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Erfolgsmodell im Test: das Nokia 5800 XpressMusic

Mit dem 5800 XpressMusic brachte Nokia das erste eigenen Touchscreen-Handy auf dem Markt und hat dabei vieles richtig gemacht. Onlinekosten.de hat das erfolgreiche Modell, bald auch als Navigation Edition erhältlich, getestet.

Nokia 5800 XpressMusic
Das Nokia 5800 XpressMusic war das erste Mobiltelefon des finnischen Weltmarktführers, das er mit einem Touchscreen ausgerüstet hat. Nokia hatte sich sehr viel Zeit mit diesem Entwicklungsschritt gelassen und das Gerät erst mit sehr viel Verzögerung auf den Markt gebracht. Nach den ersten positiven Eindrücken, die onlinekosten.de während des Tests der Musik-Flatrate Nokia Comes with Music von dem Multimedia-Handy gewinnen konnte, hat die Redaktion das inzwischen zum Bestseller avancierte Gerät nochmal genauer unter die Lupe genommen. Und der mittlerweile einige Monate alte Touchscreen-Erstling, demnächst auch als Nokia 5800 Navigation Edition erhältlich, konnte insbesondere aufgrund der umfangreichen Ausstattung mit nur wenigen Abstrichen überzeugen.

Großes Touchscreen-Display

In der farbenfrohen Verpackung des Nokia 5800 XpressMusic finden sich neben dem schlanken schwarzen Mobiltelefon nebst Akku, Ladegerät und einem Ohrhörer-Set mit Freisprecheinrichtung/Player-Fernbedienung auch ein Handbuch mit Mini-DVD, ein Micro-USB-Kabel, ein Tisch-Halter für das horizontale Aufstellen des Handys sowie ein Trageriemen mit Plektrum.

Das große Display zieht natürlich den ersten Blick auf sich. Die Eleganz des Touchscreens bietet das übrige Plastikgehäuse, das außen auf den Kanten einen entweder grauen, blauen oder roten Zierstreifen hat, leider nicht. Insbesondere die Rückseite macht einen wenig stilvollen Eindruck und wirkt etwas billig. Dieser Eindruck wird beim schwerfälligen Öffnen der Rückfront, um den Akku einzulegen, noch verstärkt - das ungute Gefühl, irgendein Kleinteil dabei abzubrechen, blieb während der gesamten Testzeit erhalten. Da der Deckel die gesamte Rückseite des Handys einnimmt, wird auch die Linse der Digitalkamera mit abgenommen, was die Kameraelektronik teilweise freilegt. Deshalb ist hier äußerste Vorsicht angesagt. Das Einrasten beim Schließen der Rückfront erfolgt nur widerwillig.

Gleich zu Beginn kann der links auf der Rückseite unauffällig integrierte Bedienstift einen ersten hilfreichen Dienst leisten, denn die schmale Abdeckung auf dem Steckplatz für die SIM-Karte lässt sich mit kurzen Fingernägeln nicht anheben. Die exakt gleiche schmale Abdeckung für den MicroSD-Speicherkartenplatz daneben ist weniger widerspenstig und gibt zügig den Blick auf die mitgelieferte Acht-Gigabyte-Speicherkarte frei. Um die SIM-Karte später zu entfernen, muss wieder die Rückseite geöffnet und der Akku entnommen werden. Auch hier wird der Bedienstift wieder zum Einsatz kommen, diesmal um die Chipkarte aus ihrer Halterung herauszuschieben. Zurück zur Vorderseite: Das Display ist 3,2 Zoll groß und mit einer Auflösung von 640x360 Pixeln ideal für das 16:9-Breitbildformat geeignet. Das Gerät liegt dank der schmalen Bauform mit einer Breite von rund 52 Millimetern und einem vergleichsweise geringen Gewicht von 109 Gramm sehr gut in der Hand.

