Testbericht

Garmin nüvi 2797LMT im Test: Navi im Tablet-Format

E-Book-Reader und Tablets mit 7-Zoll-Display sind keine Seltenheit. Doch auch bei Navigationssystemen hat das Format längst Einzug gehalten - so etwa beim seit wenigen Monaten erhältlichen Garmin nüvi 2797LMT. Lohnt sich der Griff zur Übergröße? Wir haben das Gerät getestet.

Garmin nüvi 2797LMT: Navi im Tablet-FormatE-Book-Reader und Tablets mit 7-Zoll-Display sind keine Seltenheit. Doch auch bei Navigationssystemen hat das Format längst Einzug gehalten - so etwa beim Garmin nüvi 2797LMT.© Garmin Deutschland GmbH

Ist das ein Tablet? Oder gar ein E-Book-Reader? Auf den ersten Blick sorgt das Garmin nüvi 2797LMT aufgrund seiner eher ungewohnten Größe für fragende Mienen. Und tatsächlich kann der seit Mai erhältliche 7-Zöller an einer durchschnittlichen PKW-Windschutzscheibe schnell überdimensioniert wirken. Für die oft ausladenden Cockpits von Kleinbussen, Transportern, SUVs, VANs oder Wohnmobilen ist der größere Bildschirm aber womöglich genau das richtige Format - ganz zu schweigen von Nutzern, denen die herkömmlichen Displays zu klein sind. Ob das Riesen-nüvi dabei auch in anderen Disziplinen überzeugen kann, zeigt unser Test.

Gutschein im Lieferumfang

Zum Lieferumfang des in der mittelklassigen "Advanced"-Serie angesiedelten Gerätes gehören die übliche Saugnapf-Halterung mit Kugelgelenk für die Windschutzscheibe, ein USB-Kabel, das Stromversorgungskabel mit TMC-Empfänger, eine TMC-Wurfantenne mit passenden Mini-Saugnäpfen sowie eine Kurzanleitung. Auf dem Gerät sind Karten für 45 europäische Länder vorinstalliert, die bis zu 30 Jahre kostenfrei quartalsweise aktualisiert werden können. Ebenfalls inklusive ist ein Gutschein im Wert von 49 Euro, mit dem sich eine zusätzliche fahrzeugspezifische Halterung für die Lüftungsdüsen ordern lässt. So wird die Sicht auf die Fahrbahn nicht durch das Navi behindert. Das nüvi selbst kommt in einem unspektakulären schwarzen Plastikgehäuse – lediglich die von der Rück- bis zur Oberseite verlaufende Abdeckung des integrierten Lautsprechers durchbricht die dunkle Monotonie ein wenig. Auffällig dabei: Das Design folgt völlig anderen Maßstäben, als bei allen übrigen Geräten der "Advanced"-Reihe – in diesem Fall nicht unbedingt ein Vorteil. Die Verarbeitung ist jedoch tadellos.

Ebenfalls rückseitig wurde der Ein-Aus-Schalter angeordnet. An der unteren Kante finden sich micro-SD-Einschub, micro-USB-Port sowie der mittig positionierte Taster zum Lösen der Arretierung beim Herausnehmen des Gerätes aus der Scheibenhalterung. Durch den großen und leichtgängigen Knopf ist dies in wenigen Sekunden zu bewerkstelligen. Das Gegenteil ist beim Einsetzen der Fall: Da hier quasi im Blindflug agiert werden muss, sind Geduld und oft mehrere Anläufe notwendig, bevor das Navi endlich verankert ist. Da Ladekabel und TMC-Empfänger direkt in die Scheibenhalterung eingesteckt werden, hält sich zumindest aber der Kabelsalat in Grenzen. Das Gerät startet zudem automatisch, sobald es einrastet und Strom zugeführt wird; es schaltet sich außerdem nach wenigen Sekunden ab, wenn der Energietransfer nach dem Abstellen des Motors verebbt.

