Testbericht

HP Envy x2 im Test: Flexible Tablet/Netbook-Schönheit

Kleiner Laptop oder leichter Tablet-PC: Das Envy x2 tanzt auf beiden Hochzeiten - und das mit Erfolg. Fürchten muss es sich aber vor stärkeren Core-i-Geräten.

Kleiner Laptop oder leichter Tablet-PC: Das Envy x2 tanzt auf beiden Hochzeiten - und das mit Erfolg. Fürchten muss es sich aber vor stärkeren Core-i-Geräten.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Windows-Tablet ist nicht gleich Windows-Tablet: Mal sind sie mit einem ARM-Prozessor und der auf Programme aus dem Windows Store beschränkten Version Windows RT bestückt, mal stehen sie mit Intel Core-i-Prozessor und Windows 8 als leistungsstarke Ultrabook-Variante bereit. Dazwischen tummeln sich Geräte mit Intel Atom. Sie lassen zwar nicht die Muskeln spielen, bieten aber dennoch den Vorteil, theoretisch sämtliche x86-Programme installieren und damit ein Notebook ersetzen zu können. Wie gut ist darin das HP Envy x2? Auffällig am Hybrid-Tablet von Hewlett-Packard: ein edles Design, ein helles Display und dank Tastatur-Dock mit Akku mehr Schnittstellen als ein üblicher Tablet-PC und mehr Ausdauer als ein Laptop.

HP Envy x2 Test – Inhalt

  • Seite 1: Maße, Verarbeitung, Schnittstellen, Dock und Laufzeit
  • Seite 2: Display, Bedienung und Handhabung, technische Daten und Leistung
  • Seite 3: Sound, Kameras, Fazit und Test-Tabelle

Als Tablet leicht - das HP Envy x2

Wer sich das Datenblatt des etwa 303 x 206 Millimeter (mm) großen Tablets vornimmt und in der Spalte zum Gewicht die Angabe 710 Gramm vorfindet, der dürfte zunächst kurz die Stirn runzeln. Zumindest dann, wenn die Eckdaten von Asus-Tablets wie dem Transformer Pad Prime (Test) und VivoTab Smart (Test) oder vom aktuellen iPad von Apple im Gedächtnis abgespeichert wurden. Bei Asus sind es weniger als 600 Gramm, beim iPad der vierten Generation 652 Gramm aufwärts. Doch das HP Envy x2 liefert ein größeres Display: 11,6 Zoll statt 10,1 beziehungsweise 9,7 Zoll. Hält man das Tablet in den Händen, fühlt es sich daher deutlich leichter an als erwartet. Gewicht zugelegt wird, wenn das Envy x2 mit dem Tastatur-Dock verbunden wird. Dann hält der Nutzer ein 303 x 206 x 17 - 19 mm großes und 1,41 Kilogramm schweres Subnotebook in den Händen.

Teuer sieht es aus

Von der hübschen Gestaltung und der hochwertigen Verarbeitung konnten wir uns bereits auf der Vorstellung des Envy x2 auf der IFA in Berlin überzeugen. Der Hersteller setzt auf ein dünnes, schlichtes Aluminium-Gehäuse mit gebürsteter Oberfläche und abgerundeten Kanten. Die Bedientasten sind flach in die Unterseite des Tablets integriert, insbesondere der Lautstärkeschalter ist gar nicht so leicht zu ertasten. Um jederzeit zum Kachel-Bildschirm von Windows, ehemals Metro, zurückzukehren, baut HP eine manchmal etwas schwerfällige Sensortaste mit Vibration ein. Zusammengesteckt werden Tablet und Dock wie beim Dell XPS 10 (Test), das heißt, das Tablet rastet fest in die Schiene des Docks ein und lässt sich durch Festhalten eines Schiebeschalters wieder ablösen. Wir hatten allerdings den Eindruck, dass wir beim HP-Exemplar fester zupacken mussten.

Besser gelöst als beim Dell XPS 10: Zunächst leert sich der Akku im Tastatur-Dock. Erst dann, wenn der Wert die 5-Prozent-Hürde unterschreitet, geht es dem Tablet-Akku an den Kragen. Als intelligent erweist sich die Lösung auch im umgekehrten Fall. Geht der Tablet-Akku zu Neige, wird er durch das Dock aufgeladen. Das Envy x2 hält ohne seine Verstärkung beim Abspielen von YouTube-Videos in HD etwa 5,5 Stunden durch. Wer lediglich Text-Dokumente liest und WLAN abschaltet, kommt 10 Stunden aus. Im Standby kann das Tablet mehr als eine Woche zubringen. Mit Tastatur-Dock verdoppeln sich die Werte und übertreffen damit Touch-Konkurrenten wie die neuen Convertible-Ultrabooks.

