Testbericht

HP Envy 14 Spectre im Test: Schön, aber teuer

HPs zweites Ultrabook ist mit 1,8 Kilogramm kein Leichtgewicht: Display-Deckel und -Abdeckung sowie die Handauflage bestehen aus Glas. Leistung, Verarbeitung und Sound überzeugen, eine beleuchtete Tastatur und NFC zählen zu den Extras - doch zum Rundum-sorglos-Paket fehlt noch etwas.

HPs zweites Ultrabook ist mit 1,8 Kilogramm kein Leichtgewicht: Display-Deckel und -Abdeckung sowie die Handauflage bestehen aus Glas. Leistung, Verarbeitung und Sound überzeugen, eine beleuchtete Tastatur und NFC zählen zu den Extras - doch zum Rundum-sorglos-Paket fehlt noch etwas.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

2009, als der Begriff Ultrabook noch unbekannt war, brachte HP mit der Envy-Serie dünne und leichte Luxus-Laptops auf den Markt, die sich unter anderem durch einen Material-Mix aus Magnesium, Aluminium und Glas auszeichneten. Auf der diesjährigen CES in Las Vegas im Januar stellte Hewlett-Packard dann eine Ultrabook-Variante, das HP Envy 14 Spectre, vor. Ist bei anderen Notebooks lediglich der Bildschirm mit Glas abgedeckt, verwendet der Hersteller das Material beim Spectre auch für den Gehäuse-Deckel und die Handballenauflage. Und wer sich schon einen Glas-Laptop gönnt, soll auch einige Extras erhalten, dachte sich offenbar HP und baute diverse Zugaben ein. Auf einen günstigen Preis darf also nicht gehofft werden. Wir haben das rund 1.400 Euro teure Ultrabook auf den Prüfstand gestellt.

HP Envy 14 Spectre Test – Inhalt

  • Seite 1: Design, Display und Tastatur
  • Seite 2: Schnittstellen, Sound, Hardware und Leistung
  • Seite 3: Software, Fazit und Test-Tabelle

Gläserner Laptop: Putzen ist Pflicht

326x220x19 Millimeter – das sind die ungefähren Maße des Mobilrechners. Das Gehäuse läuft an der Vorderseite nicht spitz zu, sondern ist ebenmäßig geformt. Mit den sauber abgerundeten Ecken liegt es angenehm, aufgrund der rund 1,8 Kilogramm Gewicht aber nicht unbedingt leicht in der Hand. Da Ober- und Unterteil zugeklappt komplett abschließen, dürften in der Tasche keine Kleinigkeiten zwischen Display und Tastatur rutschen. Aufklappen lässt es sich trotzdem gerade noch mit einer Hand. Auf der matten, gummierten Unterseite sorgen vier Standfüße für einen sicheren Halt und Fingerabdrücke sind eher nicht zu befürchten. Dafür umso mehr auf dem Deckel und rund um das Touchpad: Insbesondere die schwarze Außenseite ist ein wahrer Magnet für Verschmutzungen. Regelmäßiges Nachputzen zählt daher zum Pflichtprogramm, wenn der insgesamt edle Look erhalten bleiben soll.

Laut HP ist das Glas kratzfest, mit dem Fingernagel oder einem Lineal lässt sich kein Schaden anrichten. Wie widerstandsfähig die glänzenden Oberflächen im Alltag sind, lässt sich jedoch erst nach einem längeren Einsatz beurteilen.

14-Zoll-Display mit hoher Auflösung

Das durch eine glänzende Scheibe geschützte Display misst 14 Zoll und liefert mit 1.600x900 Bildpunkten eine höhere Pixeldichte als andere Ultrabooks, die zum gleichen Zeitpunkt erschienen sind. Erst im aktuellen Sommer trudeln weitere Geräte der Intel-Marke mit Auflösungen jenseits des HD-Standards von 1.366x768 Bildpunkten (16:9) ein. Das Envy-Display ist gut geeignet, um mehrere Anwendungen nebeneinander anzuzeigen, ohne, dass die Schriftgröße zu mickrig wird oder die Übersicht verloren geht. Die Farbqualität stimmt ebenfalls und die seitlichen Blickwinkel gestatten dem Sitznachbarn eine angenehme Sicht. Neigt man den Bildschirm aber vor oder zurück, muss eher mit zu dunklen oder zu hellen Farben gerechnet werden. Nachteil in der warmen Jahreszeit: Ist das Wetter schön oder sitzt der Nutzer im Freien, spiegelt sich die Umgebung stark in der glatten Glas-Abdeckung. Mit einer höheren Helligkeit hätte HP dem besser entgegenwirken können.

