Testbericht

Garmin nüvi 3590LMT: Navi mit Live-Option im Test

Seit wenigen Monaten ist das Garmin nüvi 3590LMT in Deutschland erhältlich. Das Oberklasse-Navi bietet eine umfangreiche Grundausstattung, ein lebenslanges Kartenabo und lässt sich auf Wunsch per Smartphone-App mit Live-Diensten koppeln. Wir haben es getestet.

Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Waren klassische Navigationssysteme noch vor einigen Jahren die erste Wahl, wenn es auf unbekannten Strecken darum ging, bequem von A nach B zu gelangen, ist den ehemaligen Platzhirschen in Form von Navigations-Apps mittlerweile ebenbürtige Konkurrenz erwachsen. Neben einem meist geringeren Anschaffungspreis versprechen diese mehr Flexibilität bei der Suche nach Points of Interests (POI) über mobiles Internet sowie eine auf Echtzeit-Daten basierende Verkehrsvorhersage. Während einige Hersteller wie TomTom daher auch ihre Navigationsgeräte verstärkt mit Live-Zugängen ausstatten, setzt der US-Branchenführer Garmin bei aktuellen Premium-Modellen seit März dieses Jahres auf ein duales System mit optionaler mobiler Internetanbindung über die Android-App Smartphone Link. Eines dieser Neuvorstellungen ist das seit kurzem erhältliche nüvi 3590LMT (Lifetime Maps & Traffic), das inklusive lebenslange Karten-Updates und TMC-Pro-Abo für die Europa-Region ausgeliefert wird. Wir haben es getestet.

Navi im Mini-Tablet-Format

Mit Abmessungen von 13,8 x 8,7 x 1,3 Zentimetern besticht das rund 200 Gramm schwere Gerät zunächst vor allem durch seine schiere Größe. Ganze 5 Zoll misst der kapazitive Multi-Touch-Glasbildschirm, der optisch sofort Assoziationen an gängige Mini-Tablets weckt und auch im Hochformat genutzt werden kann. In Sachen Auflösung kann das nüvi mit 800x480 Pixeln zwar dann doch nicht ganz mit den Flachrechnern konkurrieren, für die grafische Darstellung der Routenführung genügt diese aber allemal. Ein echter Hingucker ist auch die Verarbeitung. Das von einem polierten Edelstahl –Streifen umrandete Gehäuse hat nichts mit den rauen Plastikschalen niedrigerer Preisklassen gemein. So ist die Materialanmutung durchgehend hochwertig. Die mit einer rutschfesten Beschichtung überzogene Rückseite fühlt sich dabei nicht nur äußerst angenehm an, sondern vermittelt selbst kleineren Händen jederzeit einen sicheren Griff. Ein Übriges tut das nahezu rahmenlose Display, das durch kräftige Farben und hohe Helligkeitswerte auch bei stärkerer Sonneneinstrahlung überzeugen kann. Allerdings ist die Glasfläche nicht entspiegelt und zieht Fingerabdrücke magisch an.

Das Zubehör entspricht auf den ersten Blick dem bei Navis enthaltenen Standard-Repertoire. So finden sich Schnellstart-Anleitung, USB-Kabel und kleine Saughalterungen, allerdings ebenfalls ein Gutschein für das Audio-Portal Audible, mit dem sich ein Hörbuch kostenfrei herunterladen lässt. Da das nüvi 3590LMT das spezielle Audible-Format unterstützt, kann der gewählte Titel auch auf dem Gerät wiedergegeben werden. Eine zweite Besonderheit zeigt sich bei genauerer Betrachtung der aktiven Windschutzscheibenhalterung. So wird diese in der Garmin-Oberklasse mit einem integrierten Zusatzlautsprecher ausgeliefert, der auch bei Umgebungs- und Fahrgeräuschen für verständliche Sprachansagen sorgt, bei voller Auslastung aber zum Übersteuern neigt. Die Verbindung zum Gerät erfolgt ausschließlich über Kontakte an der per Kugelgelenk verstellbaren Plastik-Aufnahme, in die sich das nüvi mühelos mit einer Hand einrasten lässt. Auch die Kabel für Stromversorgung und den Empfang des von NAVTEQ bereitgestellten Verkehrsdienstes TMC Pro werden direkt mit der Halterung gekoppelt. Lästiges An- und Abstecken bei Abfahrt und Ankunft entfällt daher. Zudem bietet der statische Aufbau Hobby-Bastlern die Möglichkeit, Anschlussleitungen hinter der Verkleidung des Armaturenbrettes zu verlegen.

