Testbericht

easyMobile im Test

Seit knapp sechs Monaten mischt easyMobile als Mobilfunk-Discounter den deutschen Markt auf. Wir haben uns das Angebot ganz genau angesehen.

Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com
Knapp sechs Monate sind vergangen, seit der Mobilfunk-Discounter easyMobile in Deutschland mit seinem Angebot durchstartete. Ein knappes halbes Jahr, in dem sich auf dem Markt der Billiganbieter viel getan hat. Zwar gibt keiner der einzelnen Anbieter genaue Kundenzahlen bekannt, es wird aber von Insidern vermutet, dass easyMobile aktuell auf gut 50.000 Kunden kommt. Gegenüber Marktführer simyo, der es auf über 600.000 Kunden bringen soll, liegt easyMobile zwar deutlich im Hintertreffen, trotzdem haben wir uns das Angebot der Hamburger genauer angesehen.

Das Konzept von easyMobile kommt von der dänischen Schwestergesellschaft Telmore. In fünf Jahren Aktivität hat das Unternehmen immerhin zehn Prozent des dänischen Mobilfunkmarktes für sich gewinnen können. Telmore ist Mitglied des dänischen Telekommunikationskonzerns TDC, der im Joint Venture mit TIH Invest aus Dänemark den deutschen Ableger easyMobile.de gegründet hat. Zur TDC-Gruppe gehört hierzulande bereits Talkline.

Was kostet's?

Wer über easyMobile telefonieren möchte, kann über die Homepage des Unternehmens unter www.easyMobile.de ein so genanntes Starterpaket bestellen. Es kostet 16 Euro und beinhaltet neben einer Einrichtungsgebühr in Höhe von 6 Euro ein Gesprächsguthaben von 10 Euro. Neukunden können aber eigentlich immer Geld sparen: easyMobile ist dazu übergegangen stets eine Sonderaktion anzubieten. Mal gibt es Bonusguthaben, mal werden die 6 Euro Einrichtungsgebühr nicht berechnet, von Zeit zu Zeit gibt es Wert-Gutscheine von Kooperationspartnern. Augen auf beim easyMobile-Kauf lautet also die Devise.

Bei der Bestellung kann übrigens aus einem Rufnummernpool eine Wunschrufnummer ausgewählt werden. Eine so genannte "Gold-Nummer", das heißt eine attraktive, leicht zu merkende Rufnummer, kostet 16 Euro extra. Auf Wunsch kann aber auch eine alte Rufnummer kostenlos zu easyMobile portiert werden – zuzüglich der Gebühren, die von dem Anbieter berechnet werden, aus dessen Netz die Nummer mitgenommen wird. Der umgekehrte Weg, also eine Portierung von easyMobile zu einem anderen Provider, kostet 24,95 Euro. Preise für Telefonate

Für Kunden das Hauptkriterium bei der Wahl des Mobilfunk-Discounters ist der Minutenpreis. Zum Start wurden bei easyMobile für alle nationalen Gespräche, das heißt in das deutsche Festnetz und zu allen deutschen Handyanschlüssen, pro Minute 16 Cent abgerechnet. Zwischenzeitlich gab es netzinterne Gespräche zum Nulltarif, inzwischen werden für Telefonate von easyMobile-Handy zu easyMobile-Handy rund um die Uhr 4 Cent pro Minute fällig. Zu allen anderen deutschen Anschlüssen (außer Sonder- und Service-Rufnummern) gilt ein Minutenpreis in Höhe von 14 Cent. Nachteil: die eigene Mailbox (zu erreichen über die Kurzwahl 3311) kann im Gegensatz zu Angeboten bei einigen Wettbewerbern nicht kostenlos abgehört werden. Auch hier werden pro Minute 14 Cent berechnet. Eine SMS kostet 12 Cent. Für Verbindungen von Deutschland nach Europa sowie Nordamerika werden pro Minute 1,50 Euro abgebucht, in den Rest der Welt ein Minutenpreis von 1,90 Euro. Eine monatliche Grundgebühr oder eine feste Vertragslaufzeit gibt es nicht.

Die Abrechnung aller Gespräche und SMS, die im Übrigen über das Netz von T-Mobile geleitet werden, erfolgt auf Prepaidbasis. Das heißt, um telefonieren zu können, muss Guthaben auf ein virtuelles Konto geladen werden. Bei einer Aufladung hat der Kunde die Wahl zwischen fünf verschiedenen Aufladebeträgen: 15, 25, 50, 75 oder 100 Euro können über den passwortgeschützten Kundenbereich unter www.easyMobile.de aufgeladen werden. Das Guthaben wird zunächst per Lastschrift eingezogen und dann dem Guthabenkonto gutgeschrieben. Das maximale Guthaben kann 1.000 Euro betragen.