Komfortable Tastatur

Eine Beleuchtung findet sich zudem unter den matt-schwarzen Tasten. Sie lässt sich abstellen, wenn sie generell nicht gebraucht wird, kann aber auch das Ruder übernehmen. In dunklerer Umgebung schaltet sie sich mittels Sensor selbständig ein, sobald der Nutzer Tastatur oder Touchpad berührt, und nach ein paar Sekunden auch wieder aus, wenn er aufsteht und den Laptop alleine lässt. Hat man sich an den kurzen Tastenanschlag gewöhnt, geht das Tippen auf den großen Tasten gut von der Hand. Touchpad und Klicktasten lassen sich gleichermaßen gut bedienen. Dennoch trifft die spiegelglatte Oberfläche sicher nicht jeden Geschmack. Wo die Cursor-Fläche endet und der Klickbereich anfängt, hat HP optisch gekennzeichnet.

Insgesamt ist die Verarbeitung tadellos. Einen Punktabzug gibt es lediglich für den nicht starren Deckel und die Gehäuse-Unterseite, die bei unserem Testgerät an einer Stelle minimal Spiel hatte und sich eindrücken ließ.

Unter den Schnittstellen reihen sich an der linken Seite ein Kartenleser, Kopfhörer-/Mikrofonanschluss, DisplayPort, HDMI, Gigabit LAN zum Ausklappen, USB 2.0 und USB 3.0 aneinander. Die Ports liegen dicht zusammen, ein sehr breiter USB-Stecker könnte daher dafür sorgen, dass der zweite Anschluss nicht mehr nutzbar ist. Ein zusätzlicher USB-Port befindet sich am kleinen Netzteil, so dass ein Smartphone oder Tablet PC ohne weitere Steckdose aufgeladen werden können. Vorder- und Rückseite bleiben unbeschrieben, auf der rechten Seite lässt sich der Sound steuern. Zunächst gibt es einen kleinen Knopf, der die Lautsprecher abschaltet, und ein praktisches Rädchen für die Lautstärke. Es lohnt sich außerdem, den Button mit dem roten Logo von Beats by Dr. Dre zu drücken: Dann wird der recht schwache Laptop-Sound deutlich aufpoliert, klingt satter und lässt sich überraschend laut aufdrehen. Mit Bass-orientierten In-Ear-Hörern kombiniert, kann es schon zuviel des Guten werden, das passende Sound-Profil für derartige Ohrstöpsel ist jedoch in der Software hinterlegt und schafft den nötigen Ausgleich.

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Gute Leistung und lange Laufzeit

Das HP Envy 14 Spectre ist ein Ultrabook der zweiten Generation und daher noch nicht mit einem neuen Intel Ivy Bridge-Prozessor bestückt. Stattdessen werkelt eine Intel Core i5-2467M Dual-Core-CPU aus der Vorgängerreihe Sandy Bridge, wie üblich gestützt durch 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, im Glaskasten. Den 1,6-Gigahertz-Prozessor (GHz) mit integrierter Intel 3000 Grafik konnten wir bereits im Toshiba Satellite Z830 Test sowie im Asus Zenbook UX21E Test in Aktion sehen. Der Turbomodus verleiht ihm im Bedarfsfall bis zu 2,3 GHz, während der Grafikchip problemlos HD- und Full-HD-Filme stemmt. Um die Reserven zu prüfen, öffneten wir zwei Dutzend Browser-Tabs, ein Full-HD-Video im Mediaplayer und einen zweiten Full-HD-Clip bei YouTube. Beide Videos liefen ohne zu ruckeln, wobei dem Prozessor knapp 50 Prozent seiner Kapazität blieben und der RAM zu etwa zwei Drittel ausgelastet war. Ein Laufwerk ist nicht integriert.