Bekannte Bauwerke als 3D-Modelle

Wird die Zündung aktiviert, meldet das nüvi automatisch Bereitschaft; im umgekehrten Fall wechselt es innerhalb von 15 Sekunden selbstständig zurück in den Stand-by-Modus. Während die Warmstart-Phase aus dem Stand-by zu Fahrtbeginn kaum zwei Sekunden in Anspruch nimmt, ist der Kaltstart bei vollständig ausgeschaltetem Gerät erst nach rund 25 Sekunden abgeschlossen. Anschließend kann die Navigation starten. Die Bedienung ist dabei meist einfach gehalten, allerdings wirkt das Menü anfangs etwas unübersichtlich. Die Reaktion des Touchscreens auf Eingaben steht den Displays aktueller Oberklasse-Smartphones in nichts nach. Unterstützt werden ebenfalls Fingergesten zum Vergrößern beziehungsweise Verkleinern von Kartenausschnitten. Im Alltag ohne Nutzen, aber dennoch schön anzusehen, ist die Möglichkeit, soweit aus der Karte herauszuzoomen, bis der gesamte Globus zu sehen ist. Auch die übrige Landschaft wird wahlweise zwei- oder dreidimensional dargestellt. Berge etwa sind daher als Erhöhungen zu sehen, in Städten werden die Straßen bei entsprechender Vergrößerung hingegen durch dunkelgraue Häuser-Placebos gesäumt, um die Orientierung zu erleichtern. Bekannte Bauwerke sind als farbige 3D-Modelle eingefügt.

Die Anzeige erfolgt auf Wunsch in 3D; einige Bauwerke werden dabei als Modelle dargestellt - hier der Kölner Dom.
Screenshots: onlinekosten.de

Trotz der grafischen Finessen erfolgt der Bildaufbau meist zügig und ohne größere Ruckler. Ebenfalls mit Symbolen verzeichnet sind zudem POIs in der unmittelbaren Umgebung, die sich auf Wunsch per Fingerzeig auswählen, bewerten oder in die aktuelle Streckenführung einbinden lassen. Verläuft die gewählte Route über Autobahnen, informiert das nüvi auf Wunsch ebenfalls über spezielle Autobahn-POIs. Eine Auswahl der nächstgelegenen Tankstellen, Restaurants, Hotels und Toiletten lässt sich dabei über das Cockpit-Menü aufrufen. Als "Cockpit" bezeichnet Garmin die Anzeige der aktuellen Reiseinformationen am unteren Bildschirmrand. Hier lassen sich je nach Design-Vorlage bis zu fünf Einzeldaten anzeigen, so unter anderem Fahrtrichtung, Höhe, Tempolimits, Geschwindigkeit, Uhrzeit, Distanz bis zum Ziel oder auch Ankunftszeit.

Am oberen Rand hat Garmin den nächsten Wegepunkt inklusive die bis dahin verbleibende Entfernung platziert. Auch Stauwarnungen werden hier angezeigt. Die rechte Seite kann zudem mit bis zu drei individuell konfigurierbaren Schnellwahl-Icons für den Direktzugriff auf diverse Funktionen belegt werden. Standardmäßig angezeigt werden hier Symbole für Stummschaltung, Abbruch der aktuellen Routenführung sowie die Verkehrslage auf der Strecke.

Kartenansicht individuell anpassbar

Insgesamt bietet die Kartenansicht so zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten. Aufgrund der Displaygröße bleibt dennoch genug Raum für die Routenanzeige, die an Kreuzungen zudem durch Spurenassistent und bebilderte Ausfahrten ergänzt wird. Clever gelöst wurde darüber hinaus der Aufruf des als "Wo bin ich?" bezeichneten Notfallmenüs, das die aktuelle Position, nächstgelegene Adresse und Kreuzung sowie Kliniken, Polizeistationen, Tankstellen und die Nummer der ADAC-Pannenhilfe auflistet. Statt langer Suche genügt in derartigen Stresssituationen ein Antippen des über die virtuelle Karte navigierenden Fahrzeugs. Auch dieses kann derweil nach Lust und Laune geändert werden. Garmin liefert dafür bereits einige Vorlagen mit; weitere können über die Hersteller-Homepage kostenfrei heruntergeladen werden.


