Testbericht

Freeman ist zurück: Half Life 2 im Test

Update: Jetzt auch eine spielbare Demoversion verfügbar. Doch auch für die Demo braucht man "Steam".

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Der Nachfolger des beliebten Shooters ist nach langer Wartezeit endlich da: Vor knapp einer Woche hat Gordon Freeman in Half Life 2 den Kampf gegen Soldaten und Aliens wieder aufgenommen. Wie sich der Shooter spielt und ob er dem Hype gerecht wird, haben wir in den vergangenen Tagen herausfinden wollen.

Als Half Life 2 in die Redaktion eintrudelt, macht sich zunächst Ernüchterung breit: Die deutsche Version befindet sich in einer schlichten, schwarzen DVD-Hülle. Es liegt kein Handbuch bei, lediglich der Installationsvorgang und das Hauptmenu sind knapp erklärt. Egal, rein mit der DVD in das Laufwerk unseres Redaktionsrechners.

Quälende Installationsminuten

Zuerst muss die Steam-Software installiert werden. Hersteller Valve nutzt die Onlineregistrierung über Steam als Kopierschutz für das Spiel. Danach folgt CounterStrike Source, dann wandert endlich Half Life 2 auf die Platte. Satte viereinhalb Gigabyte werden insgesamt auf die Festplatte kopiert. Bisher beträgt die Wartezeit 25 Minuten. Dann folgt der nächste Schritt: Die Registrierung des Spiels. Doch wo ist der CD-Key? Nach weiteren Minuten findet sich ein kleiner Aufkleber mit der Seriennummer auf der Innenseite der DVD-Box. Geschafft, Half Life 2 ist registriert. Über Steam werden nun die Daten auf der Festplatte freigeschaltet. Da die Steamplattform anscheinend völlig überlastet ist, vergehen weitere 20 Minuten. Insgesamt dauerte die Installation in unserem Testlauf wenig erfreuliche 50 Minuten. Genügsamer Shooter

Es vergehen weitere Minuten, bis Half Life 2 endlich geladen ist. Das Menu ist schlicht gehalten und sehr übersichtlich. Ein Klick auf den Menupunkt "neues Spiel" und los geht\'s. Die erste angenehme Überrauschung neben der farbenfrohen, detailverliebten Grafik sind die relativ niedrigen Systemanforderungen von Half Life 2. Auf unserem Rechner, einem Athlon XP 2500+ mit 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einer betagten GeForce 4 Ti 4200 Grafikkarte läuft das Spiel in einer Auflösung von 1.024 mal 768 Pixeln erstaunlich flüssig. Sogar auf dem Redaktionsnotebook, einem Dell Inspiron 5150 mit GeForce FX 5200go Grafik ist Half Life 2 gut spielbar, allerdings nur mit 800 mal 600 Bildpunkten.

Lange Ladezeiten

Neben der langen Ladezeit bei dem Start des Spiels, müssen zwischen den einzelnen Levelabschnitten ebenfalls lange Pausen in Kauf genommen werden. Die Ladevorgänge verkürzten sich auf unserem Testrechner durch eine Erweiterung des Arbeitsspeichers auf 1.024 Megabyte allerdings spürbar.

Die Story

Half Life 2 beginnt ähnlich, wie der erste Teil aufgehört hat. Gordon Freeman steht vor dem GMan, dem mysteriösen Mann mit der Aktentasche. Kurz darauf befindet er sich im Zug nach City 17. In der Stadt wimmelt es vor Wachmännern des Ordnungsschutzes, der die Stadt kontrolliert und die Anwohner in Angst und Schrecken hält. In City 17 kann man sich bisher erfolgreich gegen die Monster, die bei Gordons missglücktem Experiment zu Beginn des ersten Teils auf die Erde kamen, verteidigen. Das ändert sich allerdings schon bald, der Kampf gegen böse Aliens kommt also auch diesmal nicht zu kurz. Im Spielverlauf trifft Gordon auch alte Bekannte wieder, darunter einige Wissenschaftler aus dem Black Mesa Forschungszentrum, wohin Gordon ebenfalls wieder zurückkehrt. Von City 17 aus geht es per Propellerbot über einen Kanal, zu Fuß durch das Zombieviertel Ravenholm und mit dem Buggy zu einem Hochsicherheitsgefängnis, bis Gordon am Ende wieder nach City 17 zurückkehrt. Die Story wird bruchstückhaft durch die perfekt animierten Charaktere fortgeführt. So ganz schlüssig bleibt sie dabei allerdings nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn die Storylinie des ersten Teils nicht bekannt ist.