Resistiver Touchscreen mit niedriger Auflösung

Der alternativ auch mit einem Stift oder Handschuhen bedienbare resistive Touchscreen reagiert auf Antippen in der Regel zuverlässig. Mitunter ist dabei allerdings etwas mehr Druck notwendig, bevor die gewünschte Reaktion ausgelöst wird. Multitouch-Gesten mit zwei oder mehr Fingern wie Zoomen oder Drehen sind - anders als bei den heute etwa in Smartphones und Tablets verbauten kapazitiven Bildschirmen – nicht möglich. Die Auflösung des nur im Querformat nutzbaren TFT-Displays beträgt vergleichsweise niedrige 800 x 480 Pixel - Grafiken, Karten und Symbole wirken daher bei näherer Betrachtung etwas gestuft und grobkörnig. Dafür kann die Anzeige des nüvi 2797LMT mit einer recht guten Entspiegelung punkten und ist selbst aus seitlichem Blickwinkel noch gut erkennbar. Sichtbar werden dann allerdings ebenfalls die unvermeidlichen Fingerabdrücke.

Die Menüführung ist trotz kleiner Schwächen insgesamt einfach gehalten, sodass sich auch Anfänger oder Navi-Umsteiger recht schnell zurechtfinden dürften. Auch die Konfiguration des Gerätes ist über die selbsterklärenden Optionen in wenigen Minuten erledigt; andernfalls steht unter "Apps" ein ausführlicher Hilfebereich zur Verfügung. Bei der Zieleingabe besteht die Möglichkeit, entweder direkt eine Adresse einzugeben, die Navigation zu einer vordefinierten Heimatadresse ("Nach Hause") mit einem Klick zu starten oder über konfigurierbare Schnellzugriffe diverse Points of Interest (POI) wie Restaurants, Tankstellen oder Einkaufsmöglichkeiten anzufahren. Auch Kreuzungen, Koordinaten oder Städte lassen sich auswählen. Letzteres kommt etwa immer dann zum Tragen, wenn Straße und Nummer am Zielort nicht bekannt sind.

Bei der Adresseingabe sorgt eine Tastatur mit Vorschlagsfunktion dafür, dass das gewünschte Ziel schneller gefunden werden kann. Dabei berechnet das Gerät anhand der bereits verwendeten Buchstaben die noch möglichen Kombinationen und blendet automatisch eine Auswahl der passenden Orte ein. Anschließend besteht die Möglichkeit, direkt loszufahren oder zunächst bis zu drei Routen anzeigen zu lassen. Darüber hinaus bietet das nüvi einen Routenplaner, der vorab mit sämtlichen Destinationen gefüttert werden kann und auf Wunsch eine optimale Reihenfolge erstellt.

"Das Ziel liegt in einer Umweltzone"

Die anschließende Streckenberechnung dauert in der Regel nur wenige Sekunden. Liegt das Ziel in einer Umweltzone, erscheint ein kurzer Hinweis mit der Möglichkeit, gegebenenfalls eine Umleitung zu wählen - es sei denn, die Nachfrage wurde zuvor in den Optionen deaktiviert. Wer etwa mit grüner Plakette unterwegs ist, kann auf die Meldung verzichten. Auch kann diese schnell störend wirken, wenn in der laufenden Navigation ein weiteres Ziel ergänzt oder von der vorgeschlagenen Route abgewichen wird. Denn dann kann es passieren, dass die Warnung "Das Ziel liegt in einer Umweltzone" erneut erscheint und dabei die Kartendarstellung solange überlagert, bis auf "OK" getippt wurde – während der oft hektischen Fahrt in einer unbekannten Stadt nicht unbedingt ideal. Ein automatisches Ausblenden nach einem bestimmten Zeitraum wäre hier unbedingt wünschenwert.

Geduld wird dem Fahrer mitunter auch durch die GPS-Suche abverlangt. Zumindest bei der Erstnutzung kann diese etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Im Test zeigte sich das Gerät dabei bei rollendem Fahrzeug zunächst nicht in der Lage, einen Satelliten zu finden. Nach einem kurzen Stopp konnte der GPS-Empfang aber zügig hergestellt werden. In allen späteren Versuchen gab es dieses Problem nicht mehr. Unterwegs leitet das Navi wahlweise mit weiblicher oder männlicher Anleitung durch den Verkehr. Ein verbesserter Fahrspurassistent weist an Ausfahrten und Autobahnkreuzen unmissverständlich den Weg in die richtige Bahn; bei Überschreitung eines Tempolimits ertönt auf Wunsch ein Warnton. Bei Richtungsansagen werden nicht nur Straßennamen genannt, sondern auch markante Wegpunkte wie Ampeln, Häuser oder POIs einbezogen ("Biegen Sie vor dem roten Haus rechts ab"). Bei Störungen wie Staus, Sperrungen, Baustellen oder Unfällen wird sowohl über Texthinweise als auch eine zusätzliche Sprachansage gewarnt sowie gegebenenfalls eine Umleitung berechnet. Die zugrundeliegenden Verkehrsdaten basieren auf TMC Pro ("3D Traffic").