Points of Interest (POIs) werden auf der Karte angezeigt und lassen sich direkt anfahren oder per Umkreissuche orten.
Screenshots: onlinekosten.de

Doch alle Gimmicks bleiben letztlich nur Beiwerk, wenn die eigentliche Aufgabe des Navigationsgerätes unzureichend erfüllt wird. Dies trifft auf das nüvi zwar nicht zu, jedoch waren die berechneten Routen im Test nicht immer in Gänze nachvollziehbar. In einigen Fällen führte uns das Gerät trotz vorgewählter Präferenz für "Kürzere Strecke" oder "Kürzere Zeit" über allerlei Hakenschläge zum Ziel, wenn bei Ortskenntnis eigentlich ein direkter Weg die optimalere Lösung gewesen wäre. Wer dies vermeiden will, sollte sich die zu Fahrtbeginn stets abrufbaren Alternativ-Strecken genauer ansehen. Alles in allem gab es in Sachen Zielführung jedoch wenig Anlass zur Kritik. Auf spontane Abweichungen reagierte das nüvi in der Regel mit zügigen Neuberechnungen. Hilfreich nicht nur für Außendienstler ist zudem der integrierte Routenplaner. Hier lassen sich sämtliche Ziele eingeben und auf Wunsch durch das Gerät in einer optimalen Reihenfolge sortieren.

Stirnrunzeln bei der Sprachausgabe

Stirnrunzeln verursachte hin und wieder allerdings die stimmlich angenehme Text-to-Speech-Sprachausgabe (TTS). So fehlte vor allem in Städten ein wenig Trennschärfe zwischen graduell unterschiedlichen Anweisungen wie "links halten" und "links abbiegen". Zudem ist die linguale 1:1-Wiedergabe von Schildern in einigen Fällen eher weniger gut gelungen. Beispielsweise wird der Weg in Richtung Frankfurt am Main streng gemäß der Beschriftung "Frankfurt a. M" als "Frankfurt Ah Emm" angesagt. Gleiches galt für die Fahrt nach Köln-Zentrum, mit der Ankündigung "Ka-Zentrum". Derlei Patzer tun der eigentlichen Navigationsfunktion zwar keinen Abbruch, von einem Premium-Modell darf dennoch etwas mehr Feinjustierung erwartet werden. Insgesamt blieben derlei Merkwürdigkeiten aber die Ausnahme. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem der Fußgängermodus, bei dem sich optional auch öffentliche Verkehrsmittel in die Routenberechnung einbinden lassen. Dies bedingt allerdings die kostenpflichtige Installation sogenannter City-Xplorer-Stadtpläne, die derzeit für 35 europäische Städte erhältlich sind, darunter Berlin, München, Hamburg, Frankfurt a. M., Essen, Dresden sowie Köln. Pro Karte verlangt Garmin 9,99 Euro. Ein Fahrradmodus wiederum fehlt leider völlig.

Gut umgesetzt wurde die Warnung vor Verkehrsbehinderungen - von Garmin 3D-Traffic genannt: Bei Staugefahr erfolgt jeweils automatisch eine Sprachansage mit Information über die mittels Umfahrung eingesparte Zeit. Liegt diese oberhalb von 15 Minuten, wird die Route automatisch neu berechnet; andernfalls erfolgt lediglich der Hinweis auf eine mögliche Alternativroute. Der Fahrer kann dann selbst entscheiden, ob etwa sechs Minuten Fahrtverkürzung eine Streckenabweichung rechtfertigen. Grundsätzlich bei Symbol angezeigt werden darüber hinaus Warnmeldungen, die keinen unmittelbaren Einfluss auf die Fahrtdauer haben. Im Zusammenspiel mit der Funktion "Traffic Trends", die bereits bei der Routenberechnung je nach Tageszeit Strecken mit hohem Aufkommen auf Basis historischer Verkehrsdaten meidet, blieben wir im Test meist von längeren Zwangsstopps verschont. Gleichwohl stößt das System durch die verzögerte Übermittlung der genutzten TMC-/TMC-Pro-Daten immer wieder an seine natürlichen Grenzen.

