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Flotter Slider – Nokia E65 im Test

Ein Handy, das wirklich alles bietet? WLAN, UMTS, Quadband, ein Farbdisplay mit 16,7 Millionen Farben lassen aufhorchen. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Wir haben das neue E-Series-Modell genauer unter die Lupe genommen.

SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com
Mit einem Handy einfach nur telefonieren zu können, stellt heutzutage kaum noch einen Mobilfunkkunden zufrieden. Viele Nutzer wünschen sich eine Kamera, einen MP3-Player oder Bluetooth, um kabellos über ein Headset telefonieren zu können. Bei Geschäftskunden gehen die Ansprüche noch weiter. Für sie dürfen beispielsweise Office-Funktionen und die Möglichkeit, auf das Internet zugreifen zu können nicht fehlen. Nokia versucht jetzt, sowohl die Bedürfnisse für Privat- als auch jene von Business-Nutzern in einem Gerät zu vereinen. Das E-Series-Modell E65 soll's richten. Doch kann das Handy das halten, was Nokia mit den Worten "Surfen mit Stil" verspricht? Wir haben das elegante Slider-Handy unter die Lupe genommen.

Rückeseite aus Leder

Der erste Eindruck des Handys, das dieses Jahr auf der 3GSM in Barcelona erstmals vorgestellt wurde, ist positiv. Statt eines klobigen Klotzes wird ein 105 x 40 x 16 Millimeter kleines, aber mit 115 Gramm recht schweres Endgerät mit abgerundeten Kanten geliefert. Unser Testgerät im moccafarbenen Design (alternativ ist das Handy auch in Rot erhältlich) überraschte zudem mit einer lederartigen Akkuabdeckung durch die das Telefon geschmeidig in der Hand liegt. Auf der Front sorgen silberne Edelstahlelemente für ein Erscheinungsbild, das durchaus als elegant bezeichnet werden kann.

Erfreulich ist auch, dass das E65 als wahrer Weltenbummler überzeugen kann. Egal, wo der Nutzer sich gerade befindet, bei einem verfügbaren GSM-Netz ist dank Quadband-Antenne eine Mobilfunkverbindung garantiert. Mehr noch: auch UMTS wird unterstützt. Das heißt, mit dem Telefon sind auch schnelle Internetverbindungen kein Problem. Es überrascht aber, dass auf eine Frontkamera für Videotelefonate verzichtet wurde.

Langsamer Start, schnelle Menüführung

Das Herzstück des Handys ist das Betriebssystem namens Symbian 9.1 S60 3rd Edition. Bereits beim Einschalten ist dies für den Nutzer spürbar, da das Handy fast zehn Sekunden für den Bootvorgang benötigt. Keine Schwächen sind hingegen bei der Navigation durch das Menü auszumachen, das - wie von Nokia gewohnt - klar strukturiert ist. Insgesamt zwölf Menüpunkte und zahlreiche Unterpunkte könnten Personen, die bisher mit ihrem Handy hauptsächlich telefoniert und vielleicht mal eine SMS verschickt haben, schnell überfordern. Durch das Menü wird über eine 5-Wege-Taste unterhalb des Displays navigiert. Für diese quadratische Tastenlösung kann Nokia durchaus noch eine gute Note ausgestellt werden. Deutlich kritischer müssen allerdings die zahlreichen weiteren Tasten rund um den Navigationsblock betrachtet werden. Insgesamt zehn Tasten liegen auf engem Raum sehr dicht aneinander und bereiten selbst schmalen Fingern schnell Probleme, den richtigen Tastenblock zu treffen.

Programmierbare Taste

Einen Vorteil darf man dabei aber nicht unbeachtet lassen: Eine Taste ist mit einer Wusch-Funktion frei programmierbar. Das ist praktisch, wenn häufig der Kalender, Bluetooth oder die Infrarotschnittstelle genutzt werden. Ebenfalls nützlich ist die Schnellstartaste für das integrierte Diktiergerät, die oberhalb der Lautstärkeregler an der rechten Seite des E65 zu finden ist.

