Testbericht

HTC Desire C im Test - 4.0-Androide für Einsteiger

Ausgestattet mit Android 4.0 und HTC Sense 4.0 überzeugt das kleine HTC-Smartphone vor allem bei der Bedienung - zumindest auf den ersten Blick. Denn es gibt auch spürbare Einschränkungen.

HTC Desire C© HTC

Wer in die Welt moderner Smartphones eintauchen möchte, muss in der Regel viel Geld auf den Tisch legen. Luxusgeräte kosten nicht selten 500, 600 Euro oder sogar mehr. Die Mobilfunk-Industrie möchte aber auch jene Kundenkreise mit Touchscreen-Telefonen für sich gewinnen, die nicht bereit sind, so viel Geld für ein Mobiltelefon auf den Tisch zu legen. Und deswegen werden zunehmend Geräte auf den Markt gebracht, die nur zwischen 100 und 200 Euro kosten. Am oberen Ende dieser Preisskala wurde das HTC Desire C angesiedelt, das auf den ersten Blick an den Palm Pre erinnert - nur die ausschiebbare Tastatur fehlt. Wir haben uns das "kleine Schwarze" genauer angeschaut.

Grundsolides Einsteiger-Telefon

Die wichtigste Botschaft vorweg: auch wenn das Desire C an vielen Stellen nicht wirklich mit neuester Technik punkten kann, ist es ein grundsolides Einsteiger-Smartphone. Schnell eingerichtet, einfach zu bedienen und mit einem modernen Betriebssystem ausgestattet. Denn wer sich für das HTC-Telefon entscheidet, bekommt mit Android 4.0.3 schon ab Werk eine der aktuellsten Android-Versionen, die aktuell erhältlich sind. Die Menüoberfläche wurde zudem durch HTC Sense 4.0 optimiert, wodurch zum Beispiel alle installierten Apps und eingerichteten Verknüpfungen im Hauptmenü nebeneinander angeordnet sind und sich nicht nur in alphabetischer Reihenfolge anzeigen lassen, sondern auch gemessen an der häufigsten Nutzung.

Der Antrieb erfolgt über einen Single Core-Prozessor, der mit einer Taktrate von 600 Megahertz daherkommt. Das ist in Zeiten von Quad Core-Smartphones mit Gigahertz-Performance alles andere als viel, es reicht aber für das Hineinschnuppern in das Smartphone-Universum vollkommen aus. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass es durchaus mal länger dauern kann, ehe eine App geöffnet und Inhalte geladen sind. Auch der Wechsel aus dem Kameramodus zurück ins Hauptmenü zeugt von viel, aber sicher nicht von herausragender Schnelligkeit. Dass es immer mal wieder etwas hakt, ist deutlich spürbar und da helfen auch 512 Megabyte RAM Arbeitsspeicher nicht wirklich weiter.

Abstriche müssen Nutzer auch beim Display machen. Die Auflösung liegt bei schwachen 480 x 320 Pixeln, doch etwas überraschend wird das bei der alltäglichen Nutzung nicht allzu deutlich. Außerdem reagiert der für Fingerabdrücke anfällige Touchscreen schön schnell und erlaubt eine Bedienung ohne spürbare Hindernisse. Sowohl im Hoch- als auch im Querformat wird beim Schreiben von SMS, E-Mails oder Messenger-Texten eine virtuelle QWERTZ-Tastatur eingeblendet, mit der sich auch längere Texte nahezu fehlerfrei eintippen lassen - bei einer Display-Diagonalen von "nur" 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter) wie beim iPhone 4S. Positiv: ein Helligkeitssensor passt die Display-Beleuchtung an das aktuelle Umgebungslicht an.

Speicher erweiterbar

Sehr knapp bemessen ist der interne Speicher. Er fasst gerade einmal 4 Gigabyte, dem Nutzer steht aber nur knapp 1 GB zur freien Nutzung zur Verfügung. Ergänzend werden 25 Gigabyte Speicherplatz beim Online-Speicherdienst Dropbox zur Verfügung gestellt - allerdings nur für zwei Jahre kostenlos. Der Kauf einer MicroSD-Karte zur Speichererweiterung ist also durchaus empfehlenswert. Im Lieferumfang ist eine solche Karte nicht inklusive.

Die Bedienung des Telefons erfolgt in weiten Teilen über das Display. Direkt unter dem Bildschirm wurden drei Sensortasten integriert, deren Bedienung während der ersten Wochen aber insbesondere in den Abendstunden etwas komplizierter ausfällt, da es an der wünschenswerten Beleuchtung mangelt. Hier wurde leider am falschen Ende gespart. Auch auf die Integration einer ansonsten bei fast allen HTC-Smartphones nutzbaren Status-LED wurde beim Desire C verzichtet. Verpasste Anrufe und Nachrichten werden so nur durch einen Hinweis auf dem Display angezeigt, jedoch nicht über eine blinkende Signalleuchte.

Telefon mit wenig Ausdauer

Ganz ohne physische Tasten kommt aber auch das Desire C nicht aus. Eine Taste zum ein- und ausschalten wurde auf der Kopfseite neben dem Audio-Ausgang (3,5 Millimeter) in das Kunststoff-Gehäuse integriert, an der rechten Seite findet sich die Wipptaste für die Regulierung der Klingelton- und Lautsprecher-Lautstärke. Links ist der MicroUSB-Anschluss zu finden, der auch für das Aufladen des Akkus genutzt werden muss. Ein kleiner Lautsprecher wurde auf der Rückseite neben der Kameralinse platziert.