Zwei Kartenleser, HDMI und NFC

Das Tablet ist nur spärlich mit Schnittstellen bestückt. Lediglich ein Anschluss für das Dock beziehungsweise das Netzteil, eine Mikrofon/Kopfhörerbuchse und ein microSD-Kartenleser sind vorhanden. Wer Geräte anschließen möchte, weicht daher auf die Docking-Tastatur aus. Diese integriert zwei USB-2.0-Ports, eine Audiobuchse, HDMI in regulärer Größe und einen Steckplatz für SD-Speicherkarten. Nicht schlecht, wenn ein externer TFT Monitor oder Fernseher ohne Adapter verbunden werden soll und regelmäßig Fotos von einer Digitalkamera übertragen werden. Die Konkurrenz beschränkt sich oftmals auf verkleinerte Anschlüsse. Mobile Datenverbindungen per Mobilfunk beherrscht das Envy-Tablet nicht, es stützt sich auf WLAN, wobei die Empfangsleistung besser sein könnte. Bluetooth zum Anschluss von Peripherie und NFC für einen Datenaustausch stehen ergänzend bereit.

Wie bereits eingangs erwähnt, leuchtet das Display des HP Envy x2 besonders hell. Wir haben es mit dem ebenfalls überdurchschnittlich leuchtstarken Touchscreen des Dell XPS 10 verglichen und konnten bezüglich der Leuchtkraft mit bloßem Auge keinen Unterschied feststellen. Von der Farbtemperatur her wirkt der Bildschirm des Envy-Tablets etwas kälter. Die Blickwinkel sind erwartungsgemäß groß, schließlich kommt ein IPS-Panel zum Einsatz. Wie üblich bei Touchscreens, spiegelt es stark. Wer mit dem Rücken zu einem Fenster sitzt, wird schnell die Helligkeit erhöhen. Je nach Lichteinfall ist dann außerdem das Touch-Raster unschwer zu erkennen und verschlechtert die Sicht.

HP Envy x2 Test – Inhalt

  • Seite 1: Maße, Verarbeitung, Schnittstellen, Dock und Laufzeit
  • Seite 2: Display, Bedienung und Handhabung, technische Daten und Leistung
  • Seite 3: Sound, Kameras, Fazit und Test-Tabelle

Heller, präziser Touchscreen

Eine Alternative zur Bedienung per Touchscreen bildet der optional erhältliche Eingabestift von HP. Leider ist er im HP Onlineshop innerhalb des Tablet-Zubehörs nicht auffindbar. Er dürfte sich vor allem für den Desktop-Modus lohnen, denn trotz aller Verbesserungen durch Windows 8 sind kleine Symbole, Menüpunkte und beispielsweise Werkzeugleisten innerhalb von Programmen mitunter schwierig zielsicher zu treffen. Hilfreich ist beim Envy x2, dass es die 1.366 x 768 Bildpunkte auf 11,6 Zoll streckt. Das macht es deutlich leichter als beim Sony Vaio Duo 11 (Test), das 1.920 x 1.080 Pixel auf gleichem Raum versammelt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Texte minimal unschärfer wirken als auf einem 10-Zöller mit HD-Auflösung. Da sich höhere Bildschirmauflösungen mehr und mehr verbreiten, wird das dem verwöhnten Auge auffallen. Fotos oder Videos sind hingegen scharf. Ungewöhnlich ist es, das Tablet hochkant zu halten. Durch das 16:9-Format macht das nur bei langen Webseiten oder Tabellen Sinn.

Top-Touchpad

Keine gute Idee ist es, fester auf dem Touchscreen herumzutippen, wenn dieser am Dock befestigt ist. Um das Gerät in Balance zu halten, kann der Bildschirm nur ein Stück nach hinten geklappt werden, dennoch gerät es dann leicht aus dem Gleichgewicht. Wirklich gute Design-Arbeit hat HP bei Tastatur und Touchpad geleistet. Die Tasten stehen nicht zu eng beieinander und bieten eine fast so große Tippfläche wie auf einem großen Notebook, das noch einen Nummernblock dazuquetscht. Der Schreibfluss ist in Ordnung, durch den weichen Anschlag aber etwas verlangsamt. Das Touchpad bietet genau die richtige Mischung aus glatter Oberfläche und leichtem Widerstand. Zudem kann es Gesten ausführen, so dass sich mit zwei Fingern Scrollen oder Zoomen lässt und auch Bilder gedreht werden können.