Handlich und leicht zu bedienen

Die einhändige Bedienung stellt für Touchscreen-erprobte Nutzer kein Problem dar, Neulinge müssen sich erwartungsgemäß erst an das neue Bedienkonzept gewöhnen. Sehr hilfreich ist dabei das taktile Feedback, das jede Eingabe mit einer kurzen Vibration bestätigt. Der Touchscreen reagiert dabei nicht auf jeden kleinen Tippser auf die Oberfläche, sondern erfordert etwas Druck, was die Gefahr von Fehleingaben reduziert. Der erste Schritt sollte aber unbedingt die Kalibrierung des Touchscreens mittels Bedienstift sein, damit die Software später auch die richtigen Tasten erkennt.

Die Präzision der Bedienung zeigt sich sehr gut beim Schreiben von Nachrichten. Hier hat der Nutzer die Wahl zwischen einer alphanummerischen Handy-Tastatur, einer vertikalen "kleinen QWERTZ-Tastatur", einer horizontalen "großen QWERTZ-Tastatur" und der Handschrifterkennung. Letztere erfordert zunächst ein ausgiebiges Training und kann auch dann nicht durch Praxistauglichkeit überzeugen. Gleiches gilt für die kleine QWERTZ, die wegen der sehr kleinen Tastenfelder nur mit dem Bedienstift ohne Buchstabensalat halbwegs zu bedienen ist.

Problemlos ist das Texten hingegen mit der klassischen vertikalen Handy-Tastenbelegung und mit den großzügig bemessenen Tasten der großen Schreibmaschinentastatur möglich. Ungeübte können auch hier zunächst mit dem Stylus zu Werke gehen, doch wer keinen gesteigerten Wert darauf legt, reichlich Aufmerksamkeit in der Straßenbahn zu erregen, sollte es mit dem Specht-artigen Rumgehacke auf dem Handy nicht übertreiben.

Gute Video-Eigenschaften

Das Display selber kann mit seinen 16,7 Millionen Farben und der guten Auflösung absolut überzeugen. Fotos werden in satten Farben und Texte in optimaler Schärfe angezeigt. Auch die eingebaute Kamera mit 3,2 Megapixeln, Carl-Zeiss-Optik, LED-Blitz und Autofokus kann grundsätzlich überzeugen. Videos können mit bis zu 640x480 Pixeln aufgezeichnet werden, für Video-Telefonie ist eine zweite Kamera auf der Vorderseite integriert. Der Bildsensor zeigt leider mit leichten Farbabweichungen und starkem Farbrauschen in dunklen Bildbereichen einige Schwächen. Dafür sind zahlreiche Fotofunktionen, wie Selbstauslöser, Farbeffekte, Weißabgleich, Schärfe, Kontrast und Belichtung sowie sieben Szenenprogramme integriert. Anschließend stehen auch noch zahlreiche Nachbearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Brillianz des Displays zeigt sich auch bei der Filmwiedergabe: Der vorinstallierte Trailer zu "The Dark Knight" im 16:9-Format macht tatsächlich auch Nicht-Fans des Mäusekinos Lust auf längere Videosessions. Wer es größer mag, kann die Videosignale auch über den TV-Ausgang und einem entsprechenden Nokia-Kabel an einen Fernseher schicken.

Hervorragender Sound

Dies ist teilweise auch auf die sehr guten Audioeigenschaften des 5800 XpressMusic zurückzuführen. Selbst über die mitgelieferten Ohrhörer ist der Sound schon als gut zu bezeichnen. Kommen über den Klinkenanschluss oder Stereo-Bluetooth höherwertige Kopfhörer zum Einsatz, überzeugt der erstklassige Sound mit klaren Höhen und starken Bässen.

Dieser ausgewogene Klang ist bei den eingebauten Stereo-Lautsprechern selbstverständlich nicht zu erwarten, doch überraschenderweise ist kein schepperndes Frequenzdurcheinander zu vernehmen. Musiktitel werden trotz voller Lautstärke praktisch ohne wahrnehmbare Verzerrungen wiedergegeben. Damit wird sogar die akustische Belästigung durch den Einsatz als Ghettoblaster-Ersatz auf der Straße erträglicher. Der Musik-Player ist XpressMusic-typisch mit verschiedenen Wiedergabe-Modi, Playlist-Einstellungen, Cover-Anzeige und präzisem Acht-Band-Equalizer ausgestattet.