Verbessertes Half Life

Half Life 2 ist eine konsequente Verbesserung des ersten Teils. Neben der hervorragenden Grafik-Engine Source besitzt der Shooter jetzt eine ausgefeilte Physik-Engine namens Havok. Dank Havok rollen Fässer realistisch einen Abhang hinunter und Gegenstände wie kleine Steine oder Kisten können aufgehoben und mit Hilfe der neuen Waffe Gravity-Gun sogar zur Gegenwehr eingesetzt werden. Insgesamt wirkt die Umgebung sehr lebendig.

Dazu tragen auch die zahlreichen Soundeffekte bei, die teilweise aus dem ersten Teil übernommen wurden: So das Geräusch beim Aufladen des Schutzanzuges oder beim Öffnen einer Tür. Auch die von Zeit zu Zeit anklingende Hintergrundmusik stammt aus dem ersten Teil. Die deutsche Sprachausgabe ist gut gesprochen, allerdings passen die Stimmenlagen nicht immer zu den Charakteren.

Ständiger Spielspaß

An keiner Stelle wird es in Half Life 2 langweilig. Simple Schalterrätsel oder Denkaufgaben unterbrechen den Spielfluss nur selten. Meistens sind die Rätsel sehr durchsichtig und schnell zu lösen. Dabei schaffen die spannende Story, die detaillierte, weitläufige Spielewelt und der Sound eine glaubhafte Atmosphäre. Für Abwechslung ist gesorgt: Im Spielverlauf hetzt Gordon durch große Stadtabschnitte und Flusstäler, dann wieder durch enge Schächte und Abwasserkanäle. Leider ist die spielerische Freiheit der Außenlevel stark begrenzt. Unterwegs mit Propellerbot oder Buggy fällt das allerdings kaum auf, da Gordon fast ununterbrochen Bekanntschaft mit Soldaten oder Aliens macht. Der Finger ist dabei ständig auf der Schnellspeicher-Taste, da es wieder häufige exzellent geskriptete Überraschungsmomente gibt. Aufgrund der Schnellspeicher-Funktion bleibt der Schwierigkeitsgrad stets moderat. Selbst in der höchsten Schwierigkeitsstufe kommen geschulte Zocker kaum ins Schwitzen.

Des Öfteren bekommt der Spieler in Kampfgefechten Unterstützung von Kameraden, deren KI allerdings wie schon im Half Life Add-On Opposing Force nicht immer überzeugt. Trotzdem kommt immer Erleichterung auf, wenn Gordon in Teilabschnitten von Weggefährten unterstützt wird.

Fazit: Installations-Frust, Spiele-Lust!

Frustrierende Installation, lange Ladezeiten, klasse Grafik und grandioser Spielspaß, das ist Half Life 2. Maßstäbe setzt das Spiel durch schöne Außenlevel und tolle Atmosphäre.

Trotzdem bringt das Half Life 2 aber nicht viel Neues: Schalterrätsel und Massenschlachten kennt man auch schon aus Shootern wie Medal of Honor oder Vietcong, Farcry bietet ebenfalls eine exzellente Grafik-Engine. Wer über die nervige Internetregistrierung per Steam hinwegsehen kann, darf sich auf einen sehr guten 3D-Shooter freuen, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Update: Die Demo ist da

Valve Software hat in Zusammenarbeit mit ATI jetzt eine Demoversion des Shooters veröffentlicht. Spielbar sind ein paar der ersten Level. Der 700 Megabyte große Download steht auf den Servern von ATI.com bereit. Doch ganz so einfach ist die Beschaffung nicht. Auch für den Download der Demo ist ein Steam-Account nötig.

(Klaus Wiesen)

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