Testbericht

Emporia Elegance im Test: Nicht nur große Tasten

Breite Tasten, schickes Design – die Quadratur des Kreises? Nicht unbedingt: Emporia ist es beim Elegance gelungen. Ob auch alles andere stimmt, zeigt der Test von onlinekosten.de

Emporia Elegance

Senioren wollen ja meistens keine sein. Statt in die Schublade "strickende Oma" oder "Pfeife rauchender Opa" gesteckt zu werden, sieht man die reife Generation auf dem Rennrad daherflitzen oder die Galapagos-Inseln bereisen. Darum kämpfen viele Senioren-Handys einen einsamen Kampf gegen das Image "alt und ausgemustert". Hersteller Emporia reagiert mit dem Emporia Elegance, das beides miteinander vereinen soll: Die Übersichtlichkeit eines Seniorenhandys mit dem flotten Design eines akuellen Smartphones. Ob das gelungen ist, hat onlinekosten.de sich näher angeschaut.

Wie viele Seniorenhandy-Hersteller verfährt auch Emporia nach dem Prinzip "Weniger ist manchmal mehr". So bietet das Gerät für 149 Euro keine Kamera, und es funkt lediglich in der GSM 900/1800-Frequenz (Dualband). Auch auf MP3-Spieler und Radio haben die Österreicher im Gegensatz zu manchem Mitbewerber verzichtet.

Leider wurde auch der Notfall-Knopf zum Alarmieren der 112 oder der Verwandten bei Unfall oder Herzinfarkt etc. von der Entwicklerliste gestrichen. Dafür bietet Emporia laut Hersteller einen Lautsprecher, den auch Hörgeräte-Nutzer gut verstehen können. Das kleine Schicke hat außerdem eine Taschenlampe, Weckfunktion, Geburtstags-Erinnerung, und einen Rechner an Bord, der aber außer Grundrechenarten nichts zu bieten hat.

Die Standby-Zeit wird mit rund 10 Tagen (250 Stunden) angegeben, die Gesprächszeit mit drei Stunden. Hier gibt es Konkurrenzprodukte, die in ähnlicher Preisklasse durchaus mehr auf dem Kasten haben - zumal dem Handy im Redaktions-Standbytest bereits nach sieben Tagen die Puste ausging.

Raffinierter Einstieg

Das Emporia zeigt schon zu Beginn Raffinesse: Die weiße Verpackung im schlichten aber stilvollen Design eines Apple - Produktes lässt sich nicht allzu leicht öffnen. Befreit aus seinem Reisekleid, liegt das kleine Schwarze auf einem roten Samt-Imitat-Bett vor dem Nutzer. Akku und Gebrauchsanleitung befinden sich unter der Schmuckeinlage – sie zu finden, dazu bedarf es etwas Handy-Routine oder Pfadfinder-Erfahrung.

Einmal ausgepackt, liegt das Emporia Elegance gut in der Hand und wirkt solide verarbeitet. Auch der Deckel lässt sich leicht öffnen, das Einlegen von SIM-Karte und Akku ist kein Problem. Leider trägt der schwarze Frack im Klavierlack-Design erbarmungslos jeden Fingerdruck nach. Die Tasten haben aber einen angenehmen Druckpunkt bei ausreichender Größe, ohne das Gerät klobig wirken zu lassen.

Handliche Maße

Auf direkte Wahlknöpfe zu Lieblingsnummern hat Emporia leider verzichtet. Stattdessen lassen sich aber die ersten fünf Zifferntasten mit Favoriten-Nummern belegen. Dadurch bleibt das Emporia Elegance leicht und handlich: Mit seinen 106x50x17 Millimetern passt das 92-Gramm-Handy bequem in die Brusttasche eines Oberhemdes, wo es viele Herren der Zielgruppe wohl auch aufbewahren werden.

Das mit 1,8 Zoll sehr kleine Display hat eine Auflösung von 160x128 Pixeln. Es ist reich an Kontrasten und bietet deutliche grüne Schrift auf schwarzem Grund, die sich bei Bedarf bis zur "Jumbogröße" aufziehen lässt. Konsequent: Auch die Bedienungsanleitung kommt in extra großer Schrift daher.

Weniger passend: die relativ kleinen Funktionsknöpfe an den Außenseiten. So leicht das Tippen fällt, so schwer dürfte sich mancher Nutzer beim Bedienen des Lautstärkereglers tun. Neben der Sprechtonregulierung finden die Nutzer hier die Tastensperre, eine Taschenlampe, das Menü und die SMS-Funktion. Der Textnachricht gab Emporia offenbar den Vorzug vor einem Quicklink zum Telefonbuch - warum auch immer. Schließlich gilt "Simsen" eher als Lieblingsmedium der jüngeren Generation.

Kein Hardrock für Senioren

Mit der verständlich und ansprechend verfassten Bedienungsanleitung erschließen sich die Nutzer schnell das Menü. Hier greift dem Unkundigen eine praktische Hilfefunktion unter die Arme: Kommt es zu Wartezeiten bei der Menü-Bedienung, blendet das Elegance einen Erklärungstext ein und erleichtert Ungeübten das Konfigurieren des Gerätes.

Die Ruftoneinstellung "Bus" statt "ganz laut" und "Theater" statt "lautlos" hat sicher etwas Rührendes – mancher Nutzer könnte sich aber nicht ganz ernst genommen fühlen. Der verstärkte Vibrationsalarm und die fünfstufige Rufton-Lautstärkeregelung lassen keinen Anruf unbeachtet.

Klingeltöne sind kein Ohrenschmaus

Seniorentauglich auch die Ruftonauswahl: Sie reicht vom türkischen Marsch bis zum schmissigen Radetzky-Marsch in nicht allzu angenehmer Akustik. Dass ältere Menschen auch Rockmusik mögen könnten, ist gar nicht erst vorgesehen. Mehr als sechs Melodien stehen nicht zur Auswahl. Wenig Qual durch wenig Wahl auch bei der SMS: Sie gibt es ganz nach Computersitte nur in zwei Zuständen: Mit Ton oder ohne, Auswahl Fehlanzeige.

Für Telefonbuch-Muffel bietet das Elegance zwei reizvolle Funktionen an: Mit der Sterntaste können sich die Nutzer alle zuletzt gewählten Nummern anzeigen lassen. So finden Senioren im Zweifel ihre Favoriten, auch ohne die Top 5 Tasten belegen zu müssen. Außerdem soll sich der 100 Einträge umfassende Nummernspeicher extern via SMS konfigurieren lassen. So können die Enkel ihre Handy-Nummer in Opas Mobiltelefon speichern, ohne dass dieser auch nur das Menü verstanden haben muss. Im Praxistest der Redaktion hat diese Option allerdings nicht funktioniert.

Fazit: Tolles Design, aber mit Schwächen

Das Emporia Elegance tritt mit dem Anspruch auf, elegantes Design mit leichter Bedienung zu verbinden. Beides ist gelungen – und nicht nur Senioren wissen große Tasten zu schätzen. Auch mancher junge Nutzer, der sich über winzige Handytasten ärgert, könnte an den drucksicheren und angenehm großen Ziffernblöcken seine Freude haben.

Für den Preis von etwa 150 Euro hätte jedoch auch der wichtige Notruf im Gerät Platz finden können. Eine einfache Musikfunktion hätte auch nicht geschadet und die Akkus manches Konkurrenzgerätes sind länger bei Atem. Die anschauliche Beschreibung, die handliche Größe und das ansprechende Design geben dem Telefon aber reichlich Pluspunkte mit auf den Weg.

(Dorothee Monreal)

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