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Handschmeichler: Der o2 XDA Orbit im Test

Auf dem Papier ist er der Traum eines jeden Technikfreundes: Merkmale wie GPS und WLAN lassen viele Herzen höher schlagen. Doch hält der vermeintliche Alleskönner, was er verspricht? Wir haben es getestet.

o2© Telefónica
Es ist durchaus etwas Besonderes, die Verpackung des XDA Orbit zu öffnen. Gerade dann, wenn man bisher nur Handys gewöhnt war, die primär zum Telefonieren konzipiert wurden. Der Orbit ist anders: Er will gar kein Handy, sondern mehr sein. Doch wird der kleine Handschmeichler seinem Anspruch gerecht?

Erstkontakt

Die erste Berührung macht schon Lust auf mehr. Der exklusiv vom Mobilfunker o2 vertriebene XDA Orbit liegt mit seinen rund elf Zentimetern Länge gut in der Hand und ist mit 17 Millimetern angenehm dünn. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Gewicht - der Orbit wiegt 129 Gramm. Die Verarbeitung ist hochwertig, wirkt wie aus einem Guss. An keiner Stelle knackt das Plastik, wenn etwas fester zugepackt wird und auch die Tasten unter dem 240 x 320 Pixel großen Touchscreen machen einen soliden Eindruck.

Zur Technik: Im Inneren des XDA verrichtet ein OMAP 850-Prozessor mit 201 Megahertz von Texas Instruments seinen Dienst. In anderen Modellen des Orbit-Herstellers High Tech Computer (HTC) kommen auch Chips mit mehr Leistung zum Einsatz. Die 201 Megahertz des XDA Orbit reichen jedoch auch für rechenintensive Anwendungen wie Skype völlig aus. Ein Highlight ist der integrierte GPS-Chip mit 20 Kanälen (SiRF Star III). Auch ein FM-Radio mit RDS-Funktion ist mit an Bord. Telefonie ist dank Quadband in allen Netzen der Welt möglich, GPRS der Klasse 10 wird ebenso unterstützt wie EDGE.

Ausreichend Speicher

Der Gerätespeicher ist 128 Megabyte (MB) groß, der RAM besteht aus 64 MB. Durch eine MicroSD-Karte kann die Kapazität um bis zu zwei Gigabyte ausgebaut werden. Der 1.250 mAh-Akku mit Lithium-Ion-Polymertechnik versorgt das Gerät im reinen GSM-Betrieb bis zu 200 Stunden mit Strom. HTC schätzt den GPS-Betrieb auf bis zu fünf Stunden. Auch an Schnittstellen geizt der Orbit nicht: An der Unterseite befindet sich ein Mini-USB-Slot, der gleichzeitig auch als Audio-Anschluss für das Headset dient. Außerdem wird er zur Synchronisation mit dem PC und zum Laden des Akkus genutzt. Schnurlos funkt der Orbit per WLAN (IEEE 802.11 b/g) und Bluetooth 2.0. Das WLAN-Modul erlaubt einen nicht unbedingt zeitgemäßen Datendurchsatz von mageren elf Megabit pro Sekunde. Diese Leistung reicht fürs normale WLAN-Surfen jedoch völlig aus. Zurück zur Hartschale. Unter dem 65.536 Farben darstellenden, berührungsempfindlichen Display befindet sich ein silbernes Trackrad. In der Mitte sitzt ein Trackball, der bei Berührung blau aufleuchtet. Daneben sind die acht Steuerungstasten des Orbit zu finden: darunter die klassischen Telefonie-Tasten (abheben, Ruf annehmen), sowie zwei Navi- und vier Service-Tasten fürs mobile Surfen oder den schnellen Zugriff aufs GPS. Wem die Werks-Programmierung der Tasten nicht gefällt, der kann diese über die Systemsteuerung des Betriebssystems Windows Mobile 5.0 beliebig ändern.

Schneller Zugriff

Weitere Knöpfe befinden sich an den Außenseiten des XDA Orbit. Links wird direkter Zugriff auf die Sprachwahl gewährt - auch kann die Lautstärke von Windows und der Ruftöne angepasst werden. Gegenüberliegend befindet sich zum einen der Anschaltknopf, der gleichzeitig auch das Display ein- oder ausschaltet - daneben liegt der Auslöser für die Kamera, der diese mit einem Klick aktiviert. Die Zwei-Megapixel-Linse bietet eine Auflösung von maximal 1.600 x 1.200 Pixel und zoomt digital auf Wunsch zehnfach an das Zielobjekt heran.

