Testbericht

HTC Desire S im Test - Ein bezahlbarer Androide

Wer auf der Suche nach einem Multimedia-Telefon ist, das halbwegs bezahlbar ist und nur wenige Einschränkungen vorweisen kann, ist beim HTC Desire S gut aufgehoben. Wir haben das Android-Telefon getestet.

HTC Desire S

Wie man als Handyhersteller aus Taiwan den Smartphone-Markt aufrollen kann, beweist HTC schon seit mehreren Jahren. Das erst 1997 gegründete Unternehmen wirft regelmäßig neue Multimedia-Telefone auf den Markt, die meist auf dem Google-Betriebssystem Android basieren und vergleichsweise günstig sein können. Mit an Bord ist in der Regel auch die angepasste System-Oberfläche namens HTC Sense. Das gilt auch für das neue HTC Desire S, das unsere Redaktion einem umfangreichen Test unterzogen hat.

Handy aus einem Alu-Block

Der Name Desire S lässt gleich durchblicken, dass es sich bei dem neuen Modell um ein Update des bereits 2010 vorgestellten HTC Desire handelt. Das Nachfolgemodell wurde nicht nur optisch leicht angepasst, sondern auch technisch an verschiedenen Stellen spürbar aufgewertet. Doch dazu später mehr. Denn wie so häufig zählt bei einem Smartphone vor allem der erste Eindruck. Und der ist beim Desire S überaus positiv. Grund: das Gerät wurde aus einem Block Aluminium gefertigt, was die Verarbeitung auf ein sehr hohes Niveau stellt. Anders formuliert: Viel besser geht es im Grunde nicht. Abgerundete Kanten, kaum Rillen als Staubfänger, dafür aber ein recht hohes Gewicht von 130 Gramm.

Das hat schlussendlich aber auch den Vorteil, dass das HTC-Smartphone insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck macht. Auf der Rückseite sorgen zudem gummierte Flächen für einen ordentlichen Halt in der Hand. Die Front ist geprägt durch den Touchscreen, der verglichen mit anderen Multimediatelefonen allerdings kleiner ausfällt. In der diagonalen Abmessung kann das Display 9,4 Zentimeter (3,7 Zoll) vorweisen. Das ist zwar mehr als beim iPhone 4 von Apple (3,5 Zoll), aber auch weniger als beispielsweise beim Samsung Galaxy S II (4,3 Zoll) oder beim LG Optimus Speed (4,0 Zoll).

Display mit Stärken und Schwächen

Insgesamt reichten die 3,7 Zoll aber aus, um von einem Smartphone-Feeling profitieren zu können. Etwa beim Internetsurfen, wo die Größe der besuchten Website automatisch an die Displaygröße angepasst wird. Bei einer Auflösung von 480x800 Bildpunkten wirken die Farben an der ein oder anderen Stelle zwar nicht immer so kraftvoll wie beim iPhone 4 oder Galaxy S II, alles in allem macht der Bildschirm aber eine ordentliche Figur. Nachteil: bei starker Sonneneinstrahlung wird es schwierig, Inhalte abzulesen, weil der automatisch arbeitende Helligkeitssensor in der Regel nicht auf die stärkste Beleuchtung schaltet. Außerdem spiegelt das Display recht stark und ist zudem anfällig für Kratzer.

Um das Telefon mit Android-Version 2.3.3 anzutreiben, kommt ein Prozessor mit 1 Gigahertz Taktfrequenz zum Einsatz. Auch wenn HTC auf DualCore-Technologie verzichtet, macht es Spaß ohne spürbare Ruckler durch das übersichtliche und alphabetisch angeordnete Hauptmenü zu navigieren. Dabei helfen auch die vier zuverlässig reagierenden Sensor-Tasten unterhalb des Displays. Dank HTC Sense-Oberfläche (Version 2.1) werden auf Wunsch nur die am häufigsten genutzten Anwendungen beziehungsweise die allgemein aus dem Android Market heruntergeladenen Apps angezeigt. Eine übersichtliche und praktische Alternative zum Standard-Menü.

Deutlich besser als bei anderen HTC-Modellen, aber weiterhin keine echte Augenweide ist die integrierte Kamera mit einer maximalen Auflösung von 5 Megapixeln. Richtig ordentlich ist die Fotoqualität unter freiem Himmel bei guten Lichtverhältnissen. Dann entstehen Bilder mit kräftigen Farben und ordentlichen Kontrasten. In geschlossenen Räumen oder bei einsetzender Dunkelheit wird trotz integriertem LED-Fotolicht häufig ein starkes Grundrauschen in den Bildern sichtbar. Das tritt auch dann zum Vorschein, wenn mit dem Digitalzoom gearbeitet wird. Praktisch: der Autofokus stellt sich nicht nur auf Knopfdruck, sondern immer wieder auch automatisch neu ein.