Besonders farbenfroh präsentiert sich das Display. Es kann bei einer Auflösung von 240 x 320 Bildpunkten nicht nur 16,7 Millionen Farben darstellen, zusätzlich lassen sich Helligkeit und Kontrast mehrstufig individuell an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Um Internetseiten auf das Display zu zaubern, kann klassisch eine GPRS- oder UMTS-Verbindung aufgebaut werden oder es wird die integrierte WLAN-Schnittstelle genutzt, die die WLAN-Standards 802.11g und 802.11b unterstützt. Ein WLAN-Assistent hilft bei der Einrichtung und sorgte in unserem Test für eine problemlose Interneteinwahl über die heimische Fritz!Box beziehungsweise unterwegs an einem WLAN-Hotspot von The Cloud. Für die notwendige Sicherheit sorgt eine WPA-Verschlüsselung.

Keine Push-E-Mail-Funktion

Alle Internetseiten werden in einem HTML-Browser angezeigt, ein kleiner Mauszeiger über die 5-Wege-Taste gesteuert. Ebenfalls lassen sich über das Display E-Mail-Nachrichten abrufen. Zwar ist etwas enttäuschend, dass eine Push-E-Mail-Funktion wie der BlackBerry -Dienst fehlt, jedoch werden die Standards POP3/IMAP, SMTP und IMAP4idle unterstützt. Erfreulich für Vieltelefonierer: auch eine VoIP-Funktion wurde in das Handy integriert. Etwas enttäuschend fällt die integrierte Digitalkamera aus. Zwar ist sie mit einer 2-Megapixel-Linse ausgestattet, doch die Qualität fällt nicht so positiv aus, wie man es erwarten möchte. Ärgerlich ist vor allem, dass die Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen zu dunkel ausfallen. Die Qualität ist alles in allem für eine Handykamera in Ordnung, bei schnellen Bewegungsabläufen fällt die Bilderqualität aber durch. Etwas ärgerlich ist auch, dass die Linse auf der Rückseite zu tief sitzt und dadurch häufig der Zeigefinger auf dem Bild landet.

Die Auflösung der Fotos beträgt wahlweise 1600 x 1200 oder 640 x 480 Pixel. Bei Videoaufnahmen kann zwischen drei Auflösungsstufen gewählt werden - wahlweise 352 x 288, 176 x 144 oder 128 x 96 Bildpunkte. Darüber hinaus kann ein Nacht- oder Bildfolgemodus aktiviert werden. Im Bildfolgemodus werden in wenigen Sekunden insgesamt sechs Fotos hintereinander aufgenommen. Der Selbstauslöser aktiviert sich je nach Einstellung nach zehn, 20 oder dreißig Sekunden.

Geiz ist nicht geil

Knauserig zeigt sich Nokia leider in Sachen Speicherplatz. Der interne Speicher des E65 fällt mit 50 Megabyte leider nicht sonderlich groß aus. Zwar kann der Speicherplatz über eine microSD-Karte auf bis zu zwei Gigabyte erweitert werden, die muss aber separat gekauft werden. Es hätte dem Handy gut zu Gesicht gestanden wenn dem Paket wenigstens eine Karte mit 256 oder 512 Megabyte beiliegen würde. Gerade auch, weil der integrierte MP3-Player bei ausgiebiger Nutzung durch die gespeicherten Musikdateien weiteren wertvollen Speicher beansprucht.


Originalaufnahmen des Nokia E65. Für Originalgröße bitte anklicken.
Fazit: Schick, aber nicht ohne Schwächen

Besonders positiv sind die vielen Schnittstellen hervorzuheben, die den Austausch von Daten besonders leicht machen. Insbesondere die WLAN-Schnittstelle kann unterwegs durchaus nützlich sein, um etwa schnell die neuesten Nachrichten oder die nächste Bahnverbindung im Internet nachzuschlagen. Enttäuschend ist, dass nur Bluetooth 1.2 und ein Mono-Headset geliefert werden und die integrierte Kamera nicht optimal abgestimmt wurde.

Trotzdem ist das E65 ein Handy, das Spaß macht. Sowohl aufgrund seiner Funktionsvielfalt, als auch wegen des attraktiven Designs. Aufgrund des relativ hohen Preises wird das Telefon für viele Personen aber unerschwinglich bleiben. Nokia erwartet derzeit im eigenen Online-Shop 479 Euro, im Fachhandel ist es auch für 100 Euro weniger erhältlich.

(Hayo Lücke)

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