Die Qualität der Bilder ist in Ordnung. Natürlich lässt sich damit kein Preis gewinnen. Für eine Handy-Kamera sind die Ergebnisse aber durchaus akzeptabel. Schade ist, dass kein Blitzlicht seinen Weg in die Rückseite des Orbits gefunden hat. Damit wären auch Bilder zu schlechten Lichtverhältnissen möglich, was man so leider nicht behaupten kann. Die Kamera macht nur Spaß, wenn es hell ist. Neben einfachen Einzelfotos beherrscht die Orbit-Kamera auch eine Serienbild-Funktion: Damit werden bis zu 30 Bilder geschossen, solange der Auslöser gedrückt wird. Volle zwei Megapixel erreicht jedoch ausschließlich der Einzelbildmodus. Video- und Serienbildaufnahmen sind maximal 176 x 144 beziehungsweise 640 x 480 Pixel groß.


Bedienung

Die Bedienung des Orbit ist nach einer kurzen Gewöhnungsphase kinderleicht. Der rechts unten am Gerät versteckte Stylus-Pen dient als Maus-Ersatz. Wer Spaß daran hat, kann alternativ auch den Trackball verwenden und wie auf einem Desktop bewegen. Dazu muss der Daumen sanft über den Trackball gestrichen werden - hierzu ist einiges Feingefühl nötig, diese Art der Navigation dürfte insofern nicht jedermanns Sache sein. Ansonsten gilt: Wer Windows für den PC kennt, der wird auch mit Windows Mobile keine Probleme haben. Besonders positiv ist die extrem einfache Erweiterbarkeit von Windows Mobile. Software, die in einer Installationsdatei daher kommen (.exe), lassen sich mit dem mitgelieferten Programm ActiveSync ganz einfach vom heimischen Rechner auf den Orbit übertragen. Alternativ können Cabinet-Archive (.cab) auf den Speicher des Orbits geladen und von dort aus ausgeführt werden. Windows Mobile erkennt solche Archive als Installationsdateien und erlaubt so die Installation.

Programmvielfalt

Emfpehlenswert sind der Dateimanager Total Commander, Skype Mobile und der MortPlayer. Ebenfalls für viele interessant könnte der WLAN-Sniffer WiFiFoFum 2 sein. Als praktisch erweist sich auch die kostenlose Erweiterung Calendar+ - diese zeigt dem Orbit-Nutzer auf dem Startbildschirm (auch "Heute"-Bildschirm genannt) alle Termine der kommenden Tage an und umgeht somit eine Schwachstelle des Betriebssystems - Windows Mobile zeigt nur die Termine des aktuellen Tages. Eine Option, auch Termine der kommenden Tage anzuzeigen, existiert nicht. Calendar+ bietet hingegen genau das mit an.

Ein weiterer Minuspunkt an Windows Mobile ist der Fakt, dass Programme beim Anklicken des X-Symbols nicht geschlossen werden, sondern im Hintergrund weiterlaufen. Dadurch verlangsamt sich die Rechenleistung des XDA mit der Zeit. Hier schafft das Programm "X-Button" Abhilfe. Nach der Installation sorgt ein langer Klick auf das X-Symbol auch wirklich dafür, dass das Programm geschlossen wird.


Der Heute-Bildschirm, einmal mit und einmal ohne Calender+

Lahmer Transfer

Negativ ist, dass der Datentransfer zwischen PC und XDA Orbit via ActiveSync im Schneckentempo vonstatten geht. Hat man beispielsweise vor, diverse Musiktitel oder gar ganze Alben auf die MicroSD-Karte zu überspielen, kann dies je nach Dateimenge schon bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen.

Nimmt man die MicroSD-Karte hingegen aus dem Orbit und liest sie mit einem SD-Adapter in einem Cardreader ein, geht der Transfer um ein Vielfaches schneller. Leider ist der Ausbau der MicroSD-Karte dermaßen nervig (Akku raus, SIM raus, dann erst MircoSD-Karte raus), dass dies nur in sehr wenigen Fällen eine Alternative darstellt. Doch zurück zur Anwendungssoftware: Der XDA Orbit glänzt mit seinen Organizer-Funktionen. An den PC gestöpselt synchronisieren sich die in Microsoft Outlook angelegten Termine und Kontakte mit denen auf dem Orbit und umgekehrt. Mobil E-Mails checken verhält sich fast so einfach, wie auf dem heimischen Rechner - der Orbit lässt dem Nutzer dabei die Wahl, ob per WLAN, GPRS oder USB mit dem E-Mail-Account verbunden werden soll.

Und das Tippen?