Um in den Genuss dieser Multimedia-Fähigkeiten zu kommen, braucht es entsprechender Dateien. Der rund 80 Megabyte große interne Speicher ist hier zu vernachlässigen, zumal er beim Anschluss des Handys über USB an den Computer nicht im Explorer angezeigt wird. Dafür steht aber eine acht Gigabyte (GB) große microSD-Karte zur Verfügung. Maximal kann eine 16-GB-Speicherkarte eingesetzt werden.

UMTS, HSDPA, WLAN und GPS an Bord

An dieser Stelle sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass mit dem Nokia 5800 XpressMusic durchaus telefoniert werden kann, und das auch in guter Tonqualität und mit Sprachwahl. Das Quadband-Handy beherrscht zudem fast alles, was momentan von einem Smartphone erwartet wird: Neben EDGE und UMTS werden auch Downloads via HSDPA immerhin bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) unterstützt, der schnelle Upload mit HSUPA leider nicht.

Dazu steht für den alternativen Zugang zum mobilen Internet auch WLAN (802.11b/g) zur Verfügung. Der integrierte Browser zeigt die meisten Webseiten korrekt an, gerät aber bei zahlreichen Multimedia-Elementen etwas ins Straucheln. Dafür unterstützt er Flash und erlaubt das entspannte Stöbern im YouTube-Videofundus. Ebenfalls mit an Bord ist A-GPS. Die erste Ortsbestimmung erfolgte im Test unter erschwerten Bedingungen innerhalb der Wohnung und dauerte knappe zwei Minuten - überraschenderweise sollte sich das Gerät dann im Nachbarhaus befinden. Unterwegs hatte das GPS-Modul aber die tatsächliche Position immer im Blick. Für drei Monate kann zudem die Navigations-Software Ovi Maps, vormals Nokia Maps, kostenlos genutzt werden. In der noch für diesen September angekündigten Navigation Edition ist eine lebenslange Lizenz für die Navigations-Software gegen einen entsprechenden Aufpreis inklusive.

Veraltetes Betriebssystem

Der Zugang zu einem Funknetzwerk ist mit wenigen Einstellungen ebenso einfach einzurichten wie zu einem E-Mail-Konto. Die POP3-Verbindung beispielsweise mit einem web.de-Postfach benötigte dank diverser Voreinstellungen nur zwei Eingaben, schon klappte das Versenden und Empfangen. Ein Client für Microsoft Exchange ist inzwischen vorinstalliert, Office-Software ist beim 5800 XpressMusic nicht mit dabei.

Als Benutzeroberfläche kommt die neueste Version des auf dem nicht mehr ganz taufrischen Betriebssystem Symbian basierenden S60 zum Einsatz. Das schränkt die Möglichkeiten der Individualisierung ziemlich ein und offenbart eine große Schwäche des 5800 XpressMusic. Der Startbildschirm kann zumindest mit drei verschiedenen Themen gestaltet werden: "Standard" bedeutet schlicht gähnende Leere, die aber die Sicht auf ein stilvolles Hintergrundbild frei macht. Das Thema "Kontaktleiste" erlaubt das Ablegen von genau vier Favoritenkontakte, deren geringe Größe aber die Frage aufwirft, warum nicht mehr Kontaktbildchen eingefügt werden dürfen. Auf der "Schnellzugriffsleiste" wiederum können verschiedene Shortcut-Icons und Statusinformationen angezeigt werden.

Top Lagesensor und starker Akku

Das Menü öffnet sich beim Druck auf die mittlere Taste unter dem Display, deren weiße Beleuchtung nebenbei auch als blinkendes Signal beim Eingang einer Nachricht dient. Der Aufbau des Menüs ist Nokia-Nutzern bestens bekannt und kann wie gewohnt durch Verschieben von Ordnern und Funktionen angepasst werden. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Eigenart des Systems, das mal ein Einzelklick zum Aufrufen einer Auswahl reicht, an anderer Stelle aber ein Doppelklick erforderlich ist, was die intuitive Bedienung nicht erleichtert. Neu ist die Multimedialeiste, die über ein Sensorfeld oberhalb des Touchscreens jederzeit aufgerufen werden kann. Sie erlaubt den direkten Zugriff auf Musik, Fotos und Videos, Online-Sharing-Funktionen, das Nokia Videocenter und das Internet.

