Abgespeckter WLAN-Router für unter 100 Euro

AVM Fritz!Box 7430 im Test: Mittelklasse-Router für den Einstieg in die Heimvernetzung

AVM hält mit der Fritz!Box 7430 einen erschwinglichen WLAN-Router für Einsteiger bereit, die ihr Heim einfach und komfortabel vernetzen wollen. Der Router ist speziell für den Einsatz am IP-basierten Festnetzanschluss konzipiert und unterstützt VDSL bis 100 Mbit/s. Dem günstigen Preis wurden allerdings einige technische Features geopfert. Wir haben die Fritz!Box 7430 in der Praxis getestet.

Fritz!Box 7430 Verpackung© i12 GmbH

Anspruchsvolle Internetnutzer setzen bei einem WLAN-Router in der Regel auf die bestmögliche, aktuellste Technik. Die inzwischen dank VDSL und Kabel-Internet erreichbaren hohen Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr sollen möglichst nicht durch den Router ausgebremst werden. Die weitverbreiteten Fritz!Box-Router des Berliner Netzwerkspezialisten AVM punkten mit viel Leistung, sind preislich aber meist kein Schnäppchen.

Günstiger Einstieg in die Heimvernetzung

Im vergangenen Sommer hatte AVM mit der Fritz!Box 7430 einen Mittelklasse-Router eingeführt, der mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 129 Euro einen vergleichsweise günstigen Einstieg in die Heimvernetzung ermöglichen soll. Allerdings hat der Hersteller bei dieser Fritz!Box im Gegenzug einige Features abgespeckt, die bei aktuellen Routern inzwischen meist zum Standard gehören. Auf was müssen Nutzer verzichten, wenn sie sich für den inzwischen für knapp unter 100 Euro erhältlichen AVM-Router entscheiden? Wir haben die Fritz!Box 7430 in unserem Test unter die Lupe genommen.

Für den Einsatz am IP-Anschluss optimiert

Fritz!Box 7430Die Fritz!Box 7430 vermarktet AVM als Einstiegsrouter für das Heimnetz.© AVM

Blicken wir zunächst auf Design und Anschlüsse der Fritz!Box 7430. Rein optisch reiht sich die Fritz!Box nahtlos in die aktuellen Router-Modelle von AVM ein. Mit Abmessungen von 226 x 47 x 160 Millimetern (B x H x T) ist das rot-silbern designte Gehäuse von der Größe her nahezu identisch mit der Fritz!Box 7360. Während die Fritz!Box 7360 aber sowohl für IP-Telefonie als auch die klassische Festnetz-Telefonie genutzt werden kann, ist die integrierte Telefonanlage der Fritz!Box 7430 ausschließlich für die Verwendung am IP-basierten Festnetz konzipiert.

Der Berliner Hersteller hat auf der Rückseite bzw. seitlich einen a/b-Port (TAE oder RJ11) zum Anschluss entweder eines analogen Telefons, IP-Telefons, Anrufbeantworters oder eines Faxgeräts platziert. Die Fritz!Box verfügt neben der Telefonanlage für IP-Anschlüsse über eine integrierte DECT-Basisstation für bis zu sechs Schnurlostelefone.

Integriertes VDSL-Modem unterstützt bis zu 100 Mbit/s - keine Gigabit-LAN-Ports

Die Fritz!Box 7430 kann sowohl am DSL- als auch am VDSL-Anschluss genutzt werden. Das integrierte Modem unterstützt VDSL mit bis zu 100 Mbit/s sowie ADSL2+ und ADSL. Alternativ fungiert die Fritz!Box als Router in Verbindung mit einem Kabelmodem oder UMTS-Stick (UMTS/HSPA) bzw. bei Einsatz hinter dem Glasfaseranschluss. Auf der Rückseite der Fritz!Box 7430 finden sich vier Fast-Ethernet/WAN-Anschlüsse. Schnellere Gigabit-LAN-Ports hat AVM hier eingespart.