Mit einer Thermal Design Power (TDP) von 17 Watt ist die Recheneinheit dennoch sparsam; selbst anspruchsvolle Benchmarks inklusive WLAN-Empfang und voller Display-Helligkeit ließen die Leistungsaufnahme in unserem Test nicht die 30-Watt-Marke überschreiten. Unter absoluter Auslastung, die im Alltag eher selten vorkommt, erreichte das Envy-Ultrabook mit seinem 4-Zellen-Akku eine Laufzeit von gut 2,5 Stunden. Videos ließen sich fast 6 Stunden lang abspielen. Die von HP angegebenen 9 Stunden sind auch zu schaffen, dann aber mit kleinen Pausen oder Sparmaßnahmen. Wer beispielsweise nur Dokumente liest und auf den WLAN-Empfang verzichtet, muss erst nach dem Spitzenwert zum Netzteil greifen.

SSD im Speed-Mittelfeld

Um Intels Vorgaben zum schnellen Aufwachen aus dem Ruhemodus zu erreichen, sind die Ultrabooks zumindest mit einer kleinen Aushilfs-SSD bestückt. Teurere Konfigurationen wie das HP Envy 14 Spectre radieren günstige HDDs aus und berufen sich ausschließlich auf eine SSD. Das 128-GB-Modell im Spectre verhalf Windows 7 zu einem Start innerhalb von 20 Sekunden; wir hatten bereits diverse Programme installiert. Auch durch beschleunigtes Starten von Programmen macht sich der Flashspeicher bemerkbar. In unserem Benchmark-Test reichten die Schreib- und Leseraten allerdings nicht an die Ergebnisse der flotten SSDs im Dell XPS 13 und Asus Zenbook UX21E, die bisherigen Spitzenreiter, heran. Mehr als 128 GB Speicher lassen sich nicht ordern, da HP nur eine Konfiguration anbietet.

Auffällig: Das Envy 14 Spectre arbeitet schön leise. Nur bei aufwendigen Aufgaben wie Grafik- oder CPU-Benchmarks unter Volllast konnten wir dem Laptop Betriebsgeräusche entlocken. Der recht hohe Ton, den wir auch bei anderen Ultrabooks bemerkten, ist nicht der angenehmste, nach getaner Arbeit aber schnell wieder verstummt. Wer im Internet surft, mit Dokumenten hantiert oder im Energiesparmodus einen HD-Film abspielt, kann das in Stille erledigen.

Auch Software-seitig hat HP seinem Ultrabook einige Zugaben verpasst. Käufer erhalten Adobe Photoshop Elements 10 sowie Premiere Elements 10 als kostenlose Vorab-Installation, im Handel werden dafür mehr als 100 Euro fällig. Wer über ein Android-Smartphone mit NFC-Technik verfügt, kann dieses außerdem mit dem Spectre-Modell koppeln. Mit HPs Touch to Share-App, die bei Google Play zum Download bereitsteht, lassen sich Websites aus dem Handy-Browser auf das Notebook übertragen, indem mit dem Telefon die linke Seite der Handballenauflage berührt wird. Weiteres Drahtlos-Feature: Mit HP Wireless Audio ist es möglich, den Laptop-Sound kabellos an Lautsprecher zu übertragen, die die KleerNet-Technologie unterstützen. Passendes Equipment gibt es von HP, auf der Spielemesse E3 wurde ferner ein kompatibles Gaming-Headset (Astro A50) vorgestellt. Im Ruhemodus kümmert sich Intels Smart Connect um E-Mails in Outlook oder Facebook-Updates. Auf Wunsch wacht das Ultrabook dann regelmäßig auf, um sich mit dem Internet zu verbinden.

