 Megapixel, Digitalzoom, Autofokus, LED-Licht
HD-Videofunktion (1.080p), VGA-Frontkamera
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,69 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 4-6 Stunden Sprechzeit
12-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr gute Verarbeitung
sehr gute Kamera
starke Performance
leicht und flach
Status-LED nutzbar
Speicher nicht erweiterbar
fest integrierter Akku
schwache Akkuleistung

Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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