Mehr Zuverlässigkeit in der Stauvorhersage verspricht der Hersteller bei Kopplung eines Android-Smartphones über Bluetooth mit installierter App Smartphone Link. In diesem Fall lassen sich die NAVTEQ-Daten mit im Zwei-Minuten-Takt aktualisierten Echzeit-Informationen über mobiles Internet ergänzen und decken auch regulär nicht erfasste Bereiche wie innerstädtische Straßen ab – eine Buchung des Dienstes "3D Live Traffic" zum Preis von 24,95 Euro pro Jahr vorausgesetzt. Doch unfehlbar ist natürlich auch dieses Feature nicht. Weitere Live-Dienste sind für jeweils 9,95 Euro abonnierbar. Zur Auswahl stehen "Erweiterte Wetterfunktionen", "Kraftstoffpreise", Informationen über kostenpflichtige Parkmöglichkeiten via "Parken aktuell" sowie die mobile Ausgabe des Blitzerwarners "Radar Info". Letztere beinhaltet nicht nur stationäre Anlagen, sondern soll auch über spontane Geschwindigkeitsmessungen informieren. Eine Warnung vor fest installierten Kontrollstellen in Deutschland und Österreich bietet Garmin derweil auch im Jahresabo für 15 Euro ohne permanente Online-Anbindung.

Kostenfreie Smartphone-Dienste sind rar

Kostenfreie Smartphone-Dienste sind hingegen rar. Gebührenfrei nutzbar sind lediglich einfache lokale Wettervorhersagen. Zudem ermöglicht Smartphone Link, über Google Maps zur letzten Parkposition zurückzufinden, auf Favoriten und letzte Ziele zuzugreifen sowie Routen vom Mobiltelefon direkt an das nüvi zu senden. Wer jedoch ein Smartphone ohne Android-Betriebssystem besitzt, bleibt bislang außen vor. Die Nutzung der Freisprechfunktion bedingt hingegen keine Zusatz-Software. Nahezu jedes Bluetooth-Handy kann verwendet werden - eine (leider nicht sehr aktuelle) Übersicht unterstützter Mobiltelefone bietet Garmin auf seiner Website. Nach einmaliger Paarung erkennt das nüvi ein Telefon automatisch, sobald es in der Nähe ist und stellt über ein Hörersymbol verschiedene Optionen zur Verfügung. Anrufe lassen sich anschließend direkt über das Navi-Display initiieren beziehungsweise annehmen, auch das Telefonbuch und Anrufliste sind bei vielen Handys einsehbar. Selbst SMS-Nachrichten können bei einigen Geräten gelesen und mit diversen Vorlagen knapp beantwortet werden (Safe Texting) – soweit die Theorie. Im Test ergaben sich allerdings auch einige unvorhergesehene Schwierigkeiten.

So zeigte sich das nüvi 3590LMT etwa unwillig, korrekt mit einem Samsung Omnia 7 zusammenzuarbeiten. Zwar wurde das mit der aktuellsten Version des Microsoft-Betriebssystems Windows Phone 7.5 ausgerüstete Smartphone problemlos erkannt und ließ sich zunächst auch für einen Verbindungsaufbau nutzen, bevor dieser jedoch tatsächlich zustande kam, führte das Navigationsgerät unvermittelt einen Neustart aus. Dieser Prozess wiederholte sich anschließend solange, bis die Bluetooth-Funktion auf dem Omnia deaktiviert wurde. Keine Probleme gab es hingegen mit dem HTC-Androiden One X sowie einem Nokia 3710 fold. Die Verbindung zum Telefon erfolgt jeweils automatisch, sobald das gekoppelte Gerät in der Nähe ist. Die Qualität der Sprachübertragung bei Telefonaten hing stark von wechselnden Bedingungen wie Umgebungslautstärke und der ohne Außenantenne eher ungünstigen Empfangssituation ab, ist aber insgesamt zufriedenstellend und für den kurzen Plausch unterwegs allemal ausreichend. Unsere Gesprächspartner klagten jedoch über Echo- und Hallgeräusche. Im Fahrzeug profitiert der Nutzer hingegen vor allem von dem Zusatzlautsprecher in der Halterung. Dennoch gilt: Auto-Vieltelefonierer sind mit einer fest eingebauten Freisprecheinrichtung stets besser beraten, zumal sämtliche TTS-Ansagen während eines Anrufs abgeschaltet sind.

Sprachsteuerung startet auf Zuruf

Ähnlich abhängig von Hintergrundgeräuschen ist die Zuverlässigkeit der ansonsten erstaunlich gut funktionierenden Sprachsteuerung des nüvi. Aktivieren lässt sich das Feature standardmäßig per Code-Wort "Sprachbefehl"; der Ausdruck ist allerdings beliebig anpassbar. Anschließend können Adresseingaben vorgenommen oder verschiedene Einstellungen akustisch bedient werden. So ist es beispielsweise möglich, Helligkeit oder Lautstärke des Gerätes zu regulieren, Ziele zu definieren, POIs zu suchen oder auch die Liste der Favoriten aufzurufen. Insgesamt umfasst die Sprachsteuerung 14 häufig genutzte Menüpunkte sowie eine Vielzahl spezifischer Kommandos.

