Testbericht

Google Nexus 7 im Test: Apple & Amazon aufgepasst

Kostet ein Tablet mit aktueller Android-Version nur 199 Euro, legt sich die Stirn in Falten: Kann das etwas taugen? Das Google Nexus 7, hergestellt von Asus, ist das erste Tablet mit Android 4.1 Jelly Bean und zu diesem Schnäppchenpreis sogar mit einem Quad-Core-Prozessor bestückt. Wir finden: Apple und Amazon müssen sich warm anziehen.

Google Nexus 7© Google / Asus

Nicht nur beim Notebook-Kauf, auch bei der Wahl eines Tablet PCs stellt sich die Frage nach der geeigneten Größe. Fast jeder Hersteller bedient von 7 bis 10 Zoll ein weites Feld – nur Apple (bislang) nicht. Bis im Oktober vielleicht tatsächlich ein 7 Zoll großes iPad mini erscheint, freut sich Amazon mit seinem Kindle Fire zum Kampfpreis von 199 Dollar über zahlreiche Käufer, auch wenn genaue Angaben über die Verkaufszahlen ausbleiben. Hierzulande war das Günstig-Tablet bislang nicht zu haben, das wird sich aber am 25. Oktober ändern: Dann starten das Kindle Fire und Kindle Fire HD in Deutschland. Spannend ist das auch deshalb, weil Google zu diesem Zeitpunkt seit zwei Monaten sein Nexus 7 im Angebot haben wird. Das 7-Zoll-Tablet ist zum Preis ab 199 Euro ein starker Konkurrent und außerdem das erste Tablet mit Android 4.1 alias Jelly Bean. Was taugt das günstige Gerät?

Guter erster Eindruck

Wurde das 199x120x10,5 Millimeter große Nexus 7 aus seiner hübschen Verpackung geholt, stellt sich sofort ein erster positiver Eindruck ein. Von einem Tablet, das deutlich günstiger ist als vergleichbare Mitbewerberexemplare mag der eine oder andere im Vorfeld keine so gute Verarbeitung und Optik erwarten, wie sie das Nexus letztendlich bietet. Das von Asus hergestellte Modell wirkt an keiner Stelle billig. Im Gegenteil, das für 7 Zoll nicht unübliche Gewicht von 340 Gramm sorgt zusammen mit der griffigen, dunkelbrauenen Rückseite für eine solide Aufmachung. Zwar besteht das Tablet aus Kunststoff und nicht etwa aus schickerem Aluminium, sieht aber zweifelsohne ganz hübsch aus. Da es sich bequem in einer Hand halten lässt, ist es anders als 10-Zöller auch gut als E-Book-Reader geeignet.

An der Seite sind die Power-Taste und ein Schalter für die Lautstärke zu finden, an der Unterseite ein Micro-USB-Port und ein Kopfhöreranschluss. Zur Datenübertragung und zum Aufladen das Akkus via PC oder Notebook liegt dem Nexus ein USB-Kabel bei, das zeitgleich zum Anschluss des Netzadapters dient.

Ein Kartenleser fehlt, ebenso eine rückwärtige Kamera, womit das Tablet nicht anstelle von Digitalkamera oder Foto-Handy mitgenommen werden kann. Bei 10 Zoll großen Tablets macht das ohnehin wenig Spaß, ein 7-Zoll-Gerät lässt sich aber schon eher dafür verwenden. Dennoch wurde lediglich auf der Vorderseite eine 1,2-Megapixel-Kamera angebracht, um Videochats über Google+ Hangouts zu führen. Eine Fotografie-Anwendung, über die die Kamera bei Android normalerweise auch separat angesteuert werden kann, gibt es beim Nexus 7 nicht. Eine Internetverbindung stellt es ausschließlich per WLAN her, auf ein UMTS-Modell muss leider verzichtet werden.

Um Radiosender zu hören oder Filme ohne Kopfhörer anzusehen, reicht der integrierte Lautsprecher absolut aus. Angesichts der Gerätegröße dürfen natürlich keine Wunder erwartet werden.