Fritz!Box 7430 AnschlüsseDie Fritz!Box 7430 verfügt nur über vier Fast-Ethernet- statt Gigabit-LAN-Anschlüsse.© i12 GmbH

Nur ein USB-2.0-Port

Eine externe Festplatte, ein USB-Stick oder ein Drucker lassen sich über den seitlich platzierten USB-Anschluss in das Heimnetz einbinden. Allerdings hat AVM dem Router nur einen USB 2.0-Anschluss statt des wesentlich schnelleren USB-3.0-Ports spendiert. Ein USB-Stick wurde in unserem Test beim Anschluss an die Fritz!Box direkt erkannt. Auf die Inhalte lässt sich per Fritz!NAS-Menü komfortabel zugreifen.

Fritz!Box 7430 funkt nur per WLAN N über 2,4 GHz

Auch beim WLAN wurde abgespeckt. Das schnelle WLAN AC, das aktuell von immer mehr Geräten unterstützt wird, lässt sich mit der Fritz!Box 7430 nicht nutzen. Der Router funkt lediglich über das Frequenzband 2,4 GHz nach Standard 802.11n mit brutto bis zu 450 Mbit/s, das in der Regel noch nicht so stark beanspruchte 5-GHz-Frequenzband steht nicht zur Verfügung. Die WLAN-Stärke eines neuen WLAN-AC-fähigen Smartphones oder Tablets läst sich somit im Zusammenspiel mit dem AVM-Router nicht ausspielen.

Auf der Oberseite des Routers finden sich zwei Taster zum Ein- und Ausschalten von DECT und WLAN bzw. zur schnellen, sicheren Einrichtung einer WLAN-Verbindung per WPS. Fünf LEDs informieren über den Status von Internetzugang, WLAN, DECT und Telefonie.

Einfache Einrichtung - LAN-Anschluss maximal mit 100 Mbit/s

Die Fritz!Box 7430 ist dank der im Browser unter fritz.box aufrufbaren Benutzeroberfläche sowie mittels Assistenten und Schritt-für-Schritt-Anweisungen schnell eingerichtet. Zum Lieferumfang gehört eine knappe Installationsanleitung, ein ausführliches Handbuch steht online auf der AVM-Webseite zum Download zur Verfügung. Für die Konfiguration der Telefonie werden die Telefon-Zugangsdaten des eigenen Providers benötigt. Wir haben den Router unter anderem an einem bis zu 16 Mbit/s schnellen DSL-Anschluss von 1&1 (www.1und1.de/dsl) getestet, ein VDSL-Anschluss stand uns nicht zur Verfügung. Der DSL-Anschluss gibt technisch bedingt nur maximal rund 10 Mbit/s her, diese Download-Bandbreite hat die Fritz!Box aber problemlos per LAN-Anschluss bereitgestellt. Alternativ haben wir die Fritz!Box 7430 ohne Nutzung des integrierten DSL-Modems hinter der Fritz!Box 6360 Cable als Router an einem bis zu 120 Mbit/s schnellen Kabelanschluss von Unitymedia (www.unitymedia.de) eingesetzt. Bandbreiten von mehr als 100 Mbit/s lassen sich über den Router kabelgebunden mangels fehlender Gigabit-LAN-Ports aber nicht nutzen. Wir kamen im Test auf rund 95 Mbit/s am LAN-Anschluss.