Durchdacht wirken auch viele andere Geräte-Funktionen. Zu nennen wären ein automatischer Tag-Nacht-Modus, die selbstständige Uhrzeit-Einstellung, eine umfangreiche integrierte Hilfe sowie die automatische Speicherung der letzten Parkposition. Mitunter nützlich sind auch das Reisetagebuch "Wo war ich?" und der integrierte Routenplaner. Eher "Nice to have" als "Must have" sind hingegen Wecker, Bildbetrachter (JPEG), Taschen- und Einheitenrechner, Weltzeituhr und die 30-Tage-Testversion des Garmin-Sprachführers. Schade, aber ebenfalls zu verschmerzen, ist das Fehlen eines Medienplayers für MP3-Dateien oder die Wiedergabe von Videos beziehungsweise Filmen. Letzteres böte sich aufgrund der Displaygröße an. Und auch erweiterbaren Speicherplatz gibt es in Hülle und Fülle: per microSD-Chip lassen sich bis zu 16 Gigabyte (GB) nachrüsten. Das Gerät selbst verfügt über 7,3 GB, die allerdings größtenteils durch das Kartenmaterial belegt sind.

Wirklich negativ aufgefallen ist das nüvi im Test aber nur bei einem Punkt: Wie bereits einige Vorgängergeräte bietet auch dieses Modell keine Möglichkeit, den dauerpräsenten Quittungston der Menüauswahl abzustellen – ein Makel, der schnell an den Nerven zerrt. Dem Nutzer bleibt keine Wahl: Schaltet er das Gerät auf "Stumm", werden auch die Sprachansagen und andere Audio-Features zum Schweigen gebracht.

Quittungston nicht abschaltbar

Warum Garmin an dieser Stelle immer noch nichts aus den zahllosen Klagen von Nutzern älterer Modelle wie dem 3790T gelernt hat, bleibt das Geheimnis des US-Unternehmens. So steht weiterhin zu hoffen, dass ein kommendes Firmware-Update endlich Abhilfe schafft und die Lautstärkesteuerung um eine Abschalt-Option erweitert. Bislang lassen sich dort manuell lediglich Ansagen, Telefongespräche sowie die Wiedergabe der Audible-Hörbücher regulieren. Zumindest die Lautstärkeanpassung der TTS-Sprachausgabe kann auf Wunsch zudem automatisch durch das Gerät erfolgen.

Keine Überraschungen barg im Test die Leistung des fest im Gehäuse integrierten Akkus. Garmin nennt hier Werte von bis zu vier Stunden – unter ungünstigsten Empfangsbedingungen quittierte der Energiespeicher durchschnittlich aber erwartungsgemäß bereits mindestens eine Stunde früher seinen Dienst. Um sich zu Fuß in fremden Städten zu einem oder mehreren Zielen leiten zu lassen, dürfte die Laufzeit so zwar meist genügen. Als portabler Routenführer abseits des Autos ist das nüvi damit letztendlich aber eher eine Verlegenheitslösung.

Fazit: Schönes Stück Technik mit Makeln

Unbestritten: Das Garmin nüvi 3590LMT inklusive lebenslangem Europa-Kartenabo (vier Updates pro Jahr) gehört in Sachen Ausstattung, Leistungsumfang und Verarbeitung mit Sicherheit zu den besten derzeit auf dem Markt erhältlichen Navis. Die optionale Internet-Anbindung per Smartphone verwandelt das Gerät zudem im Handumdrehen in ein Live-Modell, das sich mit allerlei Zusatzdiensten erweitern lässt. Besonders begeistern können darüber hinaus das große helle Display mit 3D-Darstellung, der reaktionsschnelle Multi-Touchscreen, die durchdachte Aktivhalterung mit eingebautem Lautsprecher sowie die Einbindung von POIs und die vorbildliche Warnung vor Verkehrsbehinderungen. Auch die integrierte Sprachsteuerung ist mit kleinen Abstrichen überzeugend umgesetzt.

Gepatzt hat Garmin hingegen vor allem im Detail. So lässt sich der überflüssige Quittungston nicht separat abstellen, die TTS-Sprachansage benötigt hier und da noch etwas Fein-Tuning und die Live-App Smartphone Link ist bislang lediglich für die Android-Plattform verfügbar. Weitere Systeme sollten zeitnah folgen, um auch iOS-, BlackBerry- oder Windows-Phone-Nutzer anzusprechen. Wünschenwert wäre zudem eine größere Auswahl an kostenlosen Live-Diensten - ob hier noch nachgelegt wird, bleibt abzuwarten.