Das HD-Display mit 1.280x800 Bildpunkten wird von einer Glas-Scheibe von Corning ("Gorilla") geschützt, die sich bis zur silberfarbenen Umrandung des Tablets zieht. Festzuhalten ist, dass der eigentliche Bildschirmrahmen unter der Scheibe fast 2 Zentimeter oben und unten und an den Seiten 1 Zentimeter misst. Diese Fläche hätte auch gerne für ein größeres Display genutzt werden können.

Knackiges IPS-Display mit Glas-Abdeckung

Sehr zufrieden auf die Schulter klopfen können sich die Ingenieure für die Auswahl des Bildschirms: Er punktet mit einer scharfen Darstellung von Text und Bild, obwohl es nicht an das ausgesprochen pixelstarke neue iPad (Test) heranreicht, und ist dank IPS-Panel auch von der Seite aus zu betrachten, ohne dass im wahrsten Sinne des Wortes nur noch schwarz gesehen wird. Die Hintergrundbeleuchtung leistet ganz gute Arbeit, könnte aber noch heller sein. Sie stellt sich auf Wunsch automatisch ein, wovon der Nutzer in der Praxis aber wenig mitbekommt. Abruptes Senken oder Steigern bemerkten wir nicht. Dafür Spiegelungen, insbesondere im Freien bei Sonnenschein. Zudem prüften wir, wie gleichmäßig der Bildschirm beleuchtet wird. Mit bloßem Auge sind keinerlei Lichthöfe zu sehen, nur unter Extrembedingungen in einem komplett abgedunkelten Raum und auf höchster Helligkeitsstufe waren auf einem gänzlich in schwarz gehüllten Bildschirm an einem der Ränder minimal hellere Bereiche zu sehen. In der Praxis ist das aber absolut zu vernachlässigen.

Wer Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich mit dem neuen Jelly Bean vergleicht, wird nicht nur zahlreiche augenscheinliche Unterschiede feststellen, sondern auch bemerken, dass das Navigieren durch das mobile Betriebssystem und Browsen flüssiger wirkt. Googles Project Butter, in dem beispielsweise die Reaktionsfähigkeit und die Bildwiederholrate gesteigert wurde, trägt seinen Namen offenbar zu Recht. Die Startseite wurde völlig umgemodelt, ohne Verknüpfung mit einem Google-Konto ist sie nur mit einem entsprechenden Hinweis geschmückt. Die Anmeldung erfolgt beim ersten Durchlauf, bei dem Android auch den Import bestehender Kontodaten eines früheren Tablets anbietet und außerdem eine 20-Euro-Gutschrift für Google Play offeriert, wenn eine Kreditkarte hinterlegt wird. Nett: Anschließend wird eine Begrüßungs-E-Mail verschickt, die nicht nur dazu animiert, Geld in Googles Shop zu lassen, sondern auch einen Link zur Online-Hilfe des Nexus 7 enthält.

Startbildschirm nach Maß

Nach der Einrichtung präsentieren sich auf dem Startbildschirm Inhalte aus der persönlichen "Bibliothek" wie E-Books, Filme und zuletzt gehörte Musiktitel, die nebeneinander gekachelt werden. Android wählt selbständig Symbole verschiedener Größen, mit Antippen und Gedrückthalten ist es jedoch möglich, das Paket im Ganzen zu verschieben, die Grafiken zu vergrößern oder zu verkleinern oder alles in den Papierkorb zu befördern und durch Verknüpfungen zu Apps oder Widgets zu ersetzen. Diese machen automatisch Platz, wenn ihnen neue in die Quere kommen. Wird ein App-Symbol auf ein anderes gezogen, lässt sich ein Ordner erstellen.

Vorinstallierte Apps

Bereits auf dem Tablet installiert sind die Google-Dienste Gmail, Chrome anstelle des Android-Browsers, Google+, YouTube, Maps, Earth, Currents sowie Kontakte, ein Kalender und die Android-typische Fotogalerie. Sie alle versammelt das Nexus 7 in einem gemeinsamen Ordner in einer Leiste auf der Startseite. Von dort aus sind auch der App-Shop, die Musikfunktion, Bücher und die Liste aller Apps zu erreichen. War dieser Punkt in der letzten Android-Version noch am oberen Bildschirmrand untergebracht, macht er sich nun also unten mittig durch sechs Punkte in einem Kreis bemerkbar. Rotieren möchte das Nexus 7 auf dem Home-Bildschirm und im App-Menü nicht, stattdessen ist die Hochkant-Ansicht Pflicht.

