Testbericht

Facebook-Handy LG GW300 im Test

Weniger als 100 Euro kostet das Messaging-Handy mit integriertem Facebook-Client. Doch was wenig kostet ist noch lange nicht gut, wie unser Test zeigt.

LG GW300
Was BlackBerrys des kanadischen Smartphone-Produzenten RIM für Geschäftskunden sind und das iPhone von Apple für immer mehr Privatnutzer ist, soll künftig auch LG zu mehr Wachstum verhelfen: Messaging-Handys. Zu diesem Zweck haben die Südkoreaner das Modell GW300 entwickelt, das mit einer vollständigen QWERTZ-Tastatur ausgestattet wurde. Doch was bei Luxus-Smartphones in der Regel richtig teuer ist, kostet bei LG nicht mehr als ein klassisches Einsteiger-Handy: knapp 100 Euro ohne Vertrag. Wir haben den Smartphone-Ersatz auf die Probe gestellt.

Alles Plastik, oder was?

Doch der günstige Preis hat auch seine Schattenseiten. Denn während ein iPhone oder ein BlackBerry in der Regel robust und edel wirken, steht beim LG GW300 vor allem eines im Vordergrund: Kunststoff. Wer das Handy in den Händen halten darf, muss schnell feststellen, dass eine hochwertige Verarbeitung anders aussieht. Zwar kann das Telefon mit schick abgerundeten Kanten und einem Gewicht von nur 95 Gramm überzeugen, doch der fade Beigeschmack, kaum etwas anderes als Plastik in den Händen zu halten, bleibt. Hier und da ein bisschen Edelstahl oder Aluminium hätte dem Telefon sicher gut zu Gesicht gestanden. Zum Beispiel, um die Stabilität des Akkudeckels zu erhöhen.

Kleine Tasten erfordern Finger-Training

Und trotzdem: gerade für Messaging-Einsteiger stellt das 116x61x13 Millimeter große Telefon eine Alternative dar. Es ist zwar aufgrund der unter dem Display integrierten Tastatur vergleichsweise breit, liegt aber trotzdem - auch wegen seines geringen Gewichts - richtig gut in der Hand. Gerade noch ausreichend: die Größe der Tasten. Finger und Daumen müssen auf gerade einmal 5 Millimeter breiten Mini-Tasten navigieren, die zu allem Überfluss auch noch ohne großen Zwischenraum versehen wurden. Ein Tippen mit zwei Daumen wird da zu einem echten Balanceakt. Insbesondere in den ersten Wochen der Nutzung können Eingaben schon mal daneben gehen. Unklar bleibt auch, warum die LG-Designer die "0" neben der "9" geparkt haben. Nur, um die "Space"-Taste der Tastatur prominent zu platzieren? Unnötig!

Immer wieder eine kleine Freude löst das TFT-Display aus. Es ist zwar mit einer diagonalen Abmessung von 2,4 Zoll verglichen mit anderen Multimedia-Handys recht klein, doch wirklich störend ist das eigentlich nicht. Es erlaubt bei einer Auflösung von 240x320 Bildpunkten die Darstellung von 262.000 Farben, die satt und kräftig zur Geltung kommen. Das Menü des GW300 ist in zwölf Unterpunkte gegliedert. Dank animierter Icons fällt eine Navigation mit Hilfe der zentral unter dem Display integrierten 5-Wege-Menütaste relativ leicht. Ein besonderes Augenmerk sollte auf den Auswahlpunkt "Community" geworfen werden. Hier ist nicht nur ein Direktlink auf Google-Dienste wie Maps und Mail hinterlegt, sondern auch ein Client für die Kommunikation über Facebook. Der ist allerdings vergleichsweise einfach gehalten.

Kamera inklusive

An nennenswerten Extras bietet das Telefon unter anderem eine 2-Megapixel-Kamera, die auch die Aufnahme von Videos (176x144 Pixel) erlaubt. Die Bildgröße im Fotomodus ist in vier Stufen regulierbar, an erweiterten Funktionen stehen ein Nachtmodus, Serienbild-Funktion (drei, sechs oder neun Aufnahmen in kurzer Folge) und ein Selbstauslöser (drei, fünf oder zehn Sekunden) zur Verfügung. Qualitativ erreichen die Fotos eine für Schnappschüsse durchaus akzeptable Qualität. Aufgrund eines nicht vorhandenen Autofokus fehlt es aber hier und da an der notwendigen Schärfe und optimalen Belichtung.

