Testbericht

Eleganter Dauerläufer: der Cowon iAudio 7 im Test

Audio, Video, Radio, Text und Bild im edlen Design - und ein Akku, der rund 60 Stunden durchhält: der neue Cowon im Praxistest.

Datenübertragung© envfx / Fotolia.com
Hier ist er nun, der Nachfolger des legendären iAudio 6. Cowon hatte seinerzeit für ihn die kleinste Festplatte der Welt entwickelt: Der 0,85 Zoll große interne Speicher fasste gerade einmal vier Gigabyte (GB). Das war ziemlich innovativ, entpuppte sich in der Praxis aber als nicht sonderlich förderlich, da mechanische Speicherverfahren – so klein sie auch sind – wahre Energiefresser sind. Logische Konsequenz? Festplatte raus, Flash-Speicher rein. Anstatt allerdings den freigewordenen Platz im Inneren des Players auszunutzen und ihm eine schlankere Linie zu verpassen, stockten die Entwickler den integrierten Akku auf. Und das nicht zu knapp: Im Gegensatz zu seinem Vorläufer schafft der iAudio 7 nicht nur 20 sondern satte 60 Stunden Musikgenuss, verspricht der Hersteller. Im Test brachte es der Player auf rund 43 Stunden Dauerspielzeit, doch immerhin: Das macht ihm auf dem aktuellen MP3-Player-Markt so schnell keiner nach.

Qualität hat ihren Preis

Soviel Qualität hat aber auch ihren Preis: Stolze 169 Euro schlägt Cowon als unverbindliche Preisempfehlung für die 4-GB-Variante vor. Wer mehr Speicherplatz benötigt, muss mit 219 Euro für acht GB und 329 Euro für 16 GB noch tiefer in die Tasche greifen. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Mittlerweile bieten einige Online-Versandhändler den Nobel-Player für deutlich weniger an. Ein Preisvergleich lohnt sich in jedem Fall.

Schwer in Ordnung

Der Player hat die idealen Maße eines Matchboxautos, nämlich 35,6 x 76,1 x 19 Millimeter, wirkt aber mit knapp zwei Zentimeter Höhe wie ein kleines Dickerchen unter MP3-Spielern. Auch seine inneren Werte, auf die es bekanntlich ankommt, werden diesen Eindruck bestätigen: Hält man den iAudio 6 zum ersten Mal in der Hand, fällt sofort sein Gewicht auf. Rund 53 Gramm bringt der Player auf die Waage und ist damit gut 20 Gramm schwerer als der leichteste Kollege aus der iAudio-Reihe (zum Vergleich: Der iAudio u3 wiegt lediglich 32 Gramm). Das muss kein Negativpunkt sein, immerhin schwankte die Redaktionsbewertung für das haptische Erlebnis irgendwo zwischen "robust" und "edel".

Wie auch immer: Die schwarze Kunststoffhülle des iAudio 7 ist einwandfrei und solide verarbeitet, nichts knarrt und alle Elemente greifen lückenlos ineinander. Die Seiten ziert ein wahlweise silberner oder roter Streifen, an der unteren Seite sind der USB-Anschluss und ein Reset-Knopf unter einer diskreten Gummilippe versteckt. Auf der Oberseite befinden sich der Kopfhörerausgang und der Anschluss für Line-In-Aufnahmen. Doch vor allem die Gerätefront kann sich sehen lassen: OLED-Display und Bedienelemente liegen unter ein und derselben Oberfläche, die auch nach wochenlangem Einsatz nicht die Spur eines Kratzers, wohl aber eine Vielzahl von Fingerabdrücken aufweist. Ein echter Hingucker ist natürlich das Touchpad, das Cowon selbst (ein wenig poetischer) als "Swing Touch Interface" umschreibt. Die Anordnung der drei Funktionselemente erinnert an ein Prozentzeichen, sodass dem Nutzer schon auf dem ersten Blick klar wird: Dieser Player ist hauptsächlich mit dem Daumen zu bedienen.