Ebenfalls schade: Garmin hat seinem Premium-Modell keinen Mediaplayer für die Wiedergabe von MP3-Dateien oder Videos in Fahrpausen spendiert. Lediglich JPEG-Bilder lassen sich anzeigen sowie kostenpflichtige Hörbücher des Portal Audible abspielen. Dennoch gilt: Wer derzeit auf der Suche nach einem sehr gut verarbeiteten Navigationsgerät ist, das nicht nur eine beachtliche Vollausstattung bietet, sondern bei Bedarf mit zusätzlichen Live-Diensten ergänzt werden kann, darf das nüvi 3590LMT ohne Vorbehalt in die engere Wahl ziehen. Unverbindliche Preisempfehlung: 329 Euro.

Name: Garmin nüvi 3590LMT
Hersteller: Garmin
Internet: www.garmin.de
Preis (UVP): 329 Euro
Technische Daten
Abmessungen: 13,8 x 8,7 x 1,3 cm
Gewicht: 203 Gramm
Display (Diagonale): 5 Zoll (12,7 cm), kapazitiver Multi-Touchscreen
Prozessor: k. A.
RAM: k. A.
Speicher: 7,3 GB interner Flash-Speicher
Speicher erweiterbar: microSD-Karte (bis 16 GB)
Betriebssystem: k. A.
Kartenmaterial: Europa
Karten-Updates: inklusive (quartalsweise; maximal 30 Jahre)
Verkehrsdienst: NAVTEQ Traffic (TMC Pro); Live-Daten (Aufpreis)
Live-Funktionen (mobiles Internet): ja (optional per Smartphone-App)
Ansage von Straßennamen (Text-to-Speech): ja
Radarwarner: ja (gegen Aufpreis)
Tag-Nacht-Modus: ja (automatisch)
Routenprofile: PKW, Fußgänger
Routenoptionen: "Kürzere Zeit", "Kürzere Strecke", "Weniger Kraftstoff", "Luftlinie"
Fahrspurassistent: ja
Routenplanung: ja
Points of Interest (POI): ja
Sprachsteuerung: ja
Freisprechen: ja
Media-Player (Audio/Foto/Video): Audible-Hörbücher; JPEG-Fotos
Lieferumfang: Scheibenhalterung mit Saugnapf + integriertem Lautsprecher, Auto-Ladekabel mit integriertem TMC-Empfänger (150 cm), TMC-Antennenkabel, Mini-Saugnäpfe, USB-Kabel, Audible-Gutschein, Kurzanleitung
Anschlüsse/Konnektivität: Mini-USB, Bluetooth
Akku: Lithium-Ionen
Weitere Extras: Smartphone-App Smartphone Link für Live-Anbindung, 3D-Landschafts-/Gebäudedarstellung, realistische Kreuzungsanzeige, Spurenassistent, wechselnde "Cockpits", Sprachansage/Anzeige von Verkehrsbehinderungen, automatische Lautstärkeanpassung
Pro & Contra
TMC Pro (NAVTEQ Traffic)
Großes, helles Multi-Touch-Display
Europa-Kartenabo lebenslang inklusive
automatische Lautstärkeanpassung
Aktivhalterung mit Lautsprecher
zügiger GPS-Fix
3D-Landschaft/-Gebäude
Freisprechanlage/Sprachsteuerung
optionale Live-Anbindung/-Dienste per App
umfangreiches Hilfe-Menü
Quittungston nicht abstellbar
Display nicht entspiegelt
kleinere Software-Probleme (Bluetooth)
teils unübersichtliche Menüführung
Lautsprecher neigt zum Übersteuern
Live-Anbindung nur mit Android-Smartphones
kein Fahrradmodus
Bewertung (Teilnoten) [Anteil]:
Navigation (Features/Praxis) [30%]: 1,5 (1,0/2,0)
Ausstattung (Umfang/Funktion) [25%]: 1,5 (1,0/2,0)
Bedienung (Handhabung/Menüführung) [25%]: 2,0 (2,0/2,0)
Display (Anzeige/Touchscreen) [20%]: 1,0 (1,0/1,0)
Gesamt: gut (1,5)
Preis-Leistung: sehr gut

(Christian Wolf)

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