Testbericht

Fernsehen überall - DVB-T-Handy von LG im Test

Kostenlos auf dem Handy fernsehen: das DVB-T-Handy von LG macht es möglich. Wir haben das HB620T einem umfangreichen Test unterzogen und waren überrascht über die hervorragende Bildqualität.

LG© LG Electronics
Kaum ist die Fußball-Europameisterschaft 2008 Geschichte, steht schon das nächste Sport-Highlight auf dem Programm. Am 8. August beginnen in Peking die 29. Olympischen Sommerspiele, die Millionen Deutsche trotz der sechsstündigen Zeitverschiebung wieder vor den Fernseher locken werden. Wer auch unterwegs nicht auf die TV-Übertragungen aus der chinesischen Hauptstadt verzichten will, kann auch unterwegs fernsehen. Das HB620T von LG Electronics macht es möglich, in entsprechend versorgten Regionen die DVB-T-Signale direkt auf den Handybildschirm zu holen. Die Redaktion von onlinekosten.de hat sich das Überallfernsehen auf dem Handy genauer angeschaut.

Erster Eindruck: recht klobig

Wer das DVB-T-Handy von LG das erste Mal in den Händen halten darf, wird vermutlich zunächst wenig begeistert sein. Das Klapphandy wirkt mit knapp 18 Millimetern Tiefe, 89 Millimetern Höhe und vor allem 55 Millimetern Breite sehr klobig. Gerade die Breite wirkt sich bei genauerer Betrachtungsweise aber positiv aus. Dadurch ist es den LG-Technikern nämlich möglich geworden, ein Innendisplay zu integrieren, das zwar immer noch kompakt wirkt, für den TV-Konsum aber weitestgehend ausreicht. Mit einem Gewicht von 110 Gramm gehört das HB620T allerdings nicht zu den Leichtgewichten auf dem Markt.

Doch wie sieht es nun mit dem mobilen TV-Konsum in der Praxis aus? Einfach das Handy auspacken und sich den Bildern der TV-Sender hingeben? Ganz so einfach ist es nicht. Zunächst ist es notwendig, die DVD-T-Antenne aus dem Gehäuse zu ziehen und einen etwa 90 Sekunden dauernden Sendersuchlauf zu starten. Erst dann können die Programme über die separaten TV-Tasten unterhalb des Displays abgerufen werden.


Nachteil: die Sender werden nach den Kanälen aufgelistet, über die sie ausgestrahlt werden. Das hatte bei unserem Test in der Region Köln zur Folge, dass das ZDF vor 3sat und dem ZDFinfokanal auf dem ersten Platz in der Senderliste auftauchte, während die Das Erste erst auf einem der hinteren Programmplätze zu finden war. Etwas Abhilfe schafft hier die Favoriten-Funktion, mit der etwas mehr Ordnung in die Programmstruktur zu bringen ist. Auch die Lieblingssender sind über einen separaten Knopf unterhalb des Displays direkt abrufbar. Das Fernsehen an sich ist über DVB-T eine kleine Augenweide. Das in zwei Stufen aufklappbare Display misst zwar nur zwei Zoll in der Diagonalen und kann lediglich 262.144 Farben darstellen, trotzdem ist das Bild klar und kontraststark zu sehen. Wer schon einmal ein TV-Signal über einen UMTS-Stream empfangen hat, darf sich über einen Quantensprung bei der mobilen TV-Unterhaltung freuen. Der Ton wirkt über die integrierten Lautsprecher zwar etwas dumpf, die mitgelieferten Stereo-Kopfhörer stellen aber eine gute Alternative dar.

Der ein oder andere Nachteil

Als etwas störend erweisen sich die Pausen von zwei Sekunden beim Zappen von einem zum anderen Sender. Die Antenne, die für den TV-Empfang aus dem Gerät gezogen werden muss, wirkt zudem alles andere als sonderlich stabil. Außerdem hat die Ausstrahlung über DVB-T noch einen Nachteil. Das TV-Programm wird durch die Digitalisierung im Vergleich zur analogen Ausstrahlung leicht zeitversetzt ausgestrahlt. Das Bild hinkt sogar knapp zwei Sekunden hinter der digitalen Ausstrahlung über Satellit hinterher. Etwas gewöhnungsbedürftig ist zudem die Menüführung. Zwar fällt die Orientierung durchaus leicht, allerdings wirkt sie sehr schlicht und wenig modern.