Browsing und Filme

Chrome verhält sich beim Surfen ähnlich wie der frühere Android-Browser, soll heißen, er gibt Webseiten zu verstehen, dass ein Mobilgerät am Werk ist und zeigt dementsprechend nur auf Anfrage die Standardversion an. Ebenfalls verewigt hat sich die Mitte August gestartete Filmbibliothek von Google Play, Transformers 3 kann sofort kostenlos angeschaut werden. Trotz HD-Auflösung startete die Wiedergabe unmittelbar, auch beim Vor- oder Zurückspringen innerhalb des Films ging es zügig weiter. Alternativ lassen sich Filme zum Offline-Ansehen herunterladen.

Der Nutzer fragt, das Nexus antwortet

Auch die Suche wurde überarbeitet beziehungsweise aufgehübscht und der Sprachassistent erweitert. Dass die Antworten im Siri-Stil automatisch vorgelesen werden, klappt leider nur bei einigen Fragen und nur auf Englisch. Wir mussten vorgeben, uns in den USA aufzuhalten, um die Funktion auszuprobieren – dann beantwortete uns das Nexus 7 Fragen nach Hauptstädten, der Höhe von Gebäuden, nannte uns die Firmengründer von Google und erklärte Begriffe. Beim Diktieren von E-Mails kommt allerdings immer noch keine Freude auf. Zwar versteht Androids Spracheingabe auf Deutsch eingestreute englische Begriffe besser als die Diktierfunktion des iPad, macht aber einen Bogen um Satzzeichen und schreibt diese stattdessen aus. Auf Englisch ist das anders. Ebenfalls nur für US-Nutzer möglich: den Sprachassistenten offline nutzen.

Google Now steht für persönlich zugeschnittene Informationen wie das Wetter am aktuellen Standort, Erinnerungen an Termine, Verkehrsinformationen für regelmäßig zurückgelegte Strecken mit dem Auto oder Verspätungen im Flug- und Bahnverkehr. Für solchen Komfort bezahlt der Nutzer mit seinen Daten; Google verwendet unter anderem die Position und Kalendereinträge und lernt nach und nach dazu. In unserer kurzen Testphase ohne Standortwechsel zeigte uns die Funktion nur Wetter und Kinoprogramm an.

Zu den weiteren Verbesserungen der aktuellen Android-Ausgabe gehören Accessibility-Optimierungen wie ein Gestenmodus und eine Vorlesfunktion, NFC – beim Nexus 7 mit an Bord – und eine veränderte Statuseiste. Diese blendet gewohnte Infos wie aktualisierte Anwendungen und fertiggestellte Downloads ein, zeigt aber auch durchgeführte Aktionen (zum Beispiel: Screenshot erstellt) an und reichert die Einträge gegebenenfalls mit Vorschaubildern an. Erfreulich ist, dass sich von dort aus auch Inhalte weiterteilen lassen.

Als Hardware-Unterbau stehen dem Google Nexus 7 ein Quad-Core-Prozessor der Chipreihe Nvidia Tegra 3 und 1 Gigabyte (GB) RAM zur Verfügung. Wie bereits in anderen Tablet PC Testberichten nachzulesen ist, spielt das CPU-Grafik-Gespann problemlos Full-HD-Filme ab, die auf dem knackigen Display auch gut zur Geltung kommen. Schade an dieser Stelle, dass kein HDMI-Port vorhanden ist, um das Bild weiterzuleiten.

Ausdauernder Akku

Einfacher gehalten als beim Toshiba AT300 oder Asus Transformer Prime, beide jeweils mit Nvidia Tegra 3 bestückt, ist die Energieverwaltung. So stehen keine Modi zum Stromsparen oder für die volle Leistung bereit, das Tablet entscheidet selbständig. Versehentliches Akku-Leersaugen ist daher ausgeschlossen. Der Akku hält beim Abspielen von Videos etwa 10 Stunden lang, im Standby sollen etwa 12 Tage drin sein, was wir soweit bestätigen können.

Die Speicherkapazität liegt bei 8 GB (199 Euro) oder 16 GB (249 Euro) und sollte wohl überlegt ausgewählt werden, schließlich ist im Nachhinein keine Erweiterung möglich.

Fazit: Von wegen "billig"

Mit dem Nexus 7 lässt Google die Muskeln spielen: Selbstbewusst wirbt der US-Konzern mit der "weltweit größten E-Book-Sammlung" mit 4.000.000 Büchern und 600.000 Apps in Google Play. Das 7-Zoll-Tablet soll der Content-Vielfalt nun als perfekte Leinwand dienen. Offensichtliches Ziel ist es, mit einem Niedrigpreis möglichst viele Käufer zu erreichen, an denen sich später über Zusatzangebote Geld verdienen lässt. Und Amazon und Apple müssen sich warm anziehen, denn dieser Plan könnte aufgehen: Der von Asus entwickelte Tablet-PC ist optisch wie leistungstechnisch gelungen und Android 4.1 liefert so manche Annehmlichkeit, die es bei Android 4.0 noch nicht gab, und ist schlichtweg moderner.

Insgesamt ist das Nexus 7 mit Jelly Bean eine runde Sache und macht einfach Spaß. Doch das Schnäppchen birgt auch Contra-Punkte; derzeit wird keine UMTS-Variante geboten und es sind weder ein Kartenleser noch ein HDMI-Ausgang oder eine rückwärtige Kamera eingebaut. Wer damit leben kann, macht mit dem Nexus 7 absolut nichts falsch und erhält das vielleicht beste 7-Zoll-Tablet in seiner Preisklasse. Übrigens: Nvidia Tegra 3 zum günstigen Preis wird auch das Lenovo IdeaPad A2109A liefern; der 9-Zöller startet Ende September für 299 Euro - allerdings mit Android 4.0.

Unser Testfazit zum Google Nexus 7
Pro Contra
  • günstiger Preis
  • praktisches Format
  • gute Verarbeitung
  • scharfes IPS-Display
  • lange Akkulaufzeit
  • Android 4.1
  • flüssige Performance
  • wenige Schnittstellen
  • kein Kartenleser
  • keine 3G-Version
  • keine Fotokamera
Bewertung
  • Geschwindigkeit (20%):sehr gut
  • Ausstattung (20%):befriedigend
  • Display (20%):gut
  • Bedienung/Handhabung (15%):sehr gut
  • Akkulaufzeit (15%):gut
  • Verarbeitung (10%):gut
Gesamtnote der Redaktion: Preis-Leistung:
2,0gut sehr gut

(Saskia Brintrup)

Google Nexus 7 (2012)
Google Nexus 7Zum Nexus 7 (2012)
Allgemein
Google Nexus 7 (2012)
Herstellungsjahr2012
MarktstartSeptember 2012
Farben
Schwarz
AbmessungenHöhe: 199 mm
Breite: 120 mm
Tiefe: 10,45 mm
Gewicht340 g
Display
Google Nexus 7 (2012)
TechnologieTouchscreen
Größe7 Zoll
Auflösung800 x 1280 Pixel
AnmerkungenCorning Gorilla Glass
Speicher
Google Nexus 7 (2012)
Speicher intern8 GB
16 GB
Prozessor und Akku
Google Nexus 7 (2012)
Laufzeit10 Stunden
Standby-Zeit300 Stunden
Software
Google Nexus 7 (2012)
BetriebssystemAndroid 4.1 Jelly Bean
App-ShopGoogle Play
Anmerkungen SoftwareGoogle Now
Daten und Netze
Google Nexus 7 (2012)
AnschlüsseBluetooth
USB
WLAN
DatenstandardsGPS
Datentransfernur Datentransfer möglich (keine Telefon-Option)
Messaging und Multimedia
Google Nexus 7 (2012)
MessagingE-Mail
Instant Messaging
Videotelefonie
Soziale Netzwerke
MultimediaMP3-/Music-/Mediaplayer
Video-Player
Navigationssoftware
E-Mail-Client
Zweit-Kamera1,3 Megapixel
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