Fotos an Facebook senden? Nur über den Computer!

Auch wäre es schön gewesen, aufgenommene Fotos direkt für die Weiterleitung an Facebook auswählen zu können. Eine solche Funktion bietet das GW300 aber nicht. Fotos aus dem Bilder-Ordner auf den eigenen Facebook-Account laden? Fehlanzeige. Den vorinstallierten Client nutzen, um Schnappschüsse direkt bei Facebook zu posten? Nicht möglich. Für ein selbst ernanntes Web 2.0-Handy ist das zu wenig.

Auf dem Handy müssen aufgenommene Bilder natürlich trotzdem nicht dauerhaft bleiben. Um sie ins weltweite Datennetz zu stellen, muss aber ein Umweg über einen Computer in Kauf genommen werden. Für die Übertragung steht entweder eine Bluetooth-Schnittstelle oder das beiliegende USB-Datenkabel zur Verfügung. Praktisch: das Datenkabel ist über einen Adapter auch gleichzeitig das Ladekabel.

Wer sich musikalisch unterhalten lassen will, kann auf das integrierte Radio (bedauerlicherweise ohne RDS-Funktion) oder den Musik-Player setzen. Letzterer unterstützt gängige Audio-Formate wie MP3, AAC, AAC+ oder WMA, ist allerdings relativ lieblos gestaltet. Der interne Speicher kann gerade einmal 15 Megabyte speichern und ist über eine microSD-Karte auf bis zu vier Gigabyte erweiterbar. Im Lieferumfang ist eine solche Speicherkarte allerdings nicht einmal mit kleinerem Volumen enthalten.

Akku als Schwachpunkt

Schwach präsentierte sich im Rahmen unseres Tests der mitgelieferte 900mAh-Akku. In der Theorie soll das GW300 bis zu 17 Tage im Standby- und bis zu fünf Stunden im Dauersprechbetrieb durchhalten, bevor neue Stromzufuhr verlangt wird. Diese Werte wurden aber bei Weitem nicht erreicht, da dem Akku wohl aufgrund eines Fehlers in der Regel schon nach nicht einmal fünf Tagen der Saft ausging. Dabei mussten wir immer wieder beobachten, dass die Kapazitätsanzeige des Akkus von hier auf gleich quasi auf leer sprang. Ein Montagsakku? Trotz dieses Mankos bleibt aber festzuhalten, dass das GW300 in seinem schwarz-silbernen Gehäuse durchaus ein Blickfang ist und insbesondere für Facebook-Fans ein passender Begleiter sein kann. Zumindest dann, wenn das notwendige Kleingeld für ein neues Handy nicht ganz so locker sitzt.

Fazit: Nicht mehr, aber auch nicht weniger als Durchschnitt

Alles in allem stellt das Messaging-Handy GW300 von LG, das in Deutschland bereits seit August 2009 verkauft wird, ein Einsteiger-Handy mit erweitertem Funktionsumfang dar. Technische Feinheiten wie WLAN oder GPS-Empfänger bietet das Handy dabei aber ebenso wenig wie UMTS- oder gar HSDPA-Unterstützung. Wer im mobilen Internet surfen will, muss sich mit GPRS oder - sofern verfügbar - EDGE begnügen. Immerhin: die integrierte Quadband-Antenne macht eine Nutzung in allen GSM-Netzen rund um die Welt möglich.

Zu beachten ist darüber hinaus: wer ein Messaging-Handy benutzt, sollte auf jeden Fall einen Datentarif mit monatlichem Inklusivvolumen für die mobile Internetnutzung nutzen. Noch sicherer vor unerwarteten Kosten ist man bei Buchung einer Flatrate.


Name: GW300
Hersteller: LG Electronics
Internet: www.lg.com/de
Preis: ca. 95 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE
Abmessungen: 116x61x13 Millimeter
Gewicht: 95 Gramm
Display: 2,4 Zoll, 240x320 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 15 MB intern
über microSD auf 4 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth
Digitalkamera: 2 Megapixel mit vierfachem Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth 2.1, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: ca. zwei Stunden Sprechzeit
ca. fünf Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Quadband-Antenne
vergleichsweise leicht
Facebook-Client vorinstalliert
sehr schwacher Akku
kein UMTS / HSDPA
kein WLAN
billiges Design (nur aus Kunststoff)
Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (3,4)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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