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Fazit: Edel-Ultrabook zum hohen Preis

Wer schön sein will, muss leiden – das gilt in Maßen auch für HPs Envy 14 Spectre. Damit die außergewöhnliche Optik mit Glas auch wirklich neidisch (Envy = Neid) macht, ist der Putzlappen gefragt. Leiden muss außerdem der Geldbeutel. Mit rund 1.400 Euro ist das Notebook schlichtweg teurer als die anderen Ultrabooks mit identischer CPU. Zum gleichen Preis gibt es beispielsweise auch das Asus Zenbook Prime UX31A-R4003V mit IPS-Display in Full-HD, doppelter SSD-Kapazität und neuem Core i7. Der Vorteil: Intel hat mit der neuen Ivy Bridge-Generation die Grafikleistung verbessert, eigenen Angaben zufolge verdoppelt, so dass Titel wie Diablo III flüssig laufen können.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt und auf der Suche nach etwas Besonderem ist, der erhält mit dem Spectre ein schönes und flottes, wenn auch etwas schweres, Ultrabook. Zum Rundum-sorglos-Paket fehlt es aber an einem zusätzlichen USB-Port und einem helleren oder entspiegelten Display.

Name: Envy 14 Spectre (14-3000eg) 
Hersteller: HP
Internet: www8.hp.com/de/de/home.html
Preis: UVP: 1.399 Euro
Technische Daten
Prozessor: Intel Core i5-2467M mit 1,6 GHz 
Grafikkarte: Intel HD 3000 (integriert)
Bildschirm: 14 Zoll (1.600x900 Pixel), glänzend
Akku: 4-Zellen-Akku, Laufzeit: 155 Minuten unter Vollast / 540 Minuten Lesetest (WLAN aus) /
ca. 350 Minuten Videowiedergabe (Lautstärke + Display 50%, WLAN aus)
Speicher: 4 GB DDR3 (nicht erweiterbar)
Festplatte: 128 GB SSD
Laufwerk: -
Kommunikation: Gigabit LAN, WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth
Betriebssystem: Windows 7 Home Premium 64-bit
Abmessungen: BxTxH: 326 x 220 x 19 mm Millimeter; 1,8 Kilogramm
Anschlüsse: HDMI, DisplayPort, USB 3.0, USB 2.0, Kopfhörer/Mikrofon, SD-Kartenleser
Sonstiges: HD-Webcam, Tastaturbeleuchtung, Intel Wireless Display, Beats Audio, USB-Anschluss am Netzteil, Adobe Photoshop Elements, Adobe Premiere Elements
Lieferumfang: Notebook, Netzteil, Schutzhülle, Putztuch, Infoblatt
Benchmarks/Zahlen: Windows Leistungsindex:
CPU: 6,3 / RAM: 7,2 / 2D: 4,7 / 3D: 6,2 / HDD: 7,5

7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
16 Sek.

CPU-Benchmark: Cinebench 11.5: 1.95
PCMark 7: 3.175

Grafikchip:
Grafik-Benchmark FurMark; bei nativer Auflösung: 134 Punkte; 720p: 168
OpenGL: Cinebench 11.5: 8,29 BpS

HDD-Benchmark von CrystalDiskMark: Sequentielles Lesen/Schreiben:
222,9 / 176,1 MB/s;
zufälliges Lesen/Schreiben 512K:
160,1 / 178,5 MB/s
Energieverbrauch: Ausgeschaltet am Netz:
ca. 0,6 Watt
Eingeschaltet im Energiesparmodus:
ca. 7,6 Watt
Videowiedergabe im Energiesparmodus:
ca. 13,6 Watt
CPU-Benchmark-Test unter Höchstleistung (Displayhelligkeit 100%, WLAN + Bluetooth ein): ca. 28,8 Watt
Garantie: 2 Jahre Abhol- und Bringservice
(siehe HP Garantie)
Pro & Contra
ausgefallene Optik
gutes Display
SSD
lange Akkulaufzeit
leise im Betrieb
beleuchtete Tastatur
satter Sound
Zusatz-Software
schmutzanfällig
nur zwei beengte USB-Ports
hoher Preis
Displayhelligkeit
Bewertung:
Geschwindigkeit: 12/15
Ausstattung: 10/15
Display: 13/15
Bedienung/Komfort: 8/10
Maße/Gewicht: 13/15
Akkulaufzeit: 15/20
Verarbeitung: 9/10
Gesamt: 80/100 --- So testen wir Notebooks
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

Weiterführende Infos zum Thema:
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