Testbericht

Hannspad im Test: Android-Tablet für unter 300 Euro

Das Hannspad von Hannspree ist ein 10-Zoll-Tablet mit HD-fähigem Nvidia Tegra-2-Chip, Kartenleser und Flash-Support. Warum es teureren Tablets trotzdem nicht das Wasser reichen, zeigt unser Test.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Das Hannspree HANNSpad war einer der Tablet-PCs, der im Zuge der Android-Welle als Konkurrenz zum ersten Apple iPad anrollte. Die erste Generation der Androiden verlässt sich auf Android 2.2 alias Froyo, das Hannspad zählt mit seinem Hardware-Unterbau aber schon eher zur zweiten Generation: Im Innern des 10-Zoll-Tablets verrichtet ein Nvidia Tegra-2-Chip mit Dual-Core-Prozessor seinen Dienst. Mittlerweile kostet das Touchscreen-Gerät beim Hersteller nur noch 299 Euro, im Handel ist es ab rund 250 Euro zu haben. Die Stärken und Schwächen hat uns ein Testmuster vorgeführt.

Hannspree Hannspad Test – Inhalt

  • Seite 1: Design, Schnittstellen und Tastatur
  • Seite 2: Display und Videos, Apps und Oberfläche I
  • Seite 3: Apps und Oberfläche II, Browser und Flash
  • Seite 4: Akkulaufzeit, Fazit und Info-Tabelle

Solide, aber kein Design-Stück

Die Verarbeitung ist zwar insgesamt gut, dennoch sieht man dem Tablet seinen günstigen Preis an. Insbesondere der silberfarbene Kunststoffrahmen, der sich um das schwarze Gehäuse zieht, kann optisch nicht mit durchgestylten Gadgets mithalten. Die Rückseite ist matt und griffig, sodass das Gerät sicher festgehalten werden kann. Fingerabdrücke haben hier keine Chance, auf dem glatten, glänzenden Touchscreen sammeln sich dafür umso mehr an. Verglichen mit dem iPad 2 mit Dual-Core-Prozessor ist das rund 260 x 171 x 14 Millimeter (mm) große Tablet hochkant gehalten etwas länger und schmaler und – genau wie die von uns bereits getesteten Modelle Motorola Xoom und Samsung Galaxy Tab 10.1v – deutlich dicker: Das neue iPad misst nur 8,8 mm. Auf die Waage bringt das Hannspad 750 Gramm. Schaut man sich unseren Tablet PC Vergleich an, stellt man fest, dass das Tablet von Hannspree damit eher zu den schwereren Kalibern gehört. Das iPad 1 und das Xoom 3G wiegen rund 730 Gramm, das iPad WiFi ist mit 601 Gramm wesentlich leichter. Ob 600 oder 750 Gramm in der Tasche von A nach B getragen werden, ist unerheblich. Im alltäglichen Gebrauch ist das höhere Gewicht aber dennoch spürbar, da das Tablet schließlich überwiegend in den Händen gehalten wird.

Geteilte Tastatur

Dass das Tablet keine Feder ist, macht sich vor allem im Hochformat bemerkbar. Längere Passagen mit den Daumen zu tippen, wäre die Eingabemethode der Wahl, das fällt aber schwer. Im Querformat hat das Hannspad etwas, was zum Beispiel das iPad 2 erst mit dem Update auf iOS 5 erhält: eine zweigeteilte Tastatur. Da echtes 10-Finger-Schreiben auf einem Tablet ohnehin nicht möglich ist, hilft das Auseinanderpflücken der Tasten dem Schreibfluss etwas auf die Sprünge. Leider ist das Gerät beziehungsweise die Tastatur im Querformat zu breit, um alle Tasten zu erreichen, wenn der Nutzer es mit beiden Händen festhält. Der Touchscreen lässt sich ganz gut bedienen, will aber mit mehr Kraft berührt werden als ein Galaxy-Tab- oder iPad-Display.

Mit Mikrofon, ohne Webcam

Legt man das Hannspad auf dem Tisch ab, wird der rückwärtige Lautsprecher verdeckt und gibt dann nur noch dumpfen Sound ab. Ansonsten ist seine Position sinnvoll gewählt, die Finger kommen ihm beim Festhalten nicht in die Quere. Der Klang ist okay, wer ernsthaft Musik hören möchte, kann an einer 3,5-Millimeter-Audiobuchse auch herkömmliche Kopfhörer anschließen. Ein Mikrofon ist ebenfalls eingebaut, da keine Webcam vorhanden ist, dürfte sich seine Nutzung auf Sprachmemos beschränken. Der Ein-/Ausschalter sowie die Lautstärkeregler liegen oben, Mini-HDMI, Mini-USB und ein Slot für Micro-SD-Speicherkarten findet der Nutzer an der linken Seite vor. Damit lässt sich der 16 Gigabyte (GB) große interne Flashspeicher um bis zu 32 GB erweitern. Auch das Netzteil wird an der Seite angeschlossen, über das mitgelieferte USB-Kabel lassen sich zwar Daten zwischen PC und Tablet hin- und herschicken, der Akku lädt sich so aber nicht auf. Ein Kabel mit Mini-HDMI-Stecker, um Videos und Fotos an einen Fernseher zu übertragen, packt der Hersteller übrigens nicht dazu.

Das 10,1-Zoll-Display bietet die von Netbooks bekannte 1.024x600-Auflösung und damit zu wenig Pixel für eine Wiedergabe in HD, obwohl der Tegra-2-Chip dazu fähig ist. An Bord sind zwei Videoplayer, wobei der ES Player HD-Videos in 720p flüssig abspielt, während der andere Player in unserem Test leichte Ruckler erkennen ließ. Die von uns ausprobierten 1080p-Clips liefen alle nicht einwandfrei. Die zugesicherte Unterstützung von WMV-Videos konnten wir nicht bestätigen, im Test ließen sich entsprechende Videos nicht abspielen. Farblich kann das Display überzeugen, seine große Schwäche sind die Blickwinkel. Wer das Tablet oder den Kopf nur leicht neigt, muss mit einer stark verschlechterten Darstellung rechnen. Kommen dann noch Spiegelungen hinzu, wird es umso schwieriger, alle Details in einem Video oder Texte auf Websites noch zu erkennen.

Hannspree Hannspad Test – Inhalt

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Angepasste Oberfläche deckt Android 2.2 ab

Wie andere Tablets der Prä-Honeycomb-Ära wird das Hannspree Hannspad noch über physische Tasten bedient. Die drei zentralen Steuerelemente, Home, Menü und Zurück, wurden in Form von berührungsempfindlichen Tasten im schwarzen Displayrahmen untergebracht. Wer durch ein Smartphone oder Tablet bereits mit Android 2.2 vertraut ist, wird vom Hannspad aber mit einer abweichenden Benutzeroberfläche überrascht.

Der Hersteller hat das Tap'nTap-Interface Version 1.2 auf das Android-OS gebügelt. Verglichen mit dem herkömmlichen Android-2.2-Interface zeigt sich ein gänzlich ungewohntes Bild, sogar der Menüpunkt mit den Einstellungen ist nicht wiederzuerkennen, das aber im positiven Sinne. Die Oberfläche schenkt dem ursprünglich für Handys entwickelten Mobilsystem an dieser Stelle mehr Tablet-Tauglichkeit: Wie bei Android 3.0 sind die Einstellungen zweispaltig und daher übersichtlicher. Eine ausziehbare Statusleiste, über die andere Andoid-Tablets oder -Smartphones den Nutzer direkt auf verschiedene Einstellungen zugreifen lassen, gibt es beim Hannspad aber nicht. Symbole für den WLAN-Empfang, die Lautstärke und neue Ereignisse (wie verfügbare Updates oder neue E-Mails) werden am oberen Display-Rand eingeblendet. Allerdings sind nicht alle anklickbar, eine Berührung des WLAN-Symbols führt ins Einstellungsmenü, das Lautsprecher-Icon besitzt hingegen nur eine anzeigende Funktion.

Leider kein Zugang zum Android Market

Nicht nur der Kalender, der sich beim Hannspad mit drehbaren Rädchen handhaben lässt, auch die Punkte Kontakte und E-Mail sind grundverschieden. Wohl auch, weil das Tablet – und das ist der Haken – nicht für den Android Market und somit nicht für Googles Apps freigegeben ist. So sind die Kontaktdaten der Freunde per Ersatzanwendung zwar von Google Contacts importier-, aber nicht exportierbar, und es finden sich weder die Google Suche mit Spracheingabe noch Google Maps, Mail oder Google Talk.

Ab Werk installiert sind ein Taschenrechner, der Adobe Reader zur PDF-Anzeige, ein Explorer, Apps für Tabellen (PlanMaker Mobile), Textdokumente (TextMaker Mobile) und Präsentationen (Presentations Mobile), Libreka zum Download und Lesen von E-Books und das beliebte Spiel Angry Birds. Die Symbole für Facebook und YouTube rufen aber anstelle der Android-App die jeweilige Website auf. Nachschub an Apps liefert ausschließlich das integrierte Android Pit App Center mit knapp 4.800 Anwendungen. Zwar ist Googles Android Market mit mehr als 200.000 Apps mittlerweile auch per Browser erreichbar, das ändert aber nichts daran, dass nunmal nicht alle Programme kompatibel sind. Theoretisch lassen sich Apps alternativ als .apk-Datei auf das Tablet laden und manuell installieren, was in unserem Test mit der Karteikartenanwendung Ankidroid auch problemlos funktionierte. In der Praxis kann es jedoch schwierig sein, an die entsprechende Datei zu gelangen. Unter anderem, weil sie nicht jeder Entwickler auf seiner Website zum Download bereitstellt.

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Änderungen nur eingeschränkt möglich

Auch auf die nach den persönlichen Vorlieben gestaltbaren Homescreens muss der Nutzer verzichten. Über eine Wischbewegung nach rechts oder links wechselt das Hannspad zwar zum nächsten Bildschirm, die dort arrangierten Widgets – eine Uhr, ein Notizblock mit Einkaufszettel und Nachrichten – sind aber fest vorgegeben und lassen sich weder löschen noch erweitern. Lediglich am unteren Bildschirmrand befindet sich eine Leiste mit Verknüpfungen, die Handlungsspielraum bietet. Auffällig: Vom Klick auf eine Schlagzeile im News-Widget bis zur fertiggeladenen News dauert es eine Weile, was angesichts einer guten WLAN-Verbindung und des Tegra-2-Chips nicht nachvollziehbar ist. Die Tatsache, dass sich Seiten im Browser sehr viel schneller öffnen, schiebt die Schuld der App zu.

Browser und Flash-Unterstützung

Der Browser wurde ebenfalls ausgewechselt und unterstützt auch Flash-Inhalte. YouTube-Videos lassen sich direkt über die Hauptseite problemlos abspielen, ganz so nett wie bei Android Honeycomb klappt es aber nicht. So will sich zum Beispiel die Anzeige zum Verstellen der Videoqualität nicht richtig öffnen, was ab Android 3.0 genau so gut wie mit dem PC oder Notebook funktioniert. Eine YouTube-App steht im App-Shop nicht bereit. Der Browser lässt sich ähnlich bedienen wie Safari auf dem iPad 2, ein Klick auf das Fenstersymbol lässt den Nutzer zwischen den gerade geöffneten Fenstern wechseln. Tabbed Browsing zählt nicht zum Funktionsumfang.

Wer ein Pad 2 und ein Hannspad einem direkten Vergleich aussetzt, muss zugeben, dass das Hannspree Gerät nicht nur optisch weniger perfekt ist. Im Ruhezustand ist das Apple Tablet zum Beispiel deutlich sparsamer. So verliert das iPad 2 pro Tag etwa 3 Prozentpunkte Akkukapazität, das Hannspad hingegen rund 14 und ist daher wesentlich schneller leer. Auch öffnen sich Apps auf dem iPad 2 noch schneller. Dem Hannspad fehlt es zudem an einer komfortablen Möglichkeit, von Anwendung zu Anwendung zu wechseln. Wurden verschiedene Apps geöffnet, halten sie sich zwar im Hintergrund bereit, das Zappen erfordert aber den Umweg über das Menü.

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Fazit: Günstig, aber viele Schwächen

Das Hannspad von Hannspree punktet mit einem günstigen Preis, Nvidia Tegra 2, Android, einem Kartenleser, mini-HDMI und Flash-Unterstützung. Auch die geteilte On-Screen-Tastatur ist praktisch, die Anpassung des Bildschirminhalts beim Drehen des Tablets erfolgt sehr zügig. Allerdings hakt es an verschiedenen Stellen. So ist die Menü-Taste, die in Anwendungen normalerweise Einstellungsoptionen aufruft, überwiegend funktionslos, und längeres Antippen des Home-Buttons ruft entgegen der Angaben im Handbuch nicht die zuletzt ausgeführte App auf. Schade ist auch, dass sich nicht alle Statusymbole direkt anklicken lassen. Wer beispielsweise vom lautlosen Betrieb wieder zum Musikhören wechseln möchte, muss sich zwangsläufig durch das Menü klicken, anstatt eben den Lautsprecher anzutippen. Der an sich logische Punkt, die Medienwiedergabe vom Lautlosmodus auszuschließen, zeigt keine Wirkung. Schwerer wiegen aber die Punkte Display und Apps. Der kaum ein Neigen verzeihende Bildschirm und der versperrte Market-Zugang lassen einen großen Teil der Freude am Tablet auf der Strecke bleiben.

Name: HANNSpad
Hersteller: Hannspree
Internet: www.hannspree.com/eu/de
Preis: zum Marktstart 379 Euro, zum Testzeitpunkt 299 Euro

für 199 Euro
(Stand: 07/2011)
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 2 – ARM A9 Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll (1.024x600 Pixel) kapazitiver Multi-Touchscreen
Speicher: 16 GB Flash Speicher
Akku: Herstellerangabe: 8 Stunden. Gemessen: Videowiedergabe (WLAN ein, Display + Sound 50%) 6 Stunden, Musikwiedergabe 17 Stunden, Standby 6 Tage
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth 2.1
Betriebssystem: Android 2.2 (Froyo) mit Tap UI
Abmessungen: HxBxT: 260 x 170 x 14 Millimeter; 750 Gramm
Anschlüsse: Mini-USB 2.0, Mini-HDMI, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD-Slot
Formatunterstützung: MPEG1, MP3, WMA, WMV, MOV, MPEG 4/H.264, BMP, GIF, JPG, PNG
Sonstiges: G-Sensor, Lichtsensor
günstiger Preis
Mini-HDMI
Speicherkarten-Slot
HD-fähiger Tegra-2-Chip
stark spiegelndes Display
kein Multitasking
keine Unterstützung des Android Market
lädt nicht über USB
keine Webcam, kein GPS
keine UMTS-Version erhältlich
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Display (20%): befriedigend
Bedienung/Handhabung (15%): befriedigend
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: befriedigend (2,6)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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