Testbericht

Genius Pen Mouse: Touchpad-Alternative im Test

Wer häufig unterwegs mit Note- oder Netbook arbeitet, muss aus Platzgründen oft auf die Nutzung einer Maus verzichten. Die stiftförmige Genius "Pen Mouse" verspricht Abhilfe für Touchpad-Geplagte. Wir haben sie getestet.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Wer häufig unterwegs mit Note- oder Netbook arbeiten muss, kennt das Problem: Ob in vollen Zugabteile oder im Flugzeug - der Raum zum Abstellen des Arbeitsgerätes ist oft eng begrenzt und zwingt zu Kompromissen. Häufig gänzlich unmöglich oder nur mit artistischen Verrenkungen auf Hosenbein und Armlehne zu bewerkstelligen, ist dabei die Nutzung einer Computer-Maus. Zwar bleibt zur Cursor-Steuerung am Laptop immer noch das eingebaute Touchpad - viele Nutzer arrangieren sich allerdings eher notgedrungen mit dem gewöhnungsbedürftigen Ein-Finger-System. Eine Alternative bietet seit kurzem das taiwanesische Unternehmen KYE Systems mit der Pen Mouse. Sie kommt in Stift-Optik und soll wie eine Maus funktionieren, gleichwohl aber deutlich weniger Aktionsfläche benötigen. Wir haben uns das Gerät einmal näher angesehen.

Viel Zubehör für kleines Geld

Die erste Überraschung folgte bereits beim Öffnen der Verpackung, denn der in schwarz-graues Plastik gehüllte Zeigestock kommt mit erstaunlich großem Lieferumfang. Neben einem USB-Mini-Empfänger und der Bedienungsanleitung in 27 Sprachen finden sich eine Treiber-CD, ein Clip zur reinigungsbedingten Entfernung der Sensor-Abdeckung, zwei Ersatzabdeckungen, eine AAA-Batterie, ein graues Mini-Mauspad sowie die gut verarbeitete, hochwertig wirkende Schutz- und Transporttasche. Diese besteht aus schwarzem Kunstleder, ist innen mit weichem Stoff gepolstert und verfügt über fühlbar verstärkte Seitenwände sowie einen nicht sichtbaren, aber selbstständig schließenden Magnetverschluss. Einzig ein etwas penetranter Chemie-Geruch stört den positiven Eindruck ein wenig.

Das beigelegte Mauspad wird für die Funktion des Gerätes zwar nicht benötigt, jedoch als ideale Unterlage empfohlen. Es besitzt vier abgerundete Ecken, misst lediglich 100 x 120 Millimeter und findet so etwa auch auf der Handballenablage vieler Notebooks ohne weiteres Platz. Auf der Rückseite befindet sich eine rutschhemmende Beschichtung, die sich ähnlich einer Display-Schutzfolie festsaugt und ihren Zweck so äußerst gut erfüllt. Im Test erwies sich das Mauspad derweil als sehr großzügig dimensioniert; für die meisten alltäglichen Anwendungen genügte ein Bruchteil der verfügbaren Fläche. Auch Aufgaben, die mit einem Touchpad nur umständlich oder schwer zu bewältigen sind, gelangen problemlos – etwa das Klicken und Ziehen von Symbolen über größere Bildschirmdistanzen. Darüber hinaus liegt die wenige Gramm leichte Pen Mouse gut in der Hand und erweist sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase als durchaus gefällig. Kommt sie ohne Mauspad zum Einsatz, wird die Genauigkeit der Cursor-Bewegung vor allem von der vorhandenen Oberfläche bestimmt. Im Test zeigte sich der Sensor von den unterschiedlichsten Materialien sowie Strukturen mehr oder weniger unbeeindruckt und ermöglichte fast immer eine präzise Bildschirm-Navigation.

Abtastrate zwischen 400, 800 und 1.200 dpi wählbar

Eine wichtige Rolle spielt dabei ebenfalls der eingestellte Abtastmodus, der zwischen 400 dpi, 800 dpi und 1.200 dpi variiert werden kann. Als Standardeinstellung ist der mittlere Wert voreingestellt. Problematisch wurde es unabhängig davon jedoch generell auf durchsichtigen, glänzenden oder spiegelnden Untergründen, die von gelegentlichen Aussetzer bis zum Totalausfall führten und sich daher grundsätzlich nicht eignen. Bevor eine Konfiguration der Pen Mouse vorgenommen werden kann, ist die Installation der beiliegenden Treiber-Software unbedingte Voraussetzung.

Für die reine Funktionalität ist sie hingegen nicht notwendig, denn das laut Anleitung unter Windows XP, Vista und 7 lauffähige Gerät wird ohne weiteres Zutun direkt nach dem Einstecken des USB-Empfängers vom Betriebssystem erkannt. Nach Betätigung einer beliebigen Maustaste signalisiert der an der Spitze positionierte Sensor durch rotes Blinken seine Einsatzbereitschaft und die 2,4-Gigahertz-Drahtlosverbindung steht. Die maximale Reichweite beträgt dabei laut Hersteller zehn Meter. Mit dem leider nur in Englisch verfügbaren Autostart-Programm lässt sich neben der Abtastrate eine von vier Handhaltungen einstellen – für Links- und Rechtshänder jeweils zwei. Nicht geändert werden kann hingegen die Belegung der drei integrierten Maustasten.