Schnell als Tablet, schwächer als Laptop

Wer angesichts der Luxus-Verarbeitung eine satte Performance erwartet, wird enttäuscht sein. Der Intel Atom Z2760 alias Clover Trail mit 1,8 Gigahertz nimmt zwar seine Stromspar-Aufgabe sehr ernst, wahre Power sieht aber anders aus. Die Leistung des Dual-Core-Prozessors, der vier Threads verarbeiten kann, bewegt sich irgendwo zwischen einem Netbook und einem schwächeren Laptop. Die Freeware-Bildbearbeitung Gimp ist durchaus nutzbar und auch Dutzende Browser-Tabs lassen sich öffnen. Doch derartige Aufgaben fordern das Envy x2 mit 2 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher heraus. So bedarf es etwas Geduld, bis eine Gruppe Lesezeichnen geöffnet ist. Auch das Wechseln zwischen Tabs fühlt sich nicht so flüssig an wie auf einem Ultrabook. Immerhin: Parallel zu rund 30 Tabs im Browser lässt sich noch ein Full-HD-Video abspielen - nach anfänglichen Rucklern. In unserem Test waren CPU und RAM dabei zu je etwa drei Vierteln ausgelastet. In Benchmark-Tests (siehe Seite 3) schneidet das Tablet gleichermaßen schlechter ab als Laptops und solche, die sich Ultrabook nennen dürfen. Über die Kachel-Oberfläche genutzt, arbeitet es wiederum sehr flüssig. Als Massenspeicher integriert das Envy eine eMMC mit 64 GB. Auf dem Testgerät waren abzüglich einer knapp 10 GB großen Recovery-Partition noch rund 32 GB verfügbar. Die Zugriffszeiten der eMMC hinken denen einer flotten SSD hinterher. Dennoch ist Windows 8 nach nur 10 bis 11 Sekunden einsatzbereit, ein Top-Ergebnis.

Ein Bereich, in dem das Envy x2 hinter den Erwartungen bleibt, ist der Klang der Lautsprecher. Beim Stichwort Beats Audio, auch unübersehbar im Display-Rand verewigt, ist ein satterer Sound anzunehmen als er dann tatsächlich aus dem Tablet strömt. Es fehlt an allen Ecken und Kanten am Bass, aus HPs Beats-Notebooks klingt das anders. Was die Sound-Verstärkung aber insgesamt erreicht, zeigt sich, sobald sie abgeschaltet wird. Alles in allem gibt es einen Platz im Mittelfeld.

HP Envy x2 Test – Inhalt

  • Seite 1: Maße, Verarbeitung, Schnittstellen, Dock und Laufzeit
  • Seite 2: Display, Bedienung und Handhabung, technische Daten und Leistung
  • Seite 3: Sound, Kameras, Fazit und Test-Tabelle

Kamera leider ohne Blitzlicht

Anders als die Bedientasten, die sich an die gebogene Rückseite des Tablets anschmiegen, wölbt sich die rückwärtige 8-Megapixel-Kamera hervor. Ein LED-Blitzlicht besitzt sie leider nicht, bei schlechten Lichtverhältnissen in Räumen schießt sie lediglich verrauschte Fotos. Auch farblich können die Bilder dann nicht überzeugen, Rottöne zeigen einen Blaustich und sind schlichtweg zu kalt. Besser wird es, wenn sich der Nutzer vor die Tür bewegt und das Wetter mitspielt. Die Webcam ist für den Tablet-Modus ungünstig positioniert. Bei einem Videochat gibt es nur halbierte Köpfe zu sehen, wenn das Gerät nicht entsprechend gedreht wird. Bei kleineren Tablets funktioniert das meist besser. Trotzdem reicht das Equipment aus, um zwischendurch ein paar Schnappschüsse zu machen oder Infos abzufotografieren.