Prozentzeichen als Navigator

Das geht auch leicht von der Hand, per Stups gleitet der Finger durch Menü und Verzeichnisse – jedenfalls so lange man den Blick auf das Display frei hat. Eine blinde Bedienung von der Hosentasche aus gestaltet sich mitunter als schwierig; sollte man dank der kalten Jahreszeit zusätzlich auf Handschuhe angewiesen sein, wird die Steuerung zum unmöglichen Unterfangen. Da hilft auch der wahlweise einstellbare Signalton nicht weiter, der auf elektronische Art den altbewährten Tastenklick ersetzen soll. Umso erfreulicher, dass Cowon seinem iAudio 7 zusätzliche Knöpfe an der Außenseite spendiert hat, die eine weniger filigrane Handhabung voraussetzen. Mit ihnen lassen sich Menü und Verzeichnisübersicht aufrufen und die Lautstärke mit knackigem Druckpunkt einstellen. Weiterer Vorteil: Dank der Extratasten müssen Nutzer nicht das aufgerufene Menü verlassen, um den Ton in Musik und Videos lauter oder leiser zu stellen.

Schwarzer Tonkünstler

Das Display erscheint übersichtlich aufgeräumt. Während die Musik spielt, werden ID3-Tags angezeigt, die Aufschluss über Künstler, Album und den Dateinamen geben. Apropos Datei: Der iAudio 7 unterstützt nicht nur das beliebte MP3-Format, sondern auch WMA, WAV, FLAC und OGG. Dabei kommt er mit Microsofts Digital Rights Management 10 (DRM 10) bestens zurecht, was vor allem Hörer freuen dürfte, die ihre Musik käuflich im Netz erwerben. Der Ton ist bemerkenswert klar und ausgewogen – satten Bass und klirrfreie Höhen kann man aber nur dann erwarten, wenn man die mitgelieferten Ohrhörer gegen ein Produkt austauscht, das in derselben Liga wie der iAudio 7 spielt. Erst dann lassen sich alle Funktionen des Players bis aufs Äußerste ausreizen. Gelegenheit dazu bieten der 5-Band Equalizer und die Sound-Stellschrauben BBE, Mash3Bass, MP3 Enhance und 3D Surround zu genüge.

Wie von einem MP3-Player in dieser Preisklasse nicht anders erwartet, braucht man auch beim iAudio 7 auf ein integriertes Radio nicht zu verzichten. Der UKW-Empfänger lässt per Knopfdruck die Aufnahmefunktion mitlaufen und bietet Speicherplatz für 24 Sender. Per Daumenstreicheln im Menü gelangen wir zur Videofunktion. Das 1,3 Zoll große Display mit einer Auflösung von 160 x 128 Pixel besticht durch eine scharfe Bildwiedergabe und wird durch 260.000 Farben illuminiert. Dank der Speichergröße von bis zu 16 GB bietet der Player auch ausreichend Platz für allerlei Filmmaterial.

Mäusekino in brillianten Farben

Mit der mitgelieferten Software "Jetshell" lassen sich auf Knopfdruck vorhandene Videos passend für den iAudio 7 ins MPEG4-Format konvertieren. Das kann je nach Länge der Filme einige Zeit in Anspruch nehmen – zu lang sollten sie auch nicht sein: Zwar ist es rein theoretisch möglich, alle drei Teile des "Paten" auf dem briefmarkengroßen Bildschirm zu verfolgen – jeder Augenarzt würde jedoch davon abraten. Für kurze Clips und Musikvideos reicht die Größe jedoch allemal aus. Natürlich ist der Cowon-Player auch ein Experte in Sachen Standbild: Das Bildbetrachtungsmodul präsentiert JPG-Dateien in bester Qualität, per Blätter- und Zoom-Funktion können Details näher herangeholt werden. Ein weiterer Fingerstreich und die Bilder erscheinen im Player-Modus als Wallpaper.