Viele Servicegebühren

Nachteil beim Aufladeprozess: jede manuelle Aufladung kostet 20 Cent. Wer diese Bearbeitungsgebühren umgehen möchte, kann die automatische Aufladung aktivieren. Das bedeutet, sobald das Gesprächsguthaben unter 2 Euro sinkt, wird das Guthaben um einen gewünschten Aufladebetrag aufgefrischt. Damit Kunden jederzeit informiert sind, sendet easyMobile eine SMS auf das Handy, sobald das Guthaben 4 Euro unterschreitet. Eine weitere Nachricht wird versandt, wenn das Guthaben unter 2 Euro gesunken ist und das Bankkonto um den gewünschten Betrag belastet wurde. Das automatische Aufladen steht kostenlos zur Verfügung und kann jederzeit im Bereich "Mein Konto" aktiviert oder deaktiviert werden.

Eine automatische Guthabenaufladung kann auch in Bezug auf eine mögliche Sperre der SIM-Karte sinnvoll sein. Ab einem Betrag von minus 10 Euro beziehungsweise wenn das Konto über 72 Stunden im Minus ist, wird die Karte automatisch gesperrt. Dann können weder Anrufe getätigt werden noch werden Anrufe auf das Handy durchgestellt. Eine Reaktivierung kostet immerhin 5 Euro. Beim Verlust der SIM-Karte sind für eine Ersatzkarte 10 Euro zu zahlen. Und wo wir gerade bei "Strafgebühren" sind: auch Wenigtelefonierer zahlen bei easyMobile drauf. Wer binnen drei Monaten weniger als 6 Euro vertelefoniert, muss 1 Euro Servicegebühr pro Monat für die "Aufrechterhaltung und Pflege" des Kontos zahlen. Ein verdeckter Mindestumsatz also. Immerhin informiert easyMobile seine Kunden sobald die Servicegebühr wegen mangelndem Umsatz droht.

Roaming: Möglich nach Anmeldung

Wer sein Handy gern mit in den Urlaub nimmt, kann seine easyMobile-Prepaidkarte auch in vielen Ländern weltweit nutzen. Das ist dann aber alles andere als preiswert. Für abgehende Gespräche nach Deutschland gilt der jeweils vom ausländischen Netzbetreiber berechnete Minutenpreis zuzüglich 16 Prozent Roaming-Aufschlag. Ankommende Gespräche kosten innerhalb Europas 80 Cent pro Minute, in der restlichen Welt gilt ein Minutenpreis von 1,80 Euro. Um an dem Roaming-Verfahren teilnehmen zu können, ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Sonst können im Ausland nur SMS verschickt werden – für 30 Cent das Stück.

Extras im persönlichen Bereich auf easymobile.de

Bleibt die Frage, wie genau die Anmeldung für das Roaming-Verfahren durchgeführt werden kann. Hierzu ist ein kurzer Weg auf www.easymobile.de in den persönlichen Login-Bereich notwendig. Dort kann die SIM-Karte direkt auf der ersten Seite unter "Extra Dienste" für Telefonate im Ausland freigeschaltet werden. Im gleichen Menüpunkt lässt sich auch die 0900-Sperre, die Anrufe zu teuren Hotlines unterbindet, aufheben. Interessanten Mehrwert bietet auch der Online-Einzelverbindungsnachweis, der alle geführten Gespräche binnen 24 Stunden übersichtlich auflistet.

Kostenloser Service-Chat

Trotz der überall zu findenden Extra-Kosten wird bei easyMobile auch der Gedanke an einen möglichsten optimalen Service gepflegt. So steht Kunden, die Fragen rund um das Prepaid-Angebot haben, eine vergleichsweise günstige Service-Hotline zur Verfügung. Sie kann unter der Rufnummer 01805/777464 für 12 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz angerufen werden. Die Hotline ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 20 Uhr besetzt, am Wochenende sowie an Feiertagen zwischen 10 und 18 Uhr.

Wer es kostenlos mag kann während der gleichen Servicezeiten einen ganz anderen Weg wählen und unter www.easymobile.de den Kundenservice-Chat in Anspruch nehmen. In mehreren von unserer Redaktion durchgeführten Testläufen wurde uns schnell und zuverlässig geholfen. Etwas störend ist der etwas saloppe Umgangston der fleißigen Helfer, aber darüber sollte man in einem Chat hinwegsehen können.

(Hayo Lücke)

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