Stabile WLAN-Verbindung per WLAN N

Was bietet die WLAN-Funktionalität der Fritz!Box 7430 in der Praxis? Wenige Meter von dem Router entfernt kamen wir per WLAN N auf Download-Bandbreiten zwischen 87 und knapp 95 Mbit/s. Durch zwei Wände von dem Router-Standort getrennt haben wir noch Werte zwischen 68 und 74 Mbit/s gemessen. Außerdem haben wir geschaut, wie viel Geschwindigkeit zum Surfen über zwei Etagen hinweg verfügbar ist. Hier ließen sich noch Bandbreiten zwischen 31 und 46 Mbit/s nutzen. Allerdings sind solche Messwerte immer auch abhängig von den Gegebenheiten vor Ort sowie den genutzten Endgeräten und können in der eigenen Wohnung abweichen. Die Geschwindigkeit im WLAN-Netzwerk wird beispielsweise durch Störsignale sowie andere WLAN-Router in der Umgebung beeinträchtigt. Die Benutzeroberfläche der Fritz!Box bietet einen detaillierten Überblick über die WLAN-Umgebung. Bei Bedarf lässt sich über die Änderung des eingestellten Funkkanals die Funkleistung des Routers optimieren. Das WLAN-Signal der Fritz!Box zeigte sich im Test stabil, zu Abbrüchen der Verbindung kam es nicht.

Komfortable Benutzeroberfläche Fritz!OS

Fritz!Box 7430 StartseiteDie Fritz!OS-Benutzeroberfläche erlaubt die komfortable Einrichtung und Verwaltung der Fritz!Box 7430.© i12 GmbH

Trotz Verzicht auf USB 3.0, Gigabit-Ports und WLAN AC: Nutzer einer Fritz!Box 7430 müssen nicht in allen Bereichen mit Abstrichen leben. Die Konfiguration und Administration erfolgt in der Benutzeroberfläche des Browsers, die sich dank Fritz!OS-Firmware komfortabel und übersichtlich präsentiert. Nach einem Update konnten wir auf Fritz!OS 6.30 zugreifen. Pluspunkt bei AVM sind die regelmäßig zur Verfügung gestellten Aktualisierungen von Fritz!OS, die oft neue Features mitbringen. Die Benutzeroberfläche stellt Konfigurationsmöglichkeiten für Internet, Telefonie, Heimnetz, WLAN und DECT bereit. Selbst ein Gastzugang lässt sich in wenigen Schritten einrichten. Diverse Assistenten unter anderem zur Einrichtung von Internetzugang und Telefonie sowie zur Durchführung eines Updates erleichtern auch Fritz!Box-Anfängern den Einstieg. Im Hinblick auf die Bedienung muss sich die Fritz!Box 7430 nicht hinter den Flaggschiff-Routern von AVM verstecken.

Telefonie per Assistenten leicht einrichtbar

Die Telefonie-Nutzung erfolgte problemlos in wenigen Schritten. Über die Benutzeroberfläche lassen sich die erforderlichen Telefonzugangsdaten eingeben. Schnurlostelefone lassen sich dank integrierter DECT-Basisstation mit der Fritz!Box verbinden. Die Sprachqualität war gut und klar, unterstützt wird auch HD-Telefonie. Zu den weiteren Telefonie-Features zählen unter anderem fünf integrierte, digitale Anrufbeantworter, eine Faxfunktion, ein Weckruf oder der Einsatz als Babyfon.

Sicherheit ab Werk integriert

Die Fritz!Box 7430 sorgt auch für die erforderliche Sicherheit der Internetverbindung. Der Router kommt mit einer SPI-Firewall daher, WLAN-Verbindungen werden ab Werk per WPA2 verschlüsselt. Sowohl ein DHCP-Server sowie ein DynDNS Client als auch eine Kindersicherung sind mit an Bord. Unterstützt werden zudem VPN sowie IPv6. Ein integrierter Mediaserver stellt Inhalte beispielsweise von angeschlossenen externen Festplatten und USB-Speichern im Heimnetzwerk bereit.

Noch ein Blick auf den Energieverbrauch: Bei Nichtnutzung wird die Sendeleistung von WLAN und DECT reduziert. AVM gibt eine mittlere Leistungsaufnahme von 8 bis 11 Watt an. Wir kamen auf Werte von rund 7 Watt beim Streaming von Videos.