Aufnahme läuft

Neben der Audio-, Video- und Bildwiedergabefunktion hat der Cowon-Player zusätzlich eine multipotente Aufnahme-Funktion an Bord. Der Line-In-Kanal kann die Tonsignale beliebiger Quellen – zum Beispiel eines CD-Players – aufnehmen, alternativ lässt sich auf das seitlich angebrachte Mikrofon zurückgreifen. Beide Recording-Methoden unterstützen dabei Samplingraten von 64 bis 128 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Damit es zu keiner Übersteuerung bei der Aufnahme kommt, lässt sich der Pegel jeweils variabel einstellen. Aber an noch ein weiteres Gimmick haben die Entwickler gedacht: Texte. Der Player zeigt die Inhalte von txt-Dateien an, praktisch vor allem für Songtexte oder wichtige Informationen, die man auch unterwegs immer zur Hand haben möchte.

Aussparungen bei der Ausstattung

Der Lieferumfang des Cowon iAudio 7 ist nicht überragend – aber ausreichend. Neben dem Player findet der Käufer einfache Ohrhörer, das USB-Kabel, eine Software-CD und einen Quickguide mit vier Seiten deutscher Anleitung im Karton. Wer häufig verreist und nicht immer ein Notebook zum Aufladen der Akkus dabei hat, wird nicht umhin kommen, ein paar zusätzliche Euro in die Anschaffung eines externen Netzteils zu stecken, das den Player mit Strom aus der Steckdose versorgt. Und wo man schon einmal das Portemonnaie in der Hand hält: Ohne Aufnahmekabel ist der integrierte Line-In-Kanal leider nutzlos.

…und dazu kommt er noch mit jedem zurecht

Über mangelnde Kompatibilität braucht man sich beim iAudio 7 keine Sorgen zu machen: Ab Windows XP wird der Player als externes Laufwerk erkannt und kann wie ein normaler USB-Stick benutzt werden. Wer noch immer an Windows 98 hängt, der muss eine kurze Treiberinstallation vornehmen, dann klappt es auch bei dem mittlerweile greisen Betriebssystem. Mac-Benutzer und Linux-Fans können ihren Rechner ebenfalls zum Datentransfer nutzen – spätestens zum Aufladen der Akkus muss aber ein externes Netzteil her.

Fazit

Der iAudio 7 konnte im Praxistest sowohl bei der Klangqualität als auch bei der Akkulaufzeit auf ganzer Linie punkten. Es ist schon verführerisch einen kleinen, musikalischen Kollegen dabei zu haben, der wochen- wenn nicht monatelang durchhält, ohne ihn auch nur einmal an die USB-Leine zum Aufladen legen zu müssen. Das alles in einer edlen Verpackung und einer schicken – wenn auch nicht in allen Situationen geschickten – Navigation. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich den südkoreanischen Nobel-Player zuzulegen, sollte jedoch bedenken, dass neben dem relativ hohen Anschaffungspreis noch weitere Kosten auf ihn zukommen: Ein externes Netzteil ist früher oder später unentbehrlich und erst bei wirklich guten Ohrhörern kann der iAudio 7 seine Stärken als durchdachtes Klangwunder zeigen.

Name: iAudio 7
Hersteller: Cowon
Internet: www.cowon-germany.com
Preis: ca. 170 Euro (4 GB), 220 Euro (8 GB)
Technische Daten:
Abmessungen: 35,6 x 76,1 x 19 Millimeter
Gewicht: 53 Gramm (inklusive Akku)
Display: 1,3 Zoll, 160 x 128 Pixel, 260.000 Farben
Flash-Speicher: 4 GB, 8 GB, 16 GB
Schnittstelle: USB 2.0
Lieferumfang: Player, iAudio Ohrhörer, USB-Kabel, Software-CD, Quickguide
Akkulaufzeit im Test: Rund 43 Stunden Dauerspielzeit
Pro & Contra:
lange Akku-Laufzeit
hervorragender Klang
intuitive Menüführung
gute Multimedia-Ausstattung
kein "blindes" Bedienen möglich
Gewicht & Maße
kein Exta-Ladegerät im Lieferumfang
recht hoher Anschaffungspreis
Bewertung:
Klang (30%): sehr gut
Laufzeit (20%): sehr gut
Funktionsumfang (15%): gut
Bedienung (15%): gut
Formatunterstützung (10%): sehr gut
Gewicht/Maße (10%): befriedigend
Preis-Leistung: gut
Gesamtnote sehr gut (1,4)

(André Vatter)

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