Kamera für HD-Videos

Insgesamt lässt sich die Auflösung im Foto-Modus in vier Stufen von VGA-Qualität (640x480 Pixel) auf bis zu 2.592x1.552 Pixel hochschrauben. Zudem ist ein schneller und unkomplizierter Wechsel von der rückseitigen Hauptkamera auf eine zweite Cam möglich, die oberhalb des Displays für Videotelefonate untergebracht wurde. Sie löst mit maximal 640x480 Pixeln auf - auch im Videomodus. Besser stellt sich bei Filmsequenzen die Hauptkamera dar. Sie erlaubt auch Aufnahmen in HD-Qualität mit bis zu 1.280x720 Bildpunkten (720p). Das Ergebnis ist bei höchster Auflösung durchaus ansprechend, aber nicht überwältigend.

Wer Fotos oder Videos vom Handy auf einen Rechner übertragen möchte, kann das auf unkomplizierte Art und Weise tun. Wird das Handy per USB-Kabel mit einem Rechner verbunden, lässt sich auswählen, dass das Gerät als "Festplatte" verwendet und auf diese Weise vom PC als Wechseldatenträger erkannt wird. Die Installation einer speziellen Software ist zur Dateiübertragung nicht notwendig. Der interne Speicher ist auf 1,1 Gigabyte beschränkt, im Lieferumfang ist eine microSD-Karte mit einer Kapazität von 8 GB enthalten. Achtung: Ohne microSD-Karte ist das Verwenden der Kamera nicht möglich.


Typische Smartphone-Extras

Nutzbar ist das HTC Desire S praktisch rund um den Erdball. Wahlweise in GSM-Netzen (Quadband) oder überall dort, wo ein UMTS-Netz aufgebaut wurde. Daten-Downloads sind bei entsprechender HSDPA-Verfügbarkeit mit maximal 14,4 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Uploads sind per HSUPA mit bis zu 5,8 Mbit/s möglich. Alternativ dazu steht eine WLAN-Schnittstelle zur Verfügung, die auch den schnellen N-Standard unterstützt.

An weiteren Extras liefert das Smartphone unter anderem einen GPS-Empfänger, der sich bei diversen von uns getesteten Tracker-Apps schnell aktivierte. Außerdem stehen Bluetooth-Schnittstelle (Version 2.1), ein 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für den Kopfhöreranschluss, MP3-Player und Radio zur Verfügung. Das Fotolicht auf der Rückseite lässt sich auf Wunsch auch als Taschenlampe einsetzen. Die Lieblings-Apps und verschiedene Widgets können auf mehreren Startbildschirmen nach dem persönlichen Empfinden abgelegt und hin und her geschoben werden.

Bei all den schönen Extras bleibt aber weiterhin ein von praktisch allen Smartphones bekanntes Problem: der Akku hält bei einer für ein Multimedia-Telefon typischen Nutzung nicht wirklich lange durch. Zwar gibt HTC eine Bereitschaftszeit von bis zu 19 Tagen an, realistisch ist jedoch eher ein Wert von 18 bis 24 Stunden. Spätestens dann verlangt das Gerät bei eifriger Nutzung von Facebook, Twitter und diversen Google-Diensten nach neuer Energiezufuhr.

Fazit: Günstig, einfach, gut

Mit dem Desire S hat HTC ein Smartphone auf den Markt gebracht, das nicht sündhaft teuer ist, aber praktisch alle Funktionen liefert, die man sich von einem Multimedia-Handy wünscht. Kleine Schwächen wie die maue Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen, der eher enttäuschende Akku oder das vergleichsweise kleine Display werden durch die richtig gute Verarbeitung, eine ordentliche Gesamtperformance und die übersichtliche HTC Sense-Oberfläche wieder ausgebügelt.

Bleibt noch eine Frage: was kostet das HTC Desire S denn eigentlich genau? Wer das 115 Millimeter lange, 60 Millimeter breite und 12 Millimeter tiefe Handy ohne Vertrag erstehen möchte, ist aktuell (Stand: Ende Mai 2011) ab knapp 345 Euro dabei. Amazon bietet das Smartphone derzeit für 415 Euro an.



Name: Desire S
Hersteller: HTC
Internet: http://www.htc.de
Preis: ca. 345 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3.3
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 115x60x12 Millimeter
Gewicht: 130 Gramm
Display: 3,7 Zoll, 480x800 Pixel
Speicher: 1,1 GB intern
über microSD um max. 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 2.1
Digitalkamera: 5,0 Megapixel Kamera, Autofokus, LED-Fotolicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel, microSD-Speicherkarte (8 GB)
SAR-Wert: 0,35 W/kg (sehr niedrig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: ca. 4 Stunden Sprechzeit
ca. 1-2 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
viele Apps nutzbar
WLAN- und HSDPA-Unterstützung
reaktionsschneller Touchscreen
flotte Performance
Kamera zum Teil mit Schwächen
Display anfällig für Kratzer
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,9)
Preis-Leistung: sehr gut

(Hayo Lücke)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang