Testbericht

Handy orten und Diebstahlschutz: Apps für Android im Test

Panik: Der Griff in die Tasche führt ins Leere, das Smartphone ist weg. Was nun? Ja, auch dafür gibt es Apps. Wir haben drei populäre Verteter getestet und verraten, wer uns am besten gefallen hat.

Handy orten und Diebstahlschutz Apps für AndroidVon links nach rechts: Android Lost, Prey und Cerberus.© Google Play Store

Fotokamera, Routenplaner, Währungsrechner und Wörterbuch - gerade auf Geschäftsreisen und im Urlaub ist ein Smartphone oder Tablet PC ein hilfreiches Allzweck-Tool. Zusammen mit den praktischen Anwendungen trägt so mancher Nutzer automatisch aber auch jede Menge Persönliches mit sich herum: Umso mehr sensible Daten, Fotos, Apps und Passwörter auf dem mobilen Gerät gespeichert sind, desto stärker das flaue Gefühl in der Magengegend, wenn das geliebte Technikspielzeug gestohlen wurde oder verloren geht. Zum finanziellen Aspekt kommen dann auch Sorgen darüber hinzu, was der Dieb oder ein möglicher Finder nun damit anfangen könnte. Wir stellen mit Android Lost, Cerberus und Prey drei Android-Apps vor, mit den sich mit etwas Glück der Datenmissbrauch verhindern lässt. Im besten Fall findet das Smartphone seinen Weg zurück zum rechtmäßigen Besitzer.

Android Apps zur Diebstahl-Vorsorge

Die Funktionsweise der kleinen Programme ist dabei ähnlich. Nach Installation der App ist es zunächst erforderlich einen entsprechenden Account anzulegen, mit dem das Smartphone dann verknüpft ist. Anschließend kann mit Hilfe eines Web-Interfaces das Handy geortet werden.

Die Möglichkeiten zur Manipulation, die die Apps bieten, sind dabei zahlreich. Die Optionen reichen von simplen Textnachrichten, Alarmsignalen (trotz Stummschaltung), Sperren des Bildschirms, Foto-, Video- und Sprachaufnahmen bis hin zum kompletten Zurücksetzen des Geräts inklusive der Formatierung der SD-Karte. Das Löschen der Daten schützt die Privatsphäre aber nur bedingt. In unserem Versuch, die Daten mit Hilfe einer kostenlosen Recovery Software wiederherzustellen, waren wir binnen weniger Minuten erfolgreich. Selbstverständlich kann im Idealfall via GPS und Netzwerkdaten auch der genaue beziehungsweise ungefähre Standort des Smartphones ermittelt werden. Auch ein eventueller SIM-Kartentausch wird von allen drei Programmen bemerkt, in diesem Fall erhält der Nutzer eine E-Mail mit der jeweiligen SIM-Kartennummer. Hinweis: Funktionen wie das Neustarten oder Herunterfahren lassen sich ausschließlich mit gerooteten Android-Smartphones nutzen.

Sollte beim Verlust des Smartphones kein Internetzugang zur Verfügung stehen, haben die Entwickler ebenfalls vorgesorgt. In diesem Fall kann die App mit Hilfe der guten alten SMS "scharfgeschaltet" werden. Auch dafür stehen zahlreiche Möglichkeiten bereit.

Android Lost (Beta): Kostenlos und funktionsstark

Die englischsprachige App Android Lost ist in der Basis-Version kostenlos, einige Premium-Funktionen stehen allerdings nur zahlenden Kunden zur Verfügung. Für unsere Zwecke ist die Basis-Version aber mehr als ausreichend. Von dem kruden Design der App sowie des Web-Interfaces sollte man sich nicht abschrecken lassen - hinter der altbackenen Fassade versteckt sich ein praktischer Helfer im Notfall.

So löscht Android Lost mit dem SMS-Befehl androidlost wipe sämtliche Daten auf dem Handy, androidlost data start hingegen aktiviert die Datenverbindung, falls der Finder/Dieb diese deaktiviert haben sollte. Achtung, für die Steuerung per SMS muss bei Android Lost zuvor eine Handynummer im Web-Interface oder eine PIN hinterlegt werden.

Damit Langfinger nicht direkt mit der Nase auf die Anti-Diebstahl stoßen, installiert sich Android Lost selbst unter dem Namen "Personal Note" mit einem entsprechend unauffälligen Icon. Dieses Icon lässt sich zudem verstecken und ist so nur unter dem Punkt Einstellungen -> Anwendungen aufzuspüren.

Android Lost bietet viele Möglichkeiten und hat in unserem Test zuverlässig funktioniert, bis auf das Feature Voice Recording. Die karge Optik sowie die englischsprachige Menüführung dürften aber nicht Jedermanns Sache sein. Die Premium-Version kostet 5 US-Dollar, was derzeit etwa 3,35 Euro entspricht und erlaubt den Fernzugriff auf die Handydaten. Im Notfall können so beispielsweise die geliebten Fotos heimlich im Hintergrund auf den Rechner heruntergeladen werden, was während der Testphase auch klappte. Der Entwickler betont aber, dass die Weiterentwicklung der Premium-Features nicht an erster Stelle steht und der Betrag eher als Spende anzusehen ist.

Prey: Schicke Überwachung zum Nulltarif

Optisch deutlich schicker und auf deutsch kommt dagegen die Software Prey daher, dafür ist der Funktionsumfang aber geringer als bei der Konkurrenz. So sind "nur" Foto-Aufnahmen, Standort- und Netzwerkinformationen, das Sperren des Handys und Mitteilungen an den Finder möglich. Prey kann wahlweise über das browser-basierte Prey-Kontrollzentrum oder per SMS aktiviert werden. Der SMS-Aktiverungscode lässt sich dabei selbst wählen. Nach der Aktivierung arbeitet Prey mit den vorgegebenen Parametern im Hintergrund selbständig weiter und verschickt wo immer möglich Statusberichte mit Fotos und Informationen zum Aufenthaltsort.

Auch Prey kann sich vor unwissenden Dieben auf dem Smartphone verstecken. Im Camouflage-Modus tarnt sich Prey als Online-Spiel. Das Icon ganz verschwinden zu lassen, ist aber nicht möglich.

In der kostenlosen Version erlaubt Prey mit einem Account bis zu drei Geräte, was im Regelfall auch vollkommen ausreichen dürfte. Günstig fällt ein Pro-Account (beispielsweise für Familien mit bis zu zehn Geräten) mit 15 US-Dollar, etwa 11,50 Euro, im Monat nämlich nicht gerade aus

Cerberus: Gut investiertes Kleingeld

Am besten gefallen hat uns im Test die Cerberus-App. Zahlreiche Funktionen und ein einfaches, aber logisches Web-Interface mit direktem Feedback an den Nutzer machen Cerberus in diesem Vergleich zum Testsieger. Mit Cerberus konnten wir sogar "heimlich" Gespräche mitschneiden, die Qualität reicht dabei locker aus, um jedes Wort zu verstehen. Android Lost bietet zwar ebenfalls eine Sprachaufnahme, die bei uns aber nicht klappen wollte. Darüber hinaus können versierte Android-Nutzer Cerberus mit Hilfe eines modifizierten ROMs dauerhaft installieren. Zudem existiert eine alternative Version auf der Website , die sich ähnlich wie bei Android Lost als "System Framework" tarnt.

Cerberus ist im Vergleich zu seinen beide Kollegen nicht kostenlos. Für eine dauerhafte Nutzung werden einmalig 2,99 Euro fällig, damit lassen sich bis zu fünf verschiedene Endgeräte mit dem virtuellen Wachhund bestücken. Ein fairer Deal. Die reguläre App aus dem Market erlaubt ein einwöchiges Antesten. Die Web-Oberfläche fällt im Vergleich zu Prey etwas schlichter aus, bietet von allen Programmen aber das beste Feedback an den Nutzer.

Fazit: Cerberus bei Bedienung und Funktionsumfang vorn

Die drei Apps wurden in der Praxis erfolgreich getestet, funktionierten zuverlässig und sind allesamt empfehlenswert. Unser Test-"Dieb" hat vorsorglich WLAN, Datenverbindungen und GPS deaktiviert. Trotzdem gelang uns bereits nach wenigen Minuten mit Hilfe einer Notfall-SMS die genaue Ortung des Smartphones - und das trotz einer knappen GPRS-Verbindung. Auch Fotos wurden sicher übertragen. Mit Cerberus konnten wir den Dieb praktisch in Echtzeit auf den Meter orten. Natürlich sollte noch erwähnt werden, dass die Programme gegen professionelle Langfinger nur eine kleine Hürde darstellen. Bei Gelegenheitsdieben sieht die Sache schon wieder anders aus.

Direkte Links zu Google Play:

(Marcel Petritz)

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