Testbericht

Zauberhaft gut? - Das HTC Magic im Test

Das zweite Android-Smartphone kommt ohne QWERTZ-Tastatur daher und wurde einer Schlankheitskur unterzogen. Ob dieses Konzept Google Android zum Durchbruch verhilft? Wir haben es getestet.

HTC Magic

Das zweite Google-Handy ist da: Das HTC Magic. Diesmal jedoch nicht exklusiv bei T-Mobile, sondern beim schärfsten Mitbewerber Vodafone. Das Konzept des HTC Magic unterscheidet sich sehr stark von dem des ersten Google-Handys. Doch welches der beiden ist nun besser?

Umgedacht

Das Google G1 ist vor allem eines: groß. Kein Wunder, befindet sich unter dem Display auch eine vollwertige QWERTZ-Tastatur, durch die das Eingeben von Texten extrem vereinfacht wird. Das HTC Magic, gerne auch Google G2 genannt, besitzt keine solche Tastatur. Die Eingabe erfolgt komplett über den Bildschirm, ähnlich wie beim revolutionären iPhone von Apple. Auch kommt beim G2 "ab Werk" das Betriebssystem Android 1.5 zum Einsatz, das einige Verbesserungen im Vergleich mit der Vorgängerversion mit sich bringt.

Unter der Haube unterscheiden sich Google G1 und G2 sehr. In beiden Geräten arbeitet zwar ein 528 Megahertz schneller Qualcomm-Prozessor, es handelt sich jedoch nicht um identische Chips. Im HTC Magic kommt ein in 65 Nanometer (nm), im G1 ein in 90 nm gefertigter Chip zum Einsatz. Da der Energieverbrauch mit verfeinerter Fertigungstechnologie abnimmt, sollte der Prozessor im HTC Magic weniger stromhungrig sein, als der des G1.

Bessere Komponenten

Der Speicher des neuen HTC Magic fällt mit 512 Megabyte (MB) ROM und 288 MB RAM ein wenig größer aus, als der des Vorgängers (Google G1: 256 MB ROM, 192 MB RAM). Das Display ist mit 3,2 Zoll identisch groß und löst in beiden Geräten mit 320 x 480 Pixeln auf. Das HTC Magic ist zudem kompakter und leichter als das erste Android-Handy, wiegt nur 116 Gramm bei einer Größe von 113 x 55.56 x 13.65 Millimetern. (Höhe x Breite x Tiefe). Trotz der Gewichtsreduzierung leistet der Akku mit 1340 mAh fast genau 200 mAh mehr, als beim Google G1.

Zur Vereinfachung der Bedienung spendierte HTC dem Magic einen Trackball, der sich unter dem Display befindet. Dieser erleichtert den Umgang mit Android sehr und fühlt sich dabei robust und gut an. Neben dem Trackball finden sich zahlreiche Tasten für Telefonie, Display-Aktivierung, Google-Suche und persönliche Startseite. Leider sind die Tasten relativ klein und ohne knackigen Druckpunkt versehen. So kommt es vor, dass man mehrere Male Druck ausüben muss, damit die gewünschte Funktion auch ausgeführt wird. Immerhin passen die Tasten sehr gut zum Design des Magic und wirken keinesfalls billig.

Das neue Android

Im HTC Magic kommt das Google-Betriebssystem Android in Version 1.5 zum Einsatz. Zahlreiche Neuerungen sollen der Software zu größerer Beliebtheit verhelfen. Auf den ersten Blick ist alles beim Alten geblieben: der Home-Bildschirm, die heraufziehbare Programmleiste - keine Neuerungen, die dem Betrachter unmittelbar ins Auge fallen. Aktiviert man die neuen, standardmäßig ausgeschalteten Fensterwechsel-Animationen, darf sich das Auge des Betrachters immerhin darüber freuen, dass sich beim Öffnen oder Schließen von Applikationen das Bild seitlich herein- oder herausschiebt. Kein optischer Leckerbissen, aber immerhin ein Fortschritt zur klassischen Popup-Ansicht.