Befriedigende Werte liefert der mitgelieferte Akku. Er liefert im Dauerbetrieb Energie für bis zu 2,5 Stunden TV-Genuss. Das reicht für den Sonntagabend-Krimi ebenso aus wie für die Übertragung eines kompletten Fußballspiels. Die Sprechzeit liegt bei bis zu drei Stunden, die Standby-Zeit bei bis zu 3,5 Stunden. Diese Werte sinken aber schnell in den Keller, wenn das Handy zum Beispiel zum Surfen im Internet genutzt wird. Es unterstützt neben UMTS auch HSDPA mit Download-Raten von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde. Abseits von UMTS-Netzen kann über GPRS und EDGE das weltweite Datennetz erkundet werden.

Ein Blick auf die Kamera

Nicht mehr als gängiger Standard ist die integrierte Digitalkamera. Sie liefert eine Zwei-Megapixel-Kamera mit zweifachem Digitalzoom und Video-Funktion. Autofokus und Blitzlicht sucht der Nutzer hingegen vergeblich. Die Auflösung lässt sich in fünf Stufen ebenso individuell einstellen wie die Qualität der Bilder. Bei der Serienbildfunktion macht die Kamera binnen kürzester Zeit drei, sechs oder neun Aufnahmen. Nachtmodus und Selbstauslöser sind ebenso nutzbar. Darüber hinaus steht für Videotelefonate oder Selbstportraits eine zweite Kamera auf der Innenseite zur Verfügung. Positiv hervorzuheben sind die sehr großen Tasten des Telefons. Dadurch wird die Bedienung auch für ältere Personen zu einem Kinderspiel - auch weil der Druckpunkt der Tasten keine Wünsche offen lässt. Bei diversen Testanrufen waren keine nennenswerten Einschränkungen bei der Gesprächsqualität zu vernehmen - vom ein oder anderen Echo abgesehen.

Fazit: Der Anfang ist gemacht

Kostenlos über das Handy fernsehen: LG macht vor, wie es funktionieren kann. DVB-T auf dem Handy ist eine neue Art, sich auch unterwegs mit Informationen aus der TV-Landschaft zu versorgen. Trotz des vergleichsweise kleinen Bildschirms macht es dank der guten Bildqualität Spaß, das Handydisplay als Ersatzfernseher zu nutzen. Vorausgesetzt, in der eingesetzten Region werden ausreichend viele DVB-T-Programme ausgestrahlt. Hier kommt es von Region zu Region zu großen Unterschieden, was die Zahl der verfügbaren Sender betrifft.

Abgesehen von der starken TV-Funktion und UMTS- beziehungsweise HSDPA-Unterstützung ist das Mobiltelefon allerdings nicht viel mehr als ein solides Mittelklassehandy. Die Kamera liefert Schnappschüsse, die qualitativ kaum beeindrucken, der MP3-Player liefert nicht mehr als Standard-Funktionen und die Menüführung ist sehr schlicht gehalten. Auf ein Radio muss der Nutzer sogar komplett verzichten. Der interne Speicher fällt mit 100 Megabyte ordentlich aus, lässt sich aber über eine microSD-Karte noch auf bis zu vier Gigabyte erweitern. Überzeugend ist jedoch der Preis: mit Vertrag wird das DVB-T-Handy ab 1 Euro angeboten, ohne Vertrag kostet es knapp 300 Euro (Stand: Juli 2008).

Name: HB620T
Hersteller: LG Electronics
Internet: www.lge.de
Preis: ca. 300 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Triband; UMTS; HSDPA
Abmessungen: 89x55x18 Millimeter
Gewicht: 110 Gramm
Display: 2 Zoll, 240 x 320 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 100 MB intern
über microSD auf 4 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth
Digitalkamera: 2 Megapixel mit zweifachem Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: DVB-T-Empfänger, MP3-Player, Bluetooth 2.0, externer Lautsprecher, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: 3 Stunden Sprechzeit, ca. 13 Tage Bereitschaftszeit, 2,5 Stunden TV-Funktion
Pro & Contra:
UMTS/HSDPA
DVB-T-Empfang
große Tasten
kontrastreiches Display
nicht gerade handliche Abmessungen
eher schwache Kamera
Display spiegelt zum Teil recht stark
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,1)
Preis-Leistung: sehr gut

(Hayo Lücke)

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