Live-Verkehrsdaten gegen Aufpreis per Smartphone-App

Darüber hinaus ist es möglich, via Smartphone gegen Aufpreis auch Live-Daten einzubinden. Die dafür benötigte Garmin-App "Smartphone Link" ist für Android sowie iOS verfügbar und bietet weitere Funktionen, von denen allerdings die meisten nur gegen Zahlung einer Jahres-Gebühr genutzt werden können. Verkehrsinformationen in Echtzeit ("3D Live Traffic") kosten dann für zwölf Monate beispielsweise rund 20 Euro; gleiches gilt für die Anzeige mobiler Radarfallen. Erweiterte Wetterdaten und Informationen zu Parkmöglichkeiten inklusive Live-Gebührenanzeige sind für rund 5,50 Euro jährlich buchbar. Gratisdienste sind derweil Mangelware: Lediglich einfache Wetterinfos, eine Positionsweitergabe von Adressen sowie das automatische Speichern der letzten Parkposition stehen kostenlos zur Verfügung.

Ist das Telefon schon verbunden, lässt sich gleich auch die integrierte Freisprecheinrichtung nutzen. Im Test gelang das mit verschiedenen Smartphones unterschiedlicher Hersteller und Betriebssysteme problemlos. Einmal gekoppelt wird die Funkverbindung immer dann hergestellt, wenn sich die Geräte in gegenseitiger Bluetooth-Reichweite befinden. Ebenfalls direkt über das Navi abrufbar sind in diesem Fall Telefonbuch und Anrufliste. Eingehende Gespräche werden mit einem eigenen Klingelton signalisiert und können über das Display angenommen werden; SMS-Nachrichten werden auf Wunsch vorgelesen – wenn das entsprechende Stichwort "Lesen" vom Gerät richtig erfasst wird. Insbesondere bei dominanten Umgebungsgeräuschen kann dies jedoch auch fehlschlagen. Darüber hinaus gibt das nüvi Kurzmitteilungen selbst bei voller Lautstärke deutlich leiser wieder als Richtungsansagen – mitunter ist der Inhalt daher kaum zu verstehen. Alles in allem taugt die Freisprechfunktion daher zwar für Gelegenheitsnutzer, jedoch keinesfalls als Dauerlösung für Vieltelefonierer. Der integrierte Lautsprecher neigt zudem besonders bei sehr hohen Tonlagen zum Übersteuern.

Wie bereits angedeutet, verfügt das nüvi 2797LMT zudem über eine Sprachsteuerung. Starten lässt sich diese über ein vorab definiertes Kommando - in der Standardeinstellung "Sprachbefehl". Einmal laut ausgesprochen, können verschiedene Funktionen aufgerufen beziehungsweise freihändig verändert werden - etwa Lautstärke und Helligkeit. Auch Suchaufträge lassen sich erteilen. In unseren Versuchen zeigte sich die Stimm- und Worterkennung dabei als recht zuverlässig. Lediglich längere Wörter wie Straßennamen werden mitunter erst nach mehreren Versuchen erkannt. Kann das nüvi das Gesprochene nicht eindeutig zuordnen, erscheint eine Auswahl mit verschiedenen Möglichkeiten.

Kartenanzeige bedingt individualisierbar

Die meisten Einstellungen bedürfen jedoch klassischer Handarbeit und sollten daher möglichst bei stehendem Fahrzeug vorgenommen werden. Beispiel: Die Individualisierung der Kartenanzeige. Hier bietet das nüvi am unteren Bildrand zwei separate Infoboxen, von denen eine die aktuelle Reisegeschwindigkeit anzeigt. Das zweite Feld kann hingegen angepasst und etwa mit Ankunftszeit, Reisedauer, Distanz bis zum nächsten Ziel, Himmelsrichtung oder auch Höhe über dem Meeresspiegel belegt werden. Weitere Schnellzugriffe sind über ein Menü am rechten unteren Rand zugänglich – welche, lässt sich ebenfalls selbst festlegen.