Wenig überzeugend sind die Laufzeiten des Akkus. Dem 1.230 mAh starken Energiespeicher geht recht schnell die Puste aus. Insbesondere bei einer dauerhaft aktiven Datenverbindung und wenn viele Telefonate geführt werden, muss in der Regel schon nach einem halben Tag der Gang zur Steckdose angetreten werden. Wenn Datenverbindungen nur per aktivierter WLAN-Verbindung durchgeführt werden, reicht die Ausdauer für zwei bis drei Tage.

Tolle Haptik

Laune bereitet die Tatsache, dass sich HTC in Sachen Haptik etwas Besonderes hat einfallen lassen. Während bei vielen Einsteiger-Smartphones eine langweilige, eintönige Plastik-Ummantelung zum Einsatz kommt, wird beim Desire C auf eine Akkuabdeckung gesetzt, die sich wie Gummi, fast schon wie Seide anfühlt. Dadurch liegt das 98 Gramm leichte und 107 x 61 x 12 Millimeter kleine Telefon richtig angenehm in der Hand.

Kaum Abstriche sind in Sachen Verarbeitung zu machen. Abgerundete Kanten, ein praktisch nahtlos mit dem Handykörper verschmolzenes Display - top! Ärgerlich ist lediglich, dass die Kameralinse auf der Rückseite leicht hervorsteht und das Telefon so praktisch immer auf der Linse liegt. Ein Problem, das auch schon bei der HTC-One-Familie beobachtet werden musste. Kratzer auf dem Schutzglas der Linse sind bei Verzicht auf einen Handytasche nur eine Frage der Zeit.

Qualitativ ist die integrierte Digicam alles andere als herausragend. Zwar löst sich mit bis zu 5 Megapixeln auf und bei guten Lichtverhältnissen ist die Qualität durchaus akzeptabel. Oft ist aber ein Bildrauschen und eine falsche Belichtung unübersehbar. Unzureichend: die Videoqualität liegt maximal auf VGA-Niveau (640 x 480 Pixel) und macht dadurch alles andere als viel Freude. Hinzu kommt: Kameralicht und Autofokus sind nicht verfügbar. Dadurch fehlt es regelmäßig auch an der wünschenswerten Bildschärfe. Das ist in der heutigen Zeit bei einem Smartphone, das knapp 200 Euro kostet, fast schon ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem muss auch auf eine Frontkamera für Videotelefonate und eine separate Kamerataste verzichtet werden.

Eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten

Die generelle Nutzung ist dank integrierter Quadband-GSM-Antenne fast rund um den Erdball möglich. Darüber hinaus werden die UMTS-Frequenzbänder von 900 und 2.100 Megahertz unterstützt. In LTE-Netzen funkt das HTC Desire C hingegen nicht. Die NFC-Nutzung ist theoretisch gewährleistet, aber nur wenn man sich für die NFC-fähige Version des Telefons entscheidet. Auf unserem Testgerät stand die NFC-Funktion nicht zur Verfügung.

Ein hübsches Extra hat sich HTC noch für alle Freunde digitaler Musik einfallen lassen. Denn neben einem Radio wurde auch ein MP3-Player integriert. Mehr noch: auch die Klangoptimierung BeatsAudio, die für einen deutlich basslastigeren, druckvollen Klang sorgen kann, ist beim Desire C mit von der Partie. Allerdings kommt der bei den sehr einfachen mitgelieferten Kopfhörern kaum zur Geltung.

Fazit: Für Einsteiger ohne hohe Ansprüche ein tolles Gerät

Wer auf der Suche nach einem preiswerten Android-Smartphone ist, könnte am HTC Desire C Gefallen finden. Zwar hapert es an vielen Stellen spürbar an der Ausstattung, der zügig reagierende Bildschirm, das breite Angebot an (kostenlosen) Apps und die griffige Haptik sorgen aber dafür, dass es bei dem Telefon trotzdem noch zu einem brauchbaren Einsteiger-Smartphone reicht. Niemand sollte von dem kleinen Gerät allerdings Wunderdinge erwarten. Langsame Gesamtperformance und ein eher schwacher Akku müssen ebenso akzeptiert werden wie eine insgesamt unterdurchschnittliche Kamera.

Im Online-Fachhandel ist das HTC Desire C zu einem Preis ab knapp 179 Euro zu haben (Stand: Mitte Juli 2012). Amazon liefert es ohne zusätzliche Versandkosten zu Preisen zwischen 187 und 198 Euro an die Haustür - abhängig von der gewählten Farbe. Angeboten wird es nicht nur in Weiß und Schwarz, sondern auch in Rot.

Name: Desire C
Hersteller: HTC
Internet: www.htc.de
Preis: ab ca 179 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Android (Version 4.0.3 Ice Cream Sandwich)
Prozessor: 600 Mhz. Single Core
Arbeitsspeicher: 512 Megabyte
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband (850, 900, 1.800, 1.900 Megahertz)
UMTS (900 und 2.100 Megahertz)
Abmessungen: 107 x 61 x 12 Millimeter
Gewicht: 98 Gramm
Display: 3,5 Zoll, 480 x 320 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 4 GB intern;
per microSD erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth 4.0, WLAN, NFC (nur bei NFC-Version)
Digitalkamera: 5 Megapixel (ohne Autofokus und Kameralicht)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,68 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN
Akkulaufzeit im Test: 4-6 Stunden Sprechzeit
12-18 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
sehr gute Verarbeitung
schöne Haptik
sehr leicht
erschwinglicher Preis
teilweise schwache Performance
insgesamt schwache Kamera
Akku nicht überzeugend
sehr kleiner Speicher

Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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