Zum Geraderücken perspektivisch verzerrter Dokumentenfotos hat HP die kleine Anwendung PageLift installiert. Bereits verankert sind ferner das von Snapfish betriebene HP Connected Photo zum Teilen von Bildern und HP Connected Music. Hierbei handelt es sich um eine Musik-Streaming-Flatrate in Zusammenarbeit mit der Universal Music Group, die Käufer eines HP-PCs 90 Tage lang kostenlos nutzen können. Eine Kindle-App, Skype, eBay, Fresh Paint und sMedio 360, mit der sich Inhalte innerhalb eines Windows-Netzwerks streamen lassen, machen das Vorab-Paket komplett. Über die Streaming-App, deren deutsche Übersetzung noch zu verbessern wäre, können zudem Daten per NFC geteilt werden.

Teurer als RT-Tablets, schwächer als Core-i-Konkurrenten

Geräte wie das HP Envy x2 richten sich an Nutzer, denen ein Windows-RT-Tablet zu eingeschränkt, ein Windows-8-Ultrabook mit Convertible-Funktion aber zu schwer ist. Schnittstellenvielfalt und Display-Qualität sind beim Envy x2 definitiv auf Ultrabook-Niveau, der Vorteil ist eine längere Laufzeit durch einen zweiten Akku. Außerdem wird bei Bedarf mit dem Tastatur-Dock auch die Hälfte des Gewichts abgestreift. Ein Preisvorteil ergibt sich kaum. Convertible-Ultrabooks beginnen bei rund 1.000 Euro, das HP Envy x2 steht ausschließlich in einer Konfiguration bereit und kostet knapp 900 Euro inklusive Dock. Bei einer solch stolzen Summe sollte sich der Käufer schon sicher sein, dass ihm die Atom-Leistung ausreicht. Alternativen mit Intel Core-i-Prozesser sind noch rar, zu nennen wäre hier das Acer Iconia W700 mit Intel Core i3 oder i5 und bis zu 128 GB Speicherplatz für 700 bis 900 Euro. Eine weitere wird Microsoft mit dem Surface Pro im zweiten Quartal höchstpersönlich stellen. Ein Vergleich auf Atom-Basis lohnt sich mit dem sehr ähnlich bestückten Asus VivoTab TF810C oder dem kleineren und günstigeren Acer Iconia W510. Mit Dock und 64 GB ist es für 600 Euro zu haben, für 100 Euro mehr auch mit 3G-Modul für mobiles Internet.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Envy x2 (Envy  x2 11-g040eg)
Hersteller: HP
Internet: http://www8.hp.com/de
Preis: UVP: 899 Euro


z.Z. ab 897 Euro bei Amazon
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Intel Atom Z2760 Dual-Core-Prozessor  mit 1,8 GHz
Bildschirm: 11,6 Zoll IPS-Display (1.366 x 768),
Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, bis 64 GB eMMC
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 3,5 / RAM: 4,7 / 2D: 3,7 / 3D: 3,3 / HDD: 5,8

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
51 Sek.

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 0.55
PCMark 7: 1.430

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 30 Punkte; 720p: 31

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben: 80,46 / 34,17 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K: 77 / 27,58 MB/s
Akku: Nur Tablet: 5,5 Stunden YouTube HD (WLAN), 5 Stunden HD-Videos offline, 10 Stunden Textdokumente lesen (offline)
Mit Dock: 11,5 Stunden YouTube HD (WLAN), ca. 18 Tage Standby
Kommunikation: WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth
Betriebssystem: Windows 8
Abmessungen: Tablet: 303 x 206 x 8 Millimeter; 710 Gramm
mit Dock: 303 x 206 x 17 - 19 Millimeter; 1,41 Kilogramm
Anschlüsse: Tablet: Mikrofon/Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD
Dock: HDMI, 2x USB 2.0, Mikrofon/Kopfhörer, SD-Karte
Sonstiges: NFC, Lagesensor, 8-Megapixel-Kamera mit Autofokus, 1080p-Webcam
handlich und leicht
heller Bildschirm
lange Laufzeit
schönes Alu-Gehäuse
leichtes Tablet
Tastatur-Dock mit Extra-Akku
zwei Kartenleser und Ports regulärer Größe
flüsterleise
Standard-USB-Port nur via Dock
keine 3G/4G-Version
Kamera ohne Blitz
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): sehr gut
Verarbeitung (10%): sehr gut
Gesamt: gut (1,8)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Zum Seitenanfang