Ergänzt werden können etwa Verknüpfungen zu Reisedaten, Telefonmenü oder Verkehrsübersicht. Bereits in der Voreinstellung finden sich zudem die Lautstärkeregulierung sowie eine Option, am rechten Bildrand drei im Vorfeld definierte POIs entlang der aktuellen Route mit Entfernungsangaben ausklappen zu lassen. Mitunter genügt aber ein kurzer Blick auf die Karte. Auch dort sind umliegende Sonderziele sichtbar und können durch einfaches Antippen direkt angefahren werden. Wird hingegen das mittig platzierte Autosymbol berührt, öffnet sich das "Erste-Hilfe-Menü". Dort sind neben Details zur aktuellen Position Angaben zur nächstgelegenen Klinik, Polizeistation und Tankstelle abrufbar. Ebenfalls hinterlegt ist die Pannen-Hotline des ADAC. Leider ist es dabei nicht möglich, die Anwahl der Rufnummer direkt über das Gerät in Verbindung mit einem gekoppelten Mobiltelefon zu initiieren – kein wirkliches Manko, aber eines der kleinen schlauen Details, die ein durchdachtes Bedienungskonzept ausmachen.

Und täglich nervt der Quittungston

Andererseits: Ärgerlich wird es erst bei richtigen Patzern. Und noch ärgerlicher wird es, wenn diese Patzer bereits seit Jahren bestehen, von vielen Kunden bereits moniert wurden und dennoch auch bei neuen Geräten unverändert anzutreffen sind. Ein Paradebeispiel dieser Kategorie ist der bei Garmin-Navis nicht separat abstellbare Quittungston bei Fingereingaben, der beim Berühren einer virtuellen Schaltfläche zu hören ist.

Nahezu jede Änderung wird daher akustisch bestätigt – bei hoher Lautstärke eine Strapaze sowohl für das eigene Nervenkostüm als auch die direkte Umgebung. Vielleicht erkennen das ja irgendwann auch die Garmin-Entwickler und ergänzen die Firmware entsprechend. Bisher lassen die Lautstärkeeinstellungen lediglich die Wahl, Telefon und Ansagen zu regulieren; wer die Stummschaltung als Ausweg nutzt, hört also auch dort nichts mehr.

Nicht gerade ein Ruhmesblatt ist auch die schwache Akkulaufzeit von – laut Herstellerangaben – lediglich bis zu 1 Stunde. Wie zu erwarten, fiel diese im Test bei maximalen Helligkeitswerten, aktiviertem Bluetooth und ungünstigen Empfangsbedingungen sogar noch kürzer aus. Aufgrund des unhandlichen Formates und des recht hohen Gewichts von rund 350 Gramm ist das nüvi 2797LMT aber ohnehin ausschließlich für den Betrieb an einem festen Platz mit Stromkabel vorgesehen. Einen Fußgänger- oder gar Fahrradmodus sucht man daher vergebens.

Fazit: Größe hat ihren Preis

Unter dem Strich zeigt das nüvi 2797LMT keine gravierenden Schwächen, lässt aber auch keine rechte Begeisterung aufkommen. Zu den Stärken des Gerätes zählen neben dem inkludierten 30-Jahres-Abo für neue Karten vor allem das große Display, der laute Lautsprecher, das informative Stau- und Verkehrswarnleitsystem mit ausführlichen Sprachansagen sowie die Möglichkeit, gegebenenfalls per Smartphone-App (kostenpflichtige) Echtzeitdaten in die Navigation einzubeziehen.

Weniger gefallen können die vergleichsweise grobe Display-Auflösung, die fummelige Verbindung zur Scheibenhalterung, die schwache Akkulaufzeit und die kleinen Software-Patzer. Fragen wirft darüber hinaus das so biedere wie klobige Plastik-Design auf, das sich völlig vom eleganten Rest der "Advanced"-Serie unterscheidet. Nicht zu verachten ist zudem der mit 319 Euro recht hohe Preis. Dass darin ein 49-Euro-Gutschein für eine zweite Halterung enthalten ist, fällt da schon kaum mehr ins Gewicht. Wer auch mit einem kleineren Display auskommt, erhält zu gleichen Konditionen etwa das aktuelle "Premium"-Modell nüvi 3597LMT. Das Plus an Größe hat also auch seinen Preis.

(Christian Wolf)

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