Fazit: Erschwinglicher Mittelklasse-Router mit technischen Abstrichen

Mit der Fritz!Box 7430 bietet AVM quasi eine abgespeckte Variante der Fritz!Box 7360 an, die auf den Einsatz am IP-Anschluss zugeschnitten ist. Der Hersteller vermarktet den Router als Einstieg in die Heimvernetzung. Einsteiger sind denn auch die Zielgruppe des Mittelklasse-Routers von AVM. Die Einrichtung der Fritz!Box 7430 erfolgt dank übersichtlicher Fritz!OS-Benutzeroberfläche komfortabel und schnell. Die Telefonie ließ sich problemlos nutzen, allerdings ist nur ein Telefon direkt an der Fritz!Box anschließbar.

Klare Abstriche müssen Nutzer der Fritz!box 7430 aber im Hinblick auf die Fast-Ethernet-Anschlüsse, USB 2.0 und WLAN N machen, die nicht mehr den aktuellen Stand der Technik widerspiegeln. Bei unserer Bewertung gab es daher Abstriche in der Endnote. Dennoch dürften Bandbreiten von rund 95 Mbit/s per LAN sowie der stabile WLAN-Zugang per 802.11n-Standard Internet-Einsteigern ausreichen. Aber auch Nutzer, die Wert auf einen stabil laufenden und leicht bedienbaren Router legen, sind mit der Fritz!Box 7430 gut bedient.

Onlinekosten.de Testsiegel Fritz!Box 7430

Bei dem Online-Händler Amazon ist die Fritz!Box 7430 aktuell für rund 99 Euro erhältlich. Für rund 35 Euro Aufpreis findet sich dort auch die Fritz!Box 7360, die neben zwei Fast-Ethernet-Anschlüssen auch zwei Gigabit-Anschlüsse mitbringt und auch die Nutzung des analogen Festnetzes erlaubt. Allerdings wird nur WLAN N mit brutto 300 Mbit/s bereitgestellt. Abseits von AVM ist für rund 10 Euro Aufpreis beispielsweise der WLAN-Router TP-Link Archer VR200v mit WLAN AC, vier Gigabit-LAN-Ports und zwei USB-2.0-Ports erhältlich.

Technische Daten der AVM Fritz!Box 7430
Produkt: Fritz!Box 7430
Hersteller: AVM
URL www.avm.de
Vertrieb: über Handel
z.B.: 98,90 Euro bei Amazon
Lieferumfang: Fritz!Box 7430, Netzstecker, Installationsanleitung, LAN-Kabel, Telefonanschluss-Kabel
Online-Handbuch: www.avm.de/service (PDF)
Abmessungen: 226 x 47 x 160 Millimeter (B x H x T)
Stromverbrauch: Mittlere Leistungsaufnahme 8-11 Watt
Firmware: aktuelle Version: Fritz!OS 06.30
Update-Assistent vorhanden
Telefonie: nur an IP-basierten Festnetzanschlüssen nutzbar
DECT: Basisstation für bis zu sechs Schnurlostelefone
Internetzugang: integriertes Modem für VDSL (bis 100 Mbit/s) sowie ADSL2+ und ADSL;
Einsatz als Router am Kabelanschluss/Glasfaseranschluss;
Unterstützung von IPv6
WLAN: IEEE 802.11 n/g/b/a;
Unterstützung von 2,4 GHz ;
WLAN N: Brutto-Datenrate bis 450 Mbit/s
WPS (Wi-Fi Protected Setup),
Verschlüsselung: WPA2, WPA
WLAN-Gastzugang
Sicherheit: SPI-Firewall, VPN, Kindersicherung
Netzwerk: 4 x Fast-Ethernet LAN-Anschluss
Weitere Anschlüsse: 1 x USB 2.0 für Speicher oder Drucker
Unser Testfazit zur AVM Fritz!Box 7430
Pro Contra
  • Einfache Inbetriebnahme
  • Komfortable Benutzeroberfläche
  • relativ preisgünstiger AVM-Router
  • regelmäßige Updates
  • stabile WLAN-Verbindung
  • nur WLAN N auf 2,4 GHz
  • nur Fast-Ethernet
  • nur USB 2.0

Jörg Schamberg

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