Messenger-App

Allo mit Google-Assistenten im Test: App will umfangreichen Zugriff

Google hat seine Messenger-App Allo mit integriertem Google-Assistenten veröffentlicht. Neben Chats und Gruppenchats will Google vor allem mit der künstlichen Intelligenz des Assistenten punkten. Wir haben die App in der Praxis getestet.

Google© Google

Mit einer leichten Verzögerung hat Google seinen neuen Messenger Allo zum Download im Play Store freigegeben. Ist Allo, der auch den intelligenten Google Assistenten an Bord hat, eine Alternative zu Facebooks dominierendem Messengerdienst WhatsApp? Wir haben die App installiert und erste Erfahrungen gesammelt.

Berechtigungsabfragen für Zugriff auf zahlreiche Funktionen

Allo lässt sich auf Android-Geräten ab Version 4.1 installieren. Nach dem ersten Start fragt der Messenger erst einmal um Erlaubnis für einen Zugriff auf Kontakte, den Gerätespeicher (Fotos, Medien und Dateien) sowie für den Versand und Abruf von SMS. Im nächsten Schritt muss die Rufnummer angegeben werden. Google schickt einen sechsstelligen Code per SMS, der zur Bestätigung der Rufnummer eingegeben werden muss.

Damit ist das Setup aber noch nicht abgeschlossen. Es folgen weitere Berechtigungsabfragen. So wünscht Allo die Erlaubnis zur Aufnahme von Bildern und Videos. Für das Profil kann in einem nächsten Schritt ein Selfie geschossen werden, dies lässt sich aber auch überspringen. Endlich kann ein Name angegeben werden, Vorgaben werden hier offenbar nicht gemacht. Schließlich meldet sich der Google Assistent erstmals per Chat, derzeit jedoch noch ausschließlich in Englisch. Weitere Sprachen sollen in Kürze folgen. Der Assistent könne dank künstlicher Intelligenz bei der Suche helfen und Dinge erledigen. Dafür benötigt er aber auch noch Zugriff auf die Standortinformationen. Für die Hilfe muss außerdem die Berechtigung erteilt werden, dass er helfen darf. Sprich: Er muss Zugriff auf Google-Suchanfragen und App-Aktivitäten erhalten. Danach ist das Setup beendet und der Google Assistent, der noch als Preview Edition bezeichnet wird, ist startklar.

Anfrage an den Google Assistenten per Chat oder Sprachaufzeichnung

Allo Messenger App ScreenshotDer Google-Assistent ist in Allo integriert und antwortet zunächst nur auf Englisch.© Screenshot: i12 GmbH

Direkt oder auch in einem Chat, dann mit @google, lassen sich Anfragen an den Assistenten richten. Die Anfrage lässt sich sowohl schriftlich als auch per Sprachaufzeichnung vornehmen. Dabei stellten wir fest, dass der Assistent offenbar auch bereits deutsche Anfragen versteht, geantwortet wird aber dennoch auf Englisch. So gab es korrekte Ergebnisse zum aktuellen Kanzler in Deutschland oder zur Höhe des Kölner Doms. Bei der Frage nach dem Wetter werden die aktuellen Temperaturen für den eigenen Standort angezeigt. Der Assistent greift hierbei auf den Dienst weather.com zurück. Die Spracherkennung funktionierte nicht immer korrekt, hier sollte Google noch nachbessern.

Bei der Frage nach der nächsten Zugverbindung zum Wunschziel wurde die Strecke auf einer Karte angezeigt, für konkrete Details wurde Google Maps gestartet. Bei Bedarf lassen sich Bilder zum Fahrtziel, Städteinfos, Flüge, Sehenswürdigkeiten, Hotels und vieles mehr anzeigen. Die Google-Dienste sind also eng verzahnt und greifen ineinander. Das Wetter, aber auch Nachrichten, witzige YouTube-Videos und mehr lassen sich abonnieren und etwa täglich zur Wunschzeit zusenden. Zudem sind auch Spiele direkt im Messenger verfügbar. Auch dies funktionierte im Test auf Anhieb.

Nur wenige Einstellungsmöglichkeiten

Die Einstellungen zum Google Assistent sind übersichtlich: Dieser lässt sich stummschalten bzw. es kann ein Benachrichtigungston gewählt werden. Auch die Aktivitäten lassen sich löschen. In den allgemeinen Einstellungen von Allo finden sich Konfigurationsmöglichkeiten zu Benachrichtigungen, zum Herunterladen von Medien, zur Bearbeitung des Profils oder zur Blockade von Kontakten.

Gruppenchat oder Inkognito-Chat

Allo Messenger Menü ScreenshotAllo erlaubt den Chat mit einem Freund, per Gruppenchat oder direkt mit dem Google-Assistenten.© Screenshot: i12 GmbH

Allo bietet neben einem Einzelchat auch die schnelle Realisierung eines Gruppenchats an. Dazu lässt sich eine Gruppe einrichten und Freunde einladen. Bei Bedarf kann auch ein Inkognito-Chat gestartet werden. Es lassen sich Bilder und Videos versenden, auch animierte Gifs werden unterstützt. Eine Suchfunktion hilft bei der Suche nach einzelnen Chats. Die Nachrichten lassen sich mit Emojis und extra für Allo entworfenen Stickern aufhübschen.

Chats können offenbar auch mit den Bordmitteln von Android empfangen und beantwortet werden, auch wenn Freunde Allo noch nicht auf ihrem Smartphone installiert haben. Google weist die Freunde aber auf die neue App Allo hin. Per Messenger-App lassen sich auch Freunde einladen.

Unser erstes Fazit zu Allo

Mit dem neuen Google Messenger Allo bietet der Internet-Konzern den Nutzern viele Möglichkeiten. Vor allem die Integration des Google Assistenten erweist sich als praktisch und Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu WhatsApp. Wie beim Konkurrenten gibt es Gruppenchats, Emojis und Sticker. Die Personalisierung der App ist begrenzt. Eine schnelle Umsetzung einer komplett deutschsprachigen Version des Assistenten ist wünschenswert.

Edward Snowden warnt vor Allo-Nutzung

Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl angesichts der von Allo zahlreich eingeforderten Zugriffsberechtigungen. Edward Snowden hat denn auch schon vor der Nutzung von Allo gewarnt, da die App eine umfangreiche Überwachung durch Google ermögliche. Dennoch hat Allo im Play Store von den Nutzern aktuell eine Bewertung von 4,2 von 5 Sternen erhalten. Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob Allo WhatsApp gefährlich werden kann.

Jörg Schamberg

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