Die wohl größte Veränderung im Hinblick auf das Google G1 ist die fehlende QWERTZ-Tastatur, die beim HTC Magic durch eine bei Bedarf erscheinende Software-Tastatur ersetzt wird. Schön ist, dass diese beim Drehen des Gerätes automatisch in Breite und Größe wächst und so die Eingabe erleichtert. Negativ hingegen, dass sich die Hochformat-Version äußerst kompakt zeigt. Eine schnelle, fehlerlose Eingabe ist daher nur im Breitbild-Modus möglich.

Internet-Profi

Der überarbeitete Android-Browser macht Spaß. Der Seitenaufbau ist schnell, zusätzlich bieten sich dem Nutzer umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten. Im Test stellte der Google-Browser die Hauptseite von onlinekosten.de mehrere Sekunden früher voll dar, als der Safari des iPhones. Zudem geht die Navigation mit Hilfe des Trackballs sehr flink von der Hand. Leider ist die Zoom-Funktion ein wenig umständlich integriert, hier hat der Safari dank Multitouch die Nase vorn.

Die neue Funktion zum Aufzeichnen von Videos ist sehr gut gelungen. Zwar dauert es mehrere Sekunden bis die Funktion endlich geladen ist, dafür ist das Aufnehmen, Speichern und direkte Hochladen auf YouTube kinderleicht integriert.

Wer so viel kann, hat auch einen hohen Energiebedarf. Da hilft es auch nicht sonderlich, dass der Akku im Vergleich zum Vorgängermodell an Atem zugelegt hat. Beschäftigt man sich oft mit dem YouTube-Client und verbringt viel Zeit im Google-Browser, kann der Nutzer fast zusehen, wie der Ladestand des Akkus abnimmt. Dafür ist aber nicht unbedingt das HTC Magic verantwortlich, sondern vielmehr die stromhungrige UMTS-Technik. Im Standby zeigt sich das Gerät jedoch äußerst genügsam. Bei Normalnutzung sind zwei Tage ohne Stromzufuhr absolut machbar. Etwas bedauerlicher ist da, dass der Akku für eine volle Ladung im Test ganze zwei Stunden brauchte. Das könnte schneller gehen.

Noch ein Wort zum Lieferumfang. Vodafone liefert das HTC Magic in einem kompakten, kleinen Karton aus. Im Inneren findet sich eine Kurzanleitung, eine Schutztasche (die allerdings keinen Schönheitspreis gewinnt), ein Ladekabel für den integrierten miniUSB-Anschluss, ein Datenkabel sowie das Stereo-Headset "HS 200", das ebenfalls über miniUSB verbunden wird. A propos miniUSB: ein Klinkenstecker ist nicht integriert, was den Genuss von Musik mit handelsüblichen Ohrhörern nur mittels Adapter möglich macht.

Fazit: Keine Revolution

Die Tastatur zu entfernen, die Hartschale zu veredeln und Änderungen im Detail vorzunehmen, macht noch keine Smartphone-Revolution. Der Fakt, dass Android weiterhin nur über Umwege mit Outlook synchronisiert, lässt den Glanz der Neuerungen verblassen. Mit Version 1.5 ist der Android-Entwicklergemeinde ein Schritt nach vorne gelungen - das Über-Betriebssystem ist es aber noch lange nicht. Die Ingenieure von HTC haben versucht mit dem Magic eine abgespeckte Variante des Google G1 zu schaffen. Dies ist äußerlich gelungen, scheitert jedoch bei der hakeligen Eingabe über die Software-Tastatur. Im Großen und Ganzen ist das HTC Magic in Verbindung mit Android 1.5 ein gelungenes Gegenkonzept zum Google G1. Dennoch sollte man gespannt sein, was an Android-Geräten im Laufe des Jahres noch folgen wird.

(Michael Müller)

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