Erwähnung sollte zudem noch der hervorragend reagierende Lagesensor finden, der sowohl beim Nachrichtenschreiben, in den Bildergalerien als auch beim Internetsurfen reibungslos zwischen vertikaler und horizontaler Ansicht wechselt.

Der Lithium-Ionen-Akku mit starken 1.320 mAh zeigte sich im Test nach der ersten Aufladung von knapp 1,5 Stunden als sehr ausdauernd. Bei regelmäßiger Nutzung zum Telefonieren, SMS schreiben, Surfen über WLAN und Hören einiger MP3s wurde erst nach drei Tagen ein Anschluss ans Stromnetz gefordert. Laut Herstellerangaben soll zudem die maximale Gesprächszeit im GSM-Netz unter idealen Bedingungen bei über acht Stunden liegen im Standby-Modus sollen 16 Tage drin sein. Die Ausdauer bei Musikwiedergabe gibt Nokia mit bis zu 35 Stunden an. Das 5800 XpressMusic wurde zum Verkaufsstart für rund 379 bis 349 Euro angeboten, inzwischen ist es bei einigen Händlern vertragsfrei und ohne SIM-Lock auch schon für unter 250 Euro zu haben, was für die Qualität und den Funktionsumfang dieses Handys ein wirklich günstiger Preis ist. Wer einen neuen 2-Jahres-Mobilfunkvertrag abschließt, kann das Gerät auch schon für einen Euro sein eigen nennen.

Fazit: Ein erstklassiges Nokia

Das Gerät steht nur bedingt in direkter Konkurrenz zum iPhone und sollte daher weniger unter diesem Aspekt bewertet werden. Hier tummeln sich eher hochgezüchtete Smartphones aus dem Hause Palm, HTC oder RIM (BlackBerry) und Nokia will in dieser Liga beispielsweise mit dem sehr Business-lastigen N97 oder den kommenden Modellen der E-Reihe punkten. Die Zielgruppe unterscheidet sich durchaus, denn das 5800 XpressMusic richtet sich eher an Jugendliche und Junggebliebene, die ein Multimedia-Handy mit gut funktionierendem Touchscreen und größtmöglichem Funktionsumfang zu einem guten Preis haben möchten - auf das ominöse Apple-Feeling aber locker verzichten können.

Neben leichten Schwächen bei der für Nokia neuen Touchscreen-Bedienung mag das angestaubte Betriebssystem zwar das größte Manko dieses Handys sein, es stellt andereseits aber auch durchaus einen Vorteil dar: Der Nutzer findet sich dank der bekannten Menüführung schneller zurecht, denn es bleibt ein typisches Nokia. Ein Nokia auf dem aktuellen Stand der Technik und mit dem gewissen Touch.

Name: 5800 XpressMusic
Hersteller: Nokia
Internet: www.nokia.de
Preis:

• Comes with Music-Edition
• Navigation Edition
ab 1 Euro mit Vertrag
ab ca. 230 Euro im freien Handel
• ab ca. 300 Euro
• UVP 340 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 111x51,7x15,5 Millimeter
Gewicht: 109 Gramm
Display: 3,2 Zoll Touchscreen-Display
640x360 Pixel, 16,7 Mio. Farben
Speicher: ca. 80 MB intern
8-GB-microSD-Speicherkarte inkl.
auf 16 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN, A-GPS
Digitalkamera: 3,2 Megapixel, Carl-Zeiss-Optik, Autofokus, LED-Blitzlicht
Betriebssystem: S60 (Symbian)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Musik-Headset, USB-Datenkabel, 8-GB-Speicherkarte, Tisch-Halter, Trageriemen mit Plektrum, Mini-DVD
Extras: Lagesensor, GPS, MP3-Player, Stereo-Bluetooth 2.0, Klinken-Anschluss, Flugzeugmodus
Pro & Contra:
UMTS & HSDPA-Unterstützung
WLAN & GPS
schlankes Design
gutes Display
hervorragender Sound
Betriebssystem
Bedienung zum Teil nicht intuitiv
Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: sehr gut

(Michael Posdziech)

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