Eine an der Sensorspitze integrierte Taste fungiert als linker Mausknopf und wird durch sanften Druck nach unten ausgelöst. Auf der Frontseite befinden sich die rechte Maustaste sowie eine Scrolltaste, die zum schnellen Durchlaufen langer Websites oder Dokumente dient. Je nachdem, wie die Stiftmaus gehalten wird, gelingt es dabei mehr oder weniger gut, die gemeinsam auf einer Wippe platzierten Funktionsknöpfe mit Daumen oder Zeigefinger zu erreichen.

Plastik mit begrenzter Haltbarkeit

Ob diesen ein langes Leben beschieden ist, darf unterdessen bezweifelt werden: am Testgerät war zumindest gelegentlich ein wenig vertrauenseinflößendes Knarzen zu vernehmen. Angesichts des günstigen Preises der Pen Mouse ist dies aber genauso zu verschmerzen, wie das dünne Plastik der Batterieabdeckung. Häufiges Öffnen und Schließen oder versehentliche Stürze etwa aus Tischhöhe machen deren fragil anmutender Haltenase mit hoher Wahrscheinlichkeit ein schnelles Ende. Grobmotorik und Ungeschick rächen sich ebenfalls beim Wechsel der Abtastrate, da hierfür unverständlicherweise kein eigener Menüpunkt in den Optionen zur Verfügung steht. Vielmehr ist der Nutzer aufgefordert, so oft linke und rechte Maustaste gleichzeitig für fünf Sekunden zu drücken, bis die gewünschte Einstellung erreicht wurde. Ein Pop-Up am rechten unteren Bildschirmrand informiert dabei über die aktuell aktive dpi-Zahl.

Höhere Werte sind hier auf jeden Fall vorzuziehen, wenn auch die Laufzeit dadurch etwas verkürzt wird. Ein leistungsstarker Akku dürfte solche Probleme allerdings völlig obsolet werden lassen - dank Nutzung der regulären AAA-Bauform sind aber auch Ersatzbatterien überall erhältlich. Zudem wechselt die Stiftmaus bei Nichtnutzung nach knapp zwei Minuten in einen Standby-Modus und soll so höchst effizient arbeiten. Ein manuelles Abschalten bei Nichtgebrauch ist derweil generell nicht möglich. Kleines Manko: Eine Warnleuchte zur Anzeige eines niedrigen Batteriestandes fehlt - das Ende kommt also meist überraschend. Zur maximalen Laufzeit macht Genius darüber hinaus keine Angaben.

Fazit: Empfehlenswerte Touchpad-Alternative mit kleinen Schwächen

Trotz kleiner Schwächen kann die Pen Mouse nach kurzer Eingewöhnungszeit voll überzeugen. Der reichliche Lieferumfang, die insgesamt gute Verarbeitung, eine schnelle Plug-&-Play-Installation und reibungslose Funktion sowie der günstige Preis machen den schlanken Mausersatz zu einer empfehlenswerten Touchpad-Alternative, die auf kleinstem Raum eingesetzt werden kann. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen hauptsächlich bei der mitgelieferten Treiber-Software, die derzeit lediglich für Windows-Betriebssysteme zur Verfügung steht und zu wenige Konfigurationsoptionen bietet. Besonders wünschenswert wären dabei eine flexible Tastenbelegung sowie lokalisierte Übersetzungen der englischen Menü-Dialoge.

Name: Pen Mouse
Hersteller: Genius
Internet: www.genius-europe.com
Preis: UVP 39,99 Euro; aktueller Marktpreis ca. 25 Euro (Stand März 2011)
Technische Daten
Abmessungen: 21 x 16 x 133 Millimeter
Gewicht: 17 Gramm (Mit Batterie ca. 30 Gramm)
Auflösung: bis 1.200 dpi (optischer Sensor)
Tasten: drei; nicht frei belegbar
Schnittstellen: USB; 2,4-Ghz-Funkverbindung (max. Reichweite 10 Meter)
Betriebssysteme: Windows XP, Vista, 7
Besonderheiten: automatischer Standby-Modus
Lieferumfang: Pen Mouse, Mini-USB-Empfänger, Treiber-Software, Anleitung, Clip, Ersatz-Stiftspitzen (2x), Mini-Mauspad, Transporttasche, AAA-Batterie
Pro & Contra
umfangreiches Zubehör
Abtastrate & Handhaltung wählbar
für Links- und Rechtshänder
automatischer Schlafmodus
handelsübliche Akkus verwendbar
günstiger Preis
wenige Konfigurationsmöglichkeiten
Software nur in englisch & für Windows
Wechsel der Abtastrate umständlich
Bewertung:
Ergonomie & Funktion (30%) gut
Lieferumfang & Ausstattung (30%): sehr gut
Software & Installation (20%): befriedigend
Verarbeitung & Haptik (20%): gut
Gesamt: gut (1,9)
Preis-Leistung: sehr gut

(Christian Wolf)

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