Der XDA Orbit bietet seinem Eigentümer diverse Möglichkeiten, ihn mit Text zu füttern. Standardmäßig ist eine Bildschirmtastatur mit an Bord. Diese arbeitet zuverlässig, ist jedoch von Älteren nur mit Lesebrille zu nutzen. Ebenfalls mit an Bord ist der so genannte, lernfähige "Transcriber": Dieser wandelt mit dem Stylus Stift auf dem Display getätigte Strichzüge in Wörter um. Leider arbeitet er nicht immer zuverlässig und macht beispielsweise oft aus einem kleinen "b" eine "9".

Effektiver arbeitet da der Strichzugerkenner. Hier muss jeder einzelne Buchstabe in einem abgesteckten Feld mit einem Strich eingegeben werden. Solche Buchstaben, die eigentlich zwei Striche benötigen (ein "T" beispielsweise), müssen streng nach Vorgabe eingegeben werden, was Übung erfordert.


Auf dem linken Bild die kleine Standard-Tastur - rechts das Phone Pad

"Phone Pad" am besten

Am besten ist da immer noch die gute, alte Texterkennung per T9. Eine solche Option befindet sich leider nicht im Lieferumfang, kann jedoch durch eine kostenlose Erweiterung von HTC ganz einfach aufgespielt werden. Das Tool erlaubt sogar die Texteingabe mit dem Finger. So muss nicht immer der Stylus Stift gezogen werden. Wer an der kostenfreien Erweiterung interessiert ist, kann sie sich kostenlos von unserem Server herunterladen. Einfach die .cab-Datei auf den XDA kopieren, ausführen und das "Phone Pad" aus den Eingabemöglichkeiten wählen. Die wohl beste mitgelieferte Applikation ist TomTom Navigator 6. Die Navigationssoftware erlaubt es dem Nutzer, sich kostenfrei durch Deutschland, Österreich und die Schweiz lotsen zu lassen. Das Kartenmaterial befindet sich auf der mitgelieferten 512 Megabyte MicroSD-Karte, kann jedoch im Falle der Nutzung einer ein oder zwei Gigabyte-Karte auch auf diese überspielt werden.

TomTom Navi

Die Bedienung ist idiotensicher: TomTom laden, Zielort eingeben, gegebenenfalls Routenoptionen definieren und los geht die Reise. Die Berechnung der Route geht trotz des vergleichsweise langsamen Prozessors extrem schnell von der Hand und dauert auch bei weiteren Strecken nur Sekunden. Dafür kann es etwas länger dauern, bis das GPS-Signal hergestellt ist.

Um dies zu beschleunigen, können die aktuellen Satellitendaten vor Fahrtantritt über das vorinstallierte Tool QuickGPS heruntergeladen werden. Ist das nicht möglich, muss man eben etwas länger warten, bis ein GPS-Signal gefunden ist. Und wer sich jetzt fragt, wo der Orbit während der Reise angebracht werden soll, dem sei gesagt, dass eine KFZ-Halterung von HR und ein KFZ-Ladekabel im Lieferumfang enthalten sind.


Durch die drehbare Displayansicht zeigt TomTom den Weg im Hoch- oder Querformat

Gutmütige Beigaben

Doch nicht nur das Navi-Zubehör erfreut den Käufer, auch durchweg in deutscher Sprache verfasste, 242-seitige Betriebsanleitung überrascht. Die mitgelieferte PDA-Tasche aus Kunstleder macht ebenso einen guten Ersteindruck. Bei näherem Betrachten stört, dass an dem Etui kein Gürtelclip angebracht ist. Da der Orbit zum Telefonieren aus der Hülle entnommen werden muss, erschließt sich dem Betrachter kein wirklicher Sinn. Display-Schutzfolien erzielen dagegen einen größeren Nutzen: Sie lassen den Orbit so schlank wie er ist und sehen beim Telefonieren nicht peinlich aus.

Fazit: Der o2 XDA Orbit sieht nicht nur gut aus, er überzeugt auf ganzer Linie. Wer das Gerät einen Tag lang seinen treuen Begleiter nennen durfte, ist von seinem Virus infiziert. Kein derzeit erhältlicher PDA ist gleichzeitig so sehr und doch so wenig Handy. Die Bedienbarkeit ist kinderleicht, das Betriebssystem lässt sich fast grenzenlos erweitern, GPS und TomTom-Navigation sind mit an Bord - wäre der Orbit doch nur UMTS-fähig. Umso erfreulicher, dass der kleine Handschmeichler seit Kurzem in Verbindung mit o2 Genion L nur noch 79 Euro kostet. Der Preis ohne Vertrag ist mit 550,- Euro aber mehr als gerechtfertigt.

(Michael Müller)

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