Testbericht

Google G1: Der klobige Internet-Profi im Test

Das G1 ist das erste Smartphone mit dem neuen Android-Betriebssystem. Ob die pummelige Internet-Maschine im Alltag überzeugen konnte, zeigen wir in unserem ausführlichen Produkttest.

Google
Da liegt es nun, das G1 von T-Mobile. Das erste Android-Smartphone ist groß, es ist schwer - doch es fühlt sich gut an. Wir haben das klobig-schwergewichtige Multitalent einige Tage mit uns geführt und geprüft, ob es Google einmal mehr gelungen ist, etwas ganz Großes zu präsentieren.

"With Google"

Für die Marketing-Strategen von T-Mobile scheint die Sache klar: Das Google-Handy G1 spielt in der Liga des iPhones. Wieso sonst hätte Deutschlands größter Mobilfunker die Tarife von G1 und iPhone abgeglichen? Das G1 ist komplett aufs mobile Internet ausgelegt. Browser, E-Mail-Client, Push-Mail und ein YouTube-Client sind nur einige Applikationen, die ihre Daten über das weltweite Datennetz beziehen. Die Bindung ans Web geht sogar so weit, dass Kalender und Kontakte ausschließlich über Google abgeglichen werden können. Das ist einerseits gut, da man von überall Zugriff auf die eigenen Daten hat. Andererseits offenbart man dem Datensammel-König Google seine gesamte Privatsphäre.

Nun zu den inneren Werten des von HTC gefertigten G1. Der Touchscreen bietet eine Auflösung von 480 x 320 Pixel, wobei 65.000 Farben dargestellt werden. Der Internet-Profi funkt in Quadband-GSM- und 3G-Netzen und unterstützt den Datenturbo HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde im Downstream. Auch der Upstream-Beschleuniger HSUPA wird beherrscht. HTC hat dem G1 außerdem einen GPS-Empfänger für mobile Navigation, eine 3,2 Megapixel-Kamera mit Autofokus, WLAN sowie Bluetooth spendiert. Der Speicher ist mit microSD-Karten erweiterbar.


Schon beim ersten Kontakt wird klar - das G1 ist weitaus weniger "sexy", als das iPhone. Vielleicht wurde dies von den Konstrukteuren beabsichtigt. Nicht umsonst handelt es sich um zwei sehr unterschiedliche Konzepte. Die Hartschale des Smartphones ist resistent gegenüber Fingerabdrücken und ganz leicht gummiert. Die Knöpfe unterhalb des 3,2 Zoll großen Bildschirms sehen etwas billig aus, der mittig platzierte Trackball dagegen macht einen sehr soliden Eindruck. Klappt man das Display zur Seite, offenbart sich die vollwertige QWERTZ-Tastatur. Die einzelnen Tasten sind hervorragend platziert und auch von Benutzern mit dicken Fingern sehr einfach zu bedienen. Wer noch nie mit einer Mini-QWERTZ gearbeitet hat, findet sich mit der des G1 äußerst schnell zurecht. Der Klappmechanismus, der die vollständige Mini-QWERTZ des Google-Handys freilegt, könnte besser nicht sein. Drückt man das Display mit dem Daumen ein Stück zur Seite, erledigt ein ausgeklügelter Mechanismus den Rest wie von selbst. Da dies mit recht hoher Geschwindigkeit geschieht, treten dabei hohe physikalische Kräfte innerhalb des Scharniers auf. Die Erfahrungswerte werden zeigen müssen, ob das Material den Belastungen auch auf Dauer standhält.

Große Klappe

Zum Display. Der Touchscreen ist brilliant und perfekt ausgeleuchtet. Wie unglaublich scharf der Bildschirm ist, zeigt sich besonders bei der Betrachtung von Bildern. Es fällt auf, dass nichts auffällt. Keine Pixel, ein Bild wie aus einem Guss. Technisch ist es möglich, das Display mit zwei Fingern gleichzeitig zu bedienen - dieses "Multitouch" genannte Patent wurde jedoch erst kürzlich an Apple vergeben. Kein Wunder also, dass die Funktion beim G1 deaktiviert ist.

Leider ist das Google-Handy recht schwer. Stolze 158 Gramm bringt das Gerät auf die Waage. Dies liegt unter anderem an dem großen Akku, der sich unter der schwer zu öffnenden Hartschale befindet. Dieser leistet 1150 mAh und sollte eigentlich dazu in der Lage sein, das Smartphone länger als einen Tag am Leben zu halten. Leider zeigte sich im Test, dass der Stromspeicher bei regelmäßiger Internet-Nutzung und wenigen Telefonaten schon nach einem Tag in die Knie geht. Immerhin: innerhalb von maximal zwei Stunden ist der Akku wieder randvoll. Ein Tag Nutzungszeit ist dennoch alles andere als zeitgemäß.



Schwacher Akku

HTC gibt die Standby-Zeit des G1 mit fast 17 Tagen an. Leider hatten wir nicht die Zeit, diese Angabe zu testen. Fest steht aber, dass das G1 bei absoluter 3G-Abstinenz locker mehrere Tage durchhält. Da sich der schon aus vielen anderen HTC-Modellen bekannte Qualcomm-Prozessor in vergangenen Tests (Touch HD, Touch Diamond) im Ruhezustand sehr genügsam zeigte, dürfte dies auch beim G1 der Fall sein. Wenden wir uns dem Betriebssystem zu: Android. Das G1 ist das erste Mobiltelefon, das mit Android daher kommt. Vorweg: Innerhalb kürzester Zeit haben es die Google-Programmierer geschafft, eine wirklich hervorragende Handy-Software zu schaffen, die sich schon jetzt - in ihrer ersten Version - sehr rund und fertig anfühlt. Die Steuerung ist eingängig, die Ladezeiten hervorragend.

Die Kern-Komponenten

Da Android komplett auf die mobile Internetnutzung abgestimmt ist, bildet der Browser das Herzstück. Er startet ohne Verzögerung, baut Seiten dank der schnellen HSDPA-Anbindung sehr flott auf und ist mit Hilfe von Trackball und Tastatur perfekt bedienbar. Ganz egal welche Seiten wir in unserem Test auch besuchen: alle werden so dargestellt, wie vom PC gewohnt. Auch aufwändige, in AJAX geschriebene Seiten machen dem Google-Browser keinerlei Probleme. Das Programm speichert auf Wunsch Login-Daten, bietet Tabs zum Surfen und eine Zoom-Funktion.

Das Verkleinern und Vergrößern ist äußerst komfortabel. Standardmäßig wird der obere linke Teil der angesurften Website vergrößert dargestellt. Wer sich eine Übersicht über die Seite verschaffen möchte, kann die Quick-Zoom-Funktion nutzen. Dazu ist ein Fingertip auf den Bildschirm nötig - schon erscheinen drei Buttons. Zwei erlauben manuelles ein- und auszoomen, einer davon zeigt die Website im Vollbildmodus. Zusätzlich erscheint eine Art Lupe, die bei Berührung über die Website gezogen werden kann. Verlässt der Finger das Display, vergrößert der Google-Browser die letzte Position. Eine wirklich durchdachte Lösung, die das fehlende Multitouch nicht vermissen lässt.



Messaging-Funktionen

Auch beim Thema Messaging haben die Entwickler einen guten Job gemacht. Die Menüführung ist auch hier sehr eingängig und leicht, das Einrichten eines E-Mail-Kontos in wenigen Schritten erledigt. Die Eingabe von Posteingangs- und -ausgangsserver erledigt das Gerät vollautomatisch, lediglich die Login-Daten werden benötigt. Außerdem steht ein separater Google-Mail-Client parat, der sogar Push-Mail ermöglicht. Bei SMS und MMS werden die Gespräche in einer übersichtlichen Chat-Ansicht dargestellt. Dank der Tastatur sind auch lange Texteingaben ein Genuss, zudem können Textstellen kopiert und eingefügt werden. Leider ist es nicht möglich, seine Outlook-Kontakte und -Termine direkt über den PC mit dem G1 zu synchronisieren. Dies ist nur über Umwege möglich - nämlich indem die Daten mit den Google-Servern abgeglichen werden. Bei Verbindung mit dem PC kann man das G1 als Datenträger definieren und so Musikdateien oder Bilder hin- und herschieben. Mehr ist nicht möglich.

Im "Market" Software laden

Was bei Apple der AppStore, ist bei Google der "Market". Hier findet sich eine große Auswahl an kostenlosen Programmen, die direkt auf das G1 geladen und installiert werden können. Vor dem Herunterladen wird dem Nutzer gezeigt, auf welche Dienste die Applikation zugreift, beispielsweise wenn eine Internetverbindung benötigt wird. Der Google-Markt funktioniert sehr einfach und hat schon jetzt extrem viel zu bieten. Für Unterhaltung ist also gesorgt.

Wer möchte, kann sich unterwegs YouTube-Videos mit dem eingebauten Client ansehen oder Musik hören. Leider bietet das G1 keinen Klinkenstecker für handelsübliche Ohrhörer. Daher bleibt den Nutzern nur ein Adapter oder aber das mitgelieferte microUSB-Headset. Leider kann die Telefonie nicht wirklich überzeugen. Gesprächspartner klingen dumpf, die Freisprechoption blechern. Darüber tröstet auch die kinderleichte Kontaktverwaltung nicht hinweg.


Mehr Videos zu Android haben die Entwickler auf YouTube zusammengestellt


Fazit: Frischer Wind - aber nichts für Geschäftsleute

Es ist kein Leichtgewicht, es ist nicht sexy. Doch unter der Haube überzeugt das G1 fast auf ganzer Linie. Geschäftsleute dürfte die enge Vermaschung mit Google nicht freuen. Auch, dass Microsoft Exchange (noch) nicht unterstützt wird, spricht nicht unbedingt für das G1 als Geschäftshandy. Im Großen und Ganzen ist den Entwicklern aber ein wirklich großer Wurf gelungen. Die Ladezeiten sind top, die Internet-Funktionen erste Sahne, alles wirkt stimmig. Nur bei der Telefonie und beim Akku hätte man ein wenig mehr erwarten können. Dies werden Internet-Junkies - die Zielgruppe des G1 - dem Gerät aber verzeihen.

Name: Google G1 (auch HTC "Dream")
Hersteller: High Tech Computer (HTC)
Internet: www.htc.com
Preis: 350 bis 450 Euro
Technische Daten
Abmessungen: 117,7 mm x 55,7 mm x 17,1 mm
Gewicht: 158 Gramm
Display: 3,2-Zoll TFT-LCD-Touchscreen-Display mit HVGA-Auflösung (320 x 480 Pixel)
Prozessor: Qualcomm MSM7201A 528 MHz
Speicher: 256 MB ROM, 192 MB DDRAM
Betriebssystem: Android
Navigationssoftware: Google Maps
Besonderheiten: AGPS/GPS-Chip integriert, 3,2-Megapixel-Kamera, WLAN, UMTS, EDGE, HSPDA/HSUPA, Bluetooth 2.0, G-Sensor, vollwertige QWERTZ-Tastatur, Push-Mail über Google Mail
Lieferumfang: Ladegerät, Stereo-Headset, Tasche, Datenkabel, Aufkleber,
Anschlüsse: Mini-USB
Pro & Contra
solider Klappmechanismus
eingängige Bedienung
hervorragender Browser
scharfes Display
Konnektivität (UMTS, HSDPA etc.)
vollwertige QWERTZ-Tastatur
GPS-Modul
G-Sensor
Messaging-Funktionen
schwacher Akku
groß und schwer
kein Kamera-Blitz
fehlender Klinkenstecker
Videoaufnahmen nicht möglich
Bindung an Google
Bewertung:
Display (20%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Akkulaufzeit (30%): ausreichend
Bedienung (30%): sehr gut
Preis-Leistung: gut
Gesamtnote gut (2